Mord an Frauke Liebs
um 19:38
Hallo zusammen,
leider wurde mein Beitrag gelöscht. Kann ihn jetzt aber wieder posten, da ich die gewünschten Quellen entfernt habe. Alle, die auf meinen Beitrag eingegangen sind, sorry dafür, jetzt also nochmal der gleiche Beitrag etwas abgewandelt und erweitert. Für alle vielleicht nochmal wichtig zu wissen, dass man sich nicht auf paywall-Quellen beziehen darf, das war mir nicht klar. Hab‘ gedacht, schön, dass es hier mal etwas gibt, auf dass ich mich gerne beziehe, weil es für mich logisch schlüssig und gut recherchiert erscheint. Aber das sind die Regeln des Forums: Keine paywall-Quellen.
Zur Einordnung: Ich bewege mich gedanklich eher bei Personen, die Frauke bekannt waren. Auszuschließen sind andere Szenarien m. E. nicht, aber für mich persönlich weniger wahrscheinlich. Was nicht bedeutet, dass es letztlich vielleicht nicht doch ein unbekannter Täter war.
Ich möchte einen Aspekt der bekannten Kontakte noch einmal möglichst nüchtern betrachten:
Wie viele verwertbare Informationen konnten Fraukes Angehörige aus den letzten Mobilfunkereignissen tatsächlich gewinnen?
Vorweg ist mir eine wichtige Einschränkung wichtig: Die Gesprächsinhalte liegen nicht als Mitschnitte vor. Sie beruhen auf den Erinnerungen der jeweiligen Gesprächsteilnehmer und wurden in Form von Gedächtnisprotokollen beziehungsweise sinngemäßen Wiedergaben festgehalten. Deshalb sollte man einzelne Formulierungen nicht so behandeln, als lägen uns wortgetreue Tonaufnahmen vor.
Trotzdem finde ich es interessant, die überlieferten Inhalte einmal nebeneinander zu betrachten. Dabei fallen für mich bestimmte wiederkehrende Wörter und Formulierungen auf.
In den erinnerten Aussagen begegnen einem unter anderem:
„Ja“ – „Nein“ – „nach Hause“ – „heute“ – „Paderborn“ – „Ich bin in Paderborn“ – „Kann ich nicht sagen“ – „Kann ich dir erklären“ – „Das geht nicht“ – „Ich weiß nicht“ – „Erklär ich dir später“ – „Nein, das geht nicht“ – „Bitte frag mich nicht aus“ – „Ich würde gerne bei euch sein“– „Ich würde gerne nach Hause“ sowie am Ende „Ja, mache ich. Ciao. Bis bald.“
Nicht jedes dieser Worte taucht zwangsläufig in jedem Gespräch auf. Mir geht es vielmehr um die Frage, ob sich über die verschiedenen Kontakte hinweg ein wiederkehrendes sprachliches und inhaltliches Muster erkennen lässt.
Die Kontakte im Überblick:
Chris war der Hauptempfänger der Kontaktaufnahmen.
Die 1. SMS von Fraukes Anschluss an Chris erfolgte bereits in der Nacht vom 20. auf den 21.06.
Der erste bekannte Anruf an Chris erfolgte erst am 22.06 – knapp 46 Stunden später.
Am 22.06. habe Chris einen Anruf von Fraukes Anschluss erhalten bei dem Frauke sinngemäß angekündigt habe, dass sie nach Hause komme.
Am 23.06. habe sie Chris per SMS mitgeteilt: „Ich komme heute nach Hause. Ich bin in Paderborn.“
Kurz darauf rief Fraukes Bruder den Anschluss von Frauke an, nachdem der Anschluss wieder erreichbar war. Dabei kam es zu einem Mobilfunkereignis. Der überlieferte Gesprächsinhalt beruht auf dem Gedächtnisprotokoll des Bruders. Auf die Frage nach ihrem Aufenthaltsort habe Frauke keine konkrete Ortsangabe gemacht und sinngemäß mit „Kann ich nicht sagen“ geantwortet.
Am 24.06. habe Frauke Chris erneut angekündigt, nach Hause zu kommen. Dabei sei wiederholt Paderborn als Aufenthaltsort genannt worden. Auf eine entsprechende Frage habe sie mit „Nein“ geantwortet.
Am 25.06. habe sie Chris wiederum angekündigt, nach Hause zu kommen.
Auf die Frage, warum sie am Vortag nicht nach Hause gekommen sei, habe sie sinngemäß erklärt, sie könne das später erklären. Auf die Frage nach ihrem Aufenthaltsort habe sie erneut keine konkrete Angabe gemacht. Eine Abholung beziehungsweise ein Treffen sei mit „Das geht nicht“ beantwortet worden.
Der 26.06. ist innerhalb der bekannten Kontaktserie der einzige Tag, an dem kein entsprechender Kontakt von Fraukes Anschluss an Chris öffentlich bekannt ist.
Am 27.06. fand das letzte bekannte Mobilfunkereignis statt. Karen war bei Chris anwesend und konnte das Gespräch mithören und sich beteiligen. Was fällt bei einem Vergleich auf?
Wenn man die Kontakte einzeln liest, kann man für viele Antworten unterschiedliche Erklärungen finden. Interessant wird es für mich erst bei einer Gesamtbetrachtung.
Bestimmte Begriffe und Antwortmuster tauchen wiederholt auf:
„Ja.“
„Nein.“
„Ich bin in Paderborn.“
„Ich komme nach Hause.“
„Ich komme heute nach Hause.“
„Kann ich nicht sagen.“
„Kann ich dir erklären.“
„Das geht nicht.“
„Ich weiß nicht.“
Natürlich muss man dabei berücksichtigen, dass es keine Mitschnitte gibt und wir auf die Erinnerungen der jeweiligen Gesprächsteilnehmer angewiesen sind. Dennoch finde ich es bemerkenswert, wie wenig sich die bekannten Aussagen inhaltlich erweitern.
Gerade deshalb finde ich den erwähnten Fragenkatalog interessant. Nach verschiedenen Schilderungen stellten Chris und weitere Personen (Angehörige?), in gemeinsamer Absprache, Fragen zusammen, um bei weiteren Kontakten möglichst mehr verwertbare Informationen über Fraukes Situation und ihren Aufenthaltsort zu erhalten.
Hier stellt sich für mich eine interessante Frage:
Wenn gezielt versucht wurde, durch Fragen neue Informationen zu gewinnen – warum blieb der konkrete Informationsgewinn dennoch so begrenzt, während sich bestimmte sprachliche und inhaltliche Bausteine in den Antworten wiederholten? Und warum wurde schon wieder kein Mitschnitt gemacht?
Das muss natürlich nichts Bestimmtes bedeuten. Es könnte viele Erklärungen dafür geben. Man könnte aber noch einen Schritt weitergehen und fragen, welche Funktion diese Kontakte neben der eigentlichen Kommunikation möglicherweise gehabt haben könnten.
Könnten sie beispielsweise dazu beigetragen haben, Zeit zu gewinnen, die Angehörigen zu beruhigen oder den Eindruck aufrechtzuerhalten, Frauke befinde sich weiterhin in einer Situation, aus der sie grundsätzlich noch zurückkehren könne?
Noch weiter gedacht wäre zu prüfen, ob die Kontakte möglicherweise nicht nur der Informationsübermittlung dienten, sondern zugleich eine bestimmte Darstellung der Situation aufrechterhalten sollten.
Das wäre selbstverständlich zunächst nur eine Hypothese. Ebenso denkbar sind völlig andere Erklärungen.
Das letzte Mobilfunkereignis – was war tatsächlich neu? Gerade beim letzten Kontakt würde mich interessieren, welche tatsächlich neuen Erkenntnisse er gegenüber den vorherigen Kontakten brachte. OK, die Fragen, die gestellt wurden, waren vorab vielleicht abgesprochen und in eine Reihenfolge gebracht worden. Es wurden zahlreiche Fragen gestellt. Karen war anwesend und konnte sich ebenfalls beteiligen. War Zeugin.
Welche Information war nach diesem Kontakt tatsächlich neu? Gab es neue Informationen über Fraukes Aufenthaltsort? Gab es neue Informationen darüber, wer bei ihr war?
Gab es eine konkrete Erklärung dafür, warum sie nicht nach Hause kam?
Welche Information war vorher noch nicht bekannt?
Wenn man die bekannten Inhalte miteinander vergleicht, erscheint mir der tatsächliche Erkenntnisgewinn in diesen Punkten relativ gering. Auch der Abschluss „Ja, mache ich. Ciao. Bis bald.“ wirkt auf mich im Nachhinein zumindest abschiedsartig. Das ist ausdrücklich meine persönliche Wahrnehmung und kein Beweis dafür, dass Frauke damit tatsächlich eine Abschiedsbotschaft vermitteln wollte.
Eine weitere Auffälligkeit:
Ingrid Liebs. Sie wurde bei keinem der bekannten Kontakte als Gesprächspartnerin kontaktiert. Das finde ich ebenfalls erwähnenswert, weil sie Fraukes Mutter war und damit zu den engsten Angehörigen gehörte. Den letzten Anruf verpasste sie, nach der zeitlichen Rekonstruktion, nur knapp. Hauptempfänger aller Kontaktaufnahmen blieb bis zum Schluss Chris.
Wie gestaltete sich die Schlüsselsituation am 20.06. und die Nacht zum 21.06.?
Auch die Ausgangssituation des Abends ist für eine zeitliche Rekonstruktion interessant. Chris hatte seinen eigenen Wohnungsschlüssel nicht dabei. Frauke gab ihm deshalb ihren Schlüssel. Damit hatte Frauke ihren eigenen Schlüssel anschließend nicht bei sich. Chris musste später in der Wohnung auf ihre Rückkehr warten, weil er ihr die Tür öffnen musste. Für sich genommen ist das selbstverständlich kein Verdachtsmoment, aber ein wichtiges Detail bei einer Rekonstruktion der Nacht und des Morgens.
Mich interessiert auch die Frage:
Welche überprüfbaren Alibis beziehungsweise Aufenthaltsangaben gab es für die Personen aus Fraukes unmittelbarem Umfeld in der Nacht vom 20. auf den 21.06.? Wer befand sich wann wo? Wer konnte das bestätigen? Gibt es eventuell Fotos/ Zeugen aus Schnell-Restaurants, Tankstellen, Banken, Straßen, Bahnhof, Einkaufsstraße, Park, Kino, Marktplatz, Waldwegen, Discotheken? Und was davon wurde tatsächlich überprüft und abgerufen?
Der 26.06. ist für mich aus einem ähnlichen Grund interessant.
Er ist innerhalb der bekannten Kontaktserie der einzige Tag ohne einen entsprechenden (öffentlich erwähnten) Kontakt von Fraukes Anschluss.
Daher stellt sich auch hier die Frage:
Welche überprüfbaren Aufenthaltsangaben beziehungsweise Alibis gab es für die Personen, die für die zeitliche Rekonstruktion dieses Tages relevant waren?
Ich möchte ausdrücklich nicht aus dem fehlenden Kontakt etwas Verdächtiges ableiten. Mich interessiert vielmehr, ob sich für diesen Tag eine möglichst vollständige zeitliche Rekonstruktion erstellen lässt.
Ingrid Liebs hatte den Eindruck, dass Frauke in der Zeit vor ihrem Verschwinden neu verliebt gewesen war. Nach der Schilderung hatte Ingrid Liebs den Eindruck, dass Frauke möglicherweise Gefühle für Niels entwickelt hatte. Auch wurde mehrfach beschrieben, dass Frauke viel über Niels erzählte und sich austauschen wollte. Diese Aussagen möchte ich ausdrücklich als Wahrnehmung beziehungsweise geäußerte Einschätzung von Ingrid Liebs verstanden wissen und nicht als gesicherte Tatsache. Auch die damalige Wohnsituation von Frauke und Chris war offenbar Thema zwischen Ingrid Liebs und ihrer Tochter. Ingrid Liebs hatte nach eigener Schilderung zunächst Bedenken, dass Frauke nach der Trennung weiterhin mit ihrem Ex-Freund zusammenwohnte. Frauke aber positionierte sich diesbezüglich positiv gestimmt.
Als weiteren Punkt möchte ich den Suizid im weiteren Umfeld von Frauke anführen, weil Ingrid Liebs selbst darüber berichtet hat und dieses Ereignis mehrfach, besonders im (neuen) Freundeskreis von Frauke, aus verschiedenen Blickwinkeln beschrieben wurde. Nach den öffentlich bekannten Schilderungen beschäftigte Frauke der Suizid des guten Freundes ihrer neuen Bekanntschaft sehr. Dabei habe Frauke insbesondere emotional bewegt, dass der Verstorbene keinen Abschiedsbrief hinterlassen hatte. Laut ihrer Mutter Frau Liebs bemerkte Frauke dazu, dass diese Ungewissheit für die Angehörigen wahrscheinlich besonders schlimm gewesen sein musste.
Ich möchte hier ausdrücklich keinen Zusammenhang mit Fraukes eigenem Verschwinden ableiten. Ich finde lediglich bemerkenswert, dass sich diese Themen – Tod, fehlende Erklärung und die Situation der Angehörigen – nach der Schilderung von Ingrid Liebs bereits in Fraukes Umfeld befanden und Frauke ausdrücklich betroffen gemacht hatten. Da Frauke als sehr mitteilungsfreudige Person beschrieben wurde, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie ihre Eindrücke diesbezüglich auch ihrem näheren/ nahen Umfeld mitgeteilt hatte. Vermutlich ähnlich offen wie beim Thema Niels. Auch wurde Frauke als sehr hilfsbereite und empathische Person beschrieben, die, Achtung Hypothese, vielleicht auch manchmal zu forsch nachfragen konnte oder eventuell zu weit ging mit ihren Fragen oder ihrem Verhalten, vielleicht auch grenzüberschreitend war, so dass sich andere vielleicht gekränkt und „auf den Schlips getreten fühlen“ konnten? Nur so eine Idee.
Meine Fragen an euch, mich würden vor allem folgende Punkte interessieren:
1. Wie würdet ihr den tatsächlichen Informationsgewinn der letzten Mobilfunkkontakte auf einer Skala von 1–10 bewerten?
2. Seht ihr ebenfalls ein wiederkehrendes Muster bei Begriffen und Antworten wie „ja“, „nein“, „Paderborn“, „ich bin“, „nach Hause“, „heute“, „Kann ich nicht sagen“ und „Das geht nicht“?
3. Welche wirklich neuen Erkenntnisse brachte das letzte Mobilfunkereignis am 27.06. gegenüber den vorherigen Kontakten?
4. Welche überprüfbaren Alibis beziehungsweise Aufenthaltsangaben sind für die Nacht vom 20. auf den 21.06. bekannt?
5. Welche überprüfbaren Alibis beziehungsweise Aufenthaltsangaben sind für den 26.06. bekannt?
Und letztlich die Frage, die mich am meisten beschäftigt:
Wenn man die Kontakte nicht einzeln, sondern als zusammenhängende Serie betrachtet: Wie viel neue Information enthalten sie tatsächlich – und wie viel besteht aus wiederkehrenden Wörtern, Antworten und Aussagen?
Vielleicht lohnt es sich dabei auch, einmal ganz bewusst die Perspektive zu wechseln:
Nicht nur zu fragen, was durch die Kontakte mitgeteilt wurde, sondern auch, welchen Zweck oder Effekt diese Kontakte gehabt haben könnten. Falls sie tatsächlich dazu dienten, den Eindruck aufrechtzuerhalten, dass Frauke noch lebt und grundsätzlich nach Hause kommen werde, könnte man sich fragen, ob darin neben der Kommunikation selbst möglicherweise auch ein Element von Zeitgewinn, Ablenkung, Beruhigung oder Verschleierung gelegen haben könnte. Noch weiter gedacht wäre zu prüfen, ob die Kontakte möglicherweise eine bestimmte Darstellung der Situation aufrechterhalten sollten, anstatt tatsächlich neue Informationen über Fraukes Aufenthaltsort oder ihre Situation zu liefern.
Das ist selbstverständlich zunächst nur eine Hypothese. Ebenso denkbar sind völlig andere Erklärungen. Gerade deshalb würde mich interessieren, ob sich diese Kontakte unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Inszenierung der Situation überhaupt sinnvoll analysieren lassen – oder ob wir aufgrund der fehlenden Mitschnitte und der Gedächtnisprotokolle bereits an eine Grenze der Aussagekraft kommen. Genau diese Frage würde ich gerne zur Diskussion stellen.
Und, um die Länge meines Beitrags, endgültig zu sprengen … was geschah in den 46 Stunden bis zum ersten telefonischen Kontakt? War diese Zeit lediglich eine Folge der Situation – oder hätte sie einer Person Gelegenheit gegeben, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Kommunikation mit Fraukes Familie weitergehen sollte?
Wenn man die fünf wichtigsten Kriterien auf die bekannten Personen anwendet, stellt sich für mich auch die Frage:
„Bei welcher der bekannten Personen finden sich tatsächlich die meisten Überschneidungen bei Nähe, Wissen, Gelegenheit, Zugang und möglicherweise Motiv?“
Wer könnte aufgrund einer Beziehung, Freundschaft, Zurückweisung, Kränkung ein persönliches Interesse daran gehabt haben, dass Frauke aus dem Weg ist – und wer hatte gleichzeitig tatsächlich die Möglichkeit, auf sie und später auf ihr Handy bzw. die Kommunikation zuzugreifen? Und was hätte eine solche Person in Fraukes Handy vorgefunden?
Mit wem hatte Frauke geschrieben? Welche Informationen über den Abend waren vorhanden? Welche Kontakte waren für sie relevant? Was wäre, wenn eine Person das Handy nach einer möglichen Eskalation an sich genommen hätte? Und hätte die erste SMS von eventuell Frauke selbst oder einer Person möglicherweise geholfen, Zeit zu gewinnen?
Keiner dieser Punkte beweist eine Täterschaft. Aber genau deshalb würde ich gerne wissen, ob diese Kombination bei den verschiedenen bekannten Personen in vergleichbarer Weise vorhanden war.
Und erst danach sollte man fragen, was daraus tatsächlich folgen könnte.