Tussinelda schrieb:und LWOP ist keine Hinrichtung als Strafe. Ein Unterschied.
Wenn man sich länger damit beschäftigt, sieht man den Unterschied kaum noch. In beiden Fällen, LWOP und TS ist das Urteil, dass du nur im Leichensack das Gefängnis wieder verlässt, egal wie sehr du dich im Gefängnis in den Jahrzehnten besserst. Und ich wiederhole, viele Betroffene und auch Experten beurteilen LWOP (Death by Incarceration) als mindestens so schwer zu ertragen oder noch schwerer, als die Todesstrafe. Es *sind* beides Todesstrafen! Die Hinrichtung streckt sich nei LWOP nur im Zeitlupentempo über Jahrzehnte, aber das zivile und soziale Leben der Person wird ausgelöscht. Klar, zunächst einmal kämpfe auch ich gegen die Todesstrafe. Weil aktives Töten eines Menschen (durch den Staat) geht gar nicht. Aber das macht trotzdem LWOP nicht besser. Und LWOP, einst als "humaner" Ersatz der TS verkauft, wird massiv auch für geringere Verbrechen eingesetzt. Die Todesstrafen-Abolitionisten haben als Argument immer "Death is Different", und es ist ja auch gut, dass sie in großen Teil Erfolg hatten, die TS abzuschaffen. Aber für LWOP haben sie damit einen Bärendienst erwiesen.
Natürlich: theoretisch besteht die Möglichkeit, dass eine Unschuld festgestellt wird. Nach einer Hinrichtung ist es zu spät. Bei LWOP, sofern der Häftling noch nicht gestorben ist, ist es noch möglich. ABER: es wird außerordentlich selten die Unschuld (oder eine wesentlich geringere Schuld) bei LWOP festgestellt, weil es niemanden mehr interessiert. Mehr Unschuldige schaffen es noch lebend aus der Todesstrafe. Bei LWOP dürfte die Quote noch viel höher sein, nur dass das nie bemerkt wird.
Ich verstehe nicht, warum du das immer so kleinredest. Klar, hier geht es um die "klassische" Todesstrafe, ist ja auch okay. Aber ich wiederhole: die Todesstrafe in den USA ist kein Abstraktum, sondern ist eingebettet in ein extremes Justiz- und Bestrafungssystem. Die Todesstrafe ist nur eine Facette davon. Deswegen sage ich auch: falls irgendwie und irgendwann die Todesstrafe in Deutschland wieder eingeführt würde, dann wäre das deutsche Justizsystem ansonsten nicht mehr dasselbe wie jetzt, es würde insgesamt in allen Details viel harscher werden.
Die Frage, ob man für oder gegen die Todesstrafe ist, ist m. E. nahezu gleichbededeutend mit der Frage, ob man für oder gegen ein rein retributives und harsches Justizsystem ist. Das sehen wir ja auch hier im Thread.