Shiloh schrieb:Könntest du mir erklären, was dabei nicht ethisch u.a. unter dem Aspekt des Tierwohls sein würde?
Ich fände einen Walfall wesentlich ethischer unter dem Aspekt des Tierwohls als den Wal womöglich noch weitere Wochen elendig auf einer Sandbank verrecken zu lassen.
Vielleicht kommt das darauf an, wie man das Sterben von nahestehenden Menschen und Tieren selbst miterlebt und empfunden hat. Und mit dem Tod umgeht.
Wenn es zu Ende geht, macht man bei Mensch und Tier nicht mehr alles, was medizinisch machbar wäre - sonst würden Sterbende auf der Intensivstation liegen und nicht im Hospitz.
Irgendwann ist es die palliative Pflege (die ich mir, wie bereits geschrieben, auch für meine Tiere wünschen würde) - aber bei dem Wal ist da nichts, es gibt keine Möglichkeit Schmerz-und Beruhigungsmittel zu geben wie beim Menschen und 'Einschläfern' ging auch nicht (und ich kann nachvollziehen, dass man das nicht macht (oder nur sehr ungerne macht), wenn man spürt, dass das Tier leben möchte - dennoch können auch diese Tiere trotz Lebenswillen sterbenskrank sein.)
Und manchmal geht das Sterben schnell und manchmal dauert es - so ist die Natur. Das ist nicht immer leicht auszuhalten.
Ich sehe da auch kein 'Verecken auf der Sandbank' (ja, Timmy wäre mit Sicherheit gestorben), für mein persönliches Empfinden ist es besser ein sterbendes Tier (auch Mensch) in Ruhe sterben zu lassen, statt es durchgehend mit irgendetwas zu drangsalieren und zu stressen (Menschen, die neben Timmy stehen, das Baggern und das Verladen, jetzt der Transport auf dem Schiff....und für was - damit man Timmy nach all den Strapazen im Meer versenkt?
Ich teile hier die Ansicht der IWC (die die gleichen Kriterien anlegt, wie andere Walrettungsorganisationen auch - nicht jedes Tier wird gerettet, Rettungsversuche können das Tier mehr belasten, als ihm zu Gute kommt):
Auch Experten der Internationalen Walfangkommission (IWC) sehen das Rettungskonzept der privat finanzierten Initiative eher skeptisch. „Das Tier scheint schwer geschädigt zu sein und dürfte selbst bei einer Verbringung in tieferes Wasser kaum überleben“, hieß es in einer Stellungnahme des zuständigen Expertengremiums. „Nach unserer Einschätzung bedeuten diese Maßnahmen, obwohl sie gut gemeint sind, eine erhebliche zusätzliche Belastung für ein Tier, das bereits schwer erkrankt ist, und bringen letztlich kaum Nutzen.“
Quelle:
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/verantwortliche-sprechen-von-plan-b-was-passiert-wenn-wal-timmy-nach-seiner-freilassung-zu-schwach-ist-15539179.htmlJetzt, wo Timmy in der Barge ist - Plan B, bitte. Aber Plan A? WIe bekommt man Timmy wieder in die Barge, wenn er sich nicht als schwimmfaehig entpuppt? Da sollte doch ein nahliegender Gedanke sein, nach gut 5 Wochen herumliegen?
Von der Meden sagte, sie gehe zunächst davon aus, dass der Meeressäuger ohne Bedenken ausgewildert werden kann. Sollte das Tier allerdings zu schwach sein, gäbe es Alternativen: „Es gibt auch Wal-Auffangstationen, in denen ein Wal aufgepäppelt werden kann“, so die Juristin.
Auch Umweltminister Backhaus verwies auf die Nachfrage von Journalisten auf diese Möglichkeit: „Plan B ist, dass er in eine Wal-Auffangstation kommt.“ Falls der Wal aufgrund geschwächter Muskulatur nicht von allein schwimmen könne, sei das eine Möglichkeit des weiteren Vorgehens.
Noch viele Fragen offen
Fragen darüber, welche konkreten Wal-Auffangstationen in dem Fall angesteuert werden sollen oder wie man das geschwächte Tier dann wieder in die Barge navigieren möchte, ließen die Verantwortlichen der Rettungsinitiative bei der Pressekonferenz offen. Zwar gibt es in Europa Auffangstationen, regionale Hilfsnetzwerke und Rehabilitationszentren für Schweins- und Belugawale und kleinere gestrandete Tiere – allerdings ist unklar, ob diese auch einen zwölf Meter langen und etwa zwölf Tonnen schweren Buckelwal wie „Timmy“ aufnehmen können.
Dieses Rettungsteam hat da doch keine Plan in der Tasche, wie es ausschaut.
Shiloh schrieb:Der Wal könnte es schaffen. In seinem natürlichen Habitat. Das wird man sehen. Niemand weiß es im Voraus. Es spricht genauso viel dafür wie dagegen. Es gibt keine Garantie.
Ziegenpetra schrieb:Aber noch lebt er!
Daher bin ich persönlich guter Dinge, dass es für ihn weitergehen wird.
Die sogenannten "Experten" haben ihn schon seit Wochen aufgegeben.
Ich befürchte nur, dass die Experten mit der Einschätzung des Gesundheitszustandes von Timmy recht hatten - Timmy wird nicht mehr gesunden und nicht mehr ueberlebensfähig sein in der freien Natur.
Jetzt sind die 'Quasiexperten' dran und singen ein Lobgesang auf den vermeintlich singenden Wal der singt, weil es ihm in der Barge sooo gut geht - woher um Himmels willen wollen sie das festmachen? Dieses Tönen kann ebensogut ein Zeichen von Stress oder Schmerz sein.
Und Backhaus treibt mich mit seiner Rührseligkeit und seiner Ignoranz und in den Wahnsinn - ich kann es nicht anders sagen. Ich sehe da nur einen eingebildeten Töpel, der gerne mal wieder Wahlkampf macht.
Die Fachleute beschimpft er, und auf seine Quasiexperten stützt er sich - und feiert sich, erklärt den Wal als gerettet, so das Statement in seinerletzten PK zum Wal - schwach, schwach, ganz schwach...
Ein Wal, der nicht lebensfähig in die See ausgebracht wird, ist nicht gerettet - hier heisst es abzuwarten.
Auch Kerstin Schlögl-Flierl vom Ethikrat hat sich zu Wort gemeldet und kritisiert Backhaus:
Die Meinung der Fachwissenschaft sei elementar. "Ich würde immer Meeresforscher, diejenigen, die sich wirklich mit den Walen auskennen, fragen, weil die können es am besten beurteilen", sagte sie. Sie sprach sich gegen sogenannte Quasiexperten aus. Der sehr spezifische Fall des Buckelwals sei sowohl eine tierethische, als auch eine medienethische Frage
Quelle:
https://www.stern.de/gesellschaft/regional/hamburg-schleswig-holstein/gestrandeter-wal-in-der-ostsee--ethikrat-mitglied--wal-drama-loest-einigen-die-ohnmacht-37321540.html
Photographer73 schrieb:Aber ich denke da immer an diesen Spruch - treib ein Tier in die Enge und es wird gefährlich... vll rechne ich deshalb auch mit mehr Bewegung, wie zb schlagen oä.
So kenne ich das auch bei Tieren:
Wenn es ihnen elend ist, sind sie sehr zugänglich - ganz schlechtes Zeichen.
Ein gesundes Tier wäre viel mehr auf der Hut.
Ahmose schrieb:Ich finde es auch befremdlich, das der Wal das alles mit sich machen lässt. Vielleicht ist er schon zu schwach für Gegenwehr. Wenn man es positiv sehen will, dann spürt er vielleicht, das man ihn retten will. Aber so etwas glaube ich ehrlich gesagt nicht.
Mein Eindruck ist auch, dass der Wal einfach nur apathisch ist.