Sterntänzerin schrieb:Während der Beziehung mag das Modell ja für beide Seiten funktionieren. Blöd wird es aber dann, wenn die Beziehung in Schieflage gerät.
Im Worst Case steht da dann nämlich nicht die Hochzeit mit Ehevertrag, der regelt, dass Mann Frau auch nach der Scheidung einen finanziellen Ausgleich dafür zukommen lassen muss, dass ihr nun Jahre bis Jahrzehnte an Arbeitserfahrung und Vergütung fehlen.
Dann hat man entweder eine Partnerin, die sich in der Beziehung nicht mehr wohlfühlt, aber bleibt, weil ihr sonst die Absicherung fehlt. Oder sie muss die berufliche Lücke ausgleichen, falls sie in ihrem früheren Berufsfeld überhaupt noch einen Job findet, während Mann in den Jahren zuvor fleißig Karriere gemacht hat. Gibt es Kinder in der Beziehung, verschärft sich das Ganze nochmals.
Dein Einwand ist berechtigt und mir ist auch bewusst, dass solche Systeme nicht selten dazu führen, dass die Frau benachteiligt ist. Vorallem wenn man noch nicht Verheiratet ist, denn wie du ja schon schreibst, man KÖNNTE sich mit einem Ehevertrag etwas schützen. Davor sieht es aber anders aus.
Mit meiner letzten Partnerin war ich verlobt, aber noch nicht Verheiratet.
Meine Ex Partnerin hat im Vergleich zu mir nur etwa 1/4 Netto verdient. Wir arbeiteten zwar in der selben Firma, aber in unterschiedliche Positionen.
Weil ich mir sicher war, dass es die Richtige ist, habe ich fast alle Ausgaben übernommen.
Dadurch konnte sie ihr Gehalt jeden Monat zur Seite legen und ansparen.
Auf ihr Konto, nicht auf ein gemeinsames Konto.
Dadurch konnte sie sich in 2 1/2 Jahre Beziehung einen fünfstelligen Betrag ansparen und wenn die Beziehung weitere Jahre gelaufen wäre, hätte sich das ja immer weiter aufgebaut.
In dem Falle einer Trennung stünde (und stand) sie dann nicht mit "nichts" dar sondern hat erstmal Kapital, um die Übergangszeit abzufedern.
Und selbst im Worst Case wenn man dann Geheiratet, Kinder bekommen hätte und sie nicht mehr arbeiten gegangen wäre, bleibt ja trotzdem das Kapital welches sie sich zuvor angespart hat.
Mir ist aber bewusst, dass dies ein Sonderfall ist und das nicht in jeder Beziehung funktioniert.
In meinem Elternhaus war es auch so, dass meine Mutter finanziell total von meinem Vater abhängig war und damit zu kämpfen hatte. Insbesondere weil er auch gar nicht wollte dass sie arbeiten geht und eigenes Geld verdient.
Deswegen war es mir in meiner Partnerschaft wichtig, einen guten Kompromiss zu finden und subjektiv empfinde ich es auch als fair, wenn man seiner Partnerin ermöglicht sich auch einen guten Betrag anzusparen.
Es wäre Unfair gewesen wenn ich sage wir machen 50:50 weil gleichberechtigt während sie sich dadurch kein Geld ansparen kann, ich mir aber wegen meinem guten Einkommen ein Vermögen aufbaue.
nairobi schrieb:Exakt diesen Unterschied haben meine älteste Schwägerin und ihr Mann. Als sie zusammen kamen, waren sie 31 und 43, beide noch voll im Saft. Er hat sich gut gehalten und wirkte immer jünger als tatsächlich war. Inzwischen sind sie fast 66 und 78 und nun ist er schon ein richtig alter Mann und baut langsam ab. Sie ist in Rente, geht aber noch 2 Tage die Woche arbeiten.
Das klingt sehr schön, vorallem dass es langfristig gehalten hat.
Sicher ist es bisschen "schwer" dass er langsam abbaut aber das kann ja auch mit einem Partner passieren der nicht 12 Jahre älter ist.
nairobi schrieb:Und da sehr viele Beziehungen zerbrechen und
mindestens jede 3. Ehe geschieden wird ploppt dann ein Problem auf, wenn eine finanzielle Abhängigkeit besteht.
Gebe ich dir recht und sehe ich dementsprechend auch kritisch.
Aber es gibt ja Möglichkeiten wie oben beschrieben, die eine finanzielle Abhängigkeit langfristig relativieren kann. Auch wenn ich wie bereits erwähnt mir dessen bewusst bin, dass nicht jeder dieses Modell leben kann.