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5.194 Beiträge, Schlüsselwörter: Bücher, Lesen, Literatur, Bildung, Romane, Sachbücher

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19.07.2020 um 17:03
groucho
schrieb:
Eine Wohnung ohne volle Bücherregale finde ich recht ungemütlich
Falls Du mal eine WG gründen willst, sag Bescheid...😉


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19.07.2020 um 17:15
@groucho

So dachte ich früher auch. Vllt ist die Lust auf Reduzierung ne Altersfrage? Ich bin ne Omi......😉Gerade habe ich wegen bevorstehender Renovierung hier kräftig geräumt.
Generell besitze ich viel zu viel!


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19.07.2020 um 17:20
@KimByongsu

Uhhh,

ne WG wäre mein worst case.
Das wäre dann bei mir wohl ne Alters-WG. Das gibt es ja bereits.
Nur noch übertroffen von der Vorstellung eines Mehrgenerationen-Wohnprojektes.

Wie gesagt, jeder, wie er mag.


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19.07.2020 um 17:27
KimByongsu
schrieb:
Falls Du mal eine WG gründen willst, sag Bescheid..
Wenn meine Frau mich mal raus schmeißt, melde ich mich. :D
umma
schrieb:
Vllt ist die Lust auf Reduzierung ne Altersfrage?
Tja, auch wenn ich nicht mehr der Jüngste bin, hat sich bei mir da noch nicht viel geändert.
Ich war seit je her ein Sammler (Im Sinne von: Jemand der Probleme hat Dinge weg zu schmeißen)


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19.07.2020 um 17:30
@umma
Tut mir Leid Liebe umma... aber ich denke, Du würdest meine 15 Billy-Regale Weltliteratur nicht tolerieren.... deshalb bist Du als WG-Partner leider auch draußen🤣

Aber im Ernst... natürlich werde ich auch eines Tages stark reduzieren müssen und zu meinem Erstaunen sehe ich, dass ich tatsächlich immer älter werde und der Zeitpunkt näher rückt...

Aber noch setze ich Hoffnung auf meinen 13 jährigen Sohn, der mir versprochen hat, dass er, falls er Profifußballer wird, mir ein eigenes Altersheim mit Bibliothek und Biergarten bauen wird...


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19.07.2020 um 17:32
groucho
schrieb:
noch nicht viel geändert.
Ich war seit je her ein Sammler (Im Sinne von: Jemand der Probleme hat Dinge weg zu schmeißen
Das wird besonders interessant, wenn sich die beiden Einstellungen im Zusammenleben treffen (wie z. B. in meinem Leben).
Da wird es nie langweilig.

Übrigens war ich früher auch Sammlerin. Ich warte sehnlichst auf die Wiedereröffnung der Flohmärkte. Habe einiges zu verkaufen.....
Bücher sind da übrigens ganz schlecht. Irre schwer und bringen wenig Ertrag.


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19.07.2020 um 17:37
@KimByongsu
Das ist ein süßes Versprechen!

Du wirst jetzt vllt lachen:
Vor Corona war ich regelmäßig zu Besuch im Altersheim. Da stöberte ich dann sehr gerne in den allgemeinen Bücherregalen der Bewohner.
Sehr viel schöne Titel. Nur leider schauten nur sehr, sehr wenige Menschen diese an. Allerdings gab und gibt es dort einen Hörbuchservice der Stadtbib.


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20.07.2020 um 15:31
umma
schrieb:
Zum e-Book-Lesen benutze ich meistens einen (etwas älteren) Reader. Ich liebäugle gerade mit der neuesten Version. Aber vllt. kaufe ich mir doch direkt ein Tablet??
Weil man alter Tolino nicht mehr ganz so will, wie er soll, hab ich beim Buchhändler meines Vertrauens den neuen Epos 2 bestellt, den ich morgen abholen werde. Zu einem Tablet würde ich nur raten, wenn du mit dem Teil wirklich mehr machen willst, als Bücher zu lesen, weil der Akku bei so einem Gerät dann nur noch 1-2 Tage, statt wie mit dem Reader bis zu mehrere Wochen hält.

Ansonsten zum Thema:

Ich lese momentan wieder mehrere Bücher parallel. Daheim, als normales Buch, "Witchmark" von C.L. Polk (das lohnt sich in diesem Fall schon, weil das Cover im Dunkeln leuchtet :D ). Bisher gefällt es mir gut, weil es nicht die immer gleiche 0815-Fantasy-Handlung hat.

Und dann noch die "Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland" von Christina Henry, dem ersten Band der "Dunklen Chroniken". Auch sehr gut geschrieben, wie ich finde, aber wohl definitiv nichts für Fans der Disney-Version. Ist schon alles ziemlich düster und brutal und das wird wahrscheinlich auch für die anderen Teile der Reihe gelten. Angekündigt und zum Teil im Englischen schon erschienen sind da bisher der zweite Teil der Chroniken von Alice und die Chroniken von Peter Pan, Rotkäppchen und der Meerjungfrau.


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21.07.2020 um 00:11
Sebastian Brant - Das Narrenschiff

brant

1494 ist es veröffentlicht worden, das Hauptwerk dieses unglaublich belesenen Juristen aus Straßburg. In über 100 Kapiteln breitet Brant seine Moral aus, indem er die von ihm als Laster angesehenen Verhaltens- und Denkweisen als Narreteien ausbreitet, deren Träger allesamt auf Narrenschiffe verfrachtet werden sollen. Das Spektrum der Narreteien reicht vom Persönlichen (Geiz, Völlerei, Leichtgläubigkeit, Betrügerei ...) bis hin zum Politischen (Machtmissbrauch, Bereicherung ...). Als Referenzen zitiert er aus antiken (griechischen wie römischen) Werken wie auch aus der Bibel, womit er sich selbst als "Büchernarr" outet (erstes Kapitel und Schlusssatz), was dem ganzen Werk etwas Heiteres gibt, da Brant nicht als verbissener Rechthaber auftritt, sondern auch sich selbst aufs Korn nimmt.

Nicht wusste ich, dass so manche Begriffe aus diesem sehr beliebten Werk bis heute in der deutschen Sprache übernommen sind. Der Grobian zum Beispiel ist ein "grober Johannes", also ein "grober Jan". Dieser Begriff kommt von Brant.

Ins Auge sticht auch, dass Brant nicht ausschließlich die "Narren" als die Schuldigen an ihrer Narretei sieht, sondern durchaus Mechanismen ausarbeitet, die bis zum heutigen Tag - in anderen Worten zwar - diskutiert sind. So zum Beispiel:
Sobald ein Narr regiert,
So werden viel mit ihm verführt.
Das 20. Jahrhundert kam mir sofort in den Sinn.

Oder wenn er über das billige Produzieren von Waren schreibt, bin ich schon in einem Warenhaus mit dem Plastikzeugs:
Man sudelt Ware jetzt in Eil,
Daß man sie billig halte feil.
Hochinteressant sind die Abschnitte, in denen er politische oder wirtschaftliche Entwicklungen kommentiert. So wird in kurzen Versen beschrieben, wie im 15. Jahrhundert Christen beginnen, ins Bankgeschäft einzusteigen und das Zinsverbot nicht mehr gilt. Mit der Auswirkung, dass die jüdischen Bankiers aus dem Geschäft geekelt werden:
Der Juden Zins war leidlich genug,
Aber sie können nicht mehr bleiben,
Die Christenjuden sie vertreiben,
Die mit dem Judenspieß selbst rennen.
In der großen Politik steht er für ein starkes Kaiserreich ein, das er von zwei Seiten bedroht sieht. Innenpolitisch durch die Landesfürsten, die sich bei jeder neuen Königswahl mehr Rechte auf Kosten der Zentralgewalt herausnehmen, und außenpolitisch durch die Eroberungen der Osmanen, welche bereits das Byzantinische Reich zerstört haben und nun am Balkan Richtung Zentraleuropa ihre Eroberungsgelüste ausleben. Ein kleingliedriges Europa könne dieser unaufhörlichen Gefahr nicht entgegentreten.
Europas Pforten offen sind:
Es bringt uns Feinde jeder Wind,
Denen scheint nicht Schlaf und Ruhe gut.
Dass Brant in diesem Zusammenhang auch wüst gegen den Islam wettert, ist der Zeit und seinem eigenen strengen christlichen Glauben geschuldet, den er trotz seiner beinahe aufklärerischen humanistischen Gesinnung über alles stellt.

Kunsthistorisch hochinteressant ist, dass etwa zwei Drittel der jedem Kapitel vorangestellten Holzschnitte von Albrecht Dürer stammen.


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21.07.2020 um 10:42
KimByongsu
schrieb am 12.07.2020:
parabol schrieb:
... ein Stück wo Jugendliche Selbtmord begehen ist eindeutig nicht jugendfrei...
Mit der Begründung ist Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" auch mal verboten worden
Von der Literatur während der Schulzeit (egal ob Wedekind oder Goethe oder die Klassiker im Lateinunterricht)
habe ich kaum was verstanden und hatte emotional keinen Zugang.
Wedekind fand ich unverständlich und auch etwas verstörend.
Eine Lateinlehrerin hat mir mal gesagt, sie hat Cäsar & Co. erst nach der Schulzeit so richtig verstanden,
vorher hat sie nur mitbekommen, dass da dauernd "Brücken auf- und abgebaut werden".


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21.07.2020 um 11:01
@Sterntänzerin
Danke dir für den Tipp.
In der Tat möchte ich einfach (fast) alles mit dem Tablet machen, wie momentan schon mit dem Mobiltelefon.
Habe trotzdem beschlossen, mir das neue Modell des von dir beschriebenen Readers zuzulegen.
Schließlich lebt man nur einmal! Und mom. ist es reduziert.


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21.07.2020 um 11:11
@Narrenschiffer

Ich bin sehr angetan von dem Niveau hier, besonders auch von Ihren / deinen Beiträgen.
Ich vermute dahinter geradezu eine professionelle Beschäftigung mit der Literatur. Könnte ich da richtig liegen?

Ich selbst lese sehr gerne und gebe zu, dass ich dies vor allem zur Entspannung tue.
Deshalb schätze ich Werke von

Charlotte Link

Tess Gerritsen (yes!)

Petra Hammesfahr

Lucinda Riley

Kate Morton

u.v.a.

Vllt. werden manche hier sagen, das sei doch keine „Weltliteratur“?

Für mich muss Lesen Spaß machen...
Kein Abend ohne Buch vor dem Einschlafen.

Hörbücher benutze ich ( bis jetzt?) nur bei Augenleiden....
Und eines liebe ich nicht: Fantasy - weder geschrieben noch verfilmt.


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21.07.2020 um 11:49
umma
schrieb:
Ich bin sehr angetan von dem Niveau hier
Yepp, ist ein sehr cooler Thread hier. Es sind einige Leser hier auf Allmy, sogar einer, der professionell Kritiken schreibt (der bin aber nicht ich!).
umma
schrieb:
In der Tat möchte ich einfach (fast) alles mit dem Tablet machen
Bei meinem Umstieg auf E-Books (2011) habe ich mit einem iPad 2 begonnen, und das nutze ich noch immer. Ich habe mal einen Sony-Reader probiert gehabt (vor mehr als 10 Jahren), aber ohne Hintergrundbeleuchtung war das nichts, für mich damals ein Fehlkauf.

Klar, bei einem Tablet hält eine Akkuladung nicht Ewigkeiten, dafür ist die Beleuchtung angenehm und mittels verschiedener Apps kann ich praktisch jedes Format nutzen. Und da ich auch wissenschaftliche Texte als PDF lese, brauche ich eine gewisse Größe des Geräts. Der Trade ist die geringere Handlichkeit unterwegs.

Fürs schnelle Lesen zwischendurch geht auch mein iphone 7, aber das geht schon ordentlich in die Akkuleistung (ein Tablet hat doch stärkere Akkus verbaut), auch wenn die modernen Bildschirme (im Vergleich zum alten iPad 2) schon eine unglaublich gute Darstellung haben (und die des alten iPads ist immer noch Top im Vergleich zu billigen Android-Tablets).

Bei einem Reader ist es dann letztlich die Formatsentscheidung. Kindles können kein epub, alle anderen keine Kindle-Formate. Ob der Bibliotheksdienst scribd.com (hat tolle Bücher von kleinen Verlagen, ist aber ein Abo für 9,99) Apps für Reader hat, weiß ich nicht. Ebenso weiß ich es nicht, wie es bei Leihbibliotheken mit Readern läuft.


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21.07.2020 um 20:29
@Narrenschiffer

Was die Leihbibliotheken angeht, kann ich mit Wissen aushelfen: Kindle-Geräte sind natürlich wegen des Dateiformats ein absolutes No-Go für die Onleihe, auch wenn das manch enttäuschter Nutzer, der sich gerade deshalb ein solches Gerät angeschafft hat, gar nicht gerne hören möchte (hätten die sich mal vor dem Kauf beraten lassen). Ansonsten funktionieren neben den aktuellen Geräten von Tolino und Pocket Book und auch manche älteren von Marken, die es gar nicht mehr gibt. Wenn auch zum Teil über Umwege, weil es für sie keine Updates mehr gibt, aber z.B. vor kurzem das alte Rechtemanagement der Onleihe durch ein neues ersetzt wurde.

Alternativ gibt es aber auch die kostenlose Onleihe-App fürs Handy oder Tablet und am PC kann man das meiste sowieso auch lesen, deswegen ist ein Reader für die Onleihe wirklich kein Must-have.

Ansonsten sollte man da ganz nach eigenem Geschmack entscheiden. Ich bevorzuge die Tolinos, weil sie eine Direktverbindung zum Onlineshop des Buchhändlers meines Vertrauens haben, weil ich das Smart Light mag und weil man die teureren Modelle auch unbesorgt mit in die Badewanne nehmen kann.

Wenn jemand hingegen ein Gerät sucht, mit dem er auch E-Audios bzw. ganz generell Mp3- und Mp4-Dateien abspielen kann oder wenn jemand nur noch schlecht sehen kann und deshalb lieber ein Gerät mit Vorlesefunktion hätte, dann ist sicherlich eher ein Pocketbook die erste Wahl.


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21.07.2020 um 22:25
@Sterntänzerin

Das sind echt hochinteressante Infos. Die sollten eigentlich irgendwo "sticky" zum Nachlesen sein.


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21.07.2020 um 23:14
Charles Nodier - Der Bibliomane

Buecherwahn

Der Buchverlag Der Morgen aus der DDR hat 1976 ein Büchlein mit dem Titel "Bücherwahn" herausgegeben, der drei Erzählungen französischer Autoren (Nodier, Flaubert, Assenlieau) zum Thema Bibliophilie beinahlten. Mir liegt eine digitalisierte Version vor, die ich irgendwann mal irgendwo entdeckt hatte (90er oder Nullerjahre).

Die erste Erzählung von Nodier aus dem Jahr 1831 handelt von einem Büchersammler namens Theophile, den nicht der Inhalt, sondern die Ausgabe interessiert, am besten noch im Originalzustand, wenn die Bögen noch nicht aufgeschnitten sind. Diese Novelle begleitet ihn zu seinem Tod.

Theophile wird von einem Revolutionär mit einem Stock ein Bein gebrochen, und während seines Siechtums wird vom betreuenden Arzt auch seine Sammelwut als Krankheit erkannt, die mit der Cholera gleichgestellt wird. Sie befällt Psyche und Körper. Theophile hat keinerlei Interesse, mit dem Wissen seiner Bücher irgendwas anzufangen, auch will er selbst nichts schreiben, da sowieso das "Buch der Bücher" schon geschrieben sei: der Gargantuel von Rabelais, und da besonders das dreizehnte Kapitel (das hat den Titel Wie Grandgousier anhand der Erfindung eines Arschwischs die außergewöhnliche Intelligenz Gargantuas erkannte - was für ein Seitenhieb gegen die Bibel!)

Bei seinem ersten Spaziergang an den Kais von Paris mit den Antiquariaten erfährt er, dass eine Vergilausgabe versteigert worden ist, die größer ist als diejenige, die er besitzt, was ihn so zerrüttet, dass er wieder ins Krankenbett muss und schließlich zerrüttet stirbt, als ein Freund von ihm bei einem Besuch erzählt, dass er bei einer Versteigerung eine ungelesene und unaufgeschnittene Ausgabe des Bocciaccio aus dem 16. Jahrhundert verpasst hat.

Nodier arbeitete selbst als Bibliothekar (im von Napoleon besetzten Ljubljana und in Paris) und war ein Büchersammler. Eine Leidenschaft, die ihn in finanzielle Schwierigkeiten brachte. Als Schriftsteller schrieb er hauptsächlich Geister- und Gruselgeschichten, aber in dieser Novelle greift er seine eigene Sammlerwut auf und baut einige Seitenhiebe auf diese Art des Kunstsammelns ein (Schuhleder sei vergeudet, da damit Bucheinbände hätten gestaltet werden können).

Aber auch gegen die Literaturproduktion seiner Zeit geht er los. Es werden so viele minderwertige Texte veröffentlicht, die nicht mal das Lumpenpapier wert seien, auf denen sie gedruckt werden, während hochwertige Bücher nicht mehr geschrieben werden. Die modernen Bücher hätten im Vergleich zu den alten einen Nachteil: sie würden nie alt werden.

Insgesamt ist es eine kurze und kurzweilig zu lesende Novelle, deren Seitenhiebe auf die Kunstsammelei wie auch auf eine Kunstsammelwut, die Menschen in Nöte (gesundheitliche in der Novelle, finanzielle im Leben Nodiers) bringen kann, durchaus modern anmuten.

Auch interessant ist, dass ein der Französischen Revolution abgeneigter Schriftsteller (Nodier war in seiner Jugend aus politischen Gründen sogar inhaftiert, weil er sich öffentlich gegen Napoleon ausgesprochen hat), der in dieser Novelle mit dem Angriff eines Revolutionärs auf Theophile politisch motivierte Brutalität auch thematisiert, es in eine DDR-Ausgabe geschafft hat.

Zur Bibliomanie wie zu Nodiers Novelle auch ein (fast vollständiger) wissenschaftlicher Artikel der Stuttgarter Literaturwissenschafterin Kirsten Dickhaut.


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22.07.2020 um 08:29
@Sterntänzerin
Das hast du prima dargestellt.

Ich wagte erst nicht, hier Marken zu nennen.
Selbst nutze ich für die „Onleihe“ einen älteren Tol.i.n.o.

Auswahl und Ausleihe mache ich meist übers Handy, da dies schneller & farbig ist.
Auch wenn ich mal ohne Reader unterwegs bin, lese ich auf dem Handy weiter.
Der neueste Reader ist handlicher, leichter, hat eine tolle Beleuchtung etc. Man hält ihn mit einer Hand.

Also liest man -vor allem im Liegen- damit viel angenehmer als z. B. mit dem Tablet.

Alles in allem eine tolle Möglichkeit, weltweit die eigene, fast kostenlose Stadtbib zu nutzen - man muss sich nur über den Leserausweis anmelden.

Ich habe schon in der Sahara Lesestoff entliehen. Und der wiegt viel leichter als Printmedien. Ein wichtiger Punkt auf Reisen.
Früher startete ich mit mindestens 10 -12 Büchern. Die ergaben schon das ganze Handgepäck....


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22.07.2020 um 19:00
umma
schrieb am 19.07.2020:
die USA-Reise ist momentan sicher ein Wunschtraum?
Absolut. In den Staaten gibt es so unheimlich viel zu sehen; jeder Bundestaat hat viel zu bieten, eine Reise durch jeden einzelnen lohnt.

Das Buch hatte ich aus dem öffentlichen Bücherschrank mitgenommen, mich dann aber darin wirklich "festgelesen" bis zum Ende.


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23.07.2020 um 12:39
Doris-DC3B6rrieLiebe-Schmerz-und-das-ganOriginal anzeigen (0,2 MB)

Doris Dörrie - Liebe Schmerz

Vier Kurzgeschichten der Regisseurin Doris Dörrie, darunter auch "Männer".
Die Geschichten sind auch alle als Filme erschienen. Die Geschichten sind ziemlich energiegeladen, der Schreibstil erinnert
an amerikanische Kurzgeschichten. Anders als der Titel vielleicht vermuten lässt, sind die Geschichten wenig romantisch sondern emotional eher unterkühlt.


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24.07.2020 um 00:12
Mary Shelley - Frankenstein oder Der moderne Prometheus

Frankenstein

Immer wieder beeindruckend, was die 19-jährige Mary Shelley 1816 in Genf während des "Jahres ohne Sommer" geschrieben hat, aber auch beinahe traurig, was für Schrottfilme auf Basis dieses Romans mehr als hundert Jahre danach gedreht wurden.

Es ist nicht nur die Auseinandersetzung mit der Frage, was Wissenschaft überhaupt moralisch verantworten kann, die diesen Roman prägt, sondern auch die Komposition. Es gibt keine Erzählfigur, es wird ausschließlich aus der Sicht der Figuren erzählt, was aber auch mit sich führt, dass sich in die jeweilige Person hineingedacht werden muss. In diesem Falle denkt sich die 19-jährige Shelley fast ausschließlich in männliche Protagonisten, mit Ausnahme der Briefe von Elisabeth.

Gleich zu Beginn des Romans der Cliffhanger, der dann von hundsmiserablen Nachfolgern ausgebreitet wird: Die Schöpfung Viktor Frankensteins verschwindet auf einem Hundeschlitten in der Arktis, was von dem Arktisforscher Robert Walton auf seinem Expeditionsschiff beobachtet wird. Ein wenig später wird Viktor Frankenstein mit seinem Hundeschlitten auf einer Packeisscholle aufgegriffen, und er erzählt nach einer Warnung, seinem wissenschaftlichen Drang ja nicht nachzugehen, da dies nur Unglück bringt.
Wenn das Studium, dem Sie sich widmen, die Tendenz zeitigt, Ihre Gefühlsbindungen zu schwächen und Ihren Sinn für jene schlichten Freuden zu zerstören, denen sich nie ein unrechtes Element beimischen kann, dann ist dieses Studium sicherlich unerlaubt, das heißt, es ziemt dem menschlichen Geist nicht. Würde diese Regel stets eingehalten, würde kein Mensch zulassen, daß irgendwelche Bestrebungen störend in seine familiären Bindungen eingreifen, dann wäre Griechenland nicht versklavt worden, hätte Caesar sein Land verschont, hätte man Amerika schrittweise entdeckt, und die Reiche von Mexiko und Peru wären nicht untergegangen.
Und an anderer Stelle wird die Verantwortung der Wissenschaft gegenüber der Menschheit hervorgehoben:
In einem Rausch wissenschaftlichen Wahnsinns schuf ich ein wirkliches Wesen, und meine Pflicht wäre es gewesen, ihm so viel Glück zukommen zu lassen, als in meinen Kräften stand. Das war eine Pflicht; aber eine andere stand diametral gegenüber. Die Pflicht meinen Mitmenschen gegenüber.
Frankenstein ist Shelleys Faust, dessen Hingabe zu alten Schriften von Cornelius Agrippa ihn mit Hilfe modernen wissenschaftlichen Wissen dazu führt, in Ingolstadt, wo er Student ist, einen künstlichen Menschen von überdimensionaler Größe und Kraft sowie erschreckender Hässlichkeit zu schaffen, den er aber bereits in der Nacht der Schöpfung vor Grauen verstößt. Auf seiner Flucht muss das Geschöpf erfahren, dass alle Menschen ihn nicht nur verabscheuen, sondern auch attackieren, was einen tiefen Hass in seinen Schöpfer Frankenstein gebiert. Da er aus einer Schrift herausfindet, wo dessen Familie wohnt, zieht er Richtung Genf und ermordet den kleinen Bruder Viktors. Nach dem Mord, für den ein Dienstmädchen hingerichtet wird, weil in ihre Tasche ein Medaillon gesteckt wird, das der Ermordete um den Hals trug, flieht das Geschöpf in die Gletscherwüste des Mont-Blanc-Gebiets.

Frankenstein, auf der Suche nach seinem Geschöpf, findet es dort und verspricht ihm, eine Gefährtin zu schaffen, doch bricht er sein Vorhaben, das er auf einer Orkney-Insel durchführen möchte, ab. Das Geschöpf ist nun gewillt, jede Person, die Viktor nahesteht zu töten. Dessen bester Freund wird in Irland ermordet, und schließlich tötet er Viktors Angetraute auf ihrer Hochzeitsreise in Evian. Die Verfolgungsjagd, die auf dem Arktisschiff mit dem (natürlichen) Tod Viktors endet, beginnt.

Aber die Handlung, ist nicht das Wesentliche, es sind die immer wieder eingeflochtenen Reflexionen, die - neben der Kompositionsweise und der Fanatasie - diesen Roman so wertvoll machen.

So ist das Bekenntnis zur Republik nicht nur kurz, sondern sehr eindringlich und anschaulich:
Die republikanischen Einrichtungen unseres Landes bringen einfachere und schönere Lebensformen mit sich, als man sie vielleicht in den Monarchien, die uns umgeben, kennt. Deshalb ist auch kein so großer Unterschied zwischen der wohlhabenden und der dienenden Klasse, und die letzteren sind deshalb, weil sie nicht als minderwertig gelten, feiner und moralischer als ihre in der gleichen Lage befindlichen Mitmenschen in anderen Ländern. Ein Dienstmädchen in Genf ist etwas wesentlich anderes als ein solches in Frankreich oder in England.
Oder wenn es um das Glück geht, wird es doppeldeutig, wenn Viktor sagt:
Wenn unsere Sinne sich lediglich auf Hunger, Durst und Liebe erstreckten, wären wir nahezu frei
Das ist genau das, was sein Geschöpf sich wünscht: Die Befriedigung basaler Bedürfnisse mit einer Gefährtin. Dann wäre es bereit, sich in den brasilianischen Urwald zurückzuziehen. Nur müsste Viktor ihm eben eine Gefährting schaffen, was er aber nicht tut. Ob Shelley eine ernste Überzeugung übermitteln will oder ob es ein ironisch gebrochenes Ziel ist, bleibt offen.

Aber was ist mit dem Geschöpf? Dieses lässt Shelley darüber reflektieren, wie eine ursprünglich gute Seele zu einem Mörder werden kann. Die Kernaussagen:
Aber wenn ich um mich sah, fand ich niemand, der mir glich. glich. Ich war also eine Abnormität, ein Ungeheuer, ein Schandfleck der Schöpfung, den alle Menschen flohen und von sich stießen. [...] Kein Vater hat meine Kinderjahre behütet, keine Mutter mir ihre Liebe und Zärtlichkeit geschenkt. [...] Gott bildete den Menschen in seiner Güte nach seinem eigenen Bilde; aber du gabst mir Antlitz und Gestalt, die nur ein erschreckendes Zerrbild deines Leibes waren. Satan selbst hat seine Genossen, die mit ihm leben; aber ich bin allein und verhaßt, wo man mich erblickt. [...] Unter den Millionen Menschen war nicht einer, auch nicht einer, der mir geholfen oder auch nur Mitleid mit mir gehabt hätte, und ich sollte gegen meine Feinde mild und gut sein? Nein! In diesem Augenblick erklärte ich dem ganzen verruchten Geschlecht Krieg bis aufs Messer, und besonders dem, der mich gebildet und an all dem unsäglichen Leid Schuld trug.
Damit lässt Shelley uns in die Seele eines Mörders blicken.

Wer einen unterhaltsamen Horror-Flick erwartet, ist mit diesem Roman nicht bedient. Wer aber wissen möchte, was hinter den vielen auf diesem Roman basierenden Horror-Flicks steht und sich darauf einlässt, was geschrieben ist, wird Freude finden. Der Untertitel weist den Weg.


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