Hallo erstmal …
Bin hier seit Jahren stiller Mitleser, dieses Thema hat nun zur Anmeldung geführt.
Das prominente Paar war mir den Namen nach zwar bekannt, fand die Personen aber nie sympathisch oder gar interessant. Und doch bewegt mich etwas daran sehr.
Im Thread kam zuerst und recht früh eine Diskussion über Doppelmoral auf, in Bezug auf eine TV-Serie in der beide wohl mitgewirkt haben. Auch diese Serie war mir vollkommen unbekannt, aber sie zumindest oberflächlich zu analysieren ist aufschlussreich.
Nach dem was ich lesen konnte ist/war ein herausstechendes formales Merkmal ein gewisses Ineinander-fliessen von Realität und Fiktion, was durch die Konstellationen der Schauspieler in ihren realen bzw. fiktiven Beziehungen zueinander begründet war und zusätzlich hervorgehoben wurde.
Das klingt erstmal tatsächlich reizvoll, es scheint sich um eine Art von Spiel mit Ebenen und Metaebenen der Medienrealität zu handeln.
So ein Konzept an sich könnte je nach Umsetzung durchaus als Preisträger in der TV-Landschaft gehandelt werden. Und es klingt schon fast anspruchsvoller und intellektueller als ich es den Personen aufgrund ihres öffentlichen Images zugetraut hätte.
Schnell habe ich aus wikipedia gelernt, die haben das Serienkonzept nicht erschaffen sondern über den Umweg einer dänischen Serie letztlich aus den USA übernommen, und es gab schon vorher Umsetzungen in anderen Ländern.
Das ist schon nicht mehr so sehr preisverdächtig …
Dann gibt es die inhaltliche Ebene. Die scheint sich hauptsächlich um Lügen und Peinlichkeiten im dargestellten Alltag zu drehen und mit Tabubrüchen und reichlich sexuellen Anspielungen zu arbeiten. Ich gestehe, das ist ziemlich genau was ich von den Protagonisten erwartet habe. Eine Art scripted reality auf moralisch grenzwertigem Terrain, würde das die Serie in etwa beschreiben?
Der Vorwurf der Doppelmoral bezog sich für mein Verständnis darauf, daß einerseits im TV Inhalte erfolgreich sind und sogar Preise erhalten, die im realen Leben nicht nur abstossend sondern auch kriminell sind.
Das Extreme an diesem Fall ist wohl, daß nun die Fiktion von der Realität eingeholt wurde, und beides inhaltlich weitestgehend deckungsgleich ist. Ohne die Serie zu kennen; nach dem was ich gelesen habe könnte der nun reale Fall wohl direkt eine Episodenhandlung oder einen Season–Bogen darstellen?
Das macht die Sache sehr explosiv finde ich; die Grenzen von Fiktion und Realität verfliessen mehr als zuvor, doch es bleiben die Lacher aus, es gibt keine flapsigen Sprüche, keinen Abspann nach 25 Minuten.
'Worüber darf gelacht werden' erscheint mir hier nur die erste in einer Reihe von Fragen.
Und ich sehe durch die inhaltliche Ausprägung der Arbeit keine Möglichkeit hier Künstler und Werk zu trennen. Denn zumindest eine der Hauptpersonen hat während (und vor und nach) der Arbeit an diesem Stoff ein Doppelleben geführt das eben 1:1 solche Grenzüberschreitungen spiegelte; und sich eine eigene scripted reality erschaffen.
Wir sind daran noch nicht gewöhnt, es wirkt erschreckend einzigartig und einzigartig erschreckend.
Aber es gab z.B. bereits mehrere HipHop Stars die letztendlich für genau die Verbrechen verurteilt wurden die sie in Ihren Texten dargestellt haben. Die Übergänge zwischen Medien-Personas und dem realen Leben scheinen zunehmend fliessend zu werden. Nicht mehr nur für Gangsta-Rapper sondern auch für die Darsteller im deutschen Werbefernsehen.
Für mich geht das tiefer als nur eine Frage nach doppelter Moral, wobei ich die als Muster hier aber trotzdem erkenne und nicht widerspreche wenn jemand diese aufzeigt. Die eigentlichen Probleme solcher Inhalte empfinde ich aber, wie ansatzweise dargestellt, auf weiteren Ebenen.
Weiter gab und gibt es Diskussionen über das Strafrecht und ob wir da gut aufgestellt sind. Auch wenn die Anklage nun in Spanien stattfindet ist es ja nicht schlecht sich darüber Gedanken zu machen.
Der im Netz bekannte Anwalt für Strafrecht Udo Vetter hat dazu Informationen zusammengestellt. Er tut das nicht als reiner Theoretiker, aus seinem Blog weiß man daß er über die Jahre zumindest einzelne Fälle von Straftaten mit sexuellem/sexualisierendem Hintergrund bearbeitet hat.
Seiner Ansicht nach ist das deutsche Strafrecht gut aufgestellt.
Es macht wenig Sinn das als Amateur weiter zu kommentieren, darum setze ich hier den direkten Link rein:
https://www.lawblog.de/archives/2026/03/20/fall-ulmen-schaut-doch-bitte-mal-ins-gesetz/Was mir nur von Anfang an auffällt ist diese 'Anmaßung des Personenstandes'. Handelt es sich dabei evtl. um eine wörtliche Übersetzung aus dem Spanischen? Bei uns wäre das doch bzw. ist das Identitätsdiebstahl?
Diese exakte Formulierung findet sich bei einer Websuche ausschliesslich im Zusammenhang mit dem aktuellen Fall, ohne weitere Fundstellen aus der Vergangenheit.
Ich frage mich, warum wird hier ein so 'amtlich' klingender Begriff neu eingeführt?
Ok, das waren ein paar erste Gedanken.
Und ich bin noch nichtmal zu dem Thema gekommen das für mich die Anmeldung veranlasst hat …