Borromini schrieb:inwieweit europäische klassische Musik die Grundlage beispielsweise traditioneller asiatischer oder afrikanischer Musik sein soll. Meine Prognose: Letzteres wird dir nicht gelingen.
Nach der ältesten Überlieferung stammt die Harmonienlehre (12 Töne bzw. 8 Töne in der Oktav-Tonleiter), welche der Klassischen Musik zugrundeliegt, von dem griechischen Philosophen Pythagoras aus dem 6. Jh. v. Chr. Er ist heute vor allem durch den Dreieckssatz bekannt, aber in Wirklichkeit drehte sich seine Philosophie darum, das Universum aus Zahlen zu erklären, und dazu gehörte eine mystische Sphärenmusik, die sich im Ablauf der Zeitalter wiederholt.
Es gibt - weder in Asien noch in Afrika - eine ältere Tradition.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Pythagoras selbst ist mit vielen Legenden verbunden, aber allein die Tatsache, dass man spätestens im Griechenland der klassischen Zeit die Harmonielehre der Klassischen Musik auf einen Philosophen des 6. Jh.s zurückführte, beweist natürlich, dass bereits in dieser klassischen Zeit die Harmonielehre etabliertes und überliefertes Wissen aus ferner Vergangenheit war.
Wie kommt dieses Wissen jetzt nach Asien und Afrika?
Die Hauptwirkungsorte von Pythagoras waren die griechische Ägäis (Samos) und Sizilien - somit steht er genau an der Schnittstelle zur afrikanischen und asiatischen Kultur. Wenn man sich eine Karte von antiken Erfindungen mit ersten Fundstellen anschauen würde, so ginge daraus hervor, dass zuerst praktisch alles im Mittelmeerraum entsteht - dass dieses Wissen sich dann aber entlang der Seidenstraße bis nach Indien und China verbreitet.
Bei Pythagoras ist das sowieso klar - denn eine der wichtigsten asiatischen Philosophien ist bis heute der Buddhismus, der letztlich eine Adaption der Philosophie des Pythagoras ist und die gleichen Elemente enthält. Über Afrika muss man gar nicht reden - spätestens seit der Expansion des römischen Reiches war Nordafrika eine kulturelle Gemeinschaft mit Südeuropa.