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Mordfall Hinterkaifeck

48.074 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Bauernhof, Hinterkaifeck ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Mordfall Hinterkaifeck

Mordfall Hinterkaifeck

07.10.2018 um 13:45
Zitat von frauzimtfrauzimt schrieb:ich hänge auch der Theorie Leichenabdeckung zur Wiedergutmachung nicht an.
Das kommt sicher vor, passt für mich aber nicht zu diesem Täter.
Vor allem nicht zu dieser gefühllos anmutenden Aufstapelei in der Scheune.

Die Abdeckung hatte einen Zweck, den sie übrigens auch erfüllt hat.
Die Leichen sollten schlichtweg möglichst spät entdeckt werden.
Möglich, aber das lässt ausser Acht, dass sie dazu nicht hätten gestapelt werden müssen. In dem Stallbereich waren sie von aussen nicht einsichtig, auch erklärt das nicht, dass die beiden anderen Leichen nicht gestapelt wurden. Alle Leichen sind an ihrem Tatort verblieben. Das ist das eine erkennbare Muster. Das zweite erkennbare Muster:da wo sich der Täter nach dercTat noch bewegte (Stall zur Fütterung), wurden die Leichen verdeckt. Das spricht sehr deutlich in Richtung “ ich will nicht sehen was ich tat” und damit wieder in die Richtung Beziehungstat.


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Mordfall Hinterkaifeck

07.10.2018 um 14:36
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:Möglich, aber das lässt ausser Acht, dass sie dazu nicht hätten gestapelt werden müssen. In dem Stallbereich waren sie von aussen nicht einsichtig, auch erklärt das nicht, dass die beiden anderen Leichen nicht gestapelt wurden.
@EdgarH
Wenn jemand einen Bauer sprechen möchte, weiss er wo er sich gerade aufhalten wird. Es gibt feste Abläufe auf den Höfen. Rufen, in eine Scheune gucken, durch die Fenster gucken (wenn sich niemand zeigt) ist etwas ganz Normales.
Im Dorf würde man die Nachbarn fragen. Aber HK war ein Aussiedlerhof.

Und wie gesagt, wenn der Bauer (gilt auch für Bäuerin und Kinder), in der Scheune, Stall beschäftigt sein könnten, guckt man da rein.

Hofer, der Monteur hat sich erinnert:
Er ist um 9 Uhr vormittags angekommen. Ihm ist aufgefallen, dass das Scheunentor offen war und der Hund an der Haustür angebunden war und bellte. Es hat dann ein paar Stunden später ganz anders ausgesehen.
https://www.hinterkaifeck.net/wiki/index.php?title=Schlittenbauerchronik2:_11


Die Auffindung:

Lorenz Schlittenbauer ..Jakob Sigl und Michael Pöll ...Zu dritt machen sich die Auffindungszeugen auf den Weg.
Das Tor im Hofinnenraum stand offen, dort gingen sie hinein und brachen die Tür zum Stadel gewaltsam auf. (so ist das, wenn sich auf dem Hof und im Haus niemand meldet)

...Im Stadel sahen sie ein losgerissenes Rind, das am Eingang zum Stall stand und durch dir Türe blickte. Schlittenbauer stolperte über etwas, ging aber weiter bis der hinter ihm gehende Pöll ihm zurief, dass das schon etwas läge. Schlittenbauer machte kehrt und zog aus einem Heuhaufen einen Fuß heraus. In der Leiche erkannte er den Andreas Gruber. Dann fanden sie nacheinander die Leichen der Cilli (die zur Seite gelegt wurde) und die von Viktoria und ihrer Mutter.

https://www.hinterkaifeck.net/wiki/index.php?title=Sachverhalte:_Die_Auffindung#Vorhut:_die_Kinder_schauen_sich_um

Scheunen/Ställe wurden damals nicht so fest verriegelt, wie das heute möglich ist.
Man konnte sich gegen die Türen lehnen und die Riegel gaben nach.
Auch war es dem Täter wahrscheinlich nicht sonderlich schwer, die Körper der Toten übereinander zu werfen. Das könnte ja schon sofort, nach den tödlichen Schlägen passiert sein.
Die Tür wurde drauf gelegt, weil der Täter die Gepflogenheiten auf dem Land kannte.
Über kurz oder lag kommt jemand auf den Hof, sucht den Bauern und drückt, wenn sich überhaupt niemand zeigt, die Stalltür auf.

Wir reden hier nicht von einem Täter, der sich zur Tatverschleierung Zeit genommen hat. Die Leichen wurden nicht vergraben oder woanders hingebracht.
Nein, hier wollte jemand auf eine ganz schnelle Art (in nicht mehr als 5 Minuten) die Toten verdecken. Und nicht auf die pietätvolle Art.

(Gibt es nicht einen Bericht über eine begonnene Grube? Aber das kann auch nur Legende sein. Hat nicht der Lehrer davon erzählt?)


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Mordfall Hinterkaifeck

07.10.2018 um 15:42
Ich gehe auch stark von einer Beziehungstat aus, vielleicht im Endeffekt sogar erweiterter Selbstmord
und eben dem "gefallenen" Mann.

Das Soldaten untergetaucht sind, hats in den Kriegswirren sehr oft gegeben und aus den unterschiedlichsten Gründen. Zudem sind da auch übelst traumatisierte Männer heimgekehrt, mit scheußlichem Gemetzel und entsprechend abgesenkter Hemmschwelle allzuvertraut. Sich da allein durchzuschlagen heimwärts ist auch mehrfach vorgekommen und einem halbwegs gesunden Bauern und Soldaten auch sicher eher möglich, als einem Städter. Tags schlafen, nachts laufen und möglichst flott aus Frankreich raus. Aus Russland haben das auch welche geschafft, aber erheblich weiter.

Wenns da sogar einen Prozess gegeben hat, hat er von der "Schande" und dem weiteren Kind, für das auch noch zwei Väter zur Debatte standen, vielleicht sogar aus der Zeitung seiner Heimat unterwegs irgendwo erfahren, hat sich bei Ankunft daheim dann erst noch versteckt, gewartet, um eigene Gewissheit zu haben, dass nichts jemals wieder so werden kann, wie es für ihn mal ein zuhause war, und dann vielleicht sogar inflagranti Vater und Tocher im Heu erwischt, was die Wut sicher nicht geschmälert haben dürfte.

Nach seinem Selbstverständnis wars: "Meine Frau, mein Hof" ....auch plausibel.

Dass ihn der Hund gut kennt und auf ihn hört, auch absolut plausibel.

Nach den üblichen Moralvorstellungen damals unfassbare Schande, zumal weit draußen auf dem katholischen Land. Die betreffenden Kinder...ebenfalls mit lebenslanger Schande behaftet, wenn sie am Leben bleiben....Da und mit den Morden dann ist auch ein Identitätswechsel oder Selbstmord in seiner Lage auch schon hinreichend begründet gewesen.
Ebenfalls "Ehrensache", noch die Viecher zu versorgen, besonders für eben jemand mit Bindung zum Hof und/oder mindestens landwirtschaftlichem Hintergrund.
Erstrecht, wenn wahrscheinlich mangels anderer Überlebender ja sogar SEIN eigener Familienzweig erben wird?!.

Auch plausibel, dass er evtl. kurzfristig erstmal "negiert" hat, und begonnen, den Hof selbst zu bewirtschaften, ihm muss aber schnell klar geworden sein, dass da so nix mehr draus werden kann. .....also Suizid oder endgültig untergetaucht und, was weiß ich, Fremdenlegion, ausgewandert. Da gabs genug Möglichkeiten.

Also ich glaube der alten Dame da jedes Wort und finde das in sich schlüssig.

Furchtbare und tragische Geschichte, aber gar nix so "Außergewöhnliches"

Motiv massig da.... und wer profitiert....passt ggf.ja dann auch.
Wer hat geerbt?


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Mordfall Hinterkaifeck

07.10.2018 um 17:50
Zitat von frauzimtfrauzimt schrieb:Die Tür wurde drauf gelegt, weil der Täter die Gepflogenheiten auf dem Land kannte.
Aber genau das ist nicht passiert- niemand bis zur Auffindung ging in den Stall. Und als das erstmalig geschah wurden die Leichen sofort entdeckt. Das wäre dann auch schon bri einer früheren Begehung passiert, man muss ja förmlich über die Leichen im Stall auf dem Weg ins Wohngebäude gestolpert sein- sie lagen ja unmittelbar an der Tür. Ich kann da wirklich krin Verstecken vor Auffinden sehen, nur eine klassische Verdeckung eines Täters, der da eben nehrfach nach der Tat dean vorbei musste, um die Tiere zu füttern


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Mordfall Hinterkaifeck

07.10.2018 um 22:32
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:Aber genau das ist nicht passiert- niemand bis zur Auffindung ging in den Stall. Und als das erstmalig geschah wurden die Leichen sofort entdeckt. Das wäre dann auch schon bri einer früheren Begehung passiert, man muss ja förmlich über die Leichen im Stall auf dem Weg ins Wohngebäude gestolpert sein- sie lagen ja unmittelbar an der Tür. Ich kann da wirklich krin Verstecken vor Auffinden sehen, nur eine klassische Verdeckung eines Täters, der da eben nehrfach nach der Tat dean vorbei musste, um die Tiere zu füttern
Du denkst zu logisch. Als hätte der Täter genau gedacht und berechnet, was passieren würde.
Ich denke, dass er sehr hastig gehandelt hat, als er die Leichen verborgen hat.
Vielleicht war es eine 2. Person, die hinter dem Täter schnell "aufgeräumt" hat?

Ich kann nur sagen, dass ich eine Abdeckung aus emotionalen Gründen- ein "Ungeschehen"machen", hier überhaupt nicht sehen kann.

Wenn nur Viktoria, Cilli und der kleine Junge abgedeckt worden wären. Wenn das würdig ausgesehen hätte, würde ich drüber nachdenken.
Aber Viktoria lag zwischen den Leichen.
Und wozu die Magd verdecken? Hatte das auch einen tieferen Sinn?

Ich will dich nicht von meiner Meinung überzeugen, aber es wäre schön, wenn du deinen Gedanken festhalten und trotzdem über eine andere Möglichkeit nachdenken würdest.

Es gibt hier mehrere Täter-Möglichkeiten. Das Motiv ist nicht klar.

Ich halte auch eine Beziehungstat für möglich.
Nur diese Verdeckung - so wie sie hier vorgefunden wurde, ist für mich kein Beleg für eine Beziehungstat.


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Mordfall Hinterkaifeck

07.10.2018 um 22:42
Zitat von frauzimtfrauzimt schrieb:Ich halte auch eine Beziehungstat für möglich.
Nur diese Verdeckung - so wie sie hier vorgefunden wurde, ist für mich kein Beleg für eine Beziehungstat.
Ich konzentriere mich auf das in meinen Augen auf Basis verfügbarer Informationen wahrscheinliche, ich weiß genauso wenig wie irgendjemand in diesem Forum oder sonstwo auf der Welt, wie es geschehen ist
Zitat von frauzimtfrauzimt schrieb:Ich denke, dass er sehr hastig gehandelt hat, als er die Leichen verborgen hat.
Vielleicht war es eine 2
Hast kann ich nicht erkennen, der Täter hat sich mindestens zeitweilig mehrfach (manche sprechen hier ja von einem durchgängigen Aufenthalt) auf dem Hof aufgehalten. Das ist das Gegenteil von Hast.
Selbst wenn der Täter im erdten Augenblick hastig gehandelt hat, wäre er noch lange genug auf dem Hof gewesen, um die schlampige Verdeckung zwecks nicht Auffindung zu vetbessern.
Zitat von frauzimtfrauzimt schrieb:Ich will dich nicht von meiner Meinung überzeugen, aber es wäre schön, wenn du deinen Gedanken festhalten und trotzdem über eine andere Möglichkeit nachdenken würdest.
Das gleiche gilt umgekehrt! Ich möchte nur anfügen: ich gabe keine Meinung, ich versuche wie oben erwähnt aus meiner Sicht logische Schlussfolgerungen zu machen.


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Mordfall Hinterkaifeck

07.10.2018 um 22:46
@frauzimt
Wir werden den Fall nicht mehr lösen. Jeder darf alles behaupten und meinen. Die Ansätze unterscheiden sich, das ist ja auch legitim und gut. Ich denke eben nur, keiner kann sich heute win vollumfängliches Bild machen, was sich genau zugetragen hat. Daher versuche ich so logisch wie möglich an die Sache heranzugehen. Ob das der falsche Ansatz ist, weiß ich nicht. Aber sie Alternative wäre spekulativ vorzugehen und dass bringt nach 100 Jahren nichts mehr (meine Meinung).


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Mordfall Hinterkaifeck

08.10.2018 um 11:00
@frauzimt,
meine Meldung bezog sich auf folgende Infos von Anfang April 2017:
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Thema Hinterkaifeck auf der miba-Bühne: Zweifel an der Schuld des Hauptverdächtigen

erstellt am 02.04.2017 um 16:50 Uhr
aktualisiert am 02.04.2017 um 22:17 Uhr

Ingolstadt (dk) Die beiden DONAUKURIER-Redakteure Mathias Petry und Christian Silvester haben am Sonntagnachmittag in der Halle 2 der miba ihr DK-Buch über den nie gelösten Sechsfachmord vor 95 Jahren in Hinterkaifeck vorgestellt. Mit Michaela Forderberg-Zankl hatten sie eine ausgewiesene Kennerin der Materie zu Gast auf der miba-Bühne.

Hinterkaifeck-Gespräch auf der miba am 2.4.2017
Mathias Petry (links) und Christian Silvester befragten auf der DK-Bühne der miba Polizeihauptkommissarin Michaela Forderberg-Zankl zum Thema Hinterkaifeck.
Foto:Ziegler

Die Hauptkommissarin hat sich bereits vor einem knappen Jahrzehnt mit einem 15-köpfigen Team intensiv an der Fachhochschule in Fürstenfeldbruck mit dem Thema beschäftigt. In der ZDF-Doku "Der Fall Hinterkaifeck" präsentierte sie damals die Ergebnisse ihrer Recherchen.

Ihre Kollegen von einst hätten für damalige Verhältnisse "viel gemacht", sagte Forderberg-Zankl. Dass man im April 1922 vergaß, Fingerabdrücke zu nehmen, wäre jedoch ein großer Fehler gewesen.
''Mehr Detailaufnahmen wären gut gewesen''

Fünf Fotos hat die Polizei seinerzeit nur geschossen. Darauf abgebildet sind die Leichen, wie man sie in dem Einödhof vorgefunden hat. Ob man nur einen einzigen Rollfilm dabei hatte oder ob unterwegs weitere Filme verloren gegangen sind, wird sich niemals klären lassen. So oder so, die Fürstenfeldbrucker Kommissarin hätte sich "mehr Detailaufnahmen" gewünscht. Diese wären hilfreich gewesen bei der Aufklärung der Tat.

Anders als vor rund zehn Jahren glaubt sie inzwischen nicht mehr an die Schuld des damaligen Gröberner Ortsführers Lorenz Schlittenbauer. Sie hat sich Jahre nach der ZDF-Doku ausführlich mit zwei seiner Nachfahren unterhalten. "Es war beeindruckend, wie liebevoll sie von ihm erzählt haben." Sie schließt jedoch auch einen Raubmord aus. "Dafür waren nach der Tat zu viele Wertsachen im Haus. Der oder die Täter hätten alle Zeit gehabt, das Haus zu durchsuchen." Die Theorie von einem politisch motivierten Femenmord indes findet sie "sehr weit hergeholt".

Forderberg-Zankl hat nicht vor, nochmal zum Thema Hinterkaifeck zu recherchieren, ist aber nach wie vor in Kontakt mit den Betreibern der Website hinterkaifeck.net. Für sie bleibt der nie aufgeklärte Sechsfachmord ein "dunkler Fleck in der bayerischen Kriminalgeschichte", der anhand der Aktenlage nicht klärbar sei. Sondern nur dann, wenn doch irgendwann noch weitere Dokumente auftauchen sollten, die eindeutige Hinweise auf den oder die Täter geben.

"Hinterkaifeck. Ein Kriminalfall mit 6 Toten, der die Menschen bewegt" heißt das Sachbuch, das ab sofort in allen Geschäftsstellen des DK sowie auf der Mittelbayerischen Ausstellung (miba) erhältlich ist.
Uwe Ziegler


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Bernstein


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Mordfall Hinterkaifeck

08.10.2018 um 11:13
Zitat von BernsteinBernstein schrieb:Anders als vor rund zehn Jahren glaubt sie inzwischen nicht mehr an die Schuld des damaligen Gröberner Ortsführers Lorenz Schlittenbauer. Sie hat sich Jahre nach der ZDF-Doku ausführlich mit zwei seiner Nachfahren unterhalten. "Es war beeindruckend, wie liebevoll sie von ihm erzählt haben."
Eine Unterhaltung mit nachkommen, 95 Jahre nach der Tat, die ihren Angehörigen "liebevoll" beschreiben reicht einer Kommissarin aus, einen Verdächtigung auszuschließen? ich halte das für einen schlechten Witz. Man kann doch nicht auf Hörensagen basierende Einschätzungen von Angehörigen (grds. tendenziell ja eher befangen) zum Anlaß nehmen, um dann davon abzurücken. Ich akzeptiere jede andere Begründung, aber eine solche ist lächerlich.
Zitat von BernsteinBernstein schrieb: "Dafür waren nach der Tat zu viele Wertsachen im Haus. Der oder die Täter hätten alle Zeit gehabt, das Haus zu durchsuchen."
Diese Begründung macht Sinn.


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Mordfall Hinterkaifeck

08.10.2018 um 13:52
@Bernstein
Danke
Genau diese ZDF-Doku hat mich damals mit dem Fall bekannt gemacht. Die unterschwellige Botschaft ist: Der Schlittenbauer ist verdächtig.
Das weiss ich auch noch. Ich habe dann hier im Forum weit mehr über den Fall erfahren.
Zitat von BernsteinBernstein schrieb:Ihre Kollegen von einst hätten für damalige Verhältnisse "viel gemacht", sagte Forderberg-Zankl. Dass man im April 1922 vergaß, Fingerabdrücke zu nehmen, wäre jedoch ein großer Fehler gewesen.
''Mehr Detailaufnahmen wären gut gewesen''
Ja, stimmt. Die Fingerabdrücke. Die sind ja anscheinend nicht gesichert worden.
Was die Fotografien betrifft: Ich habe damals in einem Artikel gelesen, dass der Fotograf eine Plattenkamera verwendet hat. Er hätte nur 5 Platten eingesteckt. (Keinen Rollfilm)
Aber möglicherweise hat der Autor da auch frei fabuliert.
Lässt sich ja anhand der Abzüge feststellen.
Zitat von BernsteinBernstein schrieb:Anders als vor rund zehn Jahren glaubt sie inzwischen nicht mehr an die Schuld des damaligen Gröberner Ortsführers Lorenz Schlittenbauer. Sie hat sich Jahre nach der ZDF-Doku ausführlich mit zwei seiner Nachfahren unterhalten. "Es war beeindruckend, wie liebevoll sie von ihm erzählt haben." Sie schließt jedoch auch einen Raubmord aus. "Dafür waren nach der Tat zu viele Wertsachen im Haus. Der oder die Täter hätten alle Zeit gehabt, das Haus zu durchsuchen." Die Theorie von einem politisch motivierten Femenmord indes findet sie "sehr weit hergeholt".
@EdgarH
Ich finde dennoch interessant, dass sich die Kommissarin weiter mit dem Fall beschäftigt. Auch ein Profi versucht sich hineinzudenken und tendiert in die eine oder andere Richtung (auch wenn die Fakten leider fehlen)
Hier steht ja ausdrücklich "glauben". Schlittenbauer wurde nicht als jähzornig beschrieben.
Die Kommissarin sagt doch nur, dass sie verschiedene Erzählungen über den einst als Nr1 geführten Schlittenbauer gesammelt hat und heute der Meinung ist, dass er seine Konflikte nicht gewaltsam gelöst hat. Jedenfalls sind ihr Wutausbrüche nicht bekannt geworden.

Ich glaube gewiss, dass jeder Mensch fähig ist, in einem Wutanfall einen Menschen zu töten.
Aber HK ist doch eine ganz andere Hausnummer.
Zitat von EdgarHEdgarH schrieb:Bernstein schrieb:
"Dafür waren nach der Tat zu viele Wertsachen im Haus. Der oder die Täter hätten alle Zeit gehabt, das Haus zu durchsuchen."
Diese Begründung macht Sinn.
Na, das ist doch klar :D


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Mordfall Hinterkaifeck

08.10.2018 um 16:42
Anfänger Fehler?

Die Hauptermittlungsarbeit wurde vom Schreibtisch in München aus koordiniert, die Ermittlungsarbeit selber konnte von den Gendarmerie-Stationen Hohenwart und Schrobenhausen nicht erfüllt werden.
Fememorde waren von politischer Brisanz setzten zeitintensive Ermittlungsarbeit voraus,welchen Stellenwert hatte HK 1922?.Die Arbeitsteilung zwischen Stadt- und Landpolizei im Fall HK war durch eine schlechte Zusammenarbeit geprägt. Es mangelte auch an einem Tatortfahrzeug mit der entsprechenden Ausstattung,erst 1927 kam ein solcher Wagen zum Einsatz. Papier war Mangelware, es fehlen oft Durchschläge.Die Schwester der Maria Baumgartner wurde erst nach mehr als 10 Jahren befragt, auch der Monteur Hofer erst nach Jahren. Oft wurden Namen verwechselt oder schlampig geschrieben.
Dann wurde die Tatwaffe nicht im Fellboden gefunden, wurde sie nach der Tat dort versteckt oder erst später?
Frisch gegrabene Löcher, Notdurft und viele anderen Dinge wurden nicht beachtet, auch das Taschenmesser konnte niemanden zugeordnet werden. Keine Sicherung von Fingerabdrücken bis auf einen Gipsabdruck.Eine große Menschenmenge strömte auf HK zusammen und behinderte die Ermittlungsarbeit wesentlich. Am Anfang ist die Rede von einem Depot in Augsburg, Schrobenhausen wird nicht erwähnt,war es nur ein Flüchtigkeitsfehler des Reporters?
Scheinbar wächst mit den Jahren der Druck, denn es kommen noch zwei ungeklärte Mordfälle im Raum Aresing und Donauwörth dazu, 1931 wurden zwei weiteren Menschen bei einem Überfall in der Nähe von Pöttmes die Schädeldecke eingeschlagen, auch dieser Fall wurde nie aufgeklärt.


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Mordfall Hinterkaifeck

08.10.2018 um 17:44
Zitat von jerryleejerrylee schrieb:Die Hauptermittlungsarbeit wurde vom Schreibtisch in München aus koordiniert, die Ermittlungsarbeit selber konnte von den Gendarmerie-Stationen Hohenwart und Schrobenhausen nicht erfüllt werden.
Das stimmt, das ist ja auch heute noch so. Dorfpolizeistationen haben keine Kriminalabteilung, weswegen auch "ortsfremde" Kriminalisten ermitteln. Außerdem waren damals die Straßen noch wesentlich unwegsamer als heute und die Fahrzeuge weniger zuverlässig als heute. Ein Pendeln zwischen München und Waidhofen wäre nicht so einfach möglich gewesen wie es das heute wäre. Der Zeitaufwand wäre enorm hoch gewesen.
Zitat von jerryleejerrylee schrieb:Fememorde waren von politischer Brisanz setzten zeitintensive Ermittlungsarbeit voraus,welchen Stellenwert hatte HK 1922?
Ich denke schon, daß es einen hohen Stellenwert hatte. Ich könnte mir allerdings vorstellen, daß den Fememorden eine höhere Priorität zugedacht wurde, da sie politische Ursachen hatten und ggf. den Bestand der sehr jungen Weimarer Republik hätten gefährden können.
Zitat von jerryleejerrylee schrieb:Dann wurde die Tatwaffe nicht im Fellboden gefunden, wurde sie nach der Tat dort versteckt oder erst später?
Es ist schwer zu sagen, wie intensiv gesucht wurde. Immerhin war die Reuthaue unter Brettern und Stroh "versteckt". Möglicherweise ging man zuerst davon aus, daß der Täter das Tatwerkzeug mitgenommen hat und hat deswegen nicht alle Bretter geöffnet.
Zitat von jerryleejerrylee schrieb:Keine Sicherung von Fingerabdrücken
Es ist (zumindest für mich) sehr schwer zu sagen, inwieweit die Daktyloskopie damals schon verbreitet und auch eingesetzt wurde. Eingeführt wurde sie 1903. Die Haue wurde ja auch auf Fingerabdrücke untersucht, aber gefunden wurde nichts. Das dürfte nicht nur daran gelegen haben, daß sie durch einige Hände gegangen ist (die Finder werden sicherlich nicht an solche Aspekte gedacht haben), auf Holz generell schlecht Fingerabdrücke zu nehmen sind (zumal der vom Gruber selbst geschnitzte Stiel sicherlich nicht besonders glatt war) und die Technik des Fingerabdrucknehmens sicherlich auch nicht perfektioniert war.


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Mordfall Hinterkaifeck

08.10.2018 um 17:54
allgemein:

Ich habe mir das Buch von Herrn P. Leuschner besorgt und werde es lesen.

Es gibt u.a. noch das Buch "Die Lerchenstimme" von Herrn Köppel.

Ist das Buch empfehlenswert?


Ich bin dankbar für Tipps....


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Mordfall Hinterkaifeck

08.10.2018 um 18:52
Zitat von jadajada schrieb:Es gibt u.a. noch das Buch "Die Lerchenstimme" von Herrn Köppel.
Ist das Buch empfehlenswert?
Ich kenne das Buch nicht, hab mich aber nach einigen Lesermeinungen im Internet dagegen entschieden.
Einige finden den Roman spannend, aber bei den Leute, die sich mit dem Kriminalfall beschäftigt haben, scheint er schlecht wegzukommen.
Das ist ein Kromi, der aufgrund der HK-Fakten geschrieben / erdichtet wurde.
Das Ende kann ich mir- nach den Kritiken-vorstellen.
Ich brauche den Roman nicht.


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Mordfall Hinterkaifeck

08.10.2018 um 19:29
@frauzimt
Danke Dir.

Ich hatte die Rezessionen auf der allseits bekannten Bestellplattform gelesen.


Die Idee, eines ganz anderen, als allgemein angenommenen Tatverlauf, finde ich interessant.


Daher mein Interesse, ob jemand sich das Buch "Die Lerchenstimme" schon zu Gemüte geführt hat und ob die Idee völlig aus der Luft gegriffen ist....
Hab es jetzt aber (hach, Rabattaktion etc.) digital gekauft. Wenn Interesse besteht, berichte ich nach dem Lesen.


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Mordfall Hinterkaifeck

09.10.2018 um 00:30
„Fehlboden“, Leute,

nicht

„Fellboden“.

Brrrrr......

🤗😉🤔


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09.10.2018 um 00:32
Wikipedia: Holzbalkendecke


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Mordfall Hinterkaifeck

09.10.2018 um 07:08
Es gibt bei der ganzen Sache um Hinterkaifeck noch einige Ungereimtheiten.
Wurden da Waffen und Flugzeugteile gelagert?
Es gab eine Schusswaffe auf Hinterkaifeck, die aber nach dem Verbrechen nicht auffindbar war.
Die Rolle Hofners und der Kaffeehändler...
Hofner kann nach 2 Jahren noch präzise die Verhältnisse auf dem Hof beschreiben, macht aber bzgl. seiner Wegstationen zum Hof und Abfahrt widersprüchliche Angaben. Die Sache ging auch damals durch alle Zeitungen, und er geht nicht zur Polizei, um eine Aussage zu machen? Erst nach 2 Jahren.
Flugzeugteile? Der Bruder von A.Hofner war bei der Luftwaffe im 1.WK ebenso die Kaffeehändler.
Hans Schwaighardt... bekannter SA-Killer(der saß aber in Haft in Österreich zur Tatzeit, wurde aber von Reingruber vernommen) war in derselben Kompanie wie Karl Gabriel im 1.WK.
Der Hof wurde im Vorfeld ausspioniert.(Münchener Zeitung sowie eine Person beobachtet)
Das eigenartige Verhalten der Bewohner vor der Tat. Spende im Beichtstuhl und so.
Auch glaube ich, daß die Polizei Druck von oben hatte, und deswegen sehr zurückhaltend ermittelt hat. Erkennt man auch im Muster der Befragungen.(meist nur, ob oder was jeder gesehen hat)
Ne... Es sieht alles nach einer aus dem Ruder gelaufenen militärischen Aktion aus.(viele ehemaligen Soldaten waren noch sehr verroht, was auch die Brutalität erklären würde) Hier wurden geziehlt Papiere gesucht... und es sollte was abtransportiert werden. Deswegen auch die längere Verweildauer der Täter auf dem Hof.
Widersprüchlich ist auch die Angabe von Blutspuren. Im Protokoll steht nur was von Spuren im Sall. Auf der Tatortskizze sind jedoch auch Blutspuren in der Küche eingezeichnet.
Ist aber alles nur reine Vermutung... wenn nicht noch ein Sensationsfund auftaucht, wird das alles eh im Dunkeln bleiben.
Glaube nicht an die wilde Theorie von der Beziehungstat.


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Mordfall Hinterkaifeck

09.10.2018 um 07:28
Glaube eher an einen politischen Mord. Eine Wiener Psychologin sagte im Podcast des BR, daß es planvoll vorgehende Täter wohl hätten sein müssen. Was hätte denn ein einzelner aus Eifersucht gerade zum Mörder gewordener Täter gemacht. Hätte alles liegengelassen und wäre abgehauen. Aber wahrscheinlich nicht ehemalige, durch den Krieg extrem verrohte Soldaten. Warum sollte denn auch ein Schlittenbauer, der ja gleich nebenan wohnt sich noch länger am Tatort aufhalten. Und die nächsten 5 Tage ohne erkennbare emotionale Reaktion den braven Familienvater spielen. Passt doch nicht. Alle Anschuldigungen gegen ihn kamen ja ausschließlich nur von ihm nicht so wohlgesonnen Bauern aus der Nachbarschaft. Und die Sache mit der Tür... im 1.WK wurden tote Soldaten häufig abgedeckt... für den Fall, daß "Tote plötzlich wieder lebendig werden" und angreifen. War jedenfalls keine emotionale Nachttathandlung, eher reiner Pragmatismus.


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Mordfall Hinterkaifeck

09.10.2018 um 08:03
Zitat von tourdemmtourdemm schrieb: im 1.WK wurden tote Soldaten häufig abgedeckt... für den Fall, daß "Tote plötzlich wieder lebendig werden" und angreifen. War jedenfalls keine emotionale Nachttathandlung, eher reiner Pragmatismus.
@tourdemm
Davon habe ich bisher noch nichts gehört, aber ich habe mich mit der Tötungspraxis im 1. Weltkrieg auch noch nicht detailliert beschäftigt.
Danke für diesen Vorschlag, warum die Toten im Stall abgedeckt worden sein könnten- und Stroh nicht gereicht hat. Vielleicht sollte mit dem Stroh die Tür verdeckt werden.

Pragmatismus sehe ich auch hinter dieser Abdeckung der Leichen der Erwachsenen im Stall auch.
Allein schon, weil der Täter die Toten pietätvoller hätte ablegen und zudecken können.


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