martenot schrieb:Jedenfalls kenne ich natürlich noch ein Leben ohne Handy und hätte dementsprechend wahrscheinlich weniger Probleme damit, ohne Handy zu leben. Das Problem ist eher, dass die moderne technisierte Gesellschaft inzwischen viele Alltagsdinge auf Smartphonetechnologie umgestellt hat (was natürlich früher nicht der Fall war). In der Hinsicht ist man inzwischen mehr oder weniger drauf angewiesen, obwohl man früher ein Leben ohne Smartphone gewöhnt war.
Ganz richtig.
Mir ist das auch bei Geschäftsreisen zwischen 2006 und jetzt aufgefallen.
Anfangs:
- Abholung vom Bahnhof oder Flughafen, mit Schild, Standort vorab vereinbart
- Abholung an der Pforte von Uni, Werksgelände
- bei Unterkünften die kein Hotel sind: Schlüssel bei Abholung von Bahnhof oder Flughafen übergeben, oder jemand wartete sichtbar bei der Unterkunft
- alle Tickets auf Papier
- es ist ganz oft jemand mitgegangen
- Aushangfahrpläne erleichtern die Nutzung des ÖPNV in einer fremden Stadt
- vorbestelltes Taxi, Flughafenshuttle steht an festem Parkplatz, vor dem Fahrzeug steht jemand mit einem Schild mit meinem Namen
Jetzt:
- "nimm' dir einfach 'nen Uber"
- Gruppen-Geschäftsreise: "wir sind knapp dran, Boarding-Pass bitte über die App, nicht zum Schalter gehen"
- "Lunch ist heute bei Denny's Wok" (es wird davon ausgegangen, dass man mittels Navi-App in einer fremden Stadt das Lokal ausfindig machen kann)
- sofern nicht sicherheitsrelevant: keine Abholung an der Pforte, sondern "wir treffen uns im Raum A im South Wing, Physics building" (zu finden via Campus-App)
- vorbestelltes Taxi, Flughafenshuttle etc. zeigt seinen Standort auf einer App an und gibt so auch das Kennzeichen durch; in seltenen Fällen SMS, e-Mail
- Aushangfahrpläne fehlen, zu nutzen ist eine App für den Busfahrplan; teils fehlen sogar Haltestellenschilder und der Standort der Haltestelle ist allein via App zu finden (wer ortskundig ist, dürfte es auswendig wissen - auf Reisen oder kurz nach Umzug hilft nur die App)
Dann auch:
- in manchen Ländern sind Türklingeln und Gegensprechanlagen unüblich; man ruft per Handy an, wenn man angekommen ist, z.B. für eine Wohnungsbesichtigung
- ich konnte hier keine Bank finden, die Onlinebanking ohne App zulässt oder für Berufstätige gut nutzbare Filialöffnungszeiten hat
- Behörden verlangen hier 2FA, etwa zur Buchung eines Termins
- eine Kennung die ich zur Durchführung meiner Steuererklärung sowie zur beruflich nötigen Ausstellung von Rechnungen benötige musste via Smartphone (Blick in die Kamera, Kopf drehen...) verifiziert werden
- ich möchte im Urlaub einen Nationalpark erwandern; hierfür ist ein Nationalparkticket nötig, das frühestens zwei Tage vorher im Internet zu buchen ist (mitnehmen kann man das pdf-Dokument QR-Code auch ausgedruckt; einfache Unterkünfte besitzen jedoch nicht immer einen Drucker, und da ich nun zum Wandern keinen Laptop mitschleppe: das pdf-Dokument kommt aufs Handy)
Ausgefallenes Internet bzw. schlechte Verbindung ersetze ich häufiger durch Tethering übers Smartphone. Das hat manch eine Vorlesung die Internetzugang gerettet, verschafft Internet auf (Geschäfts-)Reisen oder hilft direkt bei Ausfall. SIM im Laptop ist teurer und nicht für jedes Gerät verfügbar.
PrivateEye schrieb:Das habe ich schon lange. Ebenso eine digitale Sicherung davon und von eingescannten Unterlagen, angefangen von Versicherungspolicen bis zu den Geburtsurkunden. Das ganze ist auf externen Datenträgern abgesichert und kann via USB an jedem Rechner etc. eingesehen werden. :Y:
Absolut wichtig. Auch ich habe das schon lange (seitdem ich erwachsen bin). Als Ausländer (Deutsche im Ausland mit Arbeitsvisum) ist das nochmals wichtiger für mich.
Bin insgesamt absolut "Typ Prepper" und würde mich nie von einem Handy, oder einem physikalischen Ordner von Dokumenten, abhängig machen.
Wie wahrscheinlich viele Menschen, hatten wir in den letzten Jahren einen kaputten Laptop (Festplatte nicht betroffen; Laptop war das Arbeitsgerät für meine Dr.-Arbeit und ging wenige Wochen vor Abgabe kaputt), einen PC mit kaputter Festplatte, ein gestohlenes Handy (das für 2FA für den Remote-Arbeitsplatz genutzt wurde) - bis auf den Verlust der Hardware, die aber auch zügig ersetzt war, nicht weiter schlimm.
Genauso haben uns digitale Kopien von Papierdokumenten schon weitergeholfen, und sei es nur, wenn während Abwesenheit aus der Wohnung etwas nachzusehen ist (bin z.B. im Urlaub oder auf Geschäftsreise, brauche dringend die Nummer einer Versicherungspolice oder Daten aus meinen/unseren Immigrationsunterlagen - fette Ordner schleppe ich nicht mit, die Daten sind aber da).
Im Notfall gäbe es auch für alles obige Lösungen, nur wird man (und auch ich) im Alltag eben praktischerweise nicht auf die Notlösung zurückgreifen. Etwa: Ich werde nicht bei einer Geschäftsreise die Unterkunft für die der Schlüssel nach Anruf abzuholen ist verweigern und einen Riesenaufwand produzieren wie etwas anderes statt so eine Mitarbeiterunterkunft übernommen werden kann, sondern die Unterkunft nutzen und den Schlüssel nach Anruf entgegennehmen. Und falls das Handy partout nicht nutzbar ist (siehe: hatte schon Displayschaden ohne eigene oder äußere Ursache während einer Geschäftsreise), wüsste ich mir da auch zu helfen: Telefon oder falls die Person per e-Mail erreichbar ist eine Möglichkeit ins Internet zu gelangen ausfindig machen (ich habe notfalls auch schon an der Lobby eines Hotels das ich gar nicht gebucht hatte danach gefragt einen Anruf tätigen zu können), weiterlaufen in die Stadt und da ein Hotelzimmer nehmen, zur allergrößten Not eine Freiluftübernachtung.
Und die Behördensachen für die 2FA nötig ist? Mache ich nicht auf den letzten Drücker, so wie ich nichts auf den letzten Drücker mache, generell (letztens: Arbeitsvisum verlängert, gleich am frühestmöglichen Tag (hatte einen Monat Zeit), man weiß nie; Rechnungen zahle ich am Tag an dem die Rechnung kommt, und so weiter). Wir haben hier sowieso andauernd Stromausfall. Falls der Strom lange (tage-, wochenlang) ausfällt ist eine nicht abgegebene Steuererklärung oder ein nicht abgeholtes Identitätsdokument (entspricht dem deutschen Personalausweis) auch nicht so wild.
martenot schrieb:Leider sind inzwischen schon viele Banken auf den Trichter gekommen, die als altmodisch geltenden Terminals abzuschaffen. Auch die Bank meines Partners hat keine Terminals mehr (nur noch Kontoauszugsdrucker). In der Hinsicht bin ich wirklich froh, dass meine Bank noch an den Überweisungsterminals festhält.
rhapsody3004 schrieb:Und dann gibbet ja auch noch für Menschen wie meinen Vater, der weder Online-Banking noch die stationären Terminals für Überweisungen nutzt, nach wie vor die klassischen Überweisungsformulare in Papierform und zum Einwerfen. Oder gibt es diese Möglichkeit je nach Ausland schon gar nicht mehr?
Papierformulare zum Einwerfen gibt es hier nicht. Es gibt Überweisungsautomaten.
Allerdings kann man die Nebenkosten (Strom, Wasser, Gas, Internet) hier nicht via Überweisung bezahlen (auch nicht Dauerauftrag), sondern nur:
- übers Internet auf der Webseite des Strom-/Wasser-/Gas-/Internetanbieters, ähnlich einem Onlineshop, zahlbar via Bankkarte oder Kreditkarte
- bei einer zertifizierten Stelle vor Ort, unter Angabe der Kundennummern für obiges, bar sowie via Bankkarte oder Kreditkarte. (Sehr lange Warteschlange, da es hier - betraf mich anfangs auch - für Ausländer oft nicht möglich ist, ein Bankkonto zu haben, sodass diese Personen bar bezahlen müssen).
Da die Zahlung monatlich zu erfolgen hat, ist es einfach keine realistische Lösung, immer einmal im Monat mich in die lange Warteschlange zu setzen, und danach noch zur Bank, wieder Warteschlange, zur Zahlung der Miete. Die Warteschlange ist nicht so kurz wie ich es von Banken in Deutschland kenne, sondern kann mehr als 100 Personen umfassen (da im Sitzen gewartet wird kann man das schnell überblicken), sodass die letzten am Ende unverrichteter Dinge nach Hause geschickt werden.
Ich mache das daher online mit 2FA, stört mich auch nicht weiter. Weise nur darauf hin, dass mir hier die Hürde für "ich nutze aus Prinzip kein Handy" zu hoch wäre, obwohl ich allgemein bei vielem nach dem Prinzip "ich mach' das anders, egal was andere denken, egal ob das auffällt", "mit Ecken und Kanten" lebe.