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Mordfall Hinterkaifeck

52.546 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Mord, Bauernhof, Hinterkaifeck ▪ Abonnieren: Feed E-Mail
Zu diesem Thema gibt es eine von Diskussionsteilnehmern erstellte Zusammenfassung im Themen-Wiki.
Themen-Wiki: Mordfall Hinterkaifeck

Mordfall Hinterkaifeck

10.01.2026 um 19:18
@AnMA
Zitat von AnMAAnMA schrieb:Es war - religiös und gesellschaftlich gesehen - damals eine große Schande, wenn eine Frau ein uneheliches Kind bekam. Das war damals schlimm. Heute können wir uns das nicht mehr vorstellen. Den eigentlichen Begriff "unehelich" gibt es so heute auch nicht mehr. Heute spricht man von "außerehelich". Bald jährt sich der Fall zum 104 mal.
Ich lebe am land. Uneheliche Kinder gab es viele. Auch meine oma, 2 Kinder, 2 Väter. Wäre hier kein "Geschmack", dass der Hausherr der Vater von dem kleinen war, wäre es eine normale Situation gewesen. Verwitwete Bäuerin bekommt ein kind. Nicht toll, aber so was gabs immer schon.


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Mordfall Hinterkaifeck

10.01.2026 um 19:33
Zitat von loiselloisel schrieb:Ich lebe am land. Uneheliche Kinder gab es viele. Auch meine oma, 2 Kinder, 2 Väter. Wäre hier kein "Geschmack", dass der Hausherr der Vater von dem kleinen war, wäre es eine normale Situation gewesen. Verwitwete Bäuerin bekommt ein kind. Nicht toll, aber so was gabs immer schon.
Ich denke auch, dass man das nicht überbewerten sollte, schließlich war sie als Bäuerin gut versorgt. Sie war nicht darauf angewiesen, Arbeit oder Wohnung zu finden, da waren uneheliche Kinder auch damals kein so großes Problem. Gabs auch in meiner Familie und nicht mal der gute Ruf hat so gelitten, wie man sich das heute teilweise vorstellt.

Deshalb sehe ich auch nicht, was ein potentieller oder vermeintlicher 3. möglicher Vater des Kindes damit zu tun haben sollte.
Hätte es einen solchen gegeben, hätte er zu Lebzeiten des Kindes kein Problem gehabt und vom Tod nicht profitiert - was sollte also ein Motiv darstellen, die Familie abzuschlachten? Die Tatsache, dass er NICHT zu Unterhaltszahlungen verdonnert wurde etwa? Nicht sonderlich plausibel.

Ebenso verhält es sich mit LS - der Unterhalt war abgegolten, er hat dabei keinen Verlust gemacht und die Sache war für ihn erledigt.


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Mordfall Hinterkaifeck

10.01.2026 um 19:55
Hallo,
mir ist bekannt, dass hier Profis sind, die den Plan des Hauses im Kopf haben. Ich gehe davon aus, daß der/die Mörder in den Hof als "Besuch" sprich eingelassen wurde. Wenn man nun ein Gespräch führen wollte, ohne dass einem jemand zu hört, wo wäre der Raum im Haus gewesen. Die Magd war ja da und sollte evt. nicht hören, um was es ging. Der Raum sollte mindestens 4 Menschen Platz bieten und nicht zu "auffällig" sein. 4 Mann hoch ins Schlafzimmer wäre sehr auffallend und ungewöhnlich gewesen. Drei Erwachsene die mit einem Besucher in den Stall gehen wäre unauffällig. Tarnstory: Kumm XY, schau mal mit nach der Kuh/dem Kalb/dem geplanten umbau. Wäre der Magd nicht ungewöhnlich erschienen.

Daher meine Frage:
Wo hätte man an dem Abend reden können, ohne dass die Magd was mitbekommt.

Die Kleine hätte später entweder von der Magd in den Stall geschickt worden sein ( Schau doch mal wo die solange bleiben? ) oder aus eigenem Antrieb ( vorm Bett gehen von Mama verabschieden ). Da der/die Mörder eingelassen wurden, musste auch die Zeugin Magd entsorgt werden.


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10.01.2026 um 21:19
Zitat von loiselloisel schrieb:Ich lebe am land. Uneheliche Kinder gab es viele. Auch meine oma, 2 Kinder, 2 Väter. Wäre hier kein "Geschmack", dass der Hausherr der Vater von dem kleinen war, wäre es eine normale Situation gewesen. Verwitwete Bäuerin bekommt ein kind. Nicht toll, aber so was gabs immer schon.
Als Gegenbeispiel:

Ich komme nur aus einer ländlichen Gegend. Als meine Mutter 1960 meinen Halbbruder bekam schickte meine Oma sie zu Verwandten. Das waren eh die schwarzen Schafe der Familie in 180 km Entfernung.

Gerede gibt es wohl immer. Wie letztendlich damit umgegangen wird ist so unterschiedlich, wie Menschen selber. Und _für mich_ ist der Umgang mit dem Thema Inzest ein Hinweis darauf, das man katholisch gewesen sein mag. Aber selbst das scheint kein kategorisches Ausschlußkritierium für den Umgang mit den HKler gewesen zu sein.


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Mordfall Hinterkaifeck

10.01.2026 um 22:27
An sich war je nach Gegend der Anteil an unehelichen Kindern sogar sehr gross. In einigen gegenden der Steiermark in 18. Jhdt waren sie sogar in der Mehrheit. Es gab aber meines Wissens grosse Schwankungen, regional und zeitlich. Da zb Knechte oder Dienstboten teils nur schwer heiraten konnten waren uneheliche Kinder nicht so selten wie man denken könnte. Was eher zumindest hier auf dem Land ein Problem war waren gemischt konfessionelle Ehen, uneheliche Geburt war das kleinere Problem. Allerdings kenne ich die Verhältnisse in Bayern nicht näher.


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11.01.2026 um 10:24
Zitat von vio81vio81 schrieb:Hätte LS durch den Mord den Hof bekommen wollen, hätte er den kleinen Josef wohl nicht getötet, denn dieser wäre als Überlebender dann der Erbe gewesen.
Verstehe ich nicht. Wie hätte LS denn "den Hof bekommen" sollen, wenn es einen Erben gab? Doch eher noch weniger als ohne den Knaben.


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Mordfall Hinterkaifeck

11.01.2026 um 16:22
Zitat von ErnstHellfritzErnstHellfritz schrieb:Verstehe ich nicht. Wie hätte LS denn "den Hof bekommen" sollen, wenn es einen Erben gab? Doch eher noch weniger als ohne den Knaben.
Wenn er rechtlich betrachtet der Vater des Kindes war und das Kind als einziger die Mordnacht überlebt hätte, hätte LS den Jungen zu sich nehmen können und somit auch den Hof.


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Mordfall Hinterkaifeck

11.01.2026 um 17:34
Ist das denn gesichert? Als unehelicher Vater hätte er doch höchstens treuhänderisch das Erbe verwalten können, oder? Und was, wenn die Gruber-Sippe seine Vaterschaft, die LS ja wiederholt bestritten hatte, angefochten hätte?


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Mordfall Hinterkaifeck

13.01.2026 um 07:34
@ErnstHellfritz
Nein, das ist natürlich nicht gesichert. Du hast Recht. Der leibliche Vater und sein uneheliches Kind galten damals nicht als verwandt.
Das damalige BGB im Wortlaut (Markierung durch mich):

Bürgerliches Gesetzbuch, 1900
Zweiter Abschnitt.

Verwandtschaft.

Erster Titel.

Allgemeine Vorschriften.

§. 1589. Personen, deren eine von der anderen abstammt, sind in gerader Linie verwandt. Personen, die nicht in gerader Linie verwandt sind, aber von derselben dritten Person abstammen, sind in der Seitenlinie verwandt. Der Grad der Verwandtschaft bestimmt sich nach der Zahl der sie vermittelnden Geburten.

Ein uneheliches Kind und dessen Vater gelten nicht als verwandt.
Quelle: https://www.koeblergerhard.de/Fontes/BGBDR18961900.htm




@loisel
@Desperadoo
Bis 1900 erhielt man erst dann eine Heiratsgenehmigung, wenn man nachweisen konnte, eine Familie auch ernähren zu können. Gerade die unteren Einkommensschichten taten sich da schwer und das Eheeintrittsalter lag durchschnittlich bei 27 Jahren, was oft auch mit einer Hof- oder Betriebsübernahme zusammenhing. Das erklärt den hohen Anteil unehelicher Kinder von ca. 13% für Bayern.
Ein uneheliches Kind zu bekommen war also mitnichten unüblich, auch wenn die Kirche da nicht sehr erfreut war. Zum 100. Jahrestag veröffentlichte das Bistum Augsburg folgendes Dokument, das über die ganze Zeit festhielt, dass Viktoria einen kirchlichen Rüffel wegen der Geburt ihres unehelichen Josefs bekam:
Die Kindsmutter wurde heute vom Pfarrer

eindringlich verwarnt.

Waidhofen, den 1. Okt. 1919
Viktoria Gabriel
Quelle: https://wiki.hinterkaifeck.net/wiki/Dokumente:_1919-10-01_Belehrung_der_Kirche_%C3%BCber_die_Geburt_eines_unehelichen_Kindes


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Mordfall Hinterkaifeck

15.01.2026 um 16:43
Etwas ganz Anderes: Es ist ja so, dass keine Zeitzeugen mehr leben.

Leben eigentlich von einem der damals Verdächtigen L.S. noch eigene Kinder? Ich vermute NEIN, aber es kann auch anders ein.


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Mordfall Hinterkaifeck

15.01.2026 um 20:40
@AnMA
Der letzte Sohn von Schlittenbauer verstarb 2023.
Wir bekamen von ihm seine Notizen zum Thema Hinterkaifeck, die im Wesentlichen das abdecken, was er an Erlebnissen und Gesprächen zu Hinterkaifeck erfuhr.
Die beiden langen Dokumente durften wir veröffentlichen im Wiki:

https://wiki.hinterkaifeck.net/wiki/Schlittenbauerchronik:_Einleitung


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Mordfall Hinterkaifeck

16.01.2026 um 13:08
Zitat von jaskajaska schrieb:Der letzte Sohn von Schlittenbauer verstarb 2023.
Wir bekamen von ihm seine Notizen zum Thema Hinterkaifeck, die im Wesentlichen das abdecken, was er an Erlebnissen und Gesprächen zu Hinterkaifeck erfuhr.
Die beiden langen Dokumente durften wir veröffentlichen im Wiki:

https://wiki.hinterkaifeck.net/wiki/Schlittenbauerchronik:_Einleitung
Ja, vielen Dank. Sehr interessant zu lesen.

Man kann wohl sagen, dass von wirklichen Zeitzeugen jetzt nur noch die Enkel leben. Diese haben keinen O Ton von Zeugen mehr, sondern können lediglich weitererzählen, was ihnen auch nur unmittelbar von Eltern erzählt wurde; also die das Ganze ebenso nur erzählt bekamen.

Liege ich mit dieser Rechnung richtig?


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Mordfall Hinterkaifeck

29.01.2026 um 16:57
Zitat von jaskajaska schrieb am 15.01.2026:Der letzte Sohn von Schlittenbauer verstarb 2023.
Er lebte noch sehr lange. Liegt daran, dass LS in einem noch höheren Alter nochmal Vater wurde. Dieser Sohn war kein Zeitzeuge. Seinen Vater LS dürfte er nur noch als Kind erlebt haben, bevor dieser dann bald starb.


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