Der Prozess Oscar Pistorius und der Tod von Reeva Steenkamp
10.12.2014 um 09:10Mandy Wiener @MandyWiener
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#OscarPistorius NPA says it must still think about whether or not it will petition SCA on sentence.

Der Strafprozess gegen den südafrikanischen Sportler Oscar Pistorius geht in eine neue Runde. Die Richterin stimmte einem Berufungsverfahren zu. Wie geht es nun weiter? Der Überblick.http://m.spiegel.de/panorama/justiz/a-1007623.html#spRedirectedFrom=www&referrrer=https://www.google.de/
Pretoria - Am 12. September sprach Richterin Thokozile Masipa den Athleten Oscar Pistorius wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp schuldig. Anderthalb Monate später verkündete sie das Strafmaß von fünf Jahren Gefängnis. Doch nun wird der Fall neu aufgerollt. Richterin Masipa stimmte einem Berufungsverfahren zu, das von der Staatsanwaltschaft beantragt worden war. Die wichtigsten Fakten im Überblick:
Wieso gibt es jetzt eine Berufung?
Die Entscheidung der Richterin ist ein Erfolg für Staatsanwalt Gerrie Nel. Er will den beinamputierten Sprinter nicht wegen fahrlässiger Tötung, sondern wegen Mordes verurteilt sehen. Nel nannte das bisherige Strafmaß von fünf Jahren Haft "auf schockierende Weise" zu milde. Pistorius habe genau gewusst, was er tat, als er im Februar 2013 mehrfach durch die Tür des Badezimmers auf seine Freundin schoss.
Was genau beurteilt das Berufungsgericht neu?
Die Berufung konzentriert sich auf die Frage, ob Pistorius zu Recht wegen fahrlässiger Tötung und nicht wegen Mordes verurteilt wurde. Richterin Masipa hat der Staatsanwaltschaft nicht erlaubt, auch das Strafmaß in der Berufung überprüfen zu lassen - sollte das Berufungsgericht am Tatbestand der fahrlässigen Tötung festhalten. In einem solchen Fall würde sich für Pistorius also nichts ändern.
Welche Strafe droht Pistorius im Fall einer Verurteilung wegen Mordes?
Falls die Richter Pistorius wegen Mordes schuldig sprechen, drohen ihm mindestens 15 Jahre Haft. Die Höchststrafe wäre lebenslänglich, was zumeist 25 Jahre Gefängnis bedeutet. Rechtsexperten meinen jedoch, die Höchststrafe wäre in seinem Fall aufgrund der erstinstanzlich dokumentierten Umstände sehr ungewöhnlich.
Was genau passiert im Berufungsverfahren?
Ein Gremium von drei bis fünf Richtern wird den Fall bewerten. Sie werden keine neuen Zeugen vernehmen oder neue Beweise aufnehmen. Dafür werden sie aber das Material der ersten Instanz überprüfen und dann auf dieser Basis entscheiden, ob Pistorius wegen Mordes verurteilt werden soll. Die Richter haben "einen relativ großen Spielraum, ihre eigenen faktischen Schlüsse zu ziehen", heißt es auf der Internetseite des Gerichts in Bloemfontein. Sollten die Richter unterschiedliche Positionen vertreten, gilt die Mehrheitsmeinung.
Geht das Verfahren nach der Entscheidung des Berufungsgerichts dann noch weiter?
Nein. Die Entscheidung des Berufungsgerichts ist letztinstanzlich: Dagegen kann keine Seite mehr Rechtsmittel einlegen. Bis die vielbeschäftigten Richter sich mit dem Fall befassen, könnte aber noch mehr als ein Jahr vergehen.
Wo ist Pistorius jetzt?
Der Sprinter ist seit über sieben Wochen im Kgosi Mampuru Gefängnis in Pretoria inhaftiert. Wegen seiner Behinderung ist er dort im Krankenhaustrakt untergebracht.
Wann könnte Pistorius freikommen?
Falls es bei seiner erstinstanzlichen Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung bleiben sollte, könnte er bei guter Führung schon nach etwa zehn Monaten entlassen und unter Hausarrest gestellt werden.
Welche Rolle spielt die öffentliche Kritik an dem Urteil für die Richter?
Das erstinstanzliche Urteil gegen Pistorius wurde von vielen als zu milde aufgefasst und verursachte daher bei Juristen, Frauenverbänden und anderen viel Unmut. Gerade manche schwarzen Südafrikaner hatten das Gefühl, dass der weiße Pistorius dank seiner guten Anwälte einer höheren Strafe entgehen konnte. Richterin Thokozile Masipa betonte aber, die Kritik an ihrem Urteil habe bei der Zulassung der Berufung keine Rolle gespielt. "Die Meinungen in der Öffentlichkeit sind unerheblich", sagte sie.