PrivateEye
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Hatte das oben schon geklärt und näher erläutert. DIe Zahlen beziehen sich auf den Todestrakt.PrivateEye schrieb:
Danke für die Richtigstellung, @gagitsch hatte auch schon dazu geschrieben. Ich hatte das wohl falsch interpretiert und aufgefasst.Origines schrieb:Die 120 bis 130 pro 100.000 Gefangene beziehen sich natürlich auf alle Gefangenen, nicht nur Todeskandidaten.
Es ist aber auch bei LWOP nicht (viel?) leichter. Wenn man als 20-Jähriger da rein kommt. Weiss, dass man nach evtl. 50 Jahren im Gefängnis dort sterben wird. Unter unwürdigen Verhältnissen. Nicht wenige "bevorzugen" da die Todesstrafe. (Habe ich hier und/oder im LWOP Thread schonmal geschrieben.) Es sind beides absolut grausame Strafen.Origines schrieb:Das Perfide an der Todesstrafe ist ja nicht nur die Vernichtung einer menschlichen Existenz, eines einzigartigen Individuums. Sondern dass der Mensch, der zum Tode verurteilt wurde, um diesen Tod weiß. Er ist ihm angekündigt und es ist im Hochsicherheitstrakt darauf zu warten. Das ist psychische Folter. Das unterscheidet sein Sterben von dem der Opfer von Gewalttaten. Opfer sind der Willkür des Täters ausgeliefert, aber ob sie aufgrund dieser Willkür leben oder sterben ("Herr über Leben und Tod"), das können sie oft nur ahnen. Der Tod kommt nicht angekündigt.
Das ist eine gewagte Aussage, auch wenn du ggf Erfahrung hättest, kann diese auch stark von den der Trauernden abweichen.redsherlock schrieb am 04.09.2026:Hardliner bzw. Vertreter retributiver Strafen entgegenen darauf ja meist: 'die Opferangehörigen leiden auch für den Rest ihres Lebens'. Das sehe ich anders. Das Leben geht für die Opferangehörigen weiter, nach 20 Jahren oder so ist die Trauer nicht mehr dieselbe wie zu Anfang.
Keinesfalls unmenschlicher als der Mord oder die Vergewaltigung die selbst an einem Opfer ausgeübt wurde. Oder was meinst du mit unmenschlich?redsherlock schrieb am 04.09.2026:Das kann man über das Leben im Gefängnis nicht behaupten. Die Häftlinge sind jeden Tag der unmenschlichen Behandlung ausgesetzt.

In der ganzen Welt wird angenommen, die Familienmitglieder der Opferfamilien seien Befürworter der Todesstrafe. Exekutionen gelten als das Instrument, mit welchem vermeintlich für die Überlebenden der Gerechtigkeit und dem Bedürfnis nach einem Abschluss genüge getan wird.Quelle: https://initiative-gegen-die-todesstrafe.de/opferfamilien/
Sich gegen die Todesstrafe auszusprechen, wird oftmals als ein Affront gegen die Opfer aufgefasst. Aber ist das auch so? Während sich einige Opferfamilien tatsächlich für die Todesstrafe aussprechen, gibt es auch einige, die das anders sehen.
Ich habe Kenntnis über einzelne Meinungen, dafür und dagegen.Tussinelda schrieb:guck mal, das schreibt ein Opferangehöriger:
Teilweise mag das auch lediglich verbaler Frustabbau sein, irgendwo muss die Wut ja raus. Was auch sehr verständlich ist. Und besser wenn sie ihrem Ärger so Luft machen als jemanden wirklich etwas anzutun.gagitsch schrieb:Warum aber sollte man die Opferfamilien oder Einzelangehörigen nicht berücksichtigen, die Sagen, die Vollstreckung sein für diese dann ein Neustart, ein Neuanfang, ein Abschluss, was auch immer?
Also meinst du nicht, das die Vollstreckung dann ein Neustart sein kann? Empfinden die Opferfamilie das falsch?PrivateEye schrieb:Teilweise mag das auch lediglich verbaler Frustabbau sein, irgendwo muss die Wut ja raus. Was auch sehr verständlich ist. Und besser wenn sie ihrem Ärger so Luft machen als jemanden wirklich etwas anzutun.
da steht doch extra:gagitsch schrieb:In einer Initiative gegen die TS wirst du immer nur diese Meinungen finden....
Während sich einige Opferfamilien tatsächlich für die Todesstrafe aussprechen, gibt es auch einige, die das anders sehen.Quelle: https://initiative-gegen-die-todesstrafe.de/opferfamilien/
Ich selber sehe das nicht so. Ich befürchte eher den Aspekt einer Rache der Familie des hingerichteten Täters gegen die Familie des Opfers, wenn diese federführend bei der Hinrichtung war.gagitsch schrieb:Also meinst du nicht, das die Vollstreckung dann ein Neustart sein kann?
Ob diese das falsch oder richtig empfinden kann ich leider nicht sagen.gagitsch schrieb:Empfinden die Opferfamilie das falsch?
das denke ich nicht, auch sind Opferangehörige ja nicht federführend in dem Sinne. Sie können angehört werden, sie können ein statement abgeben, wie sehr sie der Tod ihres Angehörigen belastet, das Leben verändert hat usw. Aber ich habe bisher nicht gehört, dass Angehörige des hingerichteten Täters "Rachegefühle" gegen die Familie des Opfers hätten. Hast Du Beispiele? Würde mich interessieren.PrivateEye schrieb:Ich befürchte eher den Aspekt einer Rache der Familie des hingerichteten Täters gegen die Familie des Opfers, wenn diese federführend bei der Hinrichtung war.
also ich finde ja auch, dass es einem demokratischen Rechtsstaat nicht würdig ist und es sich ausschliesst, die Todesstrafe als Strafe zu haben. ABER trotzdem ist da doch ein Unterschied zwischen dem Rechtssystem der USA z.B. und Scharia (welche ja kein Rechtsstaat ist)PrivateEye schrieb:Eben nicht. Und mit einer Abkehr von einem etablierten Rechtssystem und einer Wiedereinführung der Todesstrafe wäre eben zu befürchten, das der Rechtsstaat dann keiner mehr ist.
Das sehe ich ja ebenso.Tussinelda schrieb:dass es einem demokratischen Rechtsstaat nicht würdig ist und es sich ausschliesst, die Todesstrafe als Strafe zu haben.
Da muss man auch nochmals differenzieren, auf jeden Fall. Zumal in den Ländern, wo die Scharia praktiziert wird, die Staatsführung in der Regel durch religiöse Würdentrager praktiziert wird.Tussinelda schrieb:. ABER trotzdem ist da doch ein Unterschied zwischen dem Rechtssystem der USA z.B. und Scharia (welche ja kein Rechtsstaat ist)
Ja, da stimme ich dir zu. Das gilt für beide Sichtweisen.Tussinelda schrieb:der Punkt ist, man kann Opferfamilien schlecht als Argument nehmen, denn die sehen das eben nicht einheitlich.
Das steht dir selbstverständlich zu.PrivateEye schrieb:Ich selber sehe das nicht so.
Auch das kann ich nachvollziehen. Ich selbst kann auch nur Vermuten das Rachegedanken ein Teil einiger Opferfamilien sein könnten, vermute aber gleichzeitig, dass es den Familien nach Jahren nicht mehr um Rache geht, im ersten Moment ggf ja, aber nicht nach langer Zeit.PrivateEye schrieb:Ich befürchte eher den Aspekt einer Rache der Familie des hingerichteten Täters gegen die Familie des Opfers, wenn diese federführend bei der Hinrichtung war.
100%. Da bin ich völlig bei dir.calligraphie schrieb:Der Umgang mit Trauer ist so individuell, wie jeder Mensch individuell, mit den diversen Herausforderungen im Leben umgeht. Genauso ist es eben auch mit Opferangehörigen, wo der Täter der Todesstrafe entgegensieht.
Das meinte ich ja auch .... Neustart, Aufarbeitung, wer das braucht, der findet es darin dann. Wer gegen die TS ist, wird diese zur Aufarbeitung sicher auch nicht benötigen(vermutlich)calligraphie schrieb:sie hat 31 lange Jahre auf diesen Tag gewartet. Sie betonte, sie bejubelt keine Hinrichtung oder sieht das als Racheakt. Im Gegenteil. Sie braucht das, um endlich nach drei Jahrzenten, wieder irgendwie an was anderes denken zu können.
Ich will das nicht. Ich kann nachvollziehen, wenn jemand ohne TS eine Aufarbeitung einen Neustart beginnt oder sogar vollzieht, aber auch wenn jemand sagt, es wäre nur der Weg, das der Täter durch die TS büßt um alles zu verarbeiten.calligraphie schrieb:Will man sie für ihre Gefühle verurteilen? Es ist ihr Recht so zu fühlen.
In der Tat.gagitsch schrieb:Das steht dir selbstverständlich zu.
Normal sollen diese Entscheidungen ja direkt bei Gericht oder sogar noch vor Beginn des Gerichtes getroffen werden, aber da floss oder fließt eben auch viel Religion mit ein. Aber selbst dort war das ursächlich ja die erste Version von Mindest- bis Höchststrafe und es sollten eben Blutfehden verhindert werden.gagitsch schrieb:Ich selbst kann auch nur Vermuten das Rachegedanken ein Teil einiger Opferfamilien sein könnten, vermute aber gleichzeitig, dass es den Familien nach Jahren nicht mehr um Rache geht,
Kann man nur hoffen, nie in eine solche Situation zu kommen.gagitsch schrieb:Wie man da vergeben kann, weiß ich nicht, weil ich zum Glück noch nicht in so einer Situation war.
Hat sicherlich viel mit Glauben und Religion zu tun, vermute ich mal.gagitsch schrieb:Andernfalls wird es sicher auch einige Familie geben die ggf dem Täter sogar vergeben,
Das Urteil ist ja für viele nur ein Zwischenschritt. Zumindest bei der TS. Ich vermute, dass bei Prozess und dem Urteil die Trauer und der Gräuel noch sehr groß sind.PrivateEye schrieb:Normal sollen diese Entscheidungen ja direkt bei Gericht oder sogar noch vor Beginn des Gerichtes getroffen werden, aber da floss oder fließt eben auch viel Religion mit ein. Aber selbst dort war das ursächlich ja die erste Version von Mindest- bis Höchststrafe und es sollten eben Blutfehden verhindert werden.
Ja. Da in den USA die die TS zu Teilen praktiziert und auch Religion noch sehr flächendeckend vertreten ist, wird beim "vergeben" sicher Religion eine Rolle spielen.PrivateEye schrieb:Hat sicherlich viel mit Glauben und Religion zu tun, vermute ich mal.