Haben Deutsche die korrekte Rechtschreibung verlernt?
um 04:58Anekdote/persönliches Erleben: ich habe ab Mitte der 90er Französisch gelernt, Ende der 90er zwei Semester an einer frz. Hochschule studiert und ein 6-monatiges Praktikum in Frankreich gemacht. Im Praktikumsbericht habe ich erfolgreich die sehr formelle und ausschließlich schriftlich verwendete Zeitform Passé Simple benutzt. Bewerbungs-Anschreiben musste man lt. der Hochschule damals i.ü. noch handschriftlich verfassen und jedesmal, wenn man sich verschrieb, neu beginnen.two-cents schrieb:das alfabet wird um seks bukstaben redusirt
Fast Forward ca. 10 Jahre: ich arbeite für ein frz. Unternehmen in Deutschland und merke im Austausch mit den Kollegen, ich spreche und schreibe die Sprache noch ziemlich gut.
Wieder ca 5-7 Jahre nach vorne, also etwa die Jahre 2013-2015, recherchiere ich in französischen Foren, Facebookgruppen etc. herum und muss auf einmal ständig Sachen nachschlagen, die ich nicht verstehe. (Kontext: ich arbeite immer noch fürs frz. Unternehmen und gebrauche die Sprache im beruflichen Alltag zwar nicht ständig, aber doch regelmäßig).
Bis ich dann merke, meist tut es das laut vorlesen. Es sind nämlich keine neuen Wörter, sondern ihre Schreibweise im informellen Kontext hat sich radikal vereinfacht. Im Französischen ist das Schriftliche durch die Accents é, è, â, die Cedille ç sowie durch Verkürzungen wie que avant zu qu'avant ziemlich komplex.
Das war eine Entwicklung, die mMn hauptsächlich durch das Aufkommen der Kurznachrichten beschleunigt wurde (anfangs hatten die ja Zeichenbegrenzung).
Die "nicht gehobene" Schriftsprache hatte sich in weniger als zwei Jahrzehnten so stark verändert, dass man als frankophoner Ausländer, der gewisse Medien wie Chats, Foren und SMS in der Sprache kaum nutzte, plötzlich abgehängt war.
Ungefähr so wie du es schreibst, fühlte sich das für mich an.








