Röhrich schrieb:Die CDU hat es verpasst die AfD klein zu halten, in dem sie die zunehmende konservative Stimmung weniger bedient.
Das hatten wir schon.
Und was ich dazu gesagt habe, möchte ich nicht noch mal wiederholen.
Dazu nur kurz
1. Ich denke nicht, dass dies den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt zu- oder hinreichend erklärt. Da war auch gaaanz viel Simson und ostidentitärer Scheiß dabei. Deshalb auch meine Umfrage (Nase voll von ostdeutschen Ressentiments). Habe da Hinreichendes zu gesagt, auch zu den Spannungen zwischen Ost und West AfD. Die AfD steht nicht vor der Machtübernahme, auch wenn Weidel das so lächerlich-feixend und bei ihrer Generaldebatte Rede (auch mit ganz viel Falsch Infos) so darbot.
2. Mir ist da auch ein wenig zu viel Dramatik. Das ist aber nur mein Geschmack. Ich sehe das - wie so oft - wie im Fußball. Natürlich ist der Wahlerfolg eine Zäsur, die auch historisch einzuordnen ist. Ich habe da die guten Zitate von Tusk oder Radek Sikorski aus Polen gebracht. Aber auch: Wenn der Gegner ein Tor geschosssen hat, dann ist das Spiel noch nicht vorbei. Nein, dann geht das Spiel erst richtig los.
3. Das Einzige dabei, was ich da akzeptieren würde, wäre die Theorie von der Repräsentations-Lücke. Das ist ein Problem, das über Deutschland hinausgeht. Und auch da ist mir dann - gerade deshalb - das dauernde Draufhauen auf Merz zu unterkomplex. Die Theorie geht kurz so (in der FT gabs da sogar Erhebungen und Grafiken zu, hatte es mir angeschaut, die Grafiken, aber nicht die Datenerhebung konkret): wenn die Wähler in zentralen Themen weiter rechts ticken als die Regierung im Amt, dann gibt es da eine Repräsentations-Lücke, die von Populisten gnadenlos ausgenutzt wird. Interessanterweise ließ sich das in vielen EU Ländern beobachten, mit wenigen Ausnahmen (glaub, es waren zwei). Eins davon war Dänemark (wo die Populisten keine große Rolle mehr spielen). Das wiederum könnte man genauso als eine Aufforderung lesen, an die SPD, sich doch mehr an ihren Kollegen in Dänemark zu orientieren. (Und die Klingbeil SPD ist nun mal auch noch so ein eigenes Problem.) Merz ist nun mal - vom Wähler - in eine Koalition mit der SPD gezwungen worden. Ist das seine Schuld? Glaubst du, er ist blöd? Wenn so viele AfD wählen, dann muss er die Politik eben mit Rot oder Grün machen. Man kann ihn ja für vieles kritisieren, aber das Grundproblem - insofern man mit dieser Theorie der Repräsentations-Lücke denkt - ist nicht seine Schuld. Irgendso n PolitProf vor Tagen sah ihn ja als Übergangskanzler, der so viel wie möglich an notwendigen Reformen machen muss (und das mit der Klingbeil SPD), die schon von Merkel liegen gelassen wurden, dies zudem in Krisen- und Umbruchs-Zeiten, so dass das Schiff wieder in ruhigere Gewässer kommen kann. Europäisch und international macht er seine Sache jedenfalls gut, jedenfalls besser als sein Vorgänger.
Und das wäre wohl besser anderswo diskutiert.