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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

192 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Gesellschaft, Ich, Andere ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
lone1 Diskussionsleiter
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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 12:03
Hallo,

ich würde mal gerne über Thema schreiben, welches mich seit einiger Zeit beschäftigt und dabei würde mich interessieren, ob ihr das so oder ähnlich kennt oder wie ihr darüber denkt. Ich möchte die Situation erstmal schildern, ehe ich auf meine Gedanken eingehe.

Ursprünglich wuchs ich auf einem Einsiedler-Hof in einer recht bevölkerungsarmen Region auf. Leider ist meine Familie recht bald in eine Kleinstadt umgezogen, wo ich bisher die längste Zeit lebte und eine recht schwierige Jugend hatte, aber zumindest einige Freunde und Bekannte. Seit fast 3 Jahren jedoch lebe ich in einer Westdeutschen Großstadt - und seither isoliert.

Dort arbeite ich die meiste Zeit oder verbringe meine Zeit in meiner kleinen Wohnung oder auf Spaziergängen, wo ich die Menschen beobachte und hin und wieder ein wenig belausche. Wenn ich mich in meinem bisherigen Leben mit Anderen anfreundete, dann weil wir ähnliche Hobbies, Ansichten oder Humor hatten. Wir haben uns dann einfach gut verstanden, weil es eine gemeinsame Basis oder einen gemeinsamen Nenner gab, auf dem sich diese Beziehung entwickeln konnte. In der Stadt verliere ich jedoch immer mehr das Gefühl, dass es sowas wie diese gemeinsame Basis geben könnte und sehe auch kein grundsätzliches Gemeinschaftsgefühl hier. Mir sind hier wirklich alle sehr fremd und oft habe ich das Gefühl, dass "die und ich" in völlig unterschiedlichen Kulturen aufwuchsen und entsprechend sozialisiert sind - was teilweise sogar stimmt.

Die Beobachtungen können sich schemenhaft wie folgt artikulieren (ein paar Beispiele):

Es gibt in dieser Stadt ziemlich viel Elend, also Menschen, die sich nicht ausreichend um sich, ihre Lebensverhältnisse oder Körperhygiene kümmern. Ihr Leben ist eine Aneinanderreihung negativer Lebensentscheidungen, jedoch gründen sie schon Familien eher sie auch nur mit einem Fuss fest im Leben stehen. Ich halte mich fern von diesem Milieu, weil es sich negativ auf mein Leben auswirken könnte. Sie sind quasi negative Vorbilder.

Große Überschneidungen von diesem gibt es mit dem migrantischen Milieu. Dort gibt man sich wenig bis keine Mühe die Sprache zu lernen und sich nach außen hin zu öffnen. Zumindest das habe ich schon mit ihnen gemeinsam. Das Leben hier ist von archaisch-religiösen Vorstellungen und Traditionen geprägt, die diametral zu individuellen Freiheiten stehen. Sie leben gerne und oft von der Wohlfahrt, jedoch ist es lediglich das One-Way-Ticket in die Heimat, was ich ihnen gönne. Meine Einstellung diesen gegenüber ist sehr argwöhnisch.

Von dem vorher definierten Großstadtsumpf abgegrenzt lebt hoch oben im gesellschaftlichen Elfenbeinturm das ökolinke Milieu, welches alles verachtet, was sich in organischen Prozessen herausbildet und nicht staatlich durch ihren Hoheitsanspruch gestutzt wurde. Jeder, der nicht gendert, bunt, solidarisch und sonst was ist, ist ihnen fern. Hingegen sind sie marktwirtschaftlicher Interaktion, technologischen Fortschritt und der Bejahung von westlicher Kultur und Tradition sehr feindlich gesinnt. Mit ihrem Bakfiets mähen diese Spießer alles nieder, was ihnen auf Fahrradwegen begegnet. Einen weiten Bogen mache ich daher in zweierlei Hinsicht.

Ansonsten gibt es noch die Mitte, die besonders in den Vororten lebt und sich wenig Gedanken macht darüber, was außerhalb von Familie und Freunden passiert. Schließlich arbeitet man hier viel und drückt enorme Abgaben und Steuern ab um die Gießkannen- und Freibierpolitik zu finanzieren. Diese Milieu ist mir aber trotzdem grundsympathisch, weil sie meine Sprache spricht und sich noch an Realitäten orientiert. Jedoch finde ich wenig Anklang bei ihnen, weil ich für sie wahrscheinlich ein Eigenbrötler bin.


Und während ich so analysiere, wer meine Sympathien hat und wer nicht, fällt mir ein, dass nicht die Anderen, sondern ich selbst mir im Weg stehe. Auch wenn meine Beobachtung es vermuten lässt, aber grundsätzlich bin ich Jedem im Alltag erstmal freundlich gesinnt, egal welcher Herkunft (außer Schnorrern und Heinis). Trotzdem tat sich in fast 3 Jahren keine Gelegenheit auf irgendwo anzuknüpfen. Es hat sich nie natürlich und selbstverständlich angeboten. Das bringt mich gelegentlich auch dazu über meinen "Platz in der Gesellschaft" und dem universellen Anspruch ein "vollwertiges Mitglied der Gesellschaft" zu werden, nachzudenken. Und an dieser Stelle werde ich tatsächlich sehr traurig und konsterniert darüber, was aus mir geworden ist. Nämlich nichts, blank slate.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 12:34
Du hast einfach überhaupt keine Berührungspunkte und was du von dir gibst, sind alles bloß Vorurteile, die du in Sekunden aufgeschnappt hast oder aus den Medien übernimmst.

Geh raus in die Welt, tu was Gutes und sprich mit Leuten. Erweitere mal deinen Horizont.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 12:39
@Rumo, also wenn ich alles nur einfach unkritisch aus den Medien übernähme, dann wäre ich ja überhaupt nicht so und alles wäre Friede, Freude, Eierkuchen. Aber Gesellschaft ist offensichtlich komplexer, 1. als von mir festgestellt wurde und 2. wie von dir intendiert wird.

Gerade im letzten Absatz betone ich die Zweifel an mir selbst. Seinen Horizont zu erweitern ist gut, bedeutet aber nicht, dass man ambivalent werden sollte.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 12:42
Seit wann ist denn alles in den Medien Friede Freude Eierkuchen.
Bei Fb melde ich dauernd irgendeine migrantenfeindliche Scheiße von Leuten, die noch nie mit einem Flüchtling gesprochen haben.


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lone1 Diskussionsleiter
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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 12:49
@Rumo, ist ja auch nicht so einfach mit Leuten zu sprechen, die nur rudimentäre Sprachkenntnisse haben. Da mache ich den Flüchtlingen aber keinen Vorwurf, weil sich eine neue Sprache mit so wenig Gemeinsamkeiten nicht so schnell lernen lässt.

Die Frage, die ich mir doch stelle ist doch eher, wie man überhaupt eine gemeinsame Basis zu Jemanden findet, der völlig unterschiedliche Prägungen und Wertvorstellungen hat. Es sind Momente der Entfremdung in einer solchen Gesellschaft, die ich gerne thematisieren würde.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 12:54
Wenn man das so durchliest gewinnt man den Eindruck, dass du ein Mensch bist der andere vielleicht zu sehr versucht in Schubladen zu packen.
Vielleicht Pauschalisierst du etwas zu sehr und schaust auch zu sehr auf die negativen Eigenschaften der Menschen.
Klar mir sind auch viele Menschen zuwider aber ich versuche mich von solchen "Vorurteilen" nicht zu sehr beeinflussen zu lassen.
Denn oft ist es halt so dass wenn man jemanden dem man vorher in eine solche Schublade gesteckt hat dann kennenlernt, es eben doch ganz anders ist, oder zumindest nicht so dramatisch wie man vorher dachte.
Das Problem ist nur dass es zu eben diesem Kennenlernen meistens nicht kommt, eben weil viele Menschen genau so denken.

Wenn ich jetzt zum Beispiel die von dir beschriebenen in elend Lebenden nehme und den von dir aufgeführten Grund warum du nichts mit ihnen zu tun haben willst "weil es sich negativ auf dein Leben auswirken könnte", warum sollte es das?

Klar wenn du dich mit hineinziehen lässt und ein solches "negatives Vorbild" für dich annimmst wird es wahrscheinlicher dass es auch so kommt, aber du kannst doch auch differenzieren zwischen dir und ihnen.
Aber das ist wohl auch der Grund warum sie so ausgeschlossen von der Gesellschaft sind, viele Denken wohl so.

Auch Migranten sollte man nicht einfach so Abstempeln, es gibt natürlich auch die von dir beschriebenen aber ich denke das ist nur ein kleiner Teil.

Die die du dem Ökolinkem Millieu zuschreibst sind denke ich nur eine reine Imagination deiner selbst, oder du dichtest ihnen Eigenschaften an die sie bestimmt nicht haben, auch wenn es da natürlich Ausnahmen geben kann.
Zitat von lone1lone1 schrieb:Und während ich so analysiere, wer meine Sympathien hat und wer nicht, fällt mir ein, dass nicht die Anderen, sondern ich selbst mir im Weg stehe. Auch wenn meine Beobachtung es vermuten lässt, aber grundsätzlich bin ich Jedem im Alltag erstmal freundlich gesinnt, egal welcher Herkunft (außer Schnorrern und Heinis). Trotzdem tat sich in fast 3 Jahren keine Gelegenheit auf irgendwo anzuknüpfen. Es hat sich nie natürlich und selbstverständlich angeboten. Das bringt mich gelegentlich auch dazu über meinen "Platz in der Gesellschaft" und dem universellen Anspruch ein "vollwertiges Mitglied der Gesellschaft" zu werden, nachzudenken. Und an dieser Stelle werde ich tatsächlich sehr traurig und konsterniert darüber, was aus mir geworden ist. Nämlich nichts, blank slate.
Auch wenn ich dich verstehen kann, ich denke jeder hatte schonmal so eine Phase in der er versuchte seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, muss ich sagen versuche da lieber schnell wieder raus zu kommen.
Versuche abstand zu nehmen von den Schubladen in die du die Menschen steckst.

Verabschiede dich von diesen negativen Gedanken über andere und mache dir klar dass du zwar versuchen kannst ihnen bestimmte Eigenschaften anzudichten, das aber 1. nichts bringt und 2. dich von anderen isoliert.

Dieses Denken ist aber wohl auch nur normal für Menschen musst du wissen um die Welt besser zu sortieren sozusagen "eine Ordnung reinzubringen".

Naja vielleicht tut dir die Großstadt auch einfach nicht gut und du musst mal rauskommen aus deinem Alltag um deine Sicht etwas zu wandeln.

Allgemein kann ich dir nur raten dir das positive Denken anzugewöhnen, deine innere Welt zu ändern, von - auf + sozusagen.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 13:19
@lone1
zu welcher Kategorie gehörst Du denn? Wenn man schon so schön pauschalisierende Urteile über Bevölkerungsgruppen trifft, wäre es mal interessant, zu welcher Gruppe Du gehörst. Wenn es keine ist, denkst Du wirklich, Du bist als einziger Mensch einzigartig und besonders und individuell? Warum sollte das so sein?
Dein Blick auf die Welt ist ein Tunnelblick, so kann man keine Menschen kennenlernen und Erfahrungen sammeln.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 13:28
Vorweg: Danke für deinen Beitrag, @Materianer!

Eigentlich versuche ich gar nichts mit Anderen. Ich schätze die Grundrechte des Individuum, insbesondere das Recht auf Unversehrtheit und Privatsphäre. Und vor allem bin ich gegen die Übergriffigkeit des gesellschaftlichen Lebens (laute Musik, dröhnender Auspuff, stinkende Menschen, etc.).

Aber das meintest du natürlich nicht. Ich denke auch oft über meine Vorurteile nach und inwiefern das für mich positiv oder negativ ist. Grundsätzlich halte ich diese Vorurteile nämlich evolutionär und zivilisatorisch für wichtig. Der Mensch damals hat bei einem lauernden Säbelzahntiger ja sicher nicht gedacht "du bist bestimmt nicht so wie die Anderen, dir gebe ich jetzt eine Chance". Hätte der Mensch so gedacht, gäbe es uns heute vielleicht nicht. Ich sehe das daher eher als Gefahrenerkennungs und -vermeidungsmechanismus, den so einfach wahrscheinlich Niemand abschalten kann, auch wenn das heute natürlich ein hehres Ziel ist. Du kannst dich auf dubiose Gestalten einlassen, aber das mulmige Gefühl wird bleiben.

Positives Denken ist natürlich erstrebenswert, da gebe ich dir uneingeschränkt Recht. Aber diese Dynamik dahinter wird leider schnell abgewürgt, wenn wieder irgendwo ein Unmensch aus dem Busch springt.

@Tussinelda, das erwähne ich am Ende des Eingangspost. Ich bin Nichts und gehöre nirgendwo dazu. Als einen Tunnenblick würde ich es nicht bezeichnen. Es ist eher eine sehr zweckrationale Haltung darüber, wer mir nutzen und wer mir schaden würde. Nutzen bedeutet natürlich nicht ausnutzen, sondern eher im Sinne von als positiven Vorbild dienend und mir weiterhelfend. Taugenichtse können mir gestohlen bleiben und das sage ich in aller Ehrlichkeit, auch wenn es nicht den Dogmen unserer Zeit entspricht. Ich bin lieber alleine als in schlechter Gesellschaft.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 13:33
@lone1
also gehörst Du, nach Deiner Einordnung in keine Gruppe, alle anderen aber schon, weshalb Du sie gleich mal aussortieren kannst, denn positiv siehst Du ja keine der Gruppen. Du willst null Aufwand aber dafür viel davon haben, so hört es sich für mich an. Eine Chance gibst Du weder Dir, noch anderen.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 13:39
@Tussinelda, dabei erwähnte ich, dass das schemenhafte Beobachtungen sind, nichts weiter. Es ist ja nicht so, als würde ich Befragungen und Statistiken durchführen. Ich bin mir freilich bewusst, dass ich dabei oft genug daneben liege.

Was wäre denn der Aufwand? Sich auf Menschen einzulassen, die man eigentlich nicht mag? Menschen zu helfen, die sich selbst immer wieder Schaden?

Mir geht es hier eher darum herauszufinden, ob es tatsächlich noch sowas wie einen Gemeinsinn (Common Sense) in den Städten gibt, wie er oft noch auf dem Land existiert und dort Generation zusammenbringt.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 14:28
Also auf dem Land sind erstmal alle gegen dich und dann untereinander Spinnenfeind.

In den Städten, bist du allen egal.

So nehme ich es wahr.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 15:23
@lone1
Dass du nicht weisst wo dein Platz in der Gesellschaft ist, spricht definitiv für dich. Dabei will ich nicht die Gesellschaft denunzieren. Trotzdem entnehme ich deinen Beobachtungen, dass du die "Delusion" ("Verblendung" in buddhistischem Sinne) der Masse oder Gruppen erkennst und dich verständlicherweise darüber bisschen ärgerst. Ist aber nicht hilfreich weil:

Good news: Es ist nicht deine Aufgabe sie "hinzukriegen". Sie haben ihre eine eigene Verantwortung - not your business!

Bad news: Alles das was du in diesen Menschen siehst, schlummert auch in dir. Mach Achtsamkeitsübungen und gewinne mehr Einsicht über dein eigenes Verhalten, über deine Natur- denn dies ist in deiner Verantwortung. Also achte auf deine Gedanken und Handlungen.

Finde ich super von dir, dass du beobachtest! Lenke nun deine Aufmerksamkeit nach innen. Die meisten Menschen haben dann ein Leben lang zu tun ;)


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 15:44
Zitat von lone1lone1 schrieb:Und vor allem bin ich gegen die Übergriffigkeit des gesellschaftlichen Lebens (laute Musik, dröhnender Auspuff, stinkende Menschen, etc.).
Das will ich dir auch garnicht nehmen, die Toleranzschwelle liegt bei sowas bei jedem Menschen woanders.
Mir persönlich hilft es dann immer den Versuch zu unternehmen sich in den anderen Menschen hineinzuversetzen.
Auch will ich dir noch einen Vortrag von Paul Watzlawick nahelegen in dem es viel um die Wirklichkeisterfassung der Menschen geht. Er behandelt mMn. indirekt einige Probleme die sich dir hier zu stellen scheinen.
https://www.youtube.com/watch?v=At63lkqhXVM (Video: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? - Paul Watzlawick)
11:58 z.B. lässt sich gut auf die von dir genannten Übergriffigkeiten übertragen.
Zitat von lone1lone1 schrieb:Grundsätzlich halte ich diese Vorurteile nämlich evolutionär und zivilisatorisch für wichtig. Der Mensch damals hat bei einem lauernden Säbelzahntiger ja sicher nicht gedacht "du bist bestimmt nicht so wie die Anderen, dir gebe ich jetzt eine Chance". Hätte der Mensch so gedacht, gäbe es uns heute vielleicht nicht. Ich sehe das daher eher als Gefahrenerkennungs und -vermeidungsmechanismus, den so einfach wahrscheinlich Niemand abschalten kann, auch wenn das heute natürlich ein hehres Ziel ist. Du kannst dich auf dubiose Gestalten einlassen, aber das mulmige Gefühl wird bleiben.
Damit hast du wahrscheinlich Recht dieses Denken ist wohl ein Überbleibsel, eine art Selbstschutz und natürlich sollte man sich nie zu weit auf fremde Menschen zubewegen, wenn dann sind kleine Schritte ratsam um den anderen und seine Reaktionen einschätzen zu können.
Zitat von lone1lone1 schrieb:Positives Denken ist natürlich erstrebenswert, da gebe ich dir uneingeschränkt Recht. Aber diese Dynamik dahinter wird leider schnell abgewürgt, wenn wieder irgendwo ein Unmensch aus dem Busch springt.
Das wird denke ich der Nachteil der Großstadt sein, hier wo ich wohne gibt es sowas so gut wie nicht, vielleicht ist aber auch nur mein Sicherheitsgefühl etwas größer, das hat dann eventuell mit Selbstvertrauen zu tun, dem Wissen "Der kann mir nichts anhaben.".


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 15:56
Zitat von lone1lone1 schrieb:Und während ich so analysiere, wer meine Sympathien hat und wer nicht, fällt mir ein, dass nicht die Anderen, sondern ich selbst mir im Weg stehe.
Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung. Immerhin bist du reflektiert genug, um zu verstehen, wo das Problem liegt, nämlich nicht in der Gesellschaft und ihren verschiedenen Milieus, sondern in deiner Furcht vor sozialen Kontakten. Diese Furcht versuchst du auf Biegen und Brechen irgendwie zu rationalisieren, aber das macht es nicht besser. Die Rolle des abgeklärten, neutralen Beobachters, der die Welt um sich herum analysiert, ist lediglich ein Trostpflaster, das du auf deine Einsamkeit klebst.

Mein Rat: Verordne dir selbst eine Art Expositionstherapie, bei der du dich an mindestens drei Tagen in der Woche ein paar Stunden lang unters Volk mischst: Sportverein, Kneipe, Vereine, Partei, was auch immer dich interessiert. Falls das nicht fruchtet, würde ich es mal mit einer Verhaltenstherapie versuchen, denn gesund ist so ein Leben auf die Dauer nicht. Hinter deinem Nickname @lone1 verbergen sich sich wahrscheinlich noch ganz andere Büchsen, die du hier nicht aufgemacht hast, z. B. die Sehnsucht nach einer Partnerin. Ich wette, dieses Ziel liegt für dich in scheinbar derart unerreichbarer Ferne, dass du noch nicht mal daran denken magst.

Leb nicht so weiter wie bisher. Tu was dran, ändere dich.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 17:18
@lone1

Ich kann dein Empfinden nachvollziehen.
Dass das nicht der Realität entspricht sei mal dahingestellt. Weil Realität entsteht ja in unseren Köpfen.

Mir geht es ähnlich denn:
Ich habe das Gefühl (!) heutzutage kämpft jeder nur noch gegen jeden.
Ob allein oder in Kleingruppen.

Als simples Beispiel:

Mach mal den Fernseher (ja, ich weiss) an.
Da geht es nur noch um Links gegen Rechts. Radfahrer gegen Autofahrer, Veggis gegen Wurstis, Oben gegen Unten, Mann gegen Frau, (Kabarett) Taubenzüchter gegen Windkrafterbauer ...
Wir sind alle Ich-AG's und jeder fühlt sich benachteiligt, alle kommen gefühlt zu kurz.

Kein Respekt mehr voreinander, Angriffe auf Rettungskräfte und alle laufen gefühlt mit der Faust in der Tasche rum.

Uns verbindet nichts mehr wirklich. Wir können alle aufeinander verzichten. Sind höchstens noch als Ego-Ergänzung gut.
Und wir haben unbewusst alle Angst voreinander.

Ich weiss nicht wirklich, woher dieses Unbehagen kommt, auch wenn es nur 'gefühlt' ist, ist es ja da.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 17:33
@lone1

Nach vielen Jahren Großstadt war ich vor ein paar Jahren am selben Punkt wie du. Mir war alles zu laut, zu "bunt", zu dreckig. Einfach zu viel von allem.
Ich konnte mich noch nie mit der Gesellschaft identifizieren, wusste kaum etwas mit anderen Menschen anzufangen. Hatte immer andere Interessen und habe mich mit Dingen beschäftigt, die andere (scheinbar) nicht interessierten oder von denen sie keine Ahnung hatten. (Andersherum war es sicherlich genauso).
Meine Kindheit habe ich, wie du, auf dem Land verbracht, nichtsahnend, welch wundervoller Schatz das war.
Ich wollte nach dem Abi unbedingt weg. Ich hatte Angst, etwas zu verpassen und bin auf in die große Welt. Aber anstatt mich selbst zu finden, hatte ich mit mir selbst zu kämpfen.
So viele Enttäuschungen, Selbstzweifel und regelrechter Hass auf die Gesellschaft und die Oberflächlichkeit, die mir diese Stadt entgegen spuckte.
Anstatt Selbstfindung, Liebe und Glück fanden mich die dunklen Seiten des Lebens. Ich bin regelrecht in meine Heimat geflohen -
die Natur schien mich zu verstehen, dort kann ich sein, Ruhe und Frieden finden... in mir, aber auch mit der Welt.

Und ich denke genau da liegt die Lösung. Finde dich. Finde heraus, wer du bist. Und das kannst du nur im Innersten deines Herzens.
Nicht durch Beobachtung anderer Menschen und deren Schwächen, nicht durch Herabsetzung anderer.
Versuch dich und andere nicht in eine Schublade zu stecken. Im Grunde sind wir alle gleich, auch wenn man oberflächlich gesehen nichts davon erkennen mag.

Wenn du ein Teil der Gesellschaft werden möchtest, fang an selbst-bewusst zu werden - dir selber darüber bewusst werden, wer/was du bist, welchen Sinn du deinem Leben gibst.
Bewusstsein und Achtsamkeit gegenüber dir selbst machen dich zu einem zufriedenen Menschen, der seinen Blick nach Innen richtet und mit sich selbst im Reinen ist.
Fang bei dir selbst an - frei von Vorurteilen und Missgunst. Sei der Mensch, den du dir als "Gesellschaftsnorm" vorstellst.
Ich bin kein religiöser Mensch, aber ich bin mir sicher, dass du so die Menschen anziehst, die dir gut tun, die deiner Seele gleichen.
Mit destruktiven Gedanken zerstört man sich am Ende selber. Mit positiven, friedlichen Gedanken zieht man Glück und Zufriedenheit an.

Wer hätte gedacht, dass ich einmal so etwas sage. Ich bin noch lange nicht da, wo ich sein möchte, ich bin nicht einmal aus dieser Stadt herausgekommen...
Aber ich habe gelernt, mich auf mich selbst und auf meine Gedanken zu besinnen, mein Glück in mir selbst zu suchen. Und ja, seitdem schenkt mir das Leben immer mehr von seinen farbenfrohen Facetten - selbst im grauen Großstadtalltag.
Trotzdem gehört irgendwann für mich ein großes Haus mit Familie auf dem Land zum perfekten Glück dazu ;-)

Alles Gute für dich.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

17.08.2019 um 20:50
Warum liest sich für mich dieser Eröffnungsbeitrag eigentlich so, als hätte "Bernd" Höcke eine neue Version der Sims programmiert? Vive le cliché!


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

18.08.2019 um 04:32
Zitat von lone1lone1 schrieb:Ansonsten gibt es noch die Mitte, die besonders in den Vororten lebt und sich wenig Gedanken macht darüber, was außerhalb von Familie und Freunden passiert. Schließlich arbeitet man hier viel und drückt enorme Abgaben und Steuern ab um die Gießkannen- und Freibierpolitik zu finanzieren. Diese Milieu ist mir aber trotzdem grundsympathisch, weil sie meine Sprache spricht und sich noch an Realitäten orientiert. Jedoch finde ich wenig Anklang bei ihnen, weil ich für sie wahrscheinlich ein Eigenbrötler bin.
Ich zähle mich zu einem Mitte-Links Eigenbrötler, der gerne gewisse Abgaben abdrückt, damit Deutschland in seiner Gesamtheit halbwegs sicher und menschenwürdig bleibt. Auch für einen allgemeinen sozialen Frieden. Das finanziere ich gerne.

Du schreibst ja selber, dass dich schon jetzt so manches Elend und gewisse Menschen stören.

Stell dir mal vor Deutschland in seiner Gesamtheit wäre kein Sozialstaat, sondern es würden hier amerikanische Verhältnisse existieren bzw. herrschen. Wie viele arme Menschen, wie viel Elend und auch Kriminalität (die sich daraus entwickeln kann) hätten wir wohl dann bzw. müsstest du dann beklagen? Wohlmöglich gäbe es dann nicht mal mehr eine Mittelschicht, sondern nur noch Unten und Oben. Von daher kann ich häufig das Gejammere, dass man ja das oder das mitfinanziert, nicht ganz verstehen, da wir ja letztlich alle davon profitieren, wenn gewisse Zustände hier halbwegs aufrechterhalten bleiben. Auch wird es immer Menschen geben, die tatsächlich nichts auf die eigene Reihe bekommen und auf den Staat angewiesen sind.
Das mag zwar zu erst ungerecht für die arbeitenden Menschen erscheinen, die diese Menschen mitfinanzieren müssen, aber wie gesagt - für einen halbwegs menschenwürdigen und sicheren Staat bin ich gerne bereit diese Menschen mitzufinanzieren. Würde der Staat diese Menschen im Stich lassen - dann würde sich das Nachteilig auf uns und Deutschland in seiner Gesamtheit auswirken.

Gutes Beispiel für die Nachteile sind wie gesagt zb. die USA: Kriminalität, Elendviertel/Stadtteile, extreme Armut (dagegen sind deutsche berüchtigte Viertel luxus) und auch Menschen, die sich nicht mal medizinisch behandeln lassen können oder auch Menschen, die nur halbwegs überleben können, weil sie sich mit drei Jobs fast totarbeiten.

Kurz: Unsere Freibier Politik (Sozialstaat) hat enorme Vorteile für uns alle. Auch wenn der Sozialstaat eine Menge kostet, so sind die Kosten das allemal wert.


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

18.08.2019 um 05:15
Zitat von lone1lone1 schrieb:Taugenichtse können mir gestohlen bleiben und das sage ich in aller Ehrlichkeit, auch wenn es nicht den Dogmen unserer Zeit entspricht. Ich bin lieber alleine als in schlechter Gesellschaft.
Hier lese ich ein wenig Arroganz heraus.

Woher weißt du wer ein Taugenichts ist und wer nicht?
Nicht jeder aus dem sozialschwachen Umfeld ist gerne dort oder hat sich freiwillig, aus reiner Faulheit zb., hinein begeben. Bei vielen dürfte einfach das Schicksal "ungewollt" zugeschlagen haben und das nicht zu ihren Gunsten.

Heutzutage kann man schneller ganz unten landen als man denkt. Auch du! Kann schneller passieren als man denkt und dann werden diese Leute, mit denen du nichts zu tun haben willst, vielleicht sogar deine Nachbarn.
Wie würdest du es finden, wenn dich dann ein Außenstehender als Taugenichts bezeichnen würde, nur weil er die Oberfläche sieht, nur sehen will, aber nicht die Vergangenheit/das Schicksal dieses Menschen?


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Misstrauen gegenüber der Gesellschaft

18.08.2019 um 05:24
Naja, es ist ja auch so, dass es in unserer gesellschaft immer weniger gemeinsame BAsis und überschneidungeng ibt.
Die Frage ist nur, ob das zwangsläufig schlecht ist.


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