ApexOne schrieb:Ich lerne auch dazu und verstehe Geschichte immer mehr, warum man Urteile und Strafen in die Hände von möglichst neutralen Profis gelegt hat.
Nicht neutral, neutral sollen Schiedsrichter sein, der Unparteiische.
Verbeamtete Juristen sind nicht neutral, sie vertreten den Staat und die Rechtsstaatlichkeit, was auch sehr gut ist, in einer Demokratie.
Du meinst vielleicht objektiv. Und objektiv kann kein Mensch sein, der ein Herz hat. Und an kleinen Strafkammern wird bei Berufungsverfahren zu kleineren Delikten, wie Diebstahl, BTM, hin und wieder auch mit Herz verurteilt, was sagen will, das Strafmaß ein paar Monate unter dem des Richters am Amtsgericht angesetzt oder doch noch Bewährung erteilt.
Die Berufsrichter und ehrenamtlichen Richter, also Schöffen, müssen unbefangen sein. Ihre Unbefangenheit wird nicht abgefragt, sie ist eine Annahme bis zum Beweis des Gegenteils.
Beispiel: Am Beginn eines Strafverfahrens "Vergewaltigung einer jungen Frau durch einen Mann aus der Freundesclique" werden die Schöffen nicht gefragt, ob man/frau eigene Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch hat. Ich war Schöffin an kleinen und großen Strafkammern am Landgericht einer Millionenmetropole bis Ende 2023.
Die beigestellten Schöffen (m/w) sind den Berufsrichtern eigentlich eine black box, es sei denn, die Schöffen erzählen selbst von sich und vielleicht wird das irgendwo notiert, für die nächste Kammer, bei der der Schöffe im Einsatz sein wird.
Ebenso unbekannt sind die Berufsrichter den Schöffen, es sei denn, die Berufsrichter erzählen etwas aus ihrer Bio; zum Beispiel, dass er während des Jurastudiums in der (nicht schlagenden) Burschenschaft xyz war, wie mir ein Vorsitzender Richter erzählte.
Der Vorsitzende und ich waren fast derselbe Jahrgang, ich erinnerte mich an mein Studium und den Tag der Immatrikulation, als ich erstmals auf Burschenschaftler gruppiert traf. (Mit denen willst du keine Party machen.)
Die Berufsrichter kennen sich überhaupt und je nachdem gut untereinander. In großen Strafkammern kann hin und wieder eine/r der Richter jung und Berufsanfänger:in sein, wodurch - zumindest hatte ich den Eindruck - ein absolutes unabhängiges Eigen-Urteil innerhalb der drei Berufsrichter noch nicht unbedingt als gegeben gesetzt werden kann.
Vor Gericht und auf hoher See ...