Der Zodiac Killer
um 06:11
Ich glaube, wir drehen uns hier im Kreis, weil ich etwas anderes meine als das, worauf ihr antwortet.
Mir geht es nicht darum, ob Außenstehende Informationen aus Zeitungen, Radio oder Polizeifunk haben konnten, oder ob Maple/Cherry geografisch relevant ist.
Mein Punkt ist ausschließlich ein methodischer:
Wenn man annimmt, dass der Briefschreiber nicht vor Ort war, muss man erklären, über welche konkreten Informationswege und Zugänge er sowohl an die Ortsangabe als auch an das Hemdfragment gelangt ist.
Nimmt man an, dass er vor Ort war, entfällt dieser Erklärungsbedarf.
Das macht alternative Szenarien nicht unmöglich, sondern erklärungsintensiver. Mehr wollte ich nicht sagen.
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Der Zodiac Killer
um 06:58
Bezieht man den Polizeifunk als mögliche Informationsquelle mit ein, entsteht im Szenario eines nicht vor Ort anwesenden Briefschreibers ein weiterer Erklärungsbedarf. Eine solche Person müsste nicht nur grundsätzlich die Möglichkeit gehabt haben, Polizeifunk abzuhören, sondern sich auch über einen längeren Zeitraum bewusst dafür entscheiden, diesen kontinuierlich zu verfolgen. Hinzu kommt, dass sie sich festlegen müsste, in welcher Stadt oder Region sie den Funk abhört, da Polizeifunk lokal organisiert ist und Informationen aus anderen Zuständigkeitsbereichen nicht automatisch verfügbar sind.
Darüber hinaus wäre eine Auswahlentscheidung erforderlich: Aus der Vielzahl von gemeldeten Vorfällen müsste der Briefschreiber einen konkreten Fall herausgreifen, der sich für ein Bekennerschreiben eignet. Diese Entscheidung müsste vor dem Hintergrund erfolgen, dass zum Zeitpunkt des Mordes an Paul Stine noch nicht absehbar war, dass dieser Fall besondere mediale oder kriminalhistorische Bedeutung erlangen würde. Der Briefschreiber müsste also nicht nur Informationen passiv aufnehmen, sondern aktiv filtern, bewerten und sich für genau diesen Fall entscheiden, während zahllose andere Gewaltverbrechen ebenfalls gemeldet wurden.
Im Anschluss daran käme noch die bewusste Entscheidung hinzu, diesen ausgewählten Fall mit einem Bekennerschreiben zu verknüpfen und sich damit dauerhaft an ihn zu binden. Auch das ist möglich, setzt aber eine zusätzliche Motivations- und Planungsebene voraus. Im Vor-Ort-Szenario entfällt dieser gesamte Selektionsprozess: Die Tat selbst liefert den Anlass, die Relevanz und die persönliche Verbindung zum Geschehen unmittelbar.
Damit zeigt sich, dass der Verweis auf Polizeifunk zwar erklären kann, wie ein außenstehender Briefschreiber an einzelne Informationen gelangt sein könnte, zugleich aber neue Annahmen einführt: über Dauer und Ort des Abhörens, über bewusste Auswahlprozesse und über die Entscheidung, einen bestimmten Fall herauszugreifen und öffentlich zu beanspruchen. Diese zusätzlichen Schritte sind nicht unmöglich, erhöhen jedoch erneut die erklärungstheoretische Komplexität gegenüber dem Szenario, in dem der Briefschreiber selbst vor Ort war.
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