Was das für den Hotelmitarbeiter tatsächlich bedeutet hat, wurde hier schon vermehrt angerissen. Auszüge aus seinem Interview ebenfalls. Was ich bisher noch nicht gelesen hatte:
Markus W., erstmals in einem Interview mit der„Zeit“.
W. brachte darin Unverständnis gegenüber Ofarims Verhalten im „Dschungelcamp“ zum Ausdruck. Er habe sich auf die Einstellung des Verfahrens nach einer Entschuldigung damals eingelassen, „auch weil ich die Sache endlich abschließen wollte“, so W. „Nun aber machte Herr Ofarim zweifelhafte Andeutungen. Das wirkt für mich sehr befremdlich, es ärgert mich massiv und ich frage mich auch: Ist es denn nie vorbei?“ W. und Ofarim einigten sich auf einen Schadensersatz in Höhe von 20.000 Euro. Das Geld habe er bisher nicht erhalten, sagt W. im „Zeit“-Interview.
„Er pöbelte: Was das für ein Scheißladen sei“
W. äußert sich im „Zeit“-Interview auch detailliert über den Abend, als Ofarim in das Westin-Hotel einchecken wollte. Es hätte an dem Tag ein technisches Problem gegeben – dadurch habe das Einchecken länger gedauert. Rund 20 Minuten habe Ofarim dadurch warten müssen. „Als er an der Reihe war und seine Karte bekommen sollte, da sprach er mich an. Er war sehr aufgebracht, zeigte mit dem Finger auf mich und pöbelte: Was das für ein Scheißladen sei. Dann drohte er: Wenn er in seinem Zimmer sei, werde er die Zustände hier öffentlich machen, das werde viral gehen. Ofarim klatschte dabei in die Hände und sagte: Bäm, bäm, bäm. Da habe ich ihm den Meldeschein weggezogen und ihm gesagt, dass er unter diesen Umständen nicht unser Gast sein kann.“
Ein aufgeregtes reel darüber, dass er - GIL the Great - 20! (ZWANZIG!) Minuten warten musste, um in sein Hotel einzuchecken und ne 2 Sterne Bewertung zu hinterlassen, hätte man noch kopfschüttelnd überlesen. Was allerdings folgte, sicher nicht. Dafür hätte er dann nicht den öffentlichen, viralen Weg wählen dürfen.
Nach den daraufhin von Ofarim geäußerten Antisemitismus-Vorwürfen habe das Telefon nicht mehr stillgestanden, schildert W. „Das gesamte Hotel war sehr schnell in einem Ausnahmezustand. Kollegen weinten. Sämtliche Mitarbeiter hatten es schwer, mit dieser Situation umzugehen, weil einen darauf auch niemand vorbereiten kann.“
Er habe sich damals absichtlich nicht zu den Anschuldigungen geäußert. „Dann wären wir in einer Pingpong-Situation gewesen: Ofarim sagt dies, ich sage das. Und was noch hinzukommt: Beweisen Sie mal, dass etwas nicht stimmt. Dass Sie kein Antisemit sind. Wie macht man so etwas?“
In den Wochen nach dem Vorfall habe er sich zurückgezogen und sei nicht einmal zur Hochzeit seines Bruders gegangen – „aus Angst davor, dass irgendwer ein Foto von mir machen könnte, auf dem ich feiernd oder lachend zu sehen bin.“
Genau! Wie macht man sowas?
Und niemand hätte ihm geglaubt damals. Nicht mal zur Hochzeit seines Bruders. Da kann eine Person plötzlich dein ganzes Leben zerstören. Einfach so. Aus egoistischen und egozentrischen Gründen heraus. Sich zu ärgern, ist eine Sache. Seinen Unmut über Wartezeit, weil man eh pissed ist zu äußern, kein Ding. Daraus aber etwas von solch einer Tragweite zu machen, unmittelbar danach ein Video zu drehen mit Anschuldigungen betreffend Antisemitismus und das aus gekränkter Eitelkeit heraus, es auf Instagram hochzuladen, eine andere. Dann Anzeige zu erstatten, Gerichte zu beschäftigen, Ermittlungsbehörden - das ganz große Besteck ausgepackt.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article698a4738522c438350e40c5f/gil-ofarim-ist-es-denn-nie-vorbei-hotelmitarbeiter-aus-leipzig-aeussert-sich-erstmals-zu-antisemitismus-eklat.htmlEr hätte diese Chance schlicht nutzen sollen und direkt an Tag 1 ein ehrliches Statement abgeben können. Vor allen, mit denen er die nächsten Tage würde verbringen müssen. Vor einem Millionenpublikum, was durch ehrliche und aufrichtige Reue und einer öffentlichen Entschuldigung durchaus Willens hätte sein können, die Ächtung aufzuheben. Er hatte eine grandiose Bühne. Er hat die Chance vertan. Er hat sich stattdessen der Passion Gil hingegeben. Voller Leiden, voller Demut, voller Dankbarkeit - einfach rumgeopfert und nachgelegt.
Die Fragen kommen jetzt in jeder Sendung auf ihn zu. Von jedem Journalisten, obwohl er nun gesagt hat, dass es ihm leid tut. Die übernehmen die Verantwortung, die der Sender und sämtliche Moderatoren vermissen ließen. Das hätte er easy verhindern können. Er wollte nicht.