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Gedichte aus aller Welt

522 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Literatur, Gedichte, Lyrik ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Gedichte aus aller Welt

16.10.2021 um 16:36
SERGEJ JESSENIN (1895–1925)


Fall nicht, Stern, mein Stern, bleib oben...

Fall nicht, Stern, mein Stern, bleib oben,
schick das kalte, schick das Licht.
Nahe, sieh, die Kirchhofspforte −
Tote Herzen schlagen nicht.

Felderstille voller Strahlen,
Sternenkorn, augustgewiegt,
lichtdurchbebt: du klagst mit allen
um den Kranich, der nicht fliegt.

Ich – ich schick die Augen über
Strauch und Hügel, weit hinaus,
lausch und hör – und hör die Lieder
von Daheim und von Zuhaus.

Dünner steigt der Saft der Birke,
Herbst kam golden durch das Kratt.
Allen, die ich ließ und liebte,
weint er nach ein Birkenblatt.

Ach die Stunde kommt, die Stunde,
unverschuldet, ungefragt,
und ich lieg, lieg hier, lieg unten,
und ein kleines Gitter ragt.

Seine Flamme, mir zu scheinen,
Herz, gehst hin und wirst zu Staub.
Freundeshand kommt mit dem Steine,
und ein muntrer Reim steht drauf.

Aber ich, könnt ich noch schreiben,
solches hätt ich hier bestellt:
Säufer lieben ihre Kneipe −
seine Kneipe war die Welt.

(Übersetzt von Paul Celan)


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Gedichte aus aller Welt

16.10.2021 um 23:32
SERGEJ JESSENIN - IN MEINER HEIMAT LEB ICH NICHT MEHR GERN.

Er war der zärtlichste Rowdy der russischen Literatur: unwiderstehlich, unverbesserlich, einer von jenen raren Dichtern, denen auf Erden nicht zu helfen war. In diesem Gedicht nimmt er Abschied.

Quelle: FRANKFURTER ALLGEMEINE


In meiner Heimat leb ich nicht mehr gern,
Buchweizen ruft, aus Weiten, endlos großen.
Ich laß die Kate Kate sein, bin fern,
ich streun, ein Dieb, umher im Heimatlosen.

Tag, wie dein Licht sich lockt, so will ich gehn,
im Irgendwo will ich zur Ruh mich setzen.
Was mir bevorsteht, Freund, ich kanns schon sehn:
ich seh am Stiefelschaft dich’s Messer wetzen.

Die gelbe Straße, vor mir läuft sie hin,
der Frühling, er läuft mit, das Wiesenblond, die Helle.
Den Namen grub ich tief in meinen Sinn,
und die ihn trägt, sie jagt mich von der Schwelle.

Ich weiß, mich führts zurück zu Vaters Haus –
Mein ganzer Trost: daß fremde Herzen hüpfen . . .
Ein grüner Abend kommt, ich zieh die Jacke aus,
am Ärmel mich ans Fensterkreuz zu knüpfen.

Die Weiden hängen grau, das Zaungeflecht
steht schief – sie müssen Kummer haben.
Mich Ungewaschnen bettet man zurecht,
die Meute bellt – sie haben mich begraben.

Und oben schwimmt der Mond, er schwimmt und schwebt,
und läßt, wo Seen sind, seine Ruder fallen.
Und Rußland lebt, wie’s immer schon gelebt:
am Zaun, da tanzt es, und die Tränen rollen.

(Aus dem Russischen von Paul Celan)


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Gedichte aus aller Welt

17.10.2021 um 23:40
Mit einigen Gedichten Nietzsches habe ich meine liebe Mühe. Ich verstehe sie schlichtweg nicht, ich empfinde sie als wirr und
verwirrend.

Aber das hier ist grossartig. Es gehört für mich mit zu den schönsten Gedichten überhaupt.


FRIEDRICH NIETZSCHE (1844 - 1900)

Vereinsamt

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein. -
Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist Du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt - ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! -
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein. -
Weh dem, der keine Heimat hat.


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Gedichte aus aller Welt

18.10.2021 um 16:37
Ein Brecht Gedicht das mich beim ersten Mal lesen derart fasziniert hat, dass ich es in den letzten 50 Jahren immer und immer mal wieder gelesen habe. Mittlerweile kann ich es auswendig! :D


BERTOLT BRECHT

Aus BAAL: Orges Lied

Orge sagte mir, der liebste Ort, den er auf Erden hab
Sei nicht der Rasenplatz am Elterngrab.

Sei nicht ein Beichtstuhl, nicht ein Hurenbett
Und nicht ein Schoß weich weiß und warm und fett.

Orge sagte mir: Der liebste Ort
Auf Erden war ihm immer der Abort.

Dies sei ein Ort wo man zufrieden ist
Daß drüber Sterne sind und drunter Mist –

Ein Ort sei einfach wundervoll, wo man
Selbst in der Hochzeitsnacht allein sein kann.

Ein Ort der Demut, dort erkennst du scharf:
Daß du ein Mensch nur bist, der nichts behalten darf.

Ein Ort der Weisheit wo du deinen Wanst
Für neue Lüste präparieren kannst –

Wo man indem man leiblich lieblich ruht
Sanft, doch mit Nachdruck etwas für sich tut.

Und doch erkennst du dorten was du bist:
Ein Bursche der auf dem Aborte frißt!


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Gedichte aus aller Welt

20.10.2021 um 21:37
ELSE LASKER-SCHÜLER

Chaos

Die Sterne fliehen schreckensbleich
Vom Himmel meiner Einsamkeit,
Und das schwarze Auge der Mitternacht
Starrt näher und näher.

Ich finde mich nicht wieder
In dieser Todverlassenheit!
Mir ist: ich lieg' von mir weltenweit
Zwischen grauer Nacht der Urangst...

Ich wollte, ein Schmerzen rege sich
Und stürze mich grausam nieder
Und riß mich jäh an mich!
Und es lege eine Schöpferlust
Mich wieder in meine Heimat
Unter der Mutterbrust.

Meine Mutterheimat ist seeleleer,
Es blühen dort keine Rosen
Im warmen Odem mehr. -
Möcht einen Herzallerliebsten haben!
Und mich in seinem Fleisch vergraben.


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Gedichte aus aller Welt

22.10.2021 um 22:23
ABRAHAM A SACTA CLARA (1644 - 1709) war ein katholischer Geistlicher, Prediger und oberdeutscher Schriftsteller.


Die schlimmen Eheleut

Nicht also kürren und schorren die Ratzen,
nicht also schreien und gmauzen die Katzen,
nicht also pfeifen und zischen die Schlangen,
nicht also rauschen und prasseln die Flammen,
nicht also scheppern und kleppern die Rötschen,
nicht also plurren und schnurren die Prötschen,
nicht also wüten und heulen die Hund,
nicht also brüllet der Löwen ihr Schlund,
nicht also hauset und brauset das Meer,
nicht also stürmet ein kriegrisches Heer,
Nicht also reißet und tobet der Wind,
nicht also jammert ein schreiendes Kind:
wie zwei wankende, zankende, reißende, beißende,
weinende, greinende, mockende, bockende,
trutzige, schmutzige Eheleut.


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Gedichte aus aller Welt

23.10.2021 um 23:41
GEORG HEYM

Aus Wikipedia:
Georg Heym (* 30. Oktober 1887 in Hirschberg, Schlesien; † 16. Januar 1912 in Gatow) war ein deutscher Schriftsteller. Er gilt als einer der wichtigsten Lyriker des frühen literarischen Expressionismus.

Georg Heym verunglückte beim Schlittschuhlaufen auf der Havel tödlich, als er seinen eingebrochenen und ertrinkenden Freund Ernst Balcke retten wollte



Und die Hörner des Sommers verstummten...

Und die Hörner des Sommers verstummten im Tode der Fluren,
In das Dunkel flog Wolke auf Wolke dahin.
Aber am Rande schrumpften die Wälder verloren,
Wie Gefolge der Särge in Trauer vermummt.

Laut sang der Sturm im Schrecken der bleichenden Felder,
Er fuhr in die Pappeln und bog einen weißen Turm.
Und wie der Kehricht des Windes lag in der Leere
Drunten ein Dorf, aus grauen Dächern gehäuft.

Aber hinaus bis unten am Grauen des Himmels
Waren aus Korn des Herbstes Zelte gebaut,
Unzählige Städte, doch leer und vergessen.
Und niemand ging in den Gassen herum.

Und es sank der Schatten der Nacht. Nur die Raben noch irrten
Unter den drückenden Wolken im Regen hin,
Einsam im Wind, wie im Dunkel der Schläfen
Schwarze Gedanken in trostloser Stunde fliehn.


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Gedichte aus aller Welt

25.10.2021 um 10:32
@Narrenschiffer :merle:


JURA SOYFER

Das Lied von der Erde

Denn nahe, viel näher als ihr es begreift
Hab ich die Erde gesehn.
Ich sah sie von goldenen Saaten umreift,
Vom Schatten des Bombenflugzeugs gestreift
Und erfüllt von Maschinengedröhn.
Ich sah sie von Radiosendern bespickt;
Die warfen Wellen von Lüge und Haß.
Ich sah sie verlaust, verarmt – und beglückt
Mit Reichtum ohne Maß.

Voll Hunger und voll Brot ist diese Erde,
Voll Leben und voll Tod ist diese Erde,
In Armut und in Reichtum grenzenlos.
Gesegnet und verdammt ist diese Erde,
Von Schönheit hell umflammt ist diese Erde,
Und ihre Zukunft ist herrlich und groß.

Denn nahe, viel näher, als ihr es begreift,
Steht diese Zukunft bevor.
Ich sah, wie sie zwischen den Saaten schon reift,
Die Schatten vom Antlitz der Erde schon streift
Und greift zu den Sternen empor.
Ich weiß, daß von Sender zu Sender bald fliegt
Die Nachricht vom Tag, da die Erde genas.
Dann schwelgt diese Erde, erlöst und beglückt,
In Reichtum ohne Maß.

Voll Hunger und voll Brot ist diese Erde,
Voll Leben und voll Tod ist diese Erde,
In Armut und in Reichtum grenzenlos.
Gesegnet und verdammt ist diese Erde,
Von Schönheit hell umflammt ist diese Erde,
Und ihre Zukunft ist herrlich und groß!


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Gedichte aus aller Welt

25.10.2021 um 11:24
@Marianne48

Das ist ein wunderschönes Gedicht! Soyfers Leben wurde durch die Nationalsozialisten ruiniert und er verstarb in Buchenwald an Typhus. Interessant, dass der junge Soyfer sich der kommunistischen Bewegung anschloss, obwohl seine Eltern vor den Bolschewiken 1920 aus Charkow nach Baden bei Wien geflohen sind. Ein wenig über sein Leben in diesem Artikel der Wiener Zeitung.


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Gedichte aus aller Welt

25.10.2021 um 16:02
@Narrenschiffer

Herzlichen Dank für den Link zur Wiener Zeitung. Der Artikel fängt mit dem ersten Vers von "Das Lied der Erde" an. Und es steht geschrieben, dass das eines der schönsten Gedichte deutscher Sprache sei.
Zitat von Marianne48Marianne48 schrieb am 24.08.2021:Von Jura Soyfer habe ich vor vielleicht 2 oder 3 Jahren zum ersten Mal etwas mitbekommen. In irgend einem Buch, ich bin die ganze Zeit am Ueberlegen in welchem, aber ich komme einfach nicht drauf.
Mittlerweile weiss ich wieder welches Buch das war.

GLÜCKLICHE ERBEN. DER DICHTER UND SEIN TESTAMENT v. Dietmar Grieser.

Und darin steht über Juras politischen Werdegang geschrieben, dass er sich vorerst der österreichischen Arbeiterjugend angeschlossen habe. Und später erst sei er, aus Enttäuschung über das Versagen der sozialdemokratischen Führung im Bürgerkriegsjahr 1934, zu den Kommunisten übergelaufen.

Aber wem erzähle ich das. ;)... Du weisst das alles sicher bereits und wohl noch sehr viel mehr über das Leben von Jura Soyfer.

:merle:


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Gedichte aus aller Welt

25.10.2021 um 18:49
Japanisches Liebesgedichte


Ein Herz ohne Liebe,
ist wie ein Garten ohne Blumen.


Das Fliessen des Wassers
und die Wege der Liebe
haben sich seit den Zeiten der Götter
nicht verändert

Deiner zu harren sass ich sehnenden Herzens.
Und meiner Hütte bergenden Vorhang
bewegte, ach,
nur der herbstliche Wind.


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Gedichte aus aller Welt

25.10.2021 um 18:56
@Soulfire
Sehr hübsch.
Aus Japan, richtig? 🙂


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Gedichte aus aller Welt

25.10.2021 um 18:57
Pflaumemblütenduft-
mächtig bricht die Sonne hervor
über dem Bergweg

Matshu Bashō


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Gedichte aus aller Welt

25.10.2021 um 18:58
Zitat von KAALAELKAALAEL schrieb:Sehr hübsch.
Aus Japan, richtig? 🙂
Danke., es freut mich, dass es dir gefällt 😘
Ja. 🙂


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Gedichte aus aller Welt

25.10.2021 um 19:31
In Erwartung

Ich warte auf dich
von Sehnsucht fast verzehrt,-da ein Geräusch :du nahst, du nahst!

Zu früh gejubelt, du sehnsuchtbanges Herz!
Es war der trügerisch e Wind des Herbstes,
der Rascheln durch den Bambusvorhang fahr

Prinzessin Nukada


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Gedichte aus aller Welt

25.10.2021 um 19:35
Hitomaro


Einsam

Trostlos, allein zu schlafen diese Nacht,
die endlos lange ist, wie der lange Schweif
des Goldfasans, dessen helle Stimne
Ich vom Berg herüber klingen höre.


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Gedichte aus aller Welt

25.10.2021 um 19:48
Liebe

Die Liebe rast dich meine Brust,
So wie durch write, dunkle Wälder
ein Berggewässer unterm Laub
der ungeheuren Bäume radt

Die Fichte trotzt auf Felsenhöhen
fast ohne Nahrung Wind und Wetter.
Die Liebe braucht noch weniger Reichtum,
um froh zu trotzen aller Welt!

Verfasser unbekannt


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Gedichte aus aller Welt

27.10.2021 um 07:26
JOHANN WOLFGANG VON GOETHE


Gedichte sind gemalte Fensterscheiben

Gedichte sind gemalte Fensterscheiben!
Sieht man vom Markt in die Kirche hinein,
Da ist alles dunkel und düster;
Und so siehts auch der Herr Philister.
Der mag denn wohl verdrießlich sein
Und lebenslang verdrießlich bleiben.

Kommt aber nur einmal herein!
Begrüßt die heilige Kapelle;
Da ists auf einmal farbig helle,
Geschicht und Zierat glänzt in Schnelle,
Bedeutend wirkt ein edler Schein,
Dies wird euch Kindern Gottes taugen,
Erbaut euch und ergetzt die Augen!


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Gedichte aus aller Welt

27.10.2021 um 09:20
Mal wieder ein Gedicht von einem Schweizer Dichter...ein sehr schönes :lv:

CONRAD FERDINAND MEYER (1825 - 1898) Geboren in Zürich, gestorben in Kilchberg bei Zürich. Dichter des Realismus.


meyer gedichte 1882 0095 800pxOriginal anzeigen (0,2 MB)




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Gedichte aus aller Welt

28.10.2021 um 16:15
Adelbert von Chamisso - Das Riesenspielzeug (1831)
Burg Niedeck ist im Elsass der Sage wohl bekannt,
Die Höhe, wo vor Zeiten die Burg der Riesen stand;
Sie selbst ist nun verfallen, die Stätte wüst und leer;
Du fragest nach den Riesen, du findest sie nicht mehr.

Einst kam das Riesenfräulein aus jener Burg hervor,
Erging sich sonder Wartung und spielend vor dem Tor
Und stieg hinab den Abhang bis in das Tal hinein,
Neugierig zu erkunden, wie's unten möchte sein.

Mit wen'gen raschen Schritten durchkreuzte sie den Wald,
Erreichte gegen Haslach das Land der Menschen bald,
Und Städte dort und Dörfer und das bestellte Feld
Erschienen ihren Augen gar eine fremde Welt.

Wie jetzt zu ihren Füßen sie spähend niederschaut,
Bemerkt sie einen Bauer, der seinen Acker baut;
Es kriecht das kleine Wesen einher so sonderbar,
Es glitzert in der Sonne der Pflug so blank und klar.

»Ei! artig Spielding!«, ruft sie, »das nehm ich mit nach Haus.«
Sie knieet nieder, spreitet behänd ihr Tüchlein aus,
Und feget mit den Händen, was da sich alles regt,
Zu Haufen in das Tüchlein, das sie zusammenschlägt;

Und eilt mit freud'gen Sprüngen - man weiß, wie Kinder sind -
Zur Burg hinan und suchet den Vater auf geschwind:
»Ei, Vater, lieber Vater, ein Spielding wunderschön!
So Allerliebstes sah ich noch nie auf unsern Höhn.«

Der Alte saß am Tische und trank den kühlen Wein,
Er schaut sie an behaglich, er fragt das Töchterlein:
»Was Zappeliges bringst du in deinem Tuch herbei?
Du hüpfest ja vor Freuden; lass sehen, was es sei!«

Sie spreitet aus das Tüchlein und fängt behutsam an,
Den Bauer aufzustellen, den Pflug und das Gespann;
Wie alles auf dem Tische sie zierlich aufgebaut,
So klatscht sie in die Hände und springt und jubelt laut.

Der Alte wird gar ernsthaft und wiegt sein Haupt und spricht:
»Was hast du angerichtet? Das ist kein Spielzeug nicht!
Wo du es hergenommen, da trag es wieder hin!
Der Bauer ist kein Spielzeug, was kommt dir in den Sinn!

Sollst gleich und ohne Murren erfüllen mein Gebot:
Denn, wäre nicht der Bauer, so hättest du kein Brot;
Es sprießt der Stamm der Riesen aus Bauernmark hervor,
Der Bauer ist kein Spielzeug, da sei uns Gott davor!«

Burg Niedeck ist im Elsass der Sage wohl bekannt,
Die Höhe, wo vor Zeiten die Burg der Riesen stand,
Sie selbst ist nun verfallen, die Stätte wüst und leer,
Und fragst du nach den Riesen, du findest sie nicht mehr.
Quelle: http://www.handmann.phantasus.de/g_riesenspielzeug.html


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