paxito schrieb:Ich verstehe deinen Gedanken dahinter, halte ihn aber für ziemlich daneben. Kriegsführung bedeutet eben auch verteidigen und heißt nicht das man als Aggressor handelt. Clausewitz schrieb sinngemäß das die Verteidigung die überlegene Form der Kriegsführung ist.
Du legst da ein Bedeutung in die Wendung "Krieg führen" die da eigentlich nicht hingehört, moralische Wertung. Sehr deutsch.
Das Wort „führen“ bedeutet aber
führen. Ich dagegen meine: Es ist wie beim Tanz: einer führt, der andere folgt.
Nun ist im Krieg niemand folgsam im Sinne von „sich ergeben“.
Ich finde daher, dass Du diese sehr deutsche Auffassung vom Führen für den Krieg hast. Alles muss unter der Oberhoheit des Führens stehen. Da ziehst Du auch Clausewitz, einen Deutschen heran, der zweifellos ein sehr kluger Mann war im 19. Jahrhundert. Aber es gibt andere, auch praxiserprobte Strategien, wie die des Sun Tsu (Sunzi) 500 v. Chr.:
So fordert Sunzi Geduld und taktisch abwartendes Verhalten einerseits, andererseits aber auch die Entschlossenheit, aus einer Überlegenheit heraus den entscheidenden militärischen Schlag zu führen, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist: „So bringt sich der umsichtige Kämpfer in eine Position, die die Niederlage unmöglich macht, und er versäumt nicht den richtigen Augenblick, den Feind zu schlagen.“
Quelle:
Wikipedia: Die Kunst des Krieges (Sunzi)Ich sehe, das ukrainische Militär hat seine Hausaufgaben gemacht.
Es ist bei der Ukraine wie beim Tango: der Mann stellt der Frau im langen Schiebe-Modus ein Bein. Man denkt, „nun muss der Mann die Frau aber freigeben…“ . Die Frau beachtet das, steigt aber darüber hinweg und ändert den Tanzstil asymmetrisch zu ihren Gunsten.
In Deutschland geistert immer noch das Wort Militärführung herum für eigentliche Militärstrategen.
Und hier im Thread gibt es ganz viele Ungeduldige, die immer etwas Konkretes jeden Tag sehen wollen, dabei kann man gar nichts jeden Tag sehen. Man ist so daran gewöhnt, dass man etwas sehen müsste, wie wenn einer klar führt.
Ich geb‘s zu, ich bin auch ungeduldig… ganz Deutsch eben. Alles muss seine Ordnung haben…
In Deutschland muss man ständig siegen, wenn man das nicht sofort sieht, o wehe!
Die Ukrainer ticken anders. Hier ist der Refrain der ukrainischen Nationalhymne:
Seele und Leib werden wir für unsere Freiheit opfern,
und wir werden zeigen, Brüder, dass wir zum Kosakengeschlecht gehören.
Quelle:
Wikipedia: Schtsche ne wmerla UkrajinaWenn man Ukrainer fragt, ob sie anders als die Russen sind, erhält man als Antwort: Bei uns gab es das Kosakenreich! Das wusste 2016 eine 20-jährige Ukrainerin, die ich mal befragte.
Jede Nation ist halt wie sie ist.