Justsaying schrieb:Keine Ahnung, wann (ob) sich dies geaendert hat
Würde es auf ca. 20-25 Jahre schätzen. Allerdings war zu dem Zeitpunkt eine offene Aufbahrung schon außergewöhnlich; gerade im städtischen Bereich ist das mittlerweile ein absolutes Tabu geworden.
Meinen letzten aufgebahrten Toten habe ich im Ostfriedhof München gesehen. Kein sehr schöner Anblick, da seine Haut kiezgelb war…wohl ein Leberleiden. Aber sehr friedlicher Ausdruck.
Aber das ist eben gute 20 Jahre her.
Selbst im Krankenhaus ist es zunehmend unüblich, den Toten für die Angehörigen herzurichten und wird meist nur gemacht, wenn die Zugehörigen eben nochmal kommen, um Abschied zu nehmen. Wenn nicht…geht der Verstorbene halt mit Grundausstattung (Körperöffnungen abgedeckt, sonst nix) in die Kühlung.
Finde ich sehr schade; gerade weil sehr viele Verstorbene unheimlich friedlich aussehen, ganz im Gegenteil zu bspw. massiven Schmerzen zu Lebzeiten.
Und wenn ich da an eine Verstorbene denke, die so ein Strahlen im Gesicht hatte, als hätte sie etwas Wunderschönes im Sterben gesehen. Das Strahlen blieb ihr. Das war so aussergewöhnlich für mich. Die bleibt mir auf ewig im Gedächtnis. Die kannte ich allerdings zu Lebzeiten nicht (andere Station, habe sie auf Bitte einer Kollegin dort mit selbiger in die Kühlung gebracht).
Nur meine Oma…die sah leider als Verstorbene auch noch biestig und unzufrieden aus; wie halt ihr ganzes Leben. Das war sehr schade und ich hoffe, sie hat jetzt die Erfüllung, die ihr zu Lebzeiten niemand geben konnte, weil wir alle in ihren Augen unfähige Versager waren (außer ihrer Mutter).
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Ich persönlich mag post-mortem-Fotografie sehr.
Gerade sehr alte Aufnahmen zeugen von einem anderen Blick auf den Toten, als dem, der heute auf Tod und Verstorbenem liegt. Es war definitiv eine Art “Kunst” und man hat den Tod nicht so abgelehnt, wie es heute der Fall ist. Er hat dazugehört, vielleicht auch, weil eben sehr viele damals gestorben sind, auch sehr jung.
Ich sammle solche Fotos. Veröffentlichen jedoch sicher nicht. Totenmasken finde ich genauso spannend, habe dafür jedoch keinen Platz, daher bleibt es bei Fotos. Hätte letzteres gerne bei meinem Großvater gemacht…aber man ließ mich nicht. Das Bestattungsinstitut wollte die Maske selbst abnehmen und dafür fast 3000€. Nope. Dann nur Fotos.
Ich finde es eigentlich recht schade, dass der Tod und Sterben an sich schon zunehmend tabuisiert werden. Das habe ich vor 30 Jahren schon gesagt, dass sage ich heute, nachdem ich oft damit konfrontiert werde, mit Nachdruck. Es scheint bei einigen (vielen?) große Angst davor zu herrschen. Habe das oft bei Zugehörigen erlebt, die sich vom sterbenden Angehörigen oder später Verstorbenen fast schon “bedroht” gefühlt haben, weil Tod in ihrem Lebensbild nicht vorkommt oder wenn nur als etwas außergewöhnlich beängstigendes.
Das ist sehr schade.
Allerdings rede ich mich, mit meinen vier Suizidversuchen und andauernder Lebensmüdigkeit, auch sehr einfach. Für mich ist der Tod, auch spirituell gesehen, die ultimative Erlösung. Freiheit. Echte Freiheit. Von allem.
Für mich ist es, ob meiner Erfahrungen, nicht das Ende. Dazu gehe aber hier nicht mehr ins Detail.
So, wie sich die Gesellschaft entwickelt, sehe ich aktuell auch wenig Bereitschaft, Sterben und Tod als natürliche Begleiter des Lebens wieder anzunehmen. Vielmehr wird alles daran gesetzt, den Tod zu vermeiden. Und daher wird die Kunst des Todes weiterhin ausgesperrt und ausgemerzt werden, wie diese Fotos.