scriptkiddy06 schrieb:1. Wie würdet ihr den tatsächlichen Informationsgewinn der letzten Mobilfunkkontakte auf einer Skala von 1–10 bewerten?
2. Seht ihr ebenfalls ein wiederkehrendes Muster bei Begriffen und Antworten wie „ja“, „nein“, „Paderborn“, „ich bin“, „nach Hause“, „heute“, „Kann ich nicht sagen“ und „Das geht nicht“?
3. Welche wirklich neuen Erkenntnisse brachte das letzte Mobilfunkereignis am 27.06. gegenüber den vorherigen Kontakten?
Ich würde hier einen ganz anderen Ansatz wählen, nämlich nicht auf den Inhalt der Anrufe bzw. SMS-Nachrichten eingehen, sondern vielmehr warum es diese überhaupt gab und welchen Nutzen sie für jemanden gehabt haben könnten. So schränkst du den Kreis der Personen, den du im Bezug auf die Anrufe bzw. SMS betrachten willst, erheblich ein.
Wenn ich den Inhalt außen vor lasse, sehe ich genau zwei Personen, die einen Nutzen oder besser gesagt einen Sinn für die geführten Gespräche gesehen haben könnten. Zum einen wäre das ein potentieller Täter und zum anderen natürlich Frauke selbst.
Wenn ich hier zuerst Frauke betrachte und voraussetze, dass sie diese Gespräche und Nachrichten überwiegend aus eigenem Tun und Handeln, ohne dabei groß durch einen Dritten beeinflusst worden zu sein, geführt hat, so sehe ich als Grund dafür eine Erklärungsnot für ihr Verhalten, das sie aber, aus bestimmten Gründen, nicht näher benennen will. In Frage hierfür kommen die mögliche Angst, dass man sie und ihr aktuelles Tun in ihrem Freundeskreis nicht verstehen könnte. Weiterhin spielen vielleicht Versagensängste eine Rolle, dass sie den Erwartungen ihrer Eltern aus ihren Augen nicht gerecht werden konnte.
Letztere These würde dann auch erklären, warum sie immer wieder den Kontakt zu Chris aufnahm, da er möglicherweise, als ihr Ex-Freund, am meisten über ihre Person wusste und so eventuell auch einen höheren Wissensstand als Fraukes Eltern selbst hatte. Bei ihren Eltern hat Frauke ja scheinbar nicht angerufen, jedoch nach ihnen gefragt und auch gesagt, dass sie sie liebe. Hätte Frauke tatsächlich die Anrufe aus freiem Willen geführt, so wäre der Umstand, dass sie ihre Eltern nicht persönlich kontaktiert hat, doch eher ungewöhnlich und könnte auf ein entsprechend kompliziertes Verhältnis hindeuten.
Betrachtet man die Anrufe aus Sicht eines möglichen Täters, so stellt sich für mich die Frage, warum dieser ein so hohes Risiko eingehen sollte, Frauke mehrmals mit ihrem Ex-Freund kommunizieren zu lassen. Die erste SMS, dann eben zur Gewinnung von Zeit, wäre für mich noch nachvollziehbar gewesen, aber alle weiteren Kontaktaufnahmen wären dann, sollte es sich um einen Täter handeln, der Frauke im Vorfeld nicht kannte, absolut unnötig. Niemand würde auf diesen kommen, niemand weiß wo er sich aufhält, niemand könnte ihn bei seiner Tathandlung, mit hoher Wahrscheinlichkeit dann sexuell motiviert, hindern. Also warum sollte er dann das Risiko eingehen, dass Anrufe möglicherweise zu dem Gesprächsort zurückzuverfolgen sind. Das ergibt keinen Sinn. Insbesondere das letzte Gespräch, das wohl 5 Minuten andauerte, würde doch bei einem diesbezüglichen Täter die Alarmglocken schrillen lassen.
Als kommt bei einem Täter wohl nur eine Person in Frage, die zumindest flüchtig mit Frauke Kontakt hatte. Dann stellt sich die Frage, warum denn diese vielen Kontaktaufnahmen? Zum einen würde es Sinn ergeben, um Frauke zu beruhigen und in den Glauben zu belassen, dass die Sache auch ein gutes Ende für sie finden kann und eine Tötungsabsicht gar nicht im Raum steht. Die andere Variante, die für mich Sinn ergeben würde, ist eine krankhafte Eifersucht, die dazu führte, dass der Täter indirekt, ohne dass dieser es selbst überhaupt bemerkte, Chris vermitteln wollte, dass er die Kontrolle über Frauke hat und dieser rein gar nichts dagegen machen könnte. Ohne dies verbal zu kommunizieren, würde sich dies nur in den geistigen Bewegungen des Täters abspielen.
Hätten wir es mit einer derartigen Persönlichkeit als Täter zu tun, dann empfehle ich die erste Staffel von "You - Du wirst mich lieben", denn genau so würde er wohl zu charakterisieren sein. Besessen von Frauke, ihr gegenüber manipulativ, von der Persönlichkeit her narzisstisch und wohl auch krankhaft vor Eifersucht. Trotzdem wird er sich in seinem allgemeinen Umfeld wohl so bewegen können, dass er nicht weiter als diese gefährliche Person wahrgenommen wird.
Aus meiner Sicht sehr viele "Eigenschaften" die eine solche Person erfüllen müsste und dann zugleich wirklich unter dem allgemeinen Radar der Ermittler bleibt. Gibt es diese Persönlichkeiten, sicher, aber die Wahrscheinlichkeit es im Fall von Frauke mit eben diesem Täterprofil zu Tun zu haben, halte ich eher für sehr gering.
scriptkiddy06 schrieb:4. Welche überprüfbaren Alibis beziehungsweise Aufenthaltsangaben sind für die Nacht vom 20. auf den 21.06. bekannt?
5. Welche überprüfbaren Alibis beziehungsweise Aufenthaltsangaben sind für den 26.06. bekannt?
Ohne die Ermittlungsakten zu kennen, vermute ich, dass alle Personen, die nur ansatzweise in einen möglichen Anfangsverdacht hätten rücken können, komplett durchleuchtet und der Ablauf der von dir genannten Tage wohl ziemlich genau nachvollzogen werden konnte. Sollte dies nicht der Fall gewesen sein, so sehe ich doch die Chance groß, dass diesbezügliche Ermittlungen, wenn auch erst im Nachklang eines seriösen Podcasts, bekannt geworden wären, ohne vielleicht selbst genau auf die Person dabei einzugehen.