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Wie seid ihr zum Glauben gekommen?

500 Beiträge, Schlüsselwörter: Gott, Religion, Glaube, Jesus

Wie seid ihr zum Glauben gekommen?

08.10.2019 um 16:48
Vielleicht das Gefühl was andere ausstrahlen wenn Sie fest über Ihren Glauben sprechen.
Sie wirken dadurch sehr beschützt.
Da ich nicht damit aufgewachsen bin, ist echt schwer fest davon überzeugt zu sein. Manche sprechen hier von Erscheinungen und anderen Dingen. Aber ein solch extremer Impuls blieb mir bis jetzt verwehrt.


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08.10.2019 um 17:07
Kaleab1 schrieb:Vielleicht das Gefühl was andere ausstrahlen wenn Sie fest über Ihren Glauben sprechen.
Ich empfand es als Kind eher gruselig. Es war irgendwie.... zu übertrieben. Falsch.
Verstehe aber was du meinst. Dieses scheinbar feste und überzeugte. Eine scheinbare Ruhe in Hinblick auf den Tod und den Mysterien des Lebens.


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08.10.2019 um 20:00
Kaleab1 schrieb:Da ich nicht damit aufgewachsen bin, ist echt schwer fest davon überzeugt zu sein.
Das geht ja auch gar nicht. Aber wenn Du glauben möchtest, wird Gott Dir schon irgendwann und irgendwie entgegen kommen, wenn Du soweit bist. Davon bin ich überzeugt.
Kaleab1 schrieb:Manche sprechen hier von Erscheinungen und anderen Dingen. Aber ein solch extremer Impuls blieb mir bis jetzt verwehrt.
Mir blieben solche Dinge wie Erscheinungen bislang auch verwehrt. Eigentlich ist eine Erscheinung schon ein so extremer Eingriff in die persönliche Freiheit, dass man dann ja gar nicht mehr anders kann als zu glauben. Deswegen denke ich, dass nur solche Menschen Erscheinungen erleben, die ohnehin schon fest im Glauben stehen.


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SawCleaver
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08.10.2019 um 20:21
Kaleab1 schrieb:Vielleicht das Gefühl was andere ausstrahlen wenn Sie fest über Ihren Glauben sprechen.
Das macht mir wiederum Angst, kommt es doch einem Wahn gleich.
Kaleab1 schrieb:Sie wirken dadurch sehr beschützt.
Das finde ich z.B. bei Zen - Mönchen sehr interessant. Diese innere Ruhe, und die Kraft über den Dingen zu stehen.
Kaleab1 schrieb:Da ich nicht damit aufgewachsen bin, ist echt schwer fest davon überzeugt zu sein. Manche sprechen hier von Erscheinungen und anderen Dingen. Aber ein solch extremer Impuls blieb mir bis jetzt verwehrt.
Ich habe mich dazu entschieden mit der Natur eine Verbundenheit einzugehen, in einer Welt voller Ignoranten, fehlender Empathie für andere Lebewesen, Oberflächlichkeiten und Plastikmüll. Deswegen bin ich nun eine Wicca, und als solche laufe ich nicht nur einfach hektisch durch die Gegend, sondern ich sehe auf einmal die kleinen Dinge des Lebens. Ein hübscher Stein, fallende Blätter in rostrot und goldener Farbe, ein schöner geschwungener Ast... Einiges davon findet, gereinigt und mit einem Dankeschön an die Natur, Platz auf meinem Altar. Ab und an lege ich Gaben zurück in die Natur. Opfergaben wie Äpfel oder Nüsse. Nicht nur die Mondgöttin oder Cernunnos erfreuen sich daran, sondern auch das ein oder andere Tier. ;)

Der Glaube hat viele Gesichter, und viele Facetten. Ob du nun in einen buddhistischen Tempel, einer Moschee, eine Kirche, in den Wald etc. gehst, liegt ganz bei dir. Du könntest irgendwann auch als 100 Jahre alter Asket unter einem Wasserfall in ein Gebet vertieft sein, oder als Schamane indianische Lieder singen. Alles ist möglich, und richtig... insofern niemand zu Schaden kommt. Der Glaube ist tief in dir verborgen, und du wirst deinen Weg schon finden.


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09.10.2019 um 18:01
Ich wurde ungefragt getauft und habe danach mit 7 Jahren glaube ich die erstkommunion empfangen mit 14 wurde ich gefirmt, das freute mich sehr, bekam ich doch einen PC dafür als Firmungsgeschenk. Einen Athlon III mit 450MHz, glaube die Festplatte hatte nur rund 8GB, RAM kann ich nicht mehr sagen aber als Grafikkarte eine mit 8MB von ATi.

Ausgetreten bin ich dann rund 10 Jahre später, als die Raffzähne 200 Euro im Jahr für meine Mitgliedschaft im Club der Römisch Katholischen wollten. War ein langes Hin und her bis dahin, weil meine Mutter sowas nicht wollte und so weiter, mittlerweile ist sie selbst ausgetreten.


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21.10.2019 um 08:44
GUten Morgen, hast du deine Mutter davon überzeugt auszutreten? Du machst den Eindruck auf mich als ob du den Glauben schön fandest, als du selbst noch Dinge dafür bekommen hast. Sobald du etwas zurück geben musstest bist du ausgetreten? Hattest du denn niemals das Gefühl in der Gemeinschaft dazu zu gehören?


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21.10.2019 um 08:52
Taufe, Firmung, Messdiener, Jugendgruppenleiter KJG, Pfarrgemeinderat ect..
Irgendwann war dann Schluss.
Die Freude mit Anderen zusammen zu arbeiten überwog nicht mehr den Hirnriss des ideologischen Überbaus.
Ist jetzt schon etliche Jahre her.
Mir fehlt nichts, der Austritt war die richtige Entscheidung.
An Gott, ganz gleich an welchen, glaube ich nicht mehr.


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SawCleaver
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21.10.2019 um 09:55
SawCleaver schrieb am 08.10.2019:Deswegen bin ich nun eine Wicca
Ich korrigiere das mal, denn ohne Coven werde ich nie eine sein. ;)
Wenn es danach geht, bin ich eine neopaganistische Hexe, welche Rituale vollzieht, die Natur und Tiere liebt, und die alten Götter wie z.B. Inanna und Cernunnos ehrt.


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21.10.2019 um 16:21
Ich bin in einer evangelischen Familie aufgewachsen. Mein Vater war Diakon in der Jugendarbeit. Die Geschichten der Bibel waren etwas, das ich von klein auf kennengelernt habe. Meine Eltern haben mir nahegebracht, dass vor Gott Menschen alle Menschen gleich viel wert sind, egal welhe Hautfarbe sie haben oder woran sie glauben. Verbunden damit die Zuversicht, dass wir verstorbene Angehörige (z. B. Großeltern) im Himmel wiedersehen würden. Dies war niemals mit irgendwelchen Strafandrohungen o. Ä. und damit auch nicht mit Ängsten verbunden.

Zugleich war das ein Milieu, in dem über den persönlichen Glauben nicht viel gesprochen wurde. Er wurde eher als Privatsache angesehen. Zu Hause wurde nicht einmal zusammen gebetet. Ich glaube, meine Eltern haben auch miteinander nicht über ihren persönlichen Glauben gesprochen. Man ging auch nicht jeden Sonntag in die Kirche, sondern vielleicht einmal im Monat. Als Kind habe ich, soweit ich mich erinnern kann, nie gebetet. Ich habe geglaubt, dass es Gott gibt, hatte aber keine persönliche Beziehung zu ihm. Ich hatte eine innere Distanz zum Glauben. Das Ganze schien mir vor allem als eine Art von gemeinsamen Handlungen, die dem Leben eine Struktur geben sollen.

Als ich zur Schule kam, merkte ich allmählich, dass die Familien der meisten anderen Kinder nur zu Weihnachten oder nie zur Kirche gingen. Dass meine Familie etwas religiöser war, war mir peinlich. Konfirmiert wurden in meiner Heimatstadt trotzdem fast alle, das war damals noch allgemeiner Brauch.

Nach meiner Konfirmation bin ich 20 Jahre lang nie wieder zur Kirche gegangen (nicht einmal zu Weihnachten). Ich habe darin keinen Sinn mehr gesehen. Vor allem war es ein Protest gegen meine Eltern, die sich mittlerweile hatten scheiden lassen. In schwierigen Zeiten hatte ihr Glaube sie scheinbar nicht getragen und auch ihr Verhalten gegenüber anderen Menschen nicht positiv beeinflussen können. Interessanterweise ging damals auch meine Mutter nicht mehr zur Kirche (sie tut dies heute wieder), mein Vater bis heute nicht. Ich habe mich 20 Jahre lang so gut wie gar nicht mehr mit dem Glauben beschäftigt.

Mein Lebensweg war nicht so ganz leicht, aber irgendwann wurde es besser. Ich empfand eine große Dankbarkeit. Plötzlich wurde mir klar, dass ganz viele Geschichten in der Bibel, die ich von früher kannte, sich in meinem Leben widerspiegeln. Ich habe (fast) alle Erfahrungen gemacht, die der verlorene Sohn im Gleichnis gemacht hat. Ich habe so viele verantwortungslose Dinge getan, dass ich es verdient hätte, heute in der Gosse zu liegen. Ohne dass ich es verdient hätte, wurde mir stattdessen aber eine große Gnade zuteil.

Heute fühle ich (nicht immer, aber oft) eine innere Verbindung zu Gott. Ich fühle mich durchs Leben getragen und versuche Jesus nachzufolgen, der Gott als liebenden, vergebenden Vater beschrieben hat und gesagt hast "Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst" und "Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein".


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21.10.2019 um 18:39
SawCleaver schrieb am 08.10.2019:Deswegen bin ich nun eine Wicca, und als solche laufe ich nicht nur einfach hektisch durch die Gegend, sondern ich sehe auf einmal die kleinen Dinge des Lebens. Ein hübscher Stein, fallende Blätter in rostrot und goldener Farbe, ein schöner geschwungener Ast... Einiges davon findet, gereinigt und mit einem Dankeschön an die Natur, Platz auf meinem Altar. Ab und an lege ich Gaben zurück in die Natur. Opfergaben wie Äpfel oder Nüsse. Nicht nur die Mondgöttin oder Cernunnos erfreuen sich daran, sondern auch das ein oder andere Tier. ;)
Man braucht weder Wicca noch sonst ein Gläubiger sein, um die Schönheiten der Natur genießen zu können. Deine "Opfer" allerdings erinnern mich an das, was ich gerne mache, wenn ich in der Kirschenzeit schöne rote Kirschen genießen konnte: ich nehme die Kerne und pfeffere sie an verwilderten Stellen, wo ein weiterer Baum (Kirschbaum!) nicht stören würde, in die Gebüsche. Meine Art von "Opfer". :) Wenn die Natur oder Cernunnos oder sonstwer will, wird da in den nächsten Jahren vielleicht der eine oder andere Kirschbaum sprießen.
Ansonsten hatten vermutlich irgendwelche Tiere ihre Freude an den Kirschkernen. :D


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22.10.2019 um 00:17
Centrino schrieb am 24.01.2016:Mich würde interessieren, durch welche Erfahrungen, Ereignisse oder Erlebnisse ihr zum Glauben gekommen seid.
Alles zu schildern, wäre bei weitem zu umfangreich. Hier spielen auch unzählige Dinge eine Rolle wie Elternhaus, Sozialisation, Lebenserfahrungen... Ich bin bspw. in Berlin aufgewachsen, zum Teil noch zu DDR-Zeiten. Politik, Kosmologie, Teilchenphysik, Philosophie... im Laufe des Lebens führt man ja etliche Gespräche, aber Religion war hier eigentlich immer eher ein Randthema.

Was das Elternhaus angeht... Meine Mutter glaubt fest an Jesus, an Gott, an den Himmel, wurde allerdings nie getauft, ging selten zur Kirche, liest bestenfalls sporadisch in der Bibel. Und mein Vater... keine Ahnung, hab' mit ihm nie wirklich über das Thema gesprochen. Als Kind glaubt man ja generell viele Dinge, die man so hört, das galt natürlich auch für mich. Wenn ich bspw. unbequeme Fragen über den Tod stellte, dann vertröstete mich meine Mutter bspw. damit, dass man nach dem Tod in den Himmel kommt. Die Geschichten über Gott & Himmel nahm ich als Kind erst einmal so hin wie unzählige andere Geschichten über Atlantis, Entführungen durch Außerirdische, Poltergeister, Telepathie und vieles, vieles mehr, was man "hier und da" so aufschnappt. Mit der Zeit wurde ich älter, stellte viele Dinge in Frage, lernte viel über die Geschichte der Erde, des Lebens, des Universums und was man sonst noch so im Rahmen naturwissenschaftlicher Fächer so alles vermittelt bekam. Vor allem bekam ich als junger Heranwachsener das Gefühl, dass "die Erwachsenen" irgendwie alles wissen würden, vor allem irgendwelche Wissenschaftler. Völlig egal, ob es um die Geschichte der Erde, die Geschichte des Lebens, die Geschichte des Universums, den Aufbau der Materie, den Aufbau des Gehirns oder sonstwas ging. Praktisch zu allen möglichen Fragen gab es irgendwelche Bücher oder Lexikoneinträge. Wow!

Ich erinnere mich auch noch sehr gut, wie ich so mit ca. 18 Jahren in die Bibliothek ging, um in der Abteilung Naturwissenschaft wenigstens zwei, drei Bücher über Gott zu finden. Wenn es Gott gibt, dachte ich mir, so müsse es doch auch Bücher darüber geben. So wie über alle anderen Dinge, die es gibt. Immerhin gab es Bücher über "Atome", über "Schwarze Löcher", über den "Urknall" und vieles, vieles mehr. Leider wurde ich recht schnell enttäuscht...

Leider war ich auch viel zu klug, um mich von irgendwelchen Verweisen auf die Bibel abspeisen zu lassen. Nee, das war mir wirklich zu albern! Die Chancen standen also alles in allem ziemlich gut, dass ich meinen kindlich-naiven Glauben an Gott, Seele, Jenseits usw. spätestens nach dem Abitur verlieren und zum Atheismus "konvertieren" würde. Übrigens war das auch ungefähr die Zeit, als R. Dawkins sein Werk "Der Gotteswahn" veröffentlichte, um mit dem Theismus radikal abzurechnen und den Glauben an Gott völlig ad absurdum zu führen (viele "Argumente" kannte ich aber schon, waren für mich insofern also eigentlich "alter Wein in neuen Schläuchen"). Ich kann mein damaliges Mindset und all unzähligen die Dinge, die mich an den Geschichten der Religionen zweifeln ließen, kaum in Worte fassen. Ich kann nur sagen: Es war ziemlich krass und ich war eigentlich schon ganz schön dolle vom Glauben abgefallen, auch wenn ich eigentlich eh nie so wirklich gläubig - wie Christen, Moslems usw. - war.

Ich muss leider noch weiter ausholen... Was R. Dawkins, der damalige sog. "Neue Atheismus" und auch viele Gläubige übersahen und immer noch übersehen: Religion dreht sich nicht nur um die Frage nach Gott, sondern und vor allem auch um die Frage nach Leben und Tod. Gibt es eine Art Seele? Gibt es eine Art Jenseits? Was passiert mit uns nach dem Tod? Das ganze Reden über Gott ist ja schön und gut, aber was ist mit dem Himmel, was ist mit dem Paradies? Und ist mit einer Widerlegung der Existenz Gottes gleichzeitig auch die Existenz einer Art Seele oder Jenseits widerlegt? Für mich schien es zunächst so und es dauerte ein wenig, bis der Groschen fiel und ich mir dachte: "Gut, vielleicht gibt es keinen Gott, aber daraus folgt doch nicht, dass es keine Seele und kein Jenseits gibt." Den wenigsten Menschen gelingt das übrigens, diesen einfachen logischen Schluss nachzuvollziehen. Für sie gibt es immer nur das komplette Paket: Gott-Seele-Jenseits. Und das Komplettpaket kaufen sie dann, oder lehnen es eben komplett ab. Wie auch immer. Ich kann nicht in wenigen Worten all die Gedankengänge vermitteln, für deren Erschließung ich selbst unzählige Jahre brauchte. Es geht einfach nicht.

Noch viel weniger kann ich in Worten vermitteln, welches Gefühl in mir aufkam, als ich in jungen Jahren (20-25 J.) eines Tages abends im Bett lag, intensiv über den Tod nachdachte und darüber, wie es eben ist, einfach nicht mehr da zu sein. "Angst" trifft es nicht, es war schlimmer. Zumal auch andere Emotionen hinzukamen, wie bspw. Wut, Ohnmacht, Panik. Vielleicht hatte ich auch einfach nur überreagiert oder so, also hatte ich in den nachfolgenden Jahren noch zwei, drei Mal (erfolgreich) versucht, mir erneut der Bedeutung des Todes bewusst zu werden, um mir sicher zu sein: Der Tod ist wirklich das größte Übel und erneut lief es mir kalt den Rücken runter. Und diese emotionale Auseinandersetzung hat sicherlich auch ihren Teil dazu beigetragen, dass ich trotz aller Zweifel zum Glauben gekommen den Glauben letztendlich nicht gänzlich verloren hab.

Und ja, dank meiner Affinität zu Mathematik und Naturwissenschaft hatte ich auch stets die rationale Auseinandersetzung mit den Themen Gott, Seele, Jenseits usf. gesucht. Dabei den Glauben nicht vollends zu verlieren, ist alles andere als leicht! Geholfen hat mir nur die Philosophie und die Erkenntnis, dass es nicht nur keine allwissenden Götter gibt, sondern und erst recht auch keine allwissenden Menschen. Was wissen wir denn bitte schon? Hallo?! Klar, wir wissen gegenwärtig im 21. Jhd. bereits verdammt viel und weitaus mehr als unzählige Generationen vor uns. Aber wir halten uns immer noch für die "Krone der Schöpfung", sind so unglaublich vermessen und arrogant, zu glauben, die großen Fragen der Menschheit ausgerechnet jetzt (!) abschließend beantworten und so manche Hypothese dezidiert ausschließen zu können. Die Kosmologie sagt: Wir wissen fast alles über das Universum, aber von Gott keine Spur. Die Hirnforschung sagt: Wir wissen fast alles über das Gehirn, aber von einer Seele keine Spur. Ja, derartige Hypothesen scheinen gar im Widerspruch zum gegenwärtigen naturwissenschaftlichen Weltbild zu stehen. Und ja, es stimmt, es sieht verdammt mies aus, wenn es um solche Fragen geht. Und es ist vor dem Hintergrund naturwissenschaftlicher Erkenntnisse auch ungeheuer schwierig, den Glauben und die Hoffnung nicht zu verlieren.

Wie schafft man es dennoch? Ich weiß es nicht... es ist einfach so. :D

Wichtig ist wohl vor allem, seinen Glauben stets kritisch zu hinterfragen, auf den Prüfstand zu stellen und ggf. weiterzuentwickeln. Aber auch unser (vermeintliches) Wissen gilt es stets, kritisch zu hinterfragen (klassisches Beispiel etwa: die Frage nach der Natur der Wirklichkeit...). Und nach all den Jahren glaube ich irgendwie immer noch an eine Art "Gott", "Seele" oder "Leben nach dem Tod". Was genau ich da glaube, hat allerdings mit dem, was die einfachen Menschen sich darunter so alles vorstellen mögen, eigentlich herzlich wenig zu tun. :P:

Nach all dem Text ist mir nun vielleicht doch eine recht knappe Antwort eingefallen: Es geht weniger darum, zum Glauben zu kommen, sondern eher darum, den Glauben die Hoffnung nicht zu verlieren. Und vom Mindset her bevorzuge ich eher den Zweifel statt Glauben. Es ist bspw. weniger so, dass ich an eine Art Leben nach dem Tod glaube, sondern vielmehr so, dass ich daran zweifle, dass wir nur dieses eine Leben haben, welches mit dem Tod endgültig erlischt. Wichtig ist auch die Auseinandersetzung mit Naturwissenschaft, Philosophie, Wissenschaftsgeschichte und -theorie, dabei den Wissensstand und das Naturverständnis der gegenwärtigen Epoche in der Menschheitsgeschichte stets kritisch hinterfragend.


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22.10.2019 um 08:32
Noumenon schrieb:Es ist bspw. weniger so, dass ich an eine Art Leben nach dem Tod glaube, sondern vielmehr so, dass ich daran zweifle, dass wir nur dieses eine Leben haben, welches mit dem Tod endgültig erlischt.
Toll geschrieben! Habe richtig Gänsehaut bekommen!

Übrigens auch eine sehr schön geschriebene Geschichte. Vielen DAnk.


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Wie seid ihr zum Glauben gekommen?

22.10.2019 um 08:59
Noumenon schrieb:Die Kosmologie sagt: Wir wissen fast alles über das Universum, aber von Gott keine Spur.
Hab ich noch nie gehört.
Man entdeckt jeden Tag Neues im Weltall und da geht jemand hin und behauptet wir wüssten fast Alles darüber?
Albern.
Richtig ist allerdings, dass es bisher keine tragfähigen Belege für die Existenz Gottes gibt.
Deshalb bleibt er ja auch ein Objekt des Glaubens.
Noumenon schrieb:Die Hirnforschung sagt: Wir wissen fast alles über das Gehirn, aber von einer Seele keine Spur.
Eigentlich das Gleiche in grün. Auch über das Hirn wissen wir noch längst nicht Alles (oder fast Alles), daher dürfte das auch niemand, mit etwas Überblick übers Thema, behaupten.
Das Wort Seele ist, ebenso wie das Wort Gott, ja auch nur ein Gefäss, dass jeder mit seinem persönlichen Glauben ausfüllt. Bei den Theman kann man herrlich aneinander vorbeireden, weil die Diskussionspartner zwar die gleichen Variablen nutzen, sie aber mit ganz unterschiedlichen Inhalten versehen.
Noumenon schrieb:Wichtig ist wohl vor allem, seinen Glauben stets kritisch zu hinterfragen, auf den Prüfstand zu stellen und ggf. weiterzuentwickeln.
Jeder priemelt sich den Glauben doch so zurecht wie es ihm passt bzw. schliesst sich irgendeiner bestehenden Glaubensrichtung an. Auf welcher Basis soll da hinterfragt werden?
Es gibt meines Wissens für keinen Gottglauben und für kein Seelenkonstrukt eine stabile Basis, die über Fantasie und Einbildung hinaus geht.
Ist es da nicht eh egal was man glaubt?
Oder siehst du Kriterien die irgendeinem Glauben zu grösserer Wahrscheinlichkeit verhelfen?


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Wie seid ihr zum Glauben gekommen?

24.10.2019 um 22:34
Zyklotrop schrieb:Hab ich noch nie gehört.
Man entdeckt jeden Tag Neues im Weltall und da geht jemand hin und behauptet wir wüssten fast Alles darüber?
Albern.
Zyklotrop schrieb:Eigentlich das Gleiche in grün. Auch über das Hirn wissen wir noch längst nicht Alles (oder fast Alles), daher dürfte das auch niemand, mit etwas Überblick übers Thema, behaupten.
Ja, dass wir über das Universum oder das Gehirn fast alles wüssten, ist ein moderner Mythos.
Zyklotrop schrieb:Das Wort Seele ist, ebenso wie das Wort Gott, ja auch nur ein Gefäss, dass jeder mit seinem persönlichen Glauben ausfüllt.
Ein Wort ist ein Wort, und kein Gefäß. :P:

Nee, schon klar, was du meinst...
Zyklotrop schrieb:Bei den Theman kann man herrlich aneinander vorbeireden, weil die Diskussionspartner zwar die gleichen Variablen nutzen, sie aber mit ganz unterschiedlichen Inhalten versehen.
Ja, siehe...
Wikipedia: Semiotisches_Dreieck

Damit wird deine Aussage etwas klarer. Und zur Demonstration bringst du sogar ein Beispiel:
Zyklotrop schrieb:Richtig ist allerdings, dass es bisher keine tragfähigen Belege für die Existenz Gottes gibt.
Deshalb bleibt er ja auch ein Objekt des Glaubens.
Du hättest hier also genauso gut auch schreiben können: "Es gibt bisher keine tragfähigen Belege für das, was ich mir so alles unter 'Gott' vorstelle." Dein Reden bezieht sich also erst einmal nur auf ein Konzept (im Semiotischen Dreieck 'Begriff' genannt), welches wiederum nur in deinem Kopf existiert. Viel gesagt ist damit also eigentlich nicht...
Zyklotrop schrieb:Jeder priemelt sich den Glauben doch so zurecht wie es ihm passt bzw. schliesst sich irgendeiner bestehenden Glaubensrichtung an.
Ja, deshalb sagte ich ja auch: "Wichtig ist wohl vor allem, seinen Glauben stets kritisch zu hinterfragen, auf den Prüfstand zu stellen und ggf. weiterzuentwickeln." Du hast jetzt nur noch einmal mit eigenen Worten mehr oder weniger genau das formuliert, was ich ja gerade kritisiere, mehr nicht.
Zyklotrop schrieb:Auf welcher Basis soll da hinterfragt werden?
Wissen, Konsistenz, Plausiblität... such' dir was aus.

Einige Extrembeispiele für Glaubensvorstellungen, die nicht auf Basis von Wissen, Konsistenz, Plausiblität usf. hinterfragt werden, findet man bspw. beim Junge-Erde-Kreationismus...
Zyklotrop schrieb:Es gibt meines Wissens für keinen Gottglauben und für kein Seelenkonstrukt eine stabile Basis, die über Fantasie und Einbildung hinaus geht.
Ist es da nicht eh egal was man glaubt?
Oder siehst du Kriterien die irgendeinem Glauben zu grösserer Wahrscheinlichkeit verhelfen?
Ja, bspw. Plausibilität, Konsistenz, Beachtung des Sparsamkeitsprinzips, Widerspruchsfreiheit zu bereits bestehendem Wissen etc. pp.

Ich glaube bspw. durchaus an rosafarbene Einhörner. Physikalisch bzw. biologisch möglich sind sie allemal - sind ja im Prinzip nur Pferde mit 'nem Horn auf'm Kopp... und rosa Fell hat man in der Natur ebenfalls schon gesehen. Angesichts der unzähligen Galaxien, Sterne und Planeten in unserem Universum ist es also gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass es irgendwo vielleicht tatsächlich rosafarbene Einhörner gibt.

Würde ich meiner Vorstellung jetzt aber bspw. auch noch das Attribut 'unsichtbar' hinzufügen, dürfte das die Wahrscheinlichkeit wohl signifikant verringern. Umgekehrt tut also die Beachtung der von mir genannten Kriterien durchaus meinem "Glauben zu grösserer Wahrscheinlichkeit verhelfen".


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25.10.2019 um 11:54
Noumenon schrieb:Wissen, Konsistenz, Plausiblität... such' dir was aus.
Fangen wir gleich mit dem Ersten an.
Mit Hilfe welchen Wissens überprüft man am besten seinen Gottesglauben/seine Gottvorstellung?

Konsistenz und Plausibilität sehe ich da auch als erklärungsbedürftig an.
Vielleicht können wir das ja mal an einem konkreten Beispiel besprechen. Dein Glaube würde sich anbieten, denn den wirst du gewiss entsprechend abgeklopft haben.
Wenn dir das zu persönlich ist, dann kannst du vielleicht das Procedere anhand der abrahamitischen Religionen mal erläutern.


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25.10.2019 um 11:59
Zyklotrop schrieb:Vielleicht können wir das ja mal an einem konkreten Beispiel besprechen.
Siehe mein Beispiel mit dem Einhorn.


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25.10.2019 um 15:39
Ich bin katholisch erzogen worden und mir ist es immer auf die Nerven gegangen. Ich hätte am Sonntag lieber mal ausgeschlafen, als in die Kirche gehen zu müssen. Wir hatten ja samstags noch Schule. Stattdessen wurde ich immer aus dem Bett gescheucht, in irgendwelche Kleidung gesteckt, die ich nicht ausstehen konnte und in den Gottesdienst geschleppt. Meine erste Erfahrung mit Glauben war Zwang.

Ich hatte dann auch mal einen Partner, der sich gerade den Zeugen Jehovas zuwandte und später einen, der bei den Siebenten Tags Adventisten war. Beide hatten es am liebsten gehabt, dass ich auch in diese Glaubensgemeinschaft eintrete und mich gleich für irgendwelche Dinge für die Gemeinde eingeteilt. Nachdem ich das aber ebenfalls als Zwang empfand, hielten die Beziehungen nicht sehr lange.

Als ich erwachsen war, bin ich aus der Katholischen Kirche ausgetreten. Christentum ist definitiv nichts für mich und der Islam erscheint mir auch nicht sonderlich sympathisch. Bis auf Wicca hat mich auch noch nichts anderes besonders angesprochen. Ich eigne mich wohl nicht zur Anbetung irgendwelcher Götter. ;)


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25.10.2019 um 16:29
@Noumenon
Falls sich die Vorgehensweise auch auf Gottglauben anwenden lässt würde ich gerne ein der hier vorgeschlagenen Varianten diskutieren Beitrag von Zyklotrop, Seite 24
Deinen Einhornglauben habe ich zur Kenntnis genommen.


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25.10.2019 um 17:32
Ich war nie Atheist in dem Sinne, habe immer an die Existenz von Gott geglaubt, doch erst durch mein Studium der biblischen Prophetie und Typologie wurde ich in meinem Glauben gestärkt. Das Buch Daniel und die Offenbarung haben mir ermöglicht, zu verstehen, worauf die Geschichte dieser Welt hinausläuft und wo wir uns im Strom der Zeit befinden. Ich habe mich vor ein paar Jahren eine ganze Zeit lang von Gott und seinem Weg abgewendet und bereue es bis heute. Es lohnt sich, ihm zu vertrauen und durch ihn Freiheit von Sünde zu erlangen.


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25.10.2019 um 20:25
Zyklotrop schrieb:Falls sich die Vorgehensweise auch auf Gottglauben anwenden lässt würde ich gerne ein der hier vorgeschlagenen Varianten diskutieren Beitrag von Zyklotrop, Seite 24
Klar, gerne, nur ist mir leider irgendwie nicht so recht klar, worauf genau du hinauswillst. :ask:

Zumal ich neben dem Einhorn ja auch noch ein weiteres Beispiel brachte:
Noumenon schrieb:Einige Extrembeispiele für Glaubensvorstellungen, die nicht auf Basis von Wissen, Konsistenz, Plausiblität usf. hinterfragt werden, findet man bspw. beim Junge-Erde-Kreationismus...
Gerade vor diesem Beispiel erscheint mir deine Frage irgendwie ziemlich unsinnig:
Zyklotrop schrieb:Mit Hilfe welchen Wissens überprüft man am besten seinen Gottesglauben/seine Gottvorstellung?
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