T. C. Boyle - Drop City
Mit diesem Roman aus 2003 hat Boyle sich wohl von seiner Jugend losgeschrieben. Im Kern geht es um zwei unterschiedliche Zurück-zur-Natur-Konzepte im Jahr 1970, einer Hippie-Kommune in Kalifornien (Drop City) und einem beinahe autark lebenden Trapper in Alaska.
Die Hippie-Kommune wird wegen Steuerschulden und Umweltproblemen zwangsweise aufgelöst und ein Teil der Kommunarden zieht nach Alaska, um in der Blockhütte eines Onkels ihres Gurus ein Nicht-Spießerleben aufzubauen. Einer ihrer Nachbarn wird Cecile Harder, der Trapper, der mit Fallenstellen sein Überleben sichert und in einer Blockhütte mit seiner Frau Pamela, die er über eine Annonce gefunden hat und die aus Furcht vor einer Weltkatastrophe autark existieren will, lebt.
Auf den gut 500 Seiten lässt sich Doyle oft sehr ironisch über die Hippie-Kommune aus, ihr brüderlich-schwesterlich freies Leben, das dann gar nicht so frei ist. Seine Sympathien liegen definitiv bei Cecile und seiner Frau.
Die Gegensätzlichkeit der Charaktere wird auch in den Hauptfiguren Star und Ronnie gespiegelt. Beide ziehen von zuhause weg, trampen durch die USA und schließen sich der Kommune an. Star verliebt sich in Marco, Ronnie schließt sich einer Gruppe gewaltbereiter und auch eine 14-Jährige vergewaltigender Schwarzafrikaner an. In Alaska zieht er zu dem reichen Bushpiloten Joe Bosky, der mit Cecile in einem Privatclinche liegt, der eskaliert. Am Ende will Bosky von seinem Flugzeug aus Cecile abknallen, stürzt aber bei dem Versuch ab. Bosky und Ronnie erfrieren (Ronnie sauft hochprozentigen Whisky, der bei minus 40 Grad sein Inneres schockgefriert).
Die Kommune beginnt in Alaska während der einbrechenden Polarnacht zu zerbrechen. Einige wandern weg, der Guru zischt mit seiner Geliebten ab (offiziell zu einer Gerichtsverhandlung in Kalifornien). Star bleibt, Marco wird Partner von Cecile, und der Roman endet kitschig. Die Kommune feiert mit Pamela Weihnachten und wartet auf Cecile, dass er von einem Fallenrundgang zurückkehrt. Der letze Satz:
Er war unterwegs nach Hause, er stand auf den Schlittenkufen und atmete ganz ruhig, ein Mann im warmen Pelz, vor sich ein Hundegespann, in einer rauhen, wilden Gegend, und er war unterwegs nach Hause zu seiner Frau.
Es obsiegen Zweierbeziehungen und die Freude auf Rituale wie Weihnachten. Und wie in einem Trivialroman muss das Böse sterben (Bosky und Ronnie). Vermittelt wird ein letztlich sehr konservatives Weltbild. Dazu gehört auch, dass Frauen sich um den Haushalt kümmern: Star um den der Kommune, Pamela um den mit Cecile - obwohl sie davon geträumt hat, mit ihm seine Fallen abzufahren. Aber das macht dann ein Mann: Marco.