perttivalkonen schrieb:Du kannst keine Theologie eines "Sohnes Gottes" für das JudenTerminologie als schon vorösterlich verwendet darstellen. Nach dem Mauerfall haben auch viele gesagt, sie hätten das schon vorher gewußt. Ernst nehmen kannste das nur, indem Du das glauben willst. Oder, indem es Vor-Mauerfall-Belege dafür gibt. Aber nicht, weil nach Mauerfall wer was für vor Mauerfall behauptet.
Also erstmal: wenn ich von Theologie spreche, dann heißt das nicht automatisch, dass die Juden ein umfangreiches, volles und fehlerloses Verständnis darüber hatten. Aber die Terminologie und wenigstens ein wenig über diese ganze Thematik war ihnen schon bekannt, und das sehen wir am Neuen Testament.
So, nun zu deinem Beitrag. Du meinst, ich kann keine Theologie für einen Sohn Gottes als vorösterlich darstellen. Aber es geht hier nicht um mich, sondern nehmen wir als Beispiel Matthäus: er tut genau das. Er schreibt von Begebenheiten, allesamt vor Ostern, in dem Petrus, und andere Juden, Jesus den Titel „Sohn Gottes“ zuweisen. Matthäus tut das, nicht ich tue das. Und ich bin ein Christ, ich glaube Matthäus, weil für mich auch das Evangelium von Matthäus das inspirierte Wort Gottes ist. Für mich ist Matthäus nicht das gleiche wie Menschen, die über einen Mauerfall berichten. Dem einen beuge ich mich, und nehme ihm beim Wort, die anderen teste ich.
perttivalkonen schrieb:Entweder kommt jetzt mal irgendein Beleg für eine vorösterliche jüdische Gottessohnvorstellung - bezogen auf eine exklusive Gottessohn-Füllung für eine EInzelgestalt - oder die Sache hat sich erledigt.
Der Beleg ist der Text. Bleiben wir bei Matthäus. Ob sich die Sache für dich erledigt hat, musst du entscheiden.
perttivalkonen schrieb:Nachösterliche christliche Texte fallen dafür weg, die bringen, selbst wenn sie von Vorösterlichem berichten, die nachösterliche und christliche Sicht darauf.
Das ist einfach deine Behauptung und Meinung. Das widerspricht in diesem Fall Matthäus. Er beschreibt vorösterliche Begebenheiten. Er sagt dann nicht: „übrigens, das ist nicht wirklich so gewesen“, er gibt keinen Anschein, dass das, was er schreibt, sich so zugetragen hat, wie du meinst. Du müsstest ihm also direkt diese Fälschung zuschreiben. Das, was Matthäus schreibt, ist eigentlich nicht so passiert. Das sind deine Worte, nicht die Worte des Matthäus. Laut ihm hat sich das genau so zugetragen, wie er schreibt. Du widersprichst hier also explizit Matthäus. Und ich gehe mit Matthäus.
perttivalkonen schrieb:Es steht genau so da. Schon im Vers zuvor ist von dem von Gott geweihten König auf dem Zion die Rede. Also von dessen Initiation. Und dann kommt just diese Ansage von "meinem geliebten Sohn, heute gezeugt". Der bedeutungskontext, die Weihe des Königs durch Gott selbst, ist vorgegeben, sie steht da, ich deute da nix rein. Im Gegenteil wäre es ungewöhnlich, erklärungsbedürftigg, letztlich unannehmbar, wenn der Psalm von Anfang bis Ende vom frisch gebackenen König in Jerusalem inmitten der heidnischen kriegsbereiten Umwelt handelt, und mittenmank steht völlig unvermittelt was über wen ganz anderen, ohne daß das mit dem Rest zuvor und danach zu tun hat.
Ja, und wer ist der Gott geweihte König auf Zion? Laut Neuem Testament ist es Jesus Christus. Auch der Beginn des Psalmes wird im Neuen Testament zitiert und auf Jesus Christus gedeutet:
der du durch den Heiligen Geist durch den Mund unseres Vaters, deines Knechtes David, gesagt hast: »Warum tobten die Nationen und sannen Eitles die Völker? 26 Die Könige der Erde standen auf und die Fürsten versammelten sich gegen den Herrn und seinen Gesalbten[7].« 27 Denn in dieser Stadt versammelten sich in Wahrheit gegen deinen heiligen Knecht Jesus, den du gesalbt hast, sowohl Herodes als ⟨auch⟩ Pontius Pilatus mit den Nationen und den Völkern Israels, 28 alles zu tun, was deine Hand und dein Ratschluss vorherbestimmt hat, dass es geschehen sollte.
https://www.bibleserver.com/ELB/Apostelgeschichte4Der ganze Psalm handelt von Jesus, dem König von Israel. Er soll die Nationen weiden, was seit seiner Himmelfahrt ständig seinen Lauf nimmt. Und wer den Sohn nicht „küsst“, laut dem Psalm, ihn nicht ehrt, der wird vergehen. Der Psalm findet eine wunderbare Erfüllung in Jesus Christus.
perttivalkonen schrieb:Nee Du, da wird der neue Herrscher als frisch gezeugter Sohn Gottes deklariert, woraus dem dann die Autorität über all die umgebenden und potentiell feindlichen politischen Nachbarn zukommt.
Ja, Jesus Christus hat seit seiner Auferstehung und Himmelfahrt die Autorität aller Nationen. Deswegen gebietet Gott auch nun allen Nationen, dass sie Buße tun sollen und umkehren, dass sie an den Sohn glauben und ihm gehorsam sein sollen. Lies mal den 110ten Psalm, der wird auch einige Male im Neuen Testament zitiert. Und rate mal, um wen es da geht?
perttivalkonen schrieb:Natürlich gibt es dann auch die christliche Interpretation dieser Psalmstelle, und die ist im christlichen Raum natürlich ebenfalls richtig.
„Im christlichen Raum natürlich ebenfalls richtig“ ^^ Ne du, laut Neuem Testament ist die christliche Interpretation die einzig wahre und voll-umfassende. Das, was du als eigentliche Interpretation haben möchtest, ist laut der Bibel nur ein Schatten, nur die Hülle der wahren Bedeutung.
perttivalkonen schrieb:Nur ist dies eben eine der "weiteren" Auslegungen.
Laut dir. Aber nicht laut der Bibel.
perttivalkonen schrieb:Stichwort Vierfacher Schriftsinn.
Bitte was? Wo sagt die Bibel darüber was?
perttivalkonen schrieb:Aber 1) ist das ne nachfolgende Auslegung, nicht die grundlegende, und 2) nur eine auf dem christlichen Verstehenshintergrund mögliche.
Deine Worte, nichts weiter.
perttivalkonen schrieb:Wenn Abraham den Sohn der Magd Hagar, Ismael, fortschickt und den Sohn der Hauptfrau Sara, Isaak, zum Erben einsetzt, dann sind damit erst mal Ismael und Isaak gemeint und mit Isaak, dem Vater Jakobs, auch das Volk Israel. Das ist die Grundbedeutung. Klar kann Paulus das dann typologisch auf die Erbfolge der freien Christen gegenüber den wegen der Thora unfreien Juden deuten. Aber kein nichtchristlicher Jude würde sagen, das sei eine auf jüdischem Verstehenshintergrund entwickelte und berechtigte Deutung.
Mich interessieren nichtchristliche Juden in diesem Zusammenhang nicht wirklich, denn laut Bibel sind sie verblendet und haben beim Lesen des Alten Testaments eine Decke über ihre Herzen, weil sie ungläubig sind, und Christus nicht anerkennen. Sie stoßen sich am Eckstein.
Und natürlich, die Bibel ist ein sehr typologisches Buch. Gott liebt anscheinend diese Art der Kommunikation. Aber du bist immer beim Typus, ich bin beim Neuen Testament, und dieses hebt den Antitypus hervor.
perttivalkonen schrieb:Es bleibt also dabei, Du setzt schon den christlichen Deutungshintergrund voraus und erklärst diesen für jüdisch hervorgebracht.
Ich setze das Neue Testament voraus.
perttivalkonen schrieb:Das issn Denkfehler.
Das ist christlicher Glaube.