Hallo
@Slaterator!
Grüße auch zurück!
Slaterator schrieb:Wenn man sogar einer "illegalen" Tätigkeit nachgeht, hätte ich an Stelle der Porschebesatzung dann aber dafür gesorgt, dass alles möglichst unauffällig abläuft. Da halte ich nicht entgegen der Fahrtrichtung auf der Gegenspur, lasse das Abblendlicht, also Zündung und ggf. den Motor laufen und mache noch das Innenlicht an. Das alles passiert dann auch noch ausgerechnet an der Stelle, wo wenige Stunden später die Leiche von Marion Baier gefunden wird, umgeben von einer Brachfläche und Baugruben. Da gibt es definitiv bessere Orte und unauffälligeres Verhalten. Gerade dann, wenn man gegen ein geltendes Gesetz verstößt, das -wie du sagst- "nicht so ohne" war.
Du missverstehst da den Kuppelparagraphen. Im Auto "rummachen" war absolut legal und wurde darum auch eifrig landauf, landab praktiziert. Wären sie nach Hause gegangen und unverheiratet gewesen, der Hausbesitzer hätte wegen Kuppelei dran sein können. Witziges Detail am Rande: Der Kuppelparagraph war ein Ding der Nachkriegszeit, selbst zu Kaisers Zeiten gab es sowas nicht, sogar damals war man da schon weiter gewesen. :-)
Jedenfalls halte ich die Zeugenaussage zum Porsche und seinen Insassen für bestenfalls seltsam. Wie erwähnt, glaube ich das der Zeuge unter dem Eindruck, daß eine Leiche dort gefunden wurde, seine Aussage dramatisiert hat. Wer prägt sich soviele Wagendetails ein, schaut aber nicht nach dem Rechten? Ich theoretisiere das das Pärchen entweder "Spaß hatte", was durch die Enge des Fahrgastraums der frühesten 911er wie ein Kampf rüberkommen könnte oder sie hatten Krach, weil der Fahrer, wie von
@Dew und
@Gildonus erwähnt, es etwas zu sportlich angehen ließ.
Slaterator schrieb:Da erschließt sich mir nicht, warum er wegen dieser Zugehörigkeit zu den anderen Halbstarken nicht ermittelt werden konnte?!
Unterschiedliche Bekanntenkreise mit unterschiedlichen Haltungen zur Polizei. Bei uns in der Gegend gibt es beispielsweise einen Cold Case wo eine Bekannten/Freundesgruppe der vermissten Person garantiert etwas weiß, aber bis heute keinen Piep über Allgemeinplätze hinaus der Polizei mitgeteilt hat.
Slaterator schrieb:Das Marion Baier außerhalb eines Fahrzeuges am Fundort erschlagen wurde, sehe ich persönlich als gesicherte Tatsache an. Ich bezweifle aber, dass die Tat deshalb nicht in einem Fahrzeug begonnen haben kann. Das es sehr wahrscheinlich einen Kampf zwischen Opfer und Täter gegeben hat, wird ja bereits im Filmfall von 1974 gesagt. Es begann vielleicht im Auto, Marion riss sich los und flüchtete aus dem Fahrzeug, der Täter holte sie ein und erschlug sie dann. Eine plötzliche Eskalation.
Das ist richtig, daß es in einem Fahrzeug begonnen haben kann, muß aber nicht. Zum Einen wurde nicht nach Kleidung gefragt, die im Auto verblieben war, woraus sich schlußfolgern ließe, daß die komplette Bekleidung aufgefunden wurde. Zum anderen dürfen wir nicht die Entfernungen vergessen.
Nachdem was mir bislang bekannt ist, war die Entfernung vom Festplatz in Zirndorf zu Marions Zuhause etwas über 2 Kilometer Fußweg, entlang bewohnter Strecke, nicht irgendwelche Feldwege. Trampen halte ich für komplett ausgeschlossen, du läufst diese Strecke schneller als ein Wagen anhalten wird.
Der Tatort liegt höchstens 300 Meter von Marions Haus/Wohnung entfernt, womöglich kann man sogar hinsehen. Ich halte eine Vorverabredung für zwingend und das Treffen dort wahrscheinlich noch bei Tageslicht oder früher Dunkelheit. Selbst ohne Sommerzeit ist es Anfang Juli bis nahe 22 Uhr in unseren Breiten halbwegs hell, wenn es keine/kaum Bewölkung gibt.
Marion und ihr Umfeld kommen sehr normal rüber, selbst für eine frühreife, selbstbewußte 12jährige in den Siebzigern halte ich unter solchen Umständen ein Draußensein bis Mitternacht gerade noch denkbar, länger nicht. Und ich halte es für noch wahrscheinlicher durch den Schulmontag das Marion wohl mit einbrechender Dunkelheit zuhause sein wollte.
Gildonus schrieb:Ich wundere mich schon das die beiden Fahrzeuge überhaupt in der Sendung Aktenzeichen XY erwähnt wurden. Die beiden Fahrzeuge sind auf ihre Art selten und leicht zu identifizieren, es wurde auch nur erwähnt das sie gesehen wurden und nicht das man die Fahrer als Zeugen o.Ä. sucht. Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern. Wenn man die Halter zeitnah ermitteln konnte, was ich für wahrscheinlich halte, waren beide Sichtungen für den Filmfall oder die Ermittlung unwichtig geworden.
Ich vermute das man für den Filmfall irgend ein "Füllstoff" brauchte, den Fakten, auch Punkte die wissenswert sind um Zeugen zu erreichen, werden kaum genannt. Als "alter Ketzer" behaupte ich mal die Sendung grenzt schon an Arbeitsverweigerung.
Wahrscheinlich weniger "Arbeitsverweigerung" als vielmehr die Tatsache, daß Marion Baier und ihre Familie ziemlich genau Durchschnittsbürger waren und sie einfach wahnsinniges Pech hatte an einen mörderischen Vollarsch (Entschuldigung für die Wortwahl) zu geraten.
Das ist ein Unterschied zu Kempten, denn Sonjas Umfeld war deutlich problembehafteter.
Generell jedoch weisen beide Fälle große Parallelen auf: 2 älter wirkende Teenager, jeweils das erste Juliwochenende, Stadtfeste, beide Opfer nahe ihrer Zielorte getötet/abgelegt (binnen 300 Metern), Rocker, wenn auch unterschiedlich stark, involviert.
Beachtenswert finde ich auch, daß Kempten weiter auf das Umfeld der jugendlichen Rabauken setzt. Es wird von allen Seiten die enge Zusammenarbeit hervorgehoben. Da muß es einen guten, nicht genannten Grund geben, weshalb man trotzdem an den Hugendlichen dranbleibt, denn ganz so jugendlich kann der Täter 1981 nicht mehr gewesen sein.