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Die Gesellschaft ist krank - Beziehungen.

676 Beiträge, Schlüsselwörter: Beziehungen

Die Gesellschaft ist krank - Beziehungen.

29.03.2014 um 18:13
Als Single muss man nicht unglücklich sein, jedenfalls finde ich ein Leben als Single besser, als eine Beziehung zu haben, wo es dauernd Streit oder Fremdbestimmung gibt.

Nicht, dass ich eine Partnerschaft deswegen kategorisch ausschließe


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Die Gesellschaft ist krank - Beziehungen.

29.03.2014 um 18:19
@jero4802

Dass Internet-Partnerbörsen heutzutage mehr Zulauf haben als vor Jahrzehnten, mag mit dem Internet zusammen hängen. Früher hatte einen der Partnerschaftsvermittler oder die Kupplerin auf der Karteikarte. Früher gab es auch noch massenhaft Kontaktanzeigen, z.B. in längst nicht mehr existierenden Stadtmagazinen oder Zeitschriften für "sexuelle Subkulturen".

Heutzutage und hierzulande muss man/frau eben nicht mehr mit dem zufrieden sein, was einem die Eltern aussuchen.

Über den angeblichen "Depressionshype" hatte ich mich ja schon ausgelassen.

Das ein liberales Scheidungsrecht die Trennung ermöglicht, und man das Ableben des Partners nicht mehr wie einen Unfall aussehen lassen muss (Scheidung auf Italienisch), finde ich auch durchaus positiv. Man MUSS eben nicht zusammen bleiben - und bleibt es dann auch nicht. Das finde ich durchaus erfreulich.

Wie sollte denn Deiner Meinung nach die Partnerwahl organisiert sein?


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29.03.2014 um 18:22
es gab nie eine zeit wo alle menschen glücklich mit partnern zusammen lebten. anstatt das man heute eine frau einfach dazu zwingt bei einem zu bleiben hat halt jeder die freiheit zu gehen

oh grausame freiheit warum besitze nicht nur ich sie sondern auch alle anderen ;P


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Die Gesellschaft ist krank - Beziehungen.

29.03.2014 um 19:20
@Doors
Doors schrieb:Heutzutage und hierzulande muss man/frau eben nicht mehr mit dem zufrieden sein, was einem die Eltern aussuchen
Es geht ja nicht darum.
Von dieser Zeit sind wir doch längst entfernt.
Und es geht auch nicht um Frauen im speziellen.
Die Probleme betreffen Mann und Frau gleichermaßen.

Es geht auch nicht um Singlebörsen an sich, sondern die großen Mitgliederzahlen sind ein Indiz dafür das es sehr viele gibt die nach etwas suchen.
Nur nach was?
Im Internet bist du eine Karteikarte von vielen, da sucht man sich "das Beste" raus.

Und es geht auch nicht um dich.

Es geht um die Gesellschaft und hier sprechen Zahlen eine eindeutige Sprache.


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Die Gesellschaft ist krank - Beziehungen.

29.03.2014 um 19:46
@jero4802

"Die Gesellschaft" besteht immer aus konkreten Einzelpersonen. Aus der Mitgliederzahl von Singlebörsen im Internet die totale Vereinsamung und Verzweiflung aller oder zumindest vieler ableiten zu wollen, halte ich dann doch für sehr verwegen. Vielleicht sind die Jungs und Mädels einfach nur auf der Suche nach einem schnellen, unkomplizierten Fick. Dann lass' sie. Das waren sie nämlich schon, als sie noch in "Happy Weekend" inseriert haben, damals, im vergangenen Jahrtausend.


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Wraithrider
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29.03.2014 um 21:30
Wann war denn die Gesellschaft gesünder?
Meine Großeltern waren zum Schluss nicht mehr wirklich glücklich mit einander, sondern haben halt neben einander her gelebt, weil es sich so gehörte und sie wohl auch keine andere Möglichkeit sahen.
Bei meinen Eltern ist es jetzt nicht viel anders.

Und wie sehe ich das? Naja, ich hätte gern weiter engen Kontakt zu meiner ehemals besten Freundin. Hatte da auch so Vorstellungen, dass man sich noch im Rentenalter leiden könne. In unserer besten Zeit war da noch viel mehr, auch körperliches und bedingungsloses Vertrauen. Ihre Vorstellungen haben sich aber geändert, so weit dass es für mich keine gemeinsame Basis mehr geben kann, obwohl meine Gefühle für sie sich nicht verändert haben, ihre für mich hingegen sind erloschen.
Liegt das jetzt an der "kranken" Gesellschaft? Oder ist das der natürliche Lauf der Dinge?

Ich hab also die Idealvorstellung, dass es nicht zuerst auf Aussehen und Geld ankommt, dass Liebe unvergänglich ist, dass man zunächst mit sich selbst glücklich sein und den Partner aus sich selbst heraus lieben sollte, nicht wegen dem was er darstellt. Und dass es nicht nur um Sex geht (nicht dass ich was gegen schnellen Sex hätte, ich finde nur die andere Variante schöner), sondern dass der Partner gleichzeitig der beste Freund sein sollte. Dem man absolut vertraut.

Wende ich mich nun also ab von der "kranken" Gesellschaft und unterhalte mich mit den ich sage es jetzt mal spöttisch "Erleuchteten", dann wird mir gesagt, ich unterliege doch der gleichen Gehirnwäsche wie der Rest der westlichen Gesellschaft, weil:
Ich betrachte Werbung als Kulturgut, für mich ist ein Buch zu lesen nichts anderes als einen Film zu sehen oder ein Computerspiel zu spielen. Ich lehne überhaupt die Vorstellung der "bösen Medien" rundherum ab, da jeder Mensch selbst entscheiden kann, welche Werbung oder Fernsehsendung er gut findet. Genau wie ich eben entscheide, dass ich das neueste Motorrad/Auto/Smartphone/Laptop/whatever gut finde oder nicht und selbst entscheide, was ich mir davon regelmäßig neu kaufe und an welcher Stelle ich verzichte.
Und dieses Verzichten finde ich auch ok, denn das gehört zur Marktwirtschaft, die ich gut finde, dass ich nicht immer alles haben kann. Das soll den Mensch anspornen.


Lange Rede, kurzer Sinn, ich passe in keines der beiden Lager.
Gesellschaft krank oder gesund? Ich sehe eigentlich nur eine Gesellschaft von Menschen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen, unterschiedlichen Vorstellungen von Glück und/oder Zufriedenheit. Das einzige, was ich nicht in Ordnung finde ist, dass sie allesamt der Meinung sind, sie hätten den heiligen Gral gefunden, was denn nun der richtige Weg sei. Und diejenigen die es anders machen, die können per Definition eigentlich nur unglücklich sein.
Das sagen die von der Werbung Gehirngewaschenen von den wie ich spöttele Erleuchteten genau so, wie es umgekehrt der Fall ist.

Ich hätte gern, dass jeder den Weg des anderen zum Glück akzeptiert, statt ihn als "krank" zu bezeichnen.
Wo ist jetzt meine Gruppe in der Gesellschaft, der ich mich anschließen kann? Die Gruppe derer, die sich nicht einer Gruppe anschließen will, weil sie iwie zu all den Gruppen und gleichzeitig zu keiner davon gehören?


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29.03.2014 um 22:00
@Wraithrider

Folgendes
Wraithrider schrieb:Ich sehe eigentlich nur eine Gesellschaft von Menschen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen, unterschiedlichen Vorstellungen von Glück und/oder Zufriedenheit. Das einzige, was ich nicht in Ordnung finde ist, dass sie allesamt der Meinung sind, sie hätten den heiligen Gral gefunden, was denn nun der richtige Weg sei. Und diejenigen die es anders machen, die können per Definition eigentlich nur unglücklich sein.
Das sagen die von der Werbung Gehirngewaschenen von den wie ich spöttele Erleuchteten genau so, wie es umgekehrt der Fall ist.

Ich hätte gern, dass jeder den Weg des anderen zum Glück akzeptiert, statt ihn als "krank" zu bezeichnen.
verdient es hervorgehoben zu werden.


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29.03.2014 um 22:13
@Wraithrider
Wraithrider schrieb:Ich hätte gern, dass jeder den Weg des anderen zum Glück akzeptiert, statt ihn als "krank" zu bezeichnen.
Da stimme ich natürlich zu.

Es geht aber ja darum das so viele eben nicht ihren Weg zum Glück finden/gefunden haben.

Jemand der ihn aber gefunden hat und mit dem was er macht und ist glücklich ist, lässt sich ohnehin nicht beirren und hört auch nicht auf das Geschwätz von den Miesmachern.


@Doors
Doors schrieb:"Die Gesellschaft" besteht immer aus konkreten Einzelpersonen. Aus der Mitgliederzahl von Singlebörsen im Internet die totale Vereinsamung und Verzweiflung aller oder zumindest vieler ableiten zu wollen, halte ich dann doch für sehr verwegen.

Vielleicht sind die Jungs und Mädels einfach nur auf der Suche nach einem schnellen, unkomplizierten Fick. Dann lass' sie. Das waren sie nämlich schon, als sie noch in "Happy Weekend" inseriert haben, damals, im vergangenen Jahrtausend.
Wie oft soll ich es noch wiederholen?

Depressionen sind bereits zu einer Volkskrankheit geworden - Tendenz steigend.
Und es ist sehr verwegen all die depressiven Menschen oder die einen ähnliche Zustand durch leben und alle die verzweifelt sind, es damit abzutun das die meisten ja nur einen "Fick" suchen.
Natürlich gibt es das auch.
Wir müssen ja nicht über offensichtliches schreiben.
Die meisten werden sich aber einen Partner wünschen die sich auf diesen Seiten anmelden.
Und das heißt, das sie im "Echten Leben" wohl keine richtigen Kontakte mehr knüpfen können.
Schnellen Sex, kann man schneller haben als auf Singlebörsen.

Was macht man auf einer Singlebörse?
Alleine das Konzept, die Natur von Singlebörsen, lässt die Menschen geistig immer mehr verarmen oder besser gesagt: zeigt das Problem der heutigen Gesellschaft in seiner Reinform.
Da geht es nicht um menschliche Kontakte, sondern um ein "äußeres Bild" und genau das sucht man sich zusammen. Der Mensch wird verdinglicht.


Ja, vielleicht.
Vielleicht auch nicht.
Ziemlich kontraproduktiv.


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valfar
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29.03.2014 um 22:19
Ich stimme dem im großen und ganzen zu. Wir konsumieren immer mehr und geraten, vor allem in unseren Köpfen, in eine materielle Abhängigkeit. Nichts ist einem genug. Man wird entwurzelt. Und falls man "alles" erreicht hat, will man noch mehr oder fällt in ein großes Loch. Ist meiner Meinung nach alles systembedingt.


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Wraithrider
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29.03.2014 um 22:30
@jero4802
Einer Seits sagst du, jeder soll seinen eigenen Weg finden, anderer Seits sprichst du aber sofort wieder davon, dass einer der möglichen Wege uns verarmen lasse.

Singlebörsen wie das Internet allgemein haben die große Chance, dass man einfach sehr viel mehr Menschen kennenlernen kann als das früher möglich war. Warum ist das "arm" oder "unecht"?

Nur weil man seinen Weg kennt, heißt das ja noch nicht, dass man sofort ab dem Moment glücklich ist. Man muss ihn erstmal gehen. Wenn für den einen dieser Weg über eine Singlebörse führt, warum nicht? Dort trifft man genau so echte Menschen wie überall sonst auch. Und man entscheidet genau so wie überall sonst, ob man mit jemandem seine Zeit verbringen will. Nach Aussehen, nach Beruf, nach Hobby oder Gesinnung. Die Kriterien sucht man sich immer selbst aus. Egal ob in ner Disco oder Singlebörse oder im Debattier-Club.


Ich finde es wichtig zu hinterfragen: Wenn man einen Weg als den falschen ansieht, warum tut man das? Ist daran tatsächlich etwas objektiv falsch? Oder entspricht es nur nicht dem eigenen Weg?


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29.03.2014 um 22:32
@valfar
Wenn ich fragen darf: Wer hat denn alles erreicht? Ich kenn nur Menschen, die weit davon entfernt sind Alles zu erreichen.


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29.03.2014 um 22:40
@Wraithrider


Nein, scheinbar werde ich hier von vielen falsch verstanden oder wir schreiben am Thema vorbei.
Wie viele Menschen gibt es denn die ihren Weg gefunden haben?
Und jetzt zu behaupten das Menschen die auf Singlebörsen sind ihren Weg gefunden haben bezweifle ich ganz stark.
Das ist oft viel mehr ein verzweifelter Akt, wenn alles andere nicht mehr funktioniert.

Und bitte keine Einzelbeispiele wie: Es haben sich schon Paare zusammen gefunden, es gibt auch absolut glückliche Leute auf diesen Börsen.

Das mag ja alles sein.
Ist aber nicht die Regel.
Die Regel ist das dort mit den Hoffnungen der Menschen Geld gemacht wird.

Und die Singlebörsen sind nur ein Aspekt unter den ganzen die ich angesprochen habe.
Es ist nur ein weiteres Symptom.
Genau so wie das 50% der Ehen geschieden werden, wo mir tatsächlich weis gemacht werden will, das es doch Super ist das man sich trennen "darf".
Ja, natürlich ist es das. Das hat aber nichts damit zu tun das es sogar 50% der Menschen die sich entschlossen haben ihr Leben zu verbringen bereits nach kurzer Zeit wieder aufgeben.
Wer entscheiden kann das er eine Ehe auch wieder verlässt, der hat davor auch entschieden mit diesem Menschen freiwillig zusammen zu sein.


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Wraithrider
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29.03.2014 um 22:57
jero4802 schrieb:Und jetzt zu behaupten das Menschen die auf Singlebörsen sind ihren Weg gefunden haben bezweifle ich ganz stark.
Das ist oft viel mehr ein verzweifelter Akt, wenn alles andere nicht mehr funktioniert.
So, das ist deine Ansicht. Ist ja auch legitim, eine Ansicht zu haben. Meine Frage ist: Worauf begründet sich diese Einschätzung?
Und das ist jetzt nicht ausschließlich auf Singlebörsen bezogen.

Was macht diese bestimmte Entscheidung ganz objektiv betrachtet schlecht?
Wenn du da von einem verzweifelten Akt sprichst, nachdem alles andere nicht mehr funktioniere, dann heißt das ja nur, dass alle anderen Möglichkeiten genau bloß schlecht sind, nicht der richtige Weg sind, nicht zu Glück führen. Leute die nicht auf Singlebörsen unterwegs sind oder sich nicht scheiden lassen, sind doch auch bloß nicht glücklicher.


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29.03.2014 um 23:07
@Wraithrider


Ich weiß nicht wie alt du bist, ich schätze aber mal sehr das du schon etwas älter bist.(damit meine ich um die 40)
Wraithrider schrieb:So, das ist deine Ansicht. Ist ja auch legitim, eine Ansicht zu haben. Meine Frage ist: Worauf begründet sich diese Einschätzung?
Und das ist jetzt nicht ausschließlich auf Singlebörsen bezogen
Wie erklärst du es dir das Depressionen immer weiter ansteigen und so viele Beziehungen kaputt gehen?

Ich sehe den Zusammenhang so wie ich im Eröffnungspost geschrieben habe.
Den Verfall der Werte und die Schnelllebigkeit.
Und ein völlig falsches Bild von Liebe und Partnerschaft, dazu ein immer ausgeprägteres Verhalten in Richtung Narzissmus, welche verstärkt werden durch soziale Medien wie Facebook und Co.


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hawaii
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29.03.2014 um 23:13
@maretta

maretta schrieb: Das Grundproblem allen Übels ist, dass wir heute kaum mehr etwas von der Liebe verstehen.
Hier stimme ich dir noch zu, aber deine nächsten Sätze kann ich nachvollziehen.
maretta schrieb:Würden wir von der Liebe, wie sie zwischen M&F existent sein kann, wenigstens nur einen bloßen Schimmer haben, würden kaum einer eine Beziehung eingehen, wie er/sie sie eingegangen ist.
Würdest Du das für mich bitte begründen? Ich verstehe nicht ganz, was Du damit meinst.


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hawaii
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29.03.2014 um 23:40
jero4802 schrieb:Wie viele Menschen gibt es denn die ihren Weg gefunden haben?
Kann man die Frage überhaupt beantworten?
jero4802 schrieb:
Den Verfall der Werte
Welcher Werte?

Wenn "alte" Werte verfallen, werden sicherlich auch "neue" geschaffen, die irgendwann auch wieder verfallen werden.
Vielleicht findet man irgendwann einmal auch wieder zu "alten" Werten zurück? Abwarten...
jero4802 schrieb:Und ein völlig falsches Bild von Liebe und Partnerschaft,
Ich würde gerne mal das richtige Bild erklärt bekommen!
jero4802 schrieb:dazu ein immer ausgeprägteres Verhalten in Richtung Narzissmus,
Kann ich nur bestätigen. Nur finde ich's nicht unbedingt so schlimm. Eher interessant und auch manchmal belustigend.


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29.03.2014 um 23:49
valfar schrieb:Ich stimme dem im großen und ganzen zu. Wir konsumieren immer mehr und geraten, vor allem in unseren Köpfen, in eine materielle Abhängigkeit. Nichts ist einem genug. Man wird entwurzelt. Und falls man "alles" erreicht hat, will man noch mehr oder fällt in ein großes Loch. Ist meiner Meinung nach alles systembedingt.
Systembedingt? Der Geist der Menschen hat erst das System erschaffen oder ist gar das System. Die sogenannte Elite stammt übrigens vom Pöbel ab und hat kein blaues Blut. xD


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30.03.2014 um 00:00
valfar schrieb:Man wird entwurzelt
Wie hat man denn "verwurzelt" zu sein? Und warum?
Ich persönlich habe lieber Flügel statt Wurzeln. Die überlasse ich gern den Wurzelzwergen.


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Wraithrider
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Die Gesellschaft ist krank - Beziehungen.

30.03.2014 um 08:14
@jero4802
Ich bin mir zunächst mal gar nicht so sicher, dass die Zahl der Depressionen und der gescheiterten Beziehungen zunimmt. Doors hat ja zum Beispiel auf Seite 24 schon mal ausgiebig über die Diagnose-Moden gesprochen, wobei ich auch da nicht mit so ein negatives Bild vom "Markt" habe. Ich unterstelle schon, dass auch die Ärzte nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten.
Bei Ehen bin ich mir sogar ziemlich sicher, dass die früher auch bloß unglücklich endeten.

Aber mal die Annahme vertreten, dass zumindest Depressionen und BurnOuts tatsächlich zunehmen. Ich sehe das bereits ganz stark in der Generation 50+ vertreten. Wenn es also an einem Werteverfall, oder wie ich finde besser gesagt an einem Wertewandel, liegen söllte, dann müsste dieser sich ja schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts vollzogen haben und sie damit aufgewachsen sein. Es kann also eigentlich nicht an Smartphones und Facebook bzw. den Medien allgemein liegen. Auf's Gebiet der ehemaligen DDR bezogen kann es auch nicht am viel gescholtenen Kapitalismus (den wir ja gar nicht haben, sondern eine soziale Marktwirtschaft, worüber wir in Deutschland auch glücklich sein können) und dem modernen Konsumverhalten liegen, denn auch das hat diese Generation nicht geprägt.
Für die in den 50er Jahren geborene Generation mag die 68er Bewegung ein prägendes Element der Kindheit und Jugend gewesen sein. Der ursächliche Wertewandel könnte also sein:

- Pazifismus
- Anti-Autorität
- Gleichberechtigung von Minderheiten
- sexuelle Freizügigkeit

Die Frage ist nun: Unter der Prämisse, dass dort die Ursache liegt, wollen wir die alten Werte zurück, oder wollen wir nach einem Weg suchen, mit den neuen Werten vereinbar glücklich zu leben?
- Es will sicherlich niemand Kriege. Auf der anderen Seite gibt es aber durchaus die Ansicht, dass Kriege reinigend wirken. Dass sie der Rückbesinnung auf das Wesentliche dienen (darauf will ich später noch mal zu sprechen kommen), dass sie ein Volk einen können, sowohl das angreifende als auch das angegriffene, dass sie den technischen und wissenschaftlichen Fortschritt fördern.
- Wollen wir eine Gesellschaft, die sich nach Autoritäten ausrichtet? Dafür möchte ich zu bedenken geben, dass auch die Medien die so gern kritisiert werden (wieder: Ich persönlich bin nicht der Meinung, dass wir von den Medien manipuliert werden, sondern dass die Medien uns das liefern, was wir fordern.) als Autorität angesehen werden können. Wollen wir akzeptieren, was uns gesagt wird und unser Leben danach richten? Oder wollen wir uns und die Welt selbst beständig hinterfragen? Auch darauf komme ich im letzten Abschnitt noch mal zu sprechen.
- Wollen wir Gleichberechtigung von Minderheiten? Gleichberechtigung von Minderheiten heißt, immer zuerst für die anderen eintreten. Nicht das fordern, was für einen selbst das beste ist, sondern den kleinsten gemeinsamen Nenner für Ausnahms los alle finden. In einer uniformen Gesellschaft gibt es quasi keine Versagensängste. Die Rollen sind festgelegt, jeder kennt seine Rolle und es wird getan was nötig ist, ihn einzugliedern und zu einem funktionierenden Mitglied der Gesellschaft zu machen. Wenn der Gerbersohn aus Prinzip auch Gerber wird, wenn es gar nicht zur Debatte steht, ob die Gerbereiabfälle den Fluss verschmutzen weil es ja die letzten paar hundert Jahre auch gut funktioniert hat, genau so wie das Wirtschaftssystem im Dorf funktioniert hat, wenn der einzige Ausländer den das Dorf zu sehen bekommt ein exotischer Händler ist, der es nach wenigen Tagen wieder verlässt, dann ist das Leben aus psychologischer Sicht sehr einfach. Arbeite hart, stell keine dummen Fragen, stell keine dummen Theorien über Umweltschutz und Geldsysteme auf, verhalte dich konform, geh sonntags in die Kirche, dann geht's dir... gut! Sagen wir! Nun haben wir aber diese Minderheiten, die inzwischen gar nicht mehr so klein sind (Umweltschützer, Aussteiger, Ausländer etc.), also müssen wir damit iwie umgehen. Also selbst wenn wir wollen, können wir überhaupt zu dem alten System zurück?
- Sexuelle Freizügigkeit ist meiner Meinung nach sehr wünschenswert. Das Extrembeispiel sind Homosexuelle die von der Gesellschaft in den Selbstmord getrieben wurden, weil ihr Anderssein nicht anerkannt wurde. Ist es denn wirklich ein so großer Unterschied, ob man mit der traditionellen Mann-Frau-Vorstellung nicht glücklich wird oder mit der traditionellen "das Erste Mal in der Hochzeitsnacht und dann bis dass der Tod euch scheidet"-Vorstellung? Dass Pornobildchen auf dem Schulhof getauscht werden, ist seit wenigstens 40 Jahren Mode. War es davor besser, mit einer weniger öffentlich sexualisierten Gesellschaft? Waren die Menschen damals wirklich glücklicher in ihren Beziehungen? Ich weiß es nicht, das liegt zu weit zurück.

Nun zur Rückbesinnung auf das Wesentliche und das Hinterfragen einer selbst. Was ist denn das Wesentliche? Überleben. Das ist das aller unterste Grundbedürfnis. Tiere atmen, trinken, schlafen, essen und pflanzen sich fort. Tiere sind - nach allem was wir zu wissen glauben - auch nicht depressiv. Das heißt für mich, je mehr ich die Möglichkeit, die Zeit und den Willen dazu habe, über mich und meine Existenz nachzudenken, mich und die Welt, den Sinn meines Lebens im Speziellen und den Sinn der ganzen Welt im Allgemeinen in Frage zu stellen, je mehr ich die Möglichkeit habe selbst zu entscheiden, damit aber auch selbst Fehler zu machen, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit auf eine Depression oder sonstige psychische Krankheiten.
Langsamlebigkeit als Heilmittel, wie in der Metapher vom Fischer und dem Touristen, mag funktionieren. Aber wollen wir das? Bringt uns das als Spezies voran? Wir haben eine wundervolle neue Welt, mit wundervollen neuen Möglichkeiten. Wir müssen nicht mehr um's Überleben kämpfen und unser Empfinden auf das Mindeste reduzieren. Wir können uns den Luxus leisten, Ausnahms los alles zu hinterfragen. Lasst uns nach einer Möglichkeit suchen, all unseren Luxus, den mentalen und den materiellen, auszukosten ohne krank zu werden. Finde ich.

Das sind meine drei Erklärungsansätze:
1.) Wird sind gar nicht kranker, sondern werden nur öfter diagnostiziert.
oder
2.) Der ursächliche Wandel hat schon vor 50 Jahren stattgefunden, völlig unabhängig von modernen Medien und Marktwirtschaft.
oder
3.) Psychisch zu erkranken ist unseren neuen Möglichkeiten, uns ständig in Frage zu stellen, inhärent und unsere einzige Chance auf Heilung ist, einen Weg zu finden damit zu leben, dass wir den Apfel (witzig, dass es ausgerechnet ein Apple war) vom Baum der Erkenntnis gepflückt und gegessen haben.


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valfar
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Die Gesellschaft ist krank - Beziehungen.

30.03.2014 um 08:31
Doors schrieb:Wie hat man denn "verwurzelt" zu sein? Und warum?
Man kriegt doch immer die "Man muss flexibel sein - Keule" durch die Politik vorgehalten, um z.B. auf dem Arbeitsmarkt in gewissen Bereichen unterzukommen, beispielsweise. Ich spreche nicht von Familie oder Wertekonservatismus. Ich für meinen Teil glaube eben, dass unser Alltag durch mediale Beschallung, Konsum und Karriere derart stressig und auf eine schiefe Bahn gerät, dass man das Gefühl dafür verliert, was eigentlich ein "gutes Leben" ist.
Ich weis es noch nicht :D Bin aber der festen Überzeugung, dass ich diesem Trend, wie oben, beschrieben, nicht folgen will. Es gilt Alternativen zu finden.

@maretta

Deswegen ja in Anführungszeichen, es ist nicht möglich. Denn man will immer mehr. Das ist ein Kernproblem des Kapitalismus, da der Mensch nicht einfach sagt "jetzt ist genug". Man hat Angst und Neid gegenüber anderen, die einem das Erreichte streitig machen. So wird sich die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter ausbreiten, bis es auch hier bei uns brennt...
Albert3345 schrieb:Systembedingt? Der Geist der Menschen hat erst das System erschaffen oder ist gar das System. Die sogenannte Elite stammt übrigens vom Pöbel ab und hat kein blaues Blut. xD
Der Mensch hat auch die Inquisition und das Feudalsystem erschaffen und zum Glück hinter sich gelassen :D Will damit sagen, dass unserer gegenwärtiges System nicht das Utopia ist, als das es oft gepredigt wurde (Neoliberalismus, entfesselte Finanzmärkte, Lobbyismus etc...). All das trägt dazu bei und wir sollten auch das irgendwann hinter uns lassen.

Und der reiche Sohn, der sein Geld nur duch Geburt verdient hat, von anfang an in elitären Schulen und Privatuniversitäten geformt wird, um dann bloß um seines Standes willen ein Topgehalt in der Wirtschaft bekommt, stammt meiner Meinung nacht nicht mehr vom Pöbel ab :D


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