@violetluna Da sind ganz viele - auch widersprüchliche - Gedanken in meinem Kopf... und es ist natürlich alles auch noch sehr frisch.
Die Pflege meiner Mutter begann im Grunde genommen schon vor 19 Jahren, als sie mit 66 Jahren nach einem Harnblasenkarzinom ein Urostoma bekam, mit dem sie selbst nur schlecht zurechtkam. So habe ich fast von Beginn an die Versorgung dieses Stomas übernommen, die mehrmals wöchentlich notwendig war - in schlechten Zeiten teilweise auch täglich.
Ab Mitte der 2010er-Jahre wurde sie dann zunehmend dement. "Zum Glück" war sie durch erhebliche Rückenbeschwerden in ihrer Bewegungsfähigkeit auch damals schon eingeschränkt. Das erforderte zwar durch die körperlichen Einschränkungen mehr Hilfestellung durch mich. Aber durch die eingeschränkte Mobilität musste ich nie Angst haben, dass sie z.B. das Haus ohne mich verlässt und sich irgendwo verirrt. Trotzdem war die Zeit, in der die Demenz fortgeschritten, sie aber noch in der Wohnung mobil war, die für mich herausfordernste.
Vor ziemlich genau 2 Jahren hatte sie dann einen schweren Schlaganfall, der zur Bettlägerigkeit geführt hat. Sie konnte damals noch sprechen - wenn auch inhaltlich durch die Demenz nicht immer nur Sinnvolles herauskam;-) - und sogar nach einigen Wochen auch wieder selbständig essen. Im Juni 2025 hörte sie dann ganz auf zu sprechen und kurze Zeit später war ihr auch eigenständiges Essen und Trinken nicht mehr möglich. Seitdem ging jeder Bissen und jeder Schluck durch meine Hand. Bis auf ca. 20 Min./Tag Unterstützung durch einen Pflegedienst beim Waschen und Umziehen habe ich die restliche Pflege alleine zuhause gestemmt. Daneben habe ich noch 20 Std./Wo. in meinem Beruf gearbeitet. Das war mir wichtig, um auch auf andere Gedanken zu kommen. Dabei hatte ich riesige Unterstützung durch meinen Arbeitgeber und meine Kollegen, für die es in Ordnung war, dass ich nur morgens bis 9:30 Uhr im Büro war und den Rest im Homeoffice erledigt habe. Riesengroßen Dank auch Euch!
Vor ca. 2 Wochen konnte meine Mutter plötzlich gar nicht mehr essen und trinken - wahrscheinlich durch einen weiteren Schlaganfall. Außerdem bekam sie eine Lungenentzündung. Es stand schon lange auch in Absprache mit unserer Hausärztin fest, dass ich ihr einen weiteren Krankenhausaufenthalt, der keine Besserung mehr hätte bringen können, ersparen wollte und sie -wenn es soweit ist- in Ruhe zuhause ihren letzten Weg gehen lasse - mit Unterstützung durch einen Palliativdienst, der Tag und Nacht erreichbar war.
In den ersten Tagen dieser Phase musste ich mir selbst mein schlechtes Gewissen ausreden, als ich merkte, dass ich es genoss, plötzlich selbst wieder eine Mahlzeit ohne Unterbrechungen einnehmen zu können.
Und jetzt ist da plötzlich eine Leere... Am Dienstag, den 18.08. um 12 Uhr ist die Beerdigung. Bis dahin bin ich noch im "Funktionier-Modus". Was dann kommt? Ich werde es sehen. In den letzten 2 Jahren, in denen ich mein eigenes "aushäusiges" Leben bis auf die 3 Std. Arbeit/Tag, notwendiges Einkaufen und eine wöchentliche Chorprobe völlig zurückgestellt habe, habe ich nie damit gehadert. Ich habe aber immer schon allen, die mich danach gefragt haben, gesagt, dass es für die Zeit "irgendwann danach" eine Menge Dinge gebe, auf die ich mich wieder freue. Und tatsächlich gelingt es mir gerade neben aller Trauer bereits gedanklich Pläne für die Zukunft zu machen.
Jetzt ist dieser Text viel länger geworden als ich eigentlich wollte - und eigentlich auch ziemlich off-topic.
Aber ich merke, dass mir das Schreiben gut getan hat.
Insofern danke ich Euch, wenn Ihr bis hier mit dem Lesen durchgehalten habt...