@justiciaIch sehe es ähnlich: Sich hinzustellen und zu behaupten, die Staatsanwaltschaft habe damals nicht mit Absicht nichts von Saldates Vorgeschichte erwähnt (wobei man impliziert, dass dies rein versehentlich und ohne Hintergedanken geschehen sei), das zeugt schon von einem enormen Maß an Naivität. Aber wie sagt die Redewendung? „Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand…“
So wie die Richterin den Fall kurzfristig beenden kann, kann sie ihn natürlich auch weiter laufen lassen. Man wird abwarten müssen, wie das Berufungsgericht über den Einwand der Staatsanwaltschaft bzgl. des vom Bezirksgericht bestätigten Zeugnisverweigerungsrechtes Saldates entscheidet. Wird der Beschluss von Frau Mroz bestätigt, wird die Staatsanwaltschaft beim sicherlich kurz darauf folgenden Status-Hearing erklären müssen, wie sie den Fall weiter zu verfolgen gedenkt. Die Verteidigung wird mit einem Antrag auf Einstellung des Verfahrens antworten. Sollte dem nicht entsprochen werden, geht die Tendenz wohl in der Tat in Richtung einer Prozess-Neuauflage Anfang 2015, denn ein stärkeres Argument der Verteidigung als die Einstellung des Verfahrens aufgrund fehlender Beweise und Belastungszeugen zu beantragen, wird es wohl kaum geben.
Das gleiche hätten wir wohl zu erwarten, falls das Berufungsgericht Frau Mroz‘ Entscheidung verwirft und Saldate das Zeugnisverweigerungsrecht abspricht. Er müsste sich folglich vor der Richterin erklären und Stellung nehmen. Bei seiner Anhörung im Dezember hatte er bereits angedeutet, dass sich seine Aussage dann prinzipiell nicht von der damals getätigten unterscheiden würde. Würde er diese dann also tatsächlich so wiederholen, wäre ein neuer Prozess 2015 wohl ebenfalls unumgänglich.
Die Entscheidung des Berufungsgerichts wird bekanntlich innerhalb der nächsten zwei Monate erwartet. Sobald diese vorliegt, werden wir schon sehr viel klarer sehen, welche Richtung das Geschehen nehmen wird. Da im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nichts vorhersehbar ist, bleibt abschließend nur zu sagen, dass es traurigerweise spannend bleibt.
LG, Jörg