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Gedichte: Tragik

2.541 Beiträge, Schlüsselwörter: Gedichte, Lyrik, Poesie, Melancholie, Tragik
dagaz
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Gedichte: Tragik

02.04.2008 um 12:33
Ok mal eins von mir (passt zum heutigen Wetter :) )

Trist
Der Tag, er ist so trist und grau
Der Himmel war lang nicht mehr blau.
Die Sonne hat sich gut versteckt
von Woken wird sie wohl verdeckt.
Die Menschen schauen finster drein
Niemand hat Lust jetzt froh zu sein
Es ist kalt - man braucht 'ne Jacke
Der REgenschirm hat eine Macke
Klatschnass geht man von hier nach da
Die Luft ist feucht, doch völlig klar
Die Müdigkeit, sie steigt empor
Und Trauer stellt sich leise vor.
Es ist ein Tag, wie man ihn hasst
und froh ist, wenn man ihn verpasst.


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Gedichte: Tragik

02.04.2008 um 21:59
@bluish, das ist ein so schönes Gedicht über wahre Liebe, und das Bild ist wunderschön ! :)

@dagaz, ich weiss nicht, ob man so denken sollte! Eigentlich sollte man ja jeden Tag dankbar sein, an den man gesund und mit gefüllten Bauch in eine warme Wohnung gehen kann, vielleicht ein schönes warmes Schaumbad - oder eine erfrischende Dusche geniessen kann. :)

Um dann in ein weiches Bett zu schlüpfen, ein wenig lesen,dichten ;) usw. kann.


Verregneter Tag

Grau ist zwar der Tag, doch mein.
Regentropfen fallen fein
auf die Frühlingserde nieder.
Vögel singen trotzdem Lieder.

Nicht alle schauen finster drein,
man muss nicht deshalb traurig sein.
Die Kinder mögen Regenwetter,
in Pfützen läuft es sich viel netter.

Sie springen rein, und schwippsischwapp,
bekommt das andere auch was ab.
Und schon springt da ein Funken rüber,
den Regenschirm bei Seite lieber.

Und die Erwachsenen gehn ins Haus,
und ziehn die nassen Sachen aus.
Und jetzt ein Bad, so duftendfein
und so viel Schaum, für mich allein!

Ein bischen Pusten, und schon steigen
die Seifenblasen auf im Reigen.
Bewundernd schaue ich sie an,
wie`s solch ein Wunder geben kann!

Den Regen hab ich glatt vergessen,
bereit steht schon ein lecker Essen.
Dazu ein Gläschen feinen Wein,
wie kann man da nur traurig sein? :)

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Gedichte: Tragik

02.04.2008 um 22:12
... und noch ein liebling von mir - vom hirsch ludwig ...

I Lieg Am Ruckn

I lieg am Ruckn und stier mit zugmachte Augen in die Finsternis.
Es is so eng und so feucht um mi herum, i denk an dich.

I kann's noch gar net kapieren:
Du liegst heut nacht ned neben mir -
und i frier -

Wie lacht der Wind, wie weint der Regen, i moechtat's so gerne hoeren!

Du kannst dir's net vorstellen des beinharte schweigen,
da vier Meter unter der Erden.
Die Schuh auf Hochglanz poliert,
ein'n Scheitel haben's mir frisert.

I frag mich wofuer?

Aber vielleicht stehst grad da oben mit ein paar Traenen,
und vielleicht sickert eine, a kleine zu mir durch?

A ganz heisse, bitte, bitte, lass eine fallen,
weil mir is so kalt, mir is so kalt.

Und wann s' dir erzaehlen, dass ein Toter um Mitternacht aus'm Grab
ausse kommt -

ja des waer schoen, is aber ein Schmaeh - es gibt ka Geisterstund!
I schwoer dir's, i hab's probiert:
Kein Millimeter hab i mi gruehrt -

I will zu dir ...

Was is'n des, des komische Krabbeln bei die Zehen da vorn?
Jessas Maria, der erste Wurm!

Du liegst da und kannst di net ruehren,
die Wuermer krallen dir ins Hirn,
und sie dinieren.

Aber vielleicht stehst grad da oben mit ein paar Traenen,
und vielleicht sickert eine, a kleine zu mir durch?

A ganz salzige, bitte, lass eine fallen auf mein Grab!
Vielleicht koenn' ma d' Wuermer damit verjagen.

I lieg am Ruckn und stier mit zugmachte Augen in die Finsternis.
Es is so eng und so feucht um mi herum, i denk an dich.

A Hoffnung is noch in mir: Vielleicht tun s' mi exhumieren?
Dann geh i in d' Bliah
und komm zu dir
und hol dich zu mir,

damit i net gfrier.


... der "schönreim" wurde der verständlichkeit zu gunsten geopfert ... (die nicht-wiener betreffend; die wiener kennen das original ...)

mgG

derWaldkauz
~o~


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Gedichte: Tragik

02.04.2008 um 22:19
@elfenpfad

Ich weiß,es ist mein liebstes Gedicht.Danke dir.:)
Als ich es das erste Mal las,war ich 14 Jahre alt .
Und es begleitet mich seitdem und hat mich gelehrt,
Poesie zu lieben.:)


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Gedichte: Tragik

03.04.2008 um 15:46

von Rainer Maria Rilke




Die Engel

Sie haben alle müde Münde
und helle Seelen ohne Saum.
Und eine Sehnsucht (wie nach Sünde)
geht ihnen manchmal durch den Traum.

Fast gleichen sie einander alle;
in Gottes Gärten schweigen sie,
wie viele, viele Intervalle
in seiner Macht und Melodie.

Nur wenn sie ihre Flügel breiten,
sind sie die Wecker eines Winds:
als ginge Gott mit seinen weiten
Bildhauerhänden durch die Seiten
im dunklen Buch des Anbeginns.



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neuromancer
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03.04.2008 um 17:12
Nur ein Tier....???

das gefällt mir bluish *zugeb


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Gedichte: Tragik

03.04.2008 um 19:58
@neuromancer

Das freut mich,danke:)



Leicht zu sagen

Du irrst, wenn du sagst, es sei leicht,
was Leichtes hinzuschreiben,
was lustig - aber nicht zu seicht -
die Sorgen hilft vertreiben.

Leicht ist, ich bitt' dich zu verzeihn,
das sogenannte Ernste,
das braucht nicht angeboren zu sein -
das kannste bald, das lernste!

Heinz Erhardt


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04.04.2008 um 08:57
Bild ohne Rahmen

Lass uns ein Bild malen mit tausenden von Farben,
nicht nur schwarz, weiß, oder grau.
Denn das Leben ist so facettenreich bunt wie eine Seifenblase,
sie beihaltet die schönsten Farben,
aber sie ist nicht von Ewigkeit.

Lass es uns zusammen malen sagtest du immer wieder,
dort bringen wir all das ein, was wir uns für die Zukunft,
wünschen und erhoffen, dass was uns beide wichtig erscheint.
und so entstand nach unseren vorstellungen ein Bild.

Es flossen viele dinge mit ein, nicht nur Wünsche und Emotionen,
sogar dunkele Gedanken und Ängste bekamen ihren Platz.
du warst es immer, der diese mit neuen bunten Farben überdeckte
und somit all meine Zweifel von mir fielen.

Es wurde das schönste Bild das wir seid langen sahen
und es kamen immer öfter andere uns wichtige dinge hinzu.
Jedoch, weil wir so unbedenklich wahren,
vergaßen wir das wichtigste, ihm einen festen Rahmen zu bauen,
so das es sicher und nicht verletzt werden konnte.

Es kam wie es kommen mußte,
von draussen drangen immer mehr dunkele Farben mit ein,
sie vermischten sich zu sehr mit den bunten unseren Bildes.
sie erschreckten uns, weil sie was wunderschönes zerstören wollten.

Doch immer wieder voller inbrunst, nahmst du den Pinsel
in die Hand und hast ihn über das Bild geschwungen um es zu retten.
Aber dann, eines Tages war es so sehr einer dominaten Farbe überdeckt,
daß du dieses Bild ohne Rahmen einfach in die Ecke gestellt hast,
weil du des malens überdrüssig geworden warst.

Da steht es nun, verschwommen von dunklen Farben und meinen Tränen,
die es noch mehr zerstören lassen.
An manchen Ecken wo mein Tränenfluss lang fließt,
dort treten ganz sachte, winzig kleine ebenen mit helleren Farben hervor
und es scheint, als wolle sich das Bild selber wieder rekonstuieren zu wollen.
Ganz wie durch eine Zauberhand, eher ähnlich wie Wurzeln die sich wo hindurchschlengeln wollen
aber nicht schaffen, weil die dunklen Farben und die Tränen ihnen schaden und erschrecken.

Es ist so wie es ist, es fehlte eben der Rahmen der es hätte schützen können .

© MiYu


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Gedichte: Tragik

04.04.2008 um 10:43
Die Früchte der Hoffnung gedeihen auf den Feldern des Mutes,
die mit Träumen getränkt sind.

Ein Herz wird entstehen, wenn die Finsternis zwischen Deinen Fingern zerbricht und das Stundenglas des Lebens eine neue Zeit erschafft.
Der schwarze Sand des Kummersees wird durch die Wolkenlöcher der Sonne getrocknet und nimmt die Farbe des Glücks an.

Wage den Schritt auf den Fluten des Zweifels und Du wirst auf den Planken des Vertrauens nie versinken.
Erschaffe das unmögliche und erlebe das Unglaubliche...


© Maccabros


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Gedichte: Tragik

04.04.2008 um 10:51
Wenn Religion zur Droge wird,
wenn Wahn Dir Deine Schritte führt,
wenn Unverstand Dich täglich lehrt,
dann hat Dein Geist sich nicht gewehrt.

Wenn alles neben Dir verblasst,
was bisher wert, jetzt nur gehasst,
wenn Du allein die Wahrheit bist,
weißt Du noch wo die Umkehr ist?

Wenn Logik und Gefühl Dir fern,
wenn Glaube das, was Du hast gern,
dann seh den Menschen als Dein Ziel,
der oft auch irrt, wenn er nicht will...


© Maccabros


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dagaz
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Gedichte: Tragik

04.04.2008 um 10:53
Maccabaros:
Das ist wunderschön :) Ohne rumzuschleimen, eines der schönsten Gedichte, die ich kenne und ich kenne viele Gedichte. :)


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Gedichte: Tragik

04.04.2008 um 10:56
@ Dagaz

Merci - schön dass es gefällt.


Eines Tages wirst Du fragen
und ich kenne die Antwort nicht,
doch die Wahrheit, sie ist alles,
ist kein Spiel, sie ist die Pflicht.

Wenn Worte meinen Kern erreichen,
kann ein Gefühl mein Herz erweichen,
die Seele gibt ein klares Zeichen,
die Schuld in mir ist zu begleichen.

Die Schicksalswaage ist in Takt,
wenn Dich die Rechung einmal packt,
wenn lebenswert, was wird gewogen,
hast Du Dich selber je betrogen...?


© Maccabros


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beetlejuice
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Gedichte: Tragik

04.04.2008 um 11:37
Träum süß

Schlaf, mein Kindchen schlaf ein!
Dann bist du nicht mehr allein!
Ich halte über dich wacht!
Und habe süße Träume mitgebracht!

Monster gibt es gar nicht! Warum bekommen wir Kinder das nur immer erzählt?

Pass gut auf und gebe acht
Und komme nicht vom Wege ab
Sonst kommt der Wolf vorbei, der dich umringt
Und dich mit Haut und Haaren verschlingt
Im dunklen Wald bist du allein
Und die Geister sind gemein
Der Kobold lacht
Falls du was falsch gemacht
Und mit seiner Hinterlist
So fängt er dich, wenn du unvorsichtig bist
Der Zwerg tanzt um das Feuer herum
Und nach seinem Namen hast du nie gefragt
Denn, das hat dir der Teufel gesagt

Geh schon mal ins Bettchen vor
Ich les dir noch ein Märchen vor
Vom bösen Wolf und seiner List
Wie er Rotkäppchen auffrisst

Schlaf jetzt ein mein braves Kind
Wo ja die Großen liebe Engel sind
Schlaf nun fein, Monster gibt es nie
Träume süß, bis morgen früh

Halbtrunken und Schlafberauscht
Stehst du nun vom Bettchen auf
Machst den Fernseher an
Und verfolgst das Frühstücksprogramm
Es zischt und knallt, und kreischt und brüllt
Horrorgeräusche deinen Raum erfüllt
Dein Bruder kommt rein
Und im nach hinein
Bekommst du nebenbei mit
Wie er am PC der Weltbefreier ist
Vater setzt sich neben dir hin
Hast du gut geschlafen, Kind?
Dann verfolgst du die Brutalität
Gewalt und Leichen zieren bis zum Abend
Das alltägliche Fernsehbild

Geh schon mal ins Bettchen vor
Ich les dir noch ein Märchen vor
Vom bösen Wolf und seiner List
Wie er Rotkäppchen auffrisst

Schlaf jetzt ein mein braves Kind
Wo ja die Großen liebe Engel sind
Schlaf nun fein, Monster gibt es nie
Träume süß, bis morgen früh

Nachts bekommst du kein Auge zu
Die Dämonen lassen dich nicht in Ruh
Böse Augen verfolgen dich
Und du wirst kreidebleich
Schwarze Hände zerren dich, in ihr Schattenreich
Angstvoll ziehst du dir dann, die Decke übers Gesicht
Gespenstisch schaurig tanzen die Zweige, im Laternenlicht
Es war nur wieder dieser Traum
In deinem dunklen Raum
Wie jede Nacht, dich der Alptraum plagt
Und der Zwerg tanzt um das Feuer herum
Nach seinem Namen hast du niemals gefragt
Denn, das hat dir der Teufel gesagt

Geh schon mal ins Bettchen vor
Ich les dir noch ein Märchen vor
Vom bösen Wolf und seiner List
Wie er Rotkäppchen auffrisst

Schlaf jetzt ein mein braves Kind
Wo ja die Großen liebe Engel sind
Schlaf nun fein, Monster gibt es nie
Träume süß, bis morgen früh

Verf. BJ


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Gedichte: Tragik

04.04.2008 um 14:23

An die Bienen

Bienen! Immen! Sumseriche!
Wer sich je mit euch vergliche,
der verdient, daß man ihn töte!
Daß zumindest er erröte!

Denn, wie ihr in Tal und Berg schafft
ohne Zutun der Gewerkschaft,
ohne daß man euch bezahle,
ohne Streik und Lohnspirale,
täglich, stündlich drauf bedacht,
daß ihr für uns den Honig macht,
ihr seid’s wert, daß man euch ehre!
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Wobei vorzuschlagen wäre –
ob nun alt ihr, ob Novizen –
euch von heute ab zu siezen!
Unser Dank, unser Applaus
säh in etwa dann so aus:
»Sehr geehrte Honigbienen!
Wir Verbraucher danken Ihnen....
Heinz Erhardt



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Gedichte: Tragik

05.04.2008 um 02:01

Du wirst es nie zu Tüchtgem bringen
Bei Deines Grames Träumerein,
Die Tränen lassen nichts gelingen,

Wer schaffen will, muß fröhlich sein.


Wohl Keime wecken mag der Regen,
Der in die Scholle niederbricht,
Doch golden Korn und Erntesegen
Reift nur heran bei Sonnenlicht.
Fontane
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beetlejuice
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Gedichte: Tragik

05.04.2008 um 23:46
Die Anklage

Die Welt, so leer
Vogelgesang schon lange her
Die Wälder, kahl
Wo einst der Wolfes Ruf erschall
Der Berg das Echo widerhallt
Des Hirsch majestätischen Gesang
Ist es nun still und ohne Klang
Die Wiese, bleich
Die eine karge Steppe gleicht
Vom Sonnenstrahl, verwöhnt
Blütenduft nicht mehr verströmt
Einst die Biene fröhlich summt
Sind die Grillen schwarz vermummt
Die Zerenaden sind verstummt
Kein Regen fällt vom Wolkendach

Was habt Ihr; Was habt Ihr aus mir gemacht?

Die Welt, verbrannt
Ihr habt die Zeichen nicht erkannt
Die Flüsse, still
Überfüllt mit Gift und Müll
Ihr könntet in der Sonne ewig lallen
In Macht und Reichtum zu verfallen
Und ihr habt nicht gedacht daran
Das man Geld, nicht essen kann
Die Welt, verbraucht
Die Luft schmeckt nach kaltem Rauch
Von Asche, getragen
Aus der Erde bleiche Knochen ragen
Ihr sehntet euch nach kleinen Siegen
Zu erreichen mit großen Kriegen
Das Leid kam über Nacht
Seid ohne Sonne aufgewacht

Was habt Ihr; Was habt Ihr aus mir gemacht?

Wind, und Eis
Von Schnee bedeckt, unschuldig weiß
Das Meer, so tot
Am Horizont kein Morgenrot
Das Eis ist längst schon aufgetaut
Und was ihr euch aufgebaut
Ist in der Wellenflut verstaut
Das Meer, ist still
Kein Leben in sich regen will
Am Meeresgrund
Das Korallenriff versteint und wund
Wo einst der Wal zur Tiefe singt
Faulen Gestank die Strömung bringt
Ich bin unerschöpflich, habt ihr gedacht

Was habt Ihr; Was habt Ihr nur aus mir gemacht?

Das Weltall, weit
In Herrlichkeit, Endlosigkeit
Kein Gott, mehr da
Dem ihr im Himmel wart, so nah
Der Stern, der deinen Namen trägt
Ist vom Winde schon verweht
Der Engel, der aus dem Himmel fiel
Verfolgte lang euch grausam Spiel
Und er weinte jede Nacht

Was habt Ihr; Was habt Ihr Euch dabei gedacht?

Verf. BJ


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Gedichte: Tragik

06.04.2008 um 11:46
Ach wie schön
das es nun Frühling ist.
Ist zwar kein Gedicht,
aber ne schöne Geschicht....:)

*****************************
Schnee (oder: Dreißig Tage bis zum Nervenzusammenbruch)

8. Dezember, 18:00 Uhr
Es hat angefangen zu schneien. Der erste Schnee in diesem Jahr. Meine Frau und ich haben unsere Cocktails genommen und stundenlang am Fenster gesessen und zugesehen, wie riesige, weiße Flocken vom Himmel herunter schwebten. Es sah aus wie im Märchen. So romantisch - wir fühlten uns wie frisch verheiratet. Ich liebe Schnee.

9. Dezember
Als wir wach wurden, hatte eine riesige, wunderschöne Decke aus weißem Schnee jeden Zentimeter der Landschaft zugedeckt. Was für ein phantastischer Anblick! Kann es einen schöneren Platz auf der Welt geben? Hierher zu ziehen war die beste Idee, die ich je in meinem Leben hatte. Habe zum ersten Mal seit Jahren wieder Schnee geschaufelt und fühlte mich wieder wie ein kleiner Junge. Habe die Einfahrt und den Bürgersteig freigeschaufelt. Heute nachmittag kam der Schneepflug vorbei und hat den Bürgersteig und die Einfahrt wieder zugeschoben, also holte ich die Schaufel wieder raus. Was für ein tolles Leben!

12. Dezember
Die Sonne hat unseren ganzen schönen Schnee geschmolzen. Was für eine Enttäuschung. Mein Nachbar sagt, dass ich mir keine Sorgen machen soll, wir werden definitiv eine weiße Weihnacht haben. Kein Schnee zu Weihnachten wäre schrecklich! Bob sagt, dass wir bis zum Jahresende so viel Schnee haben werden, dass ich nie wieder Schnee sehen will. Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Bob ist sehr nett - ich bin froh, dass er unser Nachbar ist.

14. Dezember
Schnee, wundervoller Schnee! 30 cm letzte Nacht. Die Temperatur ist auf -20 Grad gesunken. Die Kälte lässt alles glitzern. Der Wind nahm mir den Atem, aber ich habe mich beim Schaufeln aufgewärmt. Das ist das Leben! Der Schneepflug kam heute nachmittag zurück und hat wieder alles zugeschoben. Mir war nicht klar, dass ich soviel würde schaufeln mussen, aber so komme ich wieder in Form. Wünschte, ich würde nicht so pusten und schnaufen.

15. Dezember
60 cm Vorhersage. Habe meinen Kombi verscheuert und einen Jeep gekauft. Und Winterreifen für das Auto meiner Frau und zwei Extra-Schaufeln. Habe den Kühlschrank aufgefüllt. Meine Frau will einen Holzofen, falls der Strom ausfällt. Das ist lächerlich - schließlich sind wir nicht in Alaska.

16. Dezember
Eissturm heute morgen. Bin in der Einfahrt auf den Arsch gefallen, als ich Salz streuen wollte. Tut höllisch weh. Meine Frau hat eine Stunde gelacht. Das finde ich ziemlich grausam.

17. Dezember
Immer noch weit unter Null. Die Straßen sind zu vereist, um irgendwohin zu kommen. Der Strom war fünf Stunden weg. Musste mich in Decken wickeln, um nicht zu erfrieren. Kein Fernseher. Nichts zu tun als meine Frau anzustarren und zu versuchen, sie zu irritieren. Glaube, wir hätten einen Holzofen kaufen sollen, würde das aber nie zugeben. Ich hasse es, wenn sie recht hat! Ich hasse es, in meinen eigenen Wohnzimmer zu erfrieren!

20. Dezember
Der Strom ist wieder da, aber noch mal 40 cm von dem verdammten Zeug letzte Nacht! Noch mehr schaufeln. Hat den ganzen Tag gedauert. Der beschissene Schneepflug kam zweimal vorbei. Habe versucht, eines der Nachbarskinder zum Schaufeln zu überreden. Aber die sagen, sie hatten keine Zeit, weil sie Hockey spielen mussen. Ich glaube, dass die lügen. Wollte eine Schneefräse im Baumarkt kaufen. Die hatten keine mehr. Kriegen erst im Marz wieder welche rein. Ich glaube, dass die lügen. Bob sagt, dass ich schaufeln muss oder die Stadt macht es und schickt mir die Rechnung. Ich glaube, dass er lügt.

22. Dezember Bob hatte recht mit weißer Weihnacht, weil heute Nacht noch mal 30 cm von dem weißen Zeug gefallen ist. Es ist so kalt, dass es bis August nicht schmelzen wird. Es hat 45 Minuten gedauert, bis ich fertig angezogen war zum Schaufeln, und dann musste ich pinkeln. Als ich mich schließlich ausgezogen, gepinkelt und wieder angezogen hatte, war ich zu müde zum Schaufeln. Habe versucht fur den Rest des Winters Bob anzuheuern, der eine Schneefräse an seinem Lastwagen hat, aber er sagt, dass er zu viel zu tun hat. Ich glaube, dass der Wichser lügt.

23. Dezember
Nur 10 cm Schnee heute. Und es hat sich auf 0 Grad erwärmt. Meine Frau wollte, dass ich heute das Haus dekoriere. Ist die bekloppt ? Ich habe keine Zeit - ich muss schaufeln! Warum hat sie es mir nicht schon vor einem Monat gesagt? Sie sagt, sie hat, aber ich glaube, dass sie lügt.

24. Dezember
20 Zentimeter. Der Schnee ist vom Schneepflug so fest zusammengeschoben, dass ich die Schaufel abgebrochen habe. Dachte, ich kriege einen Herzanfall. Falls ich jemals den Arsch kriege, der den Schneepflug fährt, ziehe ich ihn an seinen Eiern durch den Schnee. Ich weiß genau, dass er sich hinter der Ecke versteckt und wartet, bis ich mit dem Schaufeln fertig bin. Und dann kommt er mit 150 km/h die Strasse runtergerast und wirft tonnenweise Schnee auf die Stelle, wo ich gerade war. Heute Nacht wollte meine Frau mit mir Weihnachtslieder singen und Geschenke auspacken, aber ich hatte keine Zeit. Musste nach dem Schneepflug Ausschau halten.
25. Dezember
Frohe Weihnachten. 60 Zentimeter mehr von der !*?#@$. Eingeschneit. Der Gedanke an Schneeschaufeln lässt mein Blut kochen. Gott, ich hasse Schnee! Dann kam der Schneepflugfahrer vorbei und hat nach einer Spende gefragt. Ich hab ihm meine Schaufel über den Kopf gezogen. Meine Frau sagt, dass ich schlechte Manieren habe. Ich glaube, dass sie eine Idiotin ist. Wenn ich mir noch einmal Wolfgang Petry anhören muss, werde ich sie umbringen.

26. Dezember
Immer noch eingeschneit. Warum um alles in der Welt sind wir hierher gezogen? Es war alles IHRE Idee. Sie geht mir echt auf die Nerven.

27. Dezember
Die Temperatur ist auf -30 Grad gefallen und die Wasserrohre sind eingefroren.

28. Dezember
Es hat sich auf -5 Grad erwärmt. Immer noch eingeschneit. Die Alte machte mich verrückt!

29. Dezember
Noch mal 30 Zentimeter. Bob sagt, dass ich das Dach freischaufeln muss, oder es wird einstürzen. Das ist das Dämlichste, was ich je gehört habe. Für wie blöd hält der mich eigentlich?

30. Dezember
Das Dach ist eingestürzt. Der Schneepflugfahrer verklagt mich auf 50.000$ Schmerzensgeld. Meine Frau ist zu ihrer Mutter gefahren. 25 Zentimeter vorhergesagt.

31. Dezember
Habe den Rest vom Haus angesteckt. Nie mehr Schaufeln.
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8. Januar
Mir geht es gut. Ich mag die kleinen Pillen, die sie mir dauernd geben. Warum bin ich an das Bett gefesselt?


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06.04.2008 um 11:49
http://www.kraehseite.de/schnee.html


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dagaz
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06.04.2008 um 17:58
Gefühle
Gefühle erdrücken
Die Welt liegt in Stücken
Gefühle so schwer
sie schmerzen so sehr
Gefühle zu groß
Was machen sie blos?
Gefühle so bang
In mir wächst ein Drang
Gefühle zu viel
sind mehr als ein Spiel
Gefühle tun weh
Gefühle woll'n raus
Gefühle verbinden
Gefühle verschwinden
Gefühle, Gefühle, Gefühle
.... sind mehr ....

by Dagaz


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Gedichte: Tragik

06.04.2008 um 19:59


Du und ich!
Wunschlose Seligkeit
Strömt deine Nähe über mich.
Der Alltag wird zur Sonntagszeit,
Unsterblich schlingt das Leben sich
Um uns. Und Menschengöttlichkeit
Fühl' ich bei dir durch dich.
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Was einst gewesen, weiß ich kaum.
Die enge Welt wird weiter Raum.
Und Holz wird Eisen, Eisen Holz
Und Stolz wird Demut, Demut Stolz.
Gar wunderbare Weisen
Singt dann bei seinen Kreisen
Mein Blut im Paradies für mich.
Es haben alle Wünsche Ruh', -
Ich weiß nicht mehr, wer bist dann du.
Ich weiß nicht mehr, wer bin dann ich.

Max Dauthendey



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