Link: www.sueddeutsche.de (extern) (Archiv-Version vom 10.01.2007)Das Ende der Todesstrafe in den USA?
Nach schwerer Panne bei einerHinrichtung wurde die Vollstreckung aller Todesstrafen in Florida und Kalifornienausgesetzt. Das könnte auch ein Ende der Todesstrafe in den USA bedeuten.
Der 55Jahre alte Häftling Angel Nieves Diaz war am Mittwochabend in Florida (USA) durchInjektion von Gift hingerichtet worden. Normalerweise tritt der Tod dabei binnen wenigerMinuten ein.
Diaz starb jedoch erst nach 34 qualvollen Minuten. Augenzeugenzufolge litt er offensichtlich unter großen Schmerzen. Er habe versucht zu sprechen, seinGesicht sei verzerrt gewesen, die Augen weit aufgerissen, sein Körper habe gezuckt.
Floridas Gouverneur Jeb Bush erklärte am Freitag in Miami, er habe eineUntersuchungskommission eingesetzt, um prüfen zu lassen, ob Hinrichtungen durch dieGiftspritze verfassungsgemäß sind.
In Kalifornien wird nun ebenfalls dieVerwendung der Giftspritze ausgesetzt und auf die Vereinbarkeit mit der Verfassunggeprüft: "Die Verfassung verbietet grausame und außergewöhnliche Bestrafungen", soRichter Jeremy Fogel in San Jose.
Nun könnte gar ein Ende der Todesstrafebevorstehen, da die Giftspritze das letzte als "human" eingestufte Hinrichtungsmittelist.
Bei einer Hinrichtung durch die Giftspritze werden den Todeskandidaten dreiStoffe injiziert: ein Schmerzmittel, ein Mittel zur Muskellähmung und ein Mittel, das zumHerzstillstand führt.
Angel Nieves Diaz war wegen Mordes an einem Barbesitzer imJahr 1979 verurteilt worden. Dem vorläufigen Autopsiebericht zufolge waren bei seinerExekution die beiden Injektionsnadeln falsch gesetzt wurden. Diaz erhielt am Mittwochdaher eine zweite Dosis der tödlichen Chemikalien.
In der Regel dauernHinrichtungen mit der Giftspritze in Florida weniger als 15 Minuten, der Häftling wirdnach drei bis fünf Minuten bewusstlos.
Diaz bewegte sich aber offenbar nach 24Minuten noch, atmete und versuchte zu sprechen. Nach Angaben des ärztlichenLeichenbeschauers durchstießen die Injektionsnadeln seine Venen, statt die tödlichenStoffe in die Blutbahn weiterzuleiten. An beiden Armen habe Diaz dadurch rund 30Zentimeter lange chemische Verbrennungen erlitten.
Eine Sprecherin desKrankenhauses hatte am Donnerstag gesagt, Diaz habe eine Leberkrankheit gehabt. Dadurchhätten die Chemikalien nicht sofort gewirkt und eine zweite Injektion sei notwendiggeworden.
Gouverneur Bush erklärte, es werde vorerst keine Hinrichtungen mehrgeben, bis eine von ihm nach Diaz’ Tod eingesetzte Kommission zur Verwendung derGiftspritze am 1. März ihren Abschlussbericht vorgelegt habe.
Kritiker hattenschon mehrfach gewarnt, dass bei Versagen der Schmerzmittel diese Todesart besondersqualvoll ist. Sie stützen sich dabei auf eine Studie der University of Miami.
InFlorida sitzen 374 Häftlinge in der Todeszelle, in diesem Jahr wurden vier Hinrichtungenvollzogen. Im Jahr 2000 hatte der Staat die Giftspritze eingeführt.
Sie wurdeals humanere und zuverlässige Methode als der bis dahin verwendete elektrische Stuhlbezeichnet. In den vergangenen Jahren wurden 20 Verurteilte mit der Giftspritze getötet.
die Todesstrafe passt in keine Demokratie.