Quiron schrieb:Da scheint mir eine Zufallsbegegnung mit einer Person, die zu diesem Zeitpunkt aggressiv, frustriert, alkoholisiert, unkontrolliert war, und nach einem Ventil für die Aggression suchte, egal gegen wen, viel plausibler.
Hier stellt sich mir dann die (schon mehrfach gestellte) Frage: so jemand soll 1983 durch das als ländlich und verschlafen beschriebene Stuttgart-Münster gelaufen und dabei weder vorher noch nachher auffällig geworden sein ?
Bedenke: im einzig größeren, öffentlich zugänglichen Artikel des Autors Ohnewald wird die von der Polizei vermutete Ortskenntnis des Täters angesprochen.
Quiron schrieb:Aber dann wäre es jemand, der einem möglichen Zufallsopfer auflauert, nicht konkret Sibylle.
Dazu hätte es in Stuttgart bessere Ecken gegeben, wie auch schon öfters bemerkt wurde.
Wenn es dumm für für den abwartenden "soon to be killer" gelaufen wäre, hätte dieser an der Stelle sonntagsabends um halb elf bis zum nächsten morgen auf ein Zufallsopfer warten können.
Auch wenn heute gerne "Messermänner" instrumentalisiert werden: die Hemmschwelle, auf eine 16jährige
Unbekannte direkt einzustechen, dürfte in den frühen 80s sehr, sehr hoch gewesen sein.
Ein Täter mit solchem Aggressionspotential hätte mMn bei einer so jungen Frau zunächst eher zugeschlagen als zugestochen.
Wir wissen selbst von in diesem Zusammenhang schon mal bemühten Fr.Jacobi/Fr.Heinrich-Mörder Hartmut M. nicht, ob es nicht doch eine kurze Vorgeschichte gab, die die jeweiligen Morde auslösten, weil er sich dazu nie geäußert hat.
Quiron schrieb:Jemand, der so etwas plant, müsste ein hinreichend starkes Motiv haben.
Das ist relativ.
Wäre für mich (m) kein Motiv, aber für anders Gestrickte dann vielleicht doch:
Wir sind uns glaube ich alle einig, daß Sibylle eine sehr attraktive junge Frau war.
Die frühen 80s waren noch das Zeitalter der "Altherrenwitze" , "Grabschen" galt als Kavaliersdelikt und (aus Sicht der betroffenen Frauen) "blöde Anmachen" vor Freunden als Cool.
Solche Typen fühlten sich vor ihren Freunden anschließend als ganz besonders tolle Hechte/Heringe.
Die jungen Frauen aus meinem damaligen Bekanntenkreis früher haben unterschiedlich auf sowas reagiert:
manche versuchten, solche Situationen weitestgehend zu umgehen, andere haben blöde Sprüche weitestgehend von sich abprallen lassen und wieder andere haben dem Chauvi vor seinen Leuten einen genau so blöden Spruch zurück gedrückt, der ihn alt hat aussehen lassen.
So was ähnliches vermute ich ein Motiv.
Der Täter muß nicht unbedingt aus dem direktem Umfeld des Mädchens, sondern kann auch aus dem erweiterten Umfeld stammen und deswegen unter dem Radar geblieben sein.
Vielleicht entstammte der Vorfall sogar einer einmaligen Begegnung auf einem Fest, in einer Disco oder sonst wo.
Möglicherweise hat Sibylle den Täter
unbeabsichtigt zum Gespött seiner Freunde gemacht, als sie sich einer erfolgten Anmache etwas energischer zur Wehr gesetzt hat.