Lento schrieb:Hier nochmal einen Bestätigung durch das Gericht, der schweren Fehler, die dem den Angeklagten mehr als 13 Jahre das Leben zur Hölle gemacht hat.
Richterin kritisiert Justiz
Die Vorsitzende Richterin Elisabeth Ehrl kritisierte die Ermittlungs- und Justizbehörden indes scharf. Sie sprach von einer "Kumulation von Fehlleistungen". Ihr erscheine es so, als sei bei den Ermittlungen "manches sehr einseitig verarbeitet und zu Lasten von Herr Genditzki" gewertet worden.
So kann man es wohl sagen.
Miami-weiß schrieb:Da die Richterin ganz klar formuliert hat, dass es an zahlreichen "Pannen" lag, weshalb es überhaupt zu der lebenslänglichen Strafe gekommen ist, kann es diesbezüglich interne Untersuchungen geben? Oder verläuft sowas im Sande? Also ganz unabhängig, ob Herr G. diesbezüglich noch weiter vorgehen möchte, quasi von Amts wegen? Vielleicht kann @Rick_Blaine etwa dazu schreiben?
Interne Untersuchungen? Nein, dazu hat die Polizei weder Zeit noch Personal noch wird sie eine Veranlassung sehen. Natürlich sind solche Fehler bei Ermittlungen zuweil extrem tragisch, wie in diesem Fall, wo einem Unschuldigen 13 Jahre seines Lebens gestohlen wurden. Aber solange man nicht von Vorsatz sprechen kann, ziehen Fehler keine deutlichen Folgen nach sich. Freilich kann sich so eine Schelte eines Gerichts negativ auf die Karriere auswirken, dann wird man eben nicht Leiterin eines Morddezernates oder so, aber die Folgen sind auch hier dank des Beamtenstatus recht überschaubar.
Ansonsten will ich mich an der immer noch andauernden Diskussion auch nicht mehr gross beteiligen, denn ich halte es mit
muscaria schrieb:Ich gehöre auch zu denen, die quasi ab Seite 1 der Meinung waren, dass Manfred Genditzki niemals hätte verurteilt werden dürfen.
Und mich hat es oft entsetzt, mit welchem Belastungseifer sich in den fast 5 Jahren seit Threaderstellung einige User hier die Finger wundgeschrieben und andere niedergemacht haben.
Von daher freue ich mich, dass dieser unermüdliche Kampf heute in einem Freispruch mündete.
Ich habe es von Anfang an gesagt, dass hier ein Fehlurteil vorlag, da Genditzkis Schuld keinesfalls zweifelsfrei bewiesen wurde. Ob nun seine tatsächliche Unschuld zweifelsfrei erwiesen ist, kann man diskutieren, aber das ist müssig, denn rechtlich wurde sie festgestellt, und das zählt.
Ich gehöre weder zu den Bayern-bashern, noch zu jenen, die unglaublich viele Fehlurteile wittern, Toth, Darsow, Mazurek usw - in all diesen Fällen sehe ich aus meiner Sicht als Jurist und auch vom gesundem Menschenverstand aus keine Justizirrtümer.
Schade ist, dass immer noch einige nicht anerkennen wollen, dass menschliche Justiz auch mal fehlbar sein kann und wird. Unverständlich wird für mich, wenn gerade die, die hier und in anderen threads immer felsenfest von Unabhängigkeit und Unfehlbarkeit der deutschen Justiz reden, jetzt auf einmal politischen Druck usw. bemühen, um dieses neue Urteil zu erklären.
Mein unmassgebliches Lob muss ich Kollegin Rick aussprechen, ohne deren Hingabe an diesen Fall vermutlich kein Freispruch erfogt wäre.
Immerhin kann man sagen, dass die professionellen Juristen am Münchner Landgericht ihr Amtsverständnis nicht nach dem berüchtigten römischen Konsul Gnaeus Calpurnius Piso d. Ä. verstehen, das ist doch schon mal gut.