Menschen
Menschen Wissenschaft Politik Mystery Kriminalfälle Spiritualität Verschwörungen Technologie Ufologie Natur Umfragen Unterhaltung
weitere Rubriken
PhilosophieTräumeOrteEsoterikLiteraturAstronomieHelpdeskGruppenGamingFilmeMusikClashVerbesserungenAllmysteryEnglish
Diskussions-Übersichten
BesuchtTeilgenommenAlleNeueGeschlossenLesenswertSchlüsselwörter
Schiebe oft benutzte Tabs in die Navigationsleiste (zurücksetzen).

Todesstrafe

25.221 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: USA, Deutschland, Menschenrechte ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Todesstrafe

19.09.2026 um 14:15
Zitat von ShyrinShyrin schrieb:Gerechtigkeit für ihre Tochter einfordert
Diese Gerechtigkeit wird es aber nie geben können. Es ist eine Illusion anzunehmen, die Hinrichtung der Täterin würde irgendwas gerecht machen, ausgleichen oder Frieden bringen.

Davon, dass Pike ein unfairer Prozess gemacht wurde, in dem ihre psychischen Krankheiten und Missbrauchserfahrungen nicht erwähnt wurden, will ich jetzt gar nicht reden...


1x zitiertmelden

Todesstrafe

23.09.2026 um 00:45
Den folgenden Artikel von heute/gestern über die anstehende Hinrichtung von Christa Pike poste ich mal hier, weil auch die persönlichen Schicksale dahinter zur Todesstrafe gehören. Kann sich jeder sein eigenes Urteil darüber bilden, ob er/sie es als Gerechtigkeit empfindet oder nicht, was in einer Woche geschehen soll.

https://truthout.org/articles/tennessee-is-days-away-from-executing-a-sexual-assault-victim/

Der Artikel bietet auch weitere interessante Links.


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 08:20
Zitat von redsherlockredsherlock schrieb am 19.09.2026:Es ist eine Illusion anzunehmen, die Hinrichtung der Täterin würde irgendwas gerecht machen, ausgleichen oder Frieden bringen.
Also glaubst du nicht, für die Opferfamilie kann dies ein Neustart sein? Es ist ja stark anzunehmen, das Gerechtigkeit nicht in jedermans Sinn ist, aber einen Abschluss bzw Neustart wünschen sich sicher viele.


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 09:42
@redsherlock
Du weißt hoffentlich, dass ich Deine Meinungsbeiträge schätze, das nur kurz bevor ich auf Deinen Link kurz eingehen möchte.
Zuallererst mal beginnt der Beitrag dieser NGO wohlgemerkt, mit der Auflistung der peinvollen Jugend und Kindheit der verurteilten Frau Pike. Dinge die ja nun inzwischen sehr offen seit Jahren diskutiert werden.
Was mir etwas fehlt, ist der Grund für dieses Urteil. Also die Tat der Frau Pike. Ich möchte das hier gar nicht wieder auswalzen, was dem Opfer angetan wurde und wie hochgradig traumatisiert bis heute die Mutter d Opfers ist, bzw die Angehörigen. Dein Link beschreibt eben die Sicht, mit der Aussicht, auf die bevorstehende Hinrichtung und den letzten verzweifelten Versuchen, die Hinrichtung noch zu stoppen. Ich kann diese Sicht und das Ansinnen, von NGO‘s und den Gegnern der Todesstrafe in den USA sehr gut nachvollziehen.
Was mir allerdings immer wieder auffällt, ist die komplette Ausblendung der kollateral Opfer der Frau Pike. Hier zb die Mutter auch Opferangehörige genannt. Die ja bekanntermaßen gar keinen Einfluss auf das Urteil noch die Vollstreckung hatte bzw hat. Aber sie hat das Recht auf eine Meinung. Sie ist mit ihrer Meinung lediglich ihrer toten Tochter verpflichtet. Sie ist in dem Sinne die Stimme für ihre Tochter. Der, hat sie nach dieser grausamen und sinnlosen Ermordung versprochen, dass sie bei der Hinrichtung anwesend sein will und wird. Das nicht etwa, weil sie Hinrichtungen befürwortet oder einen Genuss daran findet. Warscheinlich wird das auch für die Mutter ihr schwerster Gang, diese Bilder werden sie sicher auch verfolgen. Aber wie gesagt, sie sieht das als ihren letzten Akt für ihre Tochter, ihr sehr späte Gerechtigkeit zu verschaffen.
Und ich persönlich finde, auch solche Haltungen müssen erwähnt werden und respektiert werden.
Frau Pikes Interessen sind natürlich diametral zu denen der Opferangehörigen. Sie möchte nicht mit dem Tod bestraft werden, wer will das schon.
Es ist mE nach nicht richtig, auf den letzten Metern ( 7 Tage bis zum Termin?), dass sich alles nur um Frau Pike dreht.
Ich verstehe natürlich grundlegend, dass es immer so ist, bei fast allen zum Tode verurteilten Personen, dass die Anwälte und zusätzliche Innocents Projekte und Menschenrechtler jedes Mittel versuchen müssen, diesen letzten Akt zu verhindern. Das ist richtig und zeigt, dass die Gesellschaft Möglichkeiten hat, ihren Unmut über die Todesstrafe deutlich zu artikulieren.
Aber was mich an solchen Debatten etwas stört ist das oftmals lapidare wegwischen, abbügeln usw, der Sicht der Opferangehörigen. Die haben ja nun sowieso sehr wenige ( je nach Bundesstaat gar keine) Mitspracherechte , wenn es um zb Urteile geht, was ich natürlich auch sehr gut verstehe, warum die Justiz sich nicht auf die Wünsche der Opferangehörigen einlassen soll und auch nicht darf. Soweit so richtig.
Aber sie dürfen ihre Meinung, ihre eigene Art der Bewältigung von Trauer oder ihr Hinweis, auf ihre Art von erlebter Gerechtigkeit. Und wenn eine Mutter d Opfers, so und nicht anders Gerechtigkeit für ihre tote Tochter findet, dann ist das nicht einfach so vom Tisch zu wedeln.
So ist meine Meinung zu speziell diesen Aspekten.
Btw, ich hoffe, dass man das Urteil an Frau Pike nicht vollstreckt, da man heute viel mehr über die Hintergründe zu ihr, zum Tatzeitpunkt weiß. Ich persönlich hätte nicht mal daran geglaubt, dass man jemals einen Termin für sie ansetzt. Da frage ich mich, wie lange wohl wird es noch dauern, bis man Darlie Routier ihren Termin wissen lässt.
Je prominenter solche Fälle, insbesondere die von weiblichen Todeskandidaten sind, desto stärker wird es Widerstand gegen die tatsächlichen Vollstreckungen geben. Dabei kann sich niemand wirklich wohlfühlen. Und ich glaube auch nicht, dass sich die Mutter von Pikes Opfer wohl fühlen wird. Wer bitte fühlt sich gut, wenn er durch eine Scheibe einer Hinrichtung beiwohnt?


3x zitiertmelden

Todesstrafe

23.09.2026 um 09:59
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:Und ich glaube auch nicht, dass sich die Mutter von Pikes Opfer wohl fühlen wird. Wer bitte fühlt sich gut, wenn er durch eine Scheibe einer Hinrichtung beiwohnt?
Ich vermute einfach mal, da spielt die Hoffnung mit, dort einen Abschluss zu bekommen. Selber aber den Tod eines Menschen mitzuerleben wird dabei wohl aber kaum helfen. Ich könnte sogar eher davon ausgehen, dass es die Mutter im nachhinein noch stärker belasten wird, wenn sie eben kein "befreiendes Gefühl" nach dem Tode der Verurteilten hat.

Mich würde jetzt sehr interessieren ob die Mutter als Angehörige des Opfers staatliche Unterstützung bei der Trauerbewältigung und ggf. therapeutischen Aufarbeitung ihres Verlustes bekam oder dafür selber in die Tasche greifen musste, sollte dies der Fall gewesen sein.


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 10:51
@PrivateEye
So wie bei uns auch, gibt es in den USA Interessenverbände die sich für Opfer bzw. Opferangehörige stark macht. Ob das zum Zeitpunkt des Mordes schon so war? Nicht jeder sucht nach Hilfe. Finanzielle Unterstützung? Heute gibts da ganz andere Möglichkeiten. Es gibt gofundme oder virtuelle Spendenaufrufe. Petitionen, Verbände usw. Damals als Frau Pike ihr Urteil erhielt, hatte man noch viel weniger Verständnis zu solchen Aspekten zb zum Täter background ( Frau Pikes history), als auch fragen nach Trauerbewältigung. Auch die Psychologie ist mit ihren Hilfsangeboten in ständigem Wandel.
Eines aber bleibt, jedes Individuum trauert individuell. Es gibt da kein richtig oder falsch. Keine Vorgaben. Keinen Kollektivismus. Und wenn zb eine Mutter, eines prominenten Opfers trauert und gleichzeitig die Todesstrafe nicht befürwortet, eine andere Mutter wiederum auf den Tag hinfiebert? Dann ist das mE nach zu respektieren. Es gibt da kein richtig oder falsch.


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 10:57
@calligraphie

Ich denke das der Staat nicht nur die Pflicht (und das Recht) hat Täter zu verurteilen und Verbrechen aufzuklären, sondern auch sich um die Opfer bzw. deren Angehörige zu kümmern hat. Bei solchen Gewaltdelikten müsste zu mindestens ein kostenloses Angebot für therapeutische Hilfe bestehen. Ob diese das angenommen wird, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Eine starke Nachbarschaft ist aber sicher auch eine gute Stütze für Angehörige von Opfern.


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 11:01
Hab neulich ne Doku über Breivik und seinen Prozess gesehen. War glaub ich bei Spiegel-Geschichte, wird öfters wiederholt. Erstmal gehört es dort zum guten Ton, dass sich der Angeklagte und die Richter zum Prozessende die Hand geben. Die Opferangehörigen waren durchweg der Meinung, ihn nicht hinzurichten (gesetzt dem Falle, die TS hätte man extra für ihn eingeführt). Für manche wäre es aber das beste gewesen, wenn er an dem Tag durch die Polizei erschossen worden wäre, denn dann wäre dieses ganze Gewissenshickhack, diese schiere Ewigkeit des Prozesses den Angehörigen erspart geblieben.


1x zitiertmelden

Todesstrafe

23.09.2026 um 11:05
Zitat von SomertonManSomertonMan schrieb:Für manche wäre es aber das beste gewesen, wenn er an dem Tag durch die Polizei erschossen worden wäre, denn dann wäre dieses ganze Gewissenshickhack, diese schiere Ewigkeit des Prozesses den Angehörigen erspart geblieben.
Manche Täter tun das in der Tat extra so, nennt sich Suicide-by-cop, sie legen es extra darauf an erschossen zu werden.


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 11:08
@PrivateEye
Diese Hilfsangebote gibt und gab es sicher. Hierzulande gibt es das zumindest für überblende Opfer von Straftaten oder für Angehörige zb beim weißen Ring. Die staatliche Verantwortung zum „ kümmern“ ? Die ist sicher auch irgendwo in der Verfassung oder Gesetzestexten verankert. Aber ich persönlich glaube, sobald es an finanziellen Ausgleich für erlittene Schäden geht, da hakt es oftmals, da muss nachgebessert werden.
Und was die öffentliche Wahrnehmung betrifft? Das können wir ja alle life immer wieder wunderbar nachverfolgen. Der Focus liegt am Ende eher selten beim Leid der Opfer oder Opferangehörigen. Öffentlich dreht sich am Ende fast alles immer um den die Täter. Dessen Befindlichkeiten, dessen Rechte. Opferangehörige erscheinen maximal auf der Nebenkläger Bank. Die müssen ggf in Zivil Prozessen in zähe mühsame Auseinandersetzungen gehen.


3x zitiertmelden

Todesstrafe

23.09.2026 um 11:11
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:Öffentlich dreht sich am Ende fast alles immer um den die Täter. Dessen Befindlichkeiten, dessen Rechte. Opferangehörige erscheinen maximal auf der Nebenkläger Bank. Die müssen ggf in Zivil Prozessen in zähe mühsame Auseinandersetzungen gehen.
Ja das stimmt. Leider ist es so.


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 11:21
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:Die staatliche Verantwortung zum „ kümmern“ ? Die ist sicher auch irgendwo in der Verfassung oder Gesetzestexten verankert. Aber ich persönlich glaube, sobald es an finanziellen Ausgleich für erlittene Schäden geht, da hakt es oftmals, da muss nachgebessert werden.
Das sehe ich ebenso. Besonders bei einem mittelosen Täter gehen Opfer als auch Angehörige leider oft leer aus, Versicherungen gibt es da wohl kaum oder diese klammern Verbrechen wie auch Kriegsschäden und Vandalismus einfach gerne aus.
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:Öffentlich dreht sich am Ende fast alles immer um den die Täter. Dessen Befindlichkeiten, dessen Rechte. Opferangehörige erscheinen maximal auf der Nebenkläger Bank.
Das liegt aber auch teils an den Medien, die damit ja auch Geld verdienen.

Wie auch immer, ich sehe den Staat in der Pflicht, sich um seine Bürger zu kümmern in seiner Fürsorgepflicht und das erstreckt sich auf Täter als auch auf Opfer gleichermaßen. Auch hier muss Justizias Augenbinde und Waage fair zum Einsatz kommen können.


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 11:47
@PrivateEye
Ich denke, wenn es sich um Opfer durch staatliches Versagen handelt, dann zumindest ist es oftmals hierzulande noch recht dürftig, mit dem finanziellen Ausgleich von Seiten des Staates. Aus Steuermitteln muss der erbracht werden und da fängt es dann an. Opferangehörige oder Opfer / Überlebende selbst, werden in die Beweispflicht gezwungen. Sie müssen den staatlichen Behörden Unterlassung ihrer Fürsorgepflicht oder Versäumnisse präventive Maßnahmen nachweisen, bevor an finanzielle Entschädigung erst mal zu denken ist. Ähnlich den Ansprüchen der Opfer von Justiz Fehlurteilen.
Wenn man den Zustand hier mit den Möglichkeiten zb in den USA für Opfer und Opferangehörige abgleicht. Da möchte man im Notfall besser in den USA Zivilklage anstrengen. Auch wenn solche Verfahren meist in einem Settlement münden, also einer außergerichtlichen Einigung, es kommen meist erhebliche Summen zugunsten der Opfer bzw Angehörigen heraus.

Aber gut, das führt vom Thema weg, der Todesstrafe. In Gerichtsverfahren, selbst mit Urteil Todesstrafe oder LWOP gibts sogar öfters noch zusätzliche finanzielle Ausgleiche in Bezug auf mögliches Vermögen oder zukünftige Einkünfte der Verurteilten. Jegliche finanzielle Einkünfte zb müssen durch Richterspruch, an Opfer oder Angehörige abgetreten werden. Nicht in jedem Bundesstaat, aber in einigen, können Richter so etwas zu Gunsten der Hinterbliebenen anordnen.


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 12:19
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:Warscheinlich wird das auch für die Mutter ihr schwerster Gang, diese Bilder werden sie sicher auch verfolgen
Sie muss ja nicht hingehen. Es zwingt sie niemand.
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:Sie ist mit ihrer Meinung lediglich ihrer toten Tochter verpflichtet. Sie ist in dem Sinne die Stimme für ihre Tochter.
Es ist ihre Meinung. Die „hypothetische“ Meinung der Tochter kennt niemand. Ob sie verzeihen könnte oder nicht ist nicht bekannt.
Hier ist es ausschließlich die Meinung der Mutter.


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 15:08
@calligraphie
und alle anderen.

Dass jetzt über fast ausschließlich über die Täterin und nicht das Opfer berichtet wird, ist sicherlich deswegen gerechtfertigt, weil die Hinrichtung noch nicht vollstreckt ist, kurz bevorsteht, und noch verhindert werden könnte; das Opfer ist seit über drei Jahrzehnten tot, daran kann man leider nichts mehr ändern. Noch könnte der Gouverneur von Tennessee ihr Strafe in ein LWOP umwandeln.

Wie du selbst schreibst, werden persönliche "Umstände" heute stärker berücksichtigt als früher. Viele damals zum Tode Verurteilte (und Hingerichtete) würde man wahrscheinlich heute nicht mehr (unbedingt) zum Tode verurteilen. Und ist es nicht schon etwas absurd, dass Tennessee einer der Staaten ist, die sich für die Todesstrafe bei "Child Rape" engagieren, aber gleichzeitig eine Frau hinrichten wollen, die selbst massiv "Child Rape" erfahren hat? Der Staat hat sich damals darum nicht gekümmert, genauso wie es auch im Prozess keine Erwähnung fand. Er hat also auch nie eine Schutzpflicht der (späterin) Täterin gegenüber erfüllt.

Restitution. Weil Todeskandidaten in der Regel nicht arbeiten (dürfen), verdienen sie auch kein (kleines) Geld, wovon sie ihre Schulden abbezahlen könnten. Das wäre bei LWOP (oder LWP) anders. Der Mittäter Tadaryl Shipps wird sicherlich was abbezahlt haben. Die Frage ist dann, ob es an die Opfer ging, oder ob die Gerichtskosten Priorität hatten. Soweit ich weiss, gibt es auch staatliche Funds (Crime Victims Compensation Fund), die Opfer finanziell unterstützen. Allerdings: von einem Bruchteil des Geldes, dass der Staatsapparat in die Kosten für diee Hinrichtung und das ganze drumherum steckt, hätte nicht nur der Opferfamilie geholfen, sondern könnte sinnvoller in Prävention, Verbesserung der sozialen Bedingungen angelegt werden. Aber das ist völlig unpopulär in den USA.

Ich hatte schonmal geschrieben: ich verstehe das Leid der Opferangehörigen sehr. Das will ich ihnen in keinster Weise absprechen. Und es ist deren gutes Recht, auch nach drei Jahrzehnten noch der Meinung zu sein, dass die Hinrichtung "verdient" ist und ihnen Erleichterung schaffen wird. Es ist eine Meinung, oder deren Empfinden. Aber das allein darf ja kein Argument für oder gegen eine Hinrichtung/Todesstrafe sein. Auch nicht, wenn es tatsächlich so wäre, wenn die Angehörigen danach eine völlige Verbesserung ihres Lebens empfinden würden. (Das wäre ihnen ja durchaus zu wünschen.) Generell gibt es aber Untersuchungen, dass das für einen Großteil aber nicht gilt. Es ist ein Mythos auf dem das ganze System aufgebaut ist. In Deutschland und den meisten anderen westeuropäischen Ländern wären die über 30 Jahre Haft (zudem noch 28 davon in Isolationshaft) mehr als Strafe genug, auch ohne anschließende Hinrichtung. Wird "hier" jemals argumentiert, dass Opferfamilien nicht abschließen konnten? Regt sich hier die Gesellschaft auf, wenn ein Häftling nach 20 Jahren oder so seinen Mord verbüßt hat und entlassen wird? Die Kultursysteme sind hier total unterschiedlich.

Das Problem ist in den USA m. E. systembedingt. Die Justiz räumt den Opferangehörigen zu viele, oder besser gesagt zu viele falsche Rechte ein. Und schlimmer: damit indirekt auch Pflichten. Wie du schreibst, die Opferangehörigen sehen sich (psychologisch, gesellschaftlich) in der Pflicht, ihre getöteten Angehörigen bis zuletzt zu "verteidigen". Ein Verzicht darauf, oder ein Zustimmen einer Abmilderung der Strafe, würde subjektiv als Verrat empfunden. Ich schreibe nochmal: der Staat tut den Opferangehörigen keinen Gefallen damit, ihnen diese Mitspracherechte einzuräumen. Ganz im Gegenteil. Er (der Staat) hält das Leid und den Hass weiter aufrecht, in dem Opferangehörige immer wieder einbezogen werden in spätere juristische Prozesse und Entscheidungen. Gleichzeitig wird dies noch deutlich verstärkt, durch viele Opferverbände (nicht alle), die erstens gegen jedwede Milderung von Strafen sind, sogar für härtere kämpfen, und zweitens auch Opferangehörigen suggerieren, dass es ihre Pflicht sei, für ihre Toten alles zu unternehmen.

Und es ist nicht richtig zu sagen, dass Opferangehörige kein Mitspracherecht beim Urteil und bei späteren rechtlichen Entscheidungsprozessen (wie Begnadigungen) haben. In vielen Bundesstaaten gilt z. B. Marsy's Law, das u. a. den Staat dazu verpflichtet, bei relevanten Entscheidungen über den Täter die Opferangehörigen mit einzubinden. Das führt faktisch oft dazu (nicht zwingend legal), dass Opferangehörige quasi ein Veto-Recht haben, wenn es um die Frage von Begnadigungen von Häftlingen mit LWOP geht (als ein Beispiel). Das gilt auch zum Beispiel (teilweise noch "effektiver") in Pennsylvania, das sich Marsy's Law nicht angeschlossen hat. "Kein" Richter traut sich, solche Entscheidungen gegen den Willen der Opfer zu fällen. Ähnlich wissen natürlich auch die Staatsanwälte, was Opferangehörige erwarten, und handeln entsprechend. Denn, in den USA ist das ganze Justizsystem stark politisch. (Gewählte Richer und Staatsanwälte.) Begnadigungen sind rein politische Entscheidungen.

Auch Gouverneur Lee in Tennessee wird die politische Meinung bei der Entscheidung einer Begnadigung (Commutation zu LWOP) von Christa Pike die wesentliche Rolle spielen, und die Einstellung von Frau Martinez wird ihm nicht entgangen sein.

Es gibt aber auch inzwischen einige Ansätze für eine sog. Restorative Justice, und auch gibt es viele Opferangehörige, die vergeben und merken, dass sie damit mehr "Frieden" bekommen.


1x zitiertmelden

Todesstrafe

23.09.2026 um 15:31
Zitat von calligraphiecalligraphie schrieb:Beitrag dieser NGO wohlgemerkt
Weil du das so betonst, und sich ein wenig so anhört, als sei die Quelle ansich einseitig oder nicht seriös. Ich sehe es eher als eine "normale" Newsplattform (aka "Zeitung" oder "Magazin") zu einem bestimmten Thema, nämlich der sozialen [...] Ungerechtigkeit. Der Artikel hätte genauso im "Feuilleton" der New York Times oder einer eher regionalen Zeitung für Tennessee erscheinen können, wenn es dort einen dementsprechenden Redakteur geben würde.
Truthout is a nonprofit news organization dedicated to providing independent reporting and commentary on a diverse range of social justice issues. Since our founding in 2001, we have anchored our work in principles of accuracy, transparency, and independence from the influence of corporate and political forces.

Truthout works to spark action by revealing systemic social, racial, economic and environmental injustice and providing a platform for progressive and transformative ideas, through in-depth investigative reporting and critical analysis. With a powerful, independent voice, we spur transformations in consciousness and inspire both policy change and direct action.
Quelle: https://truthout.org/about/


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 15:50
Zitat von redsherlockredsherlock schrieb:Das Problem ist in den USA m. E. systembedingt
Es ist auch ein soziales und zwischenmenschliches Problem. Jeder ist dort sich selbst der Nächste. Dort kennen sich teilweise nicht mal die Nachbarn. Wo bei uns über Mietskasernen in Großdstädten, in denen der eine Mieter nicht mal weiß, wie der Nachbar in der gegenüberliegenden Wohnung aussieht, ein großes Aufhebens gemacht wird, ist das dort normal.

Ein US-Amerikaner erzählte mir mal, dass er sich wundert, dass sich hier bei uns auf der Straße gegrüßt wird, überhaupt dass man sich kennt, wenn man nicht grad verwandt ist oder von Arbeit.

Warmherzigkeit absolut fehl am Platze. Wenn es an der Türe klingelt und man erwartet niemanden, wird eben erstmal geguckt, ob der Donnerstock durchgeladen, entsichert und griffbereit steht.

Das ganze soziale Grundkonstrukt in den USA ist restlos im Arsch! Und besser kann es nicht werden, wenn ein Vollidiot Präsi ist und nur rumhetzt — und noch bejubelt wird.


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 16:46
@redsherlock
Das Gnadengesuch für Frau Pike liegt ja nun ( es umfasst mehr als 250 Seiten) seit Tagen dem Gouverneur Lee vor. Der Druck von außen, auch aus dem Ausland ist ziemlich groß, die Exekution noch abzuwandeln in ein lebenslänglich.
Im Mai mE nach hat der Gouverneur bereits eine Exekution. gestoppt, in letzter Sekunde. Aber ich glaube da ging es um Probleme der Methodik. Es ist so merkwürdig, überhaupt über solche Details zu sprechen, weil uns diese Art der Bestrafung so fremd ist.
Aber ich gebe Dir recht, angesichts dessen, dass sie die einzige Frau dort auf deathrow ist, als Frau mit ihrer history als Kind u Teenager, bereits 30 Jahre gesessen hat. Es ist inzwischen nachgewiesen, dass sie ( wie damals üblich) als weibliche Angeklagte, über die Maßen verurteilt wurde, weil man nachweislich Frauen härter bestraft im Gegensatz zu Männern mit ähnlichen Straftaten. Warum? Weil man so „ etwas“ eben Frauen nicht zutraut und deshalb wurden sie mit anderen Maßstäben bewertet. Frauen tun so was nicht und wenn, müssen sie noch härter bestraft werden.
So sieht die Wissenschaft das heute rückblickend. Es ist tatsächlich merkwürdig, dass man nun Child rapists allgemein zum Tode verurteilen will, aber Opfer ebensolcher Straftaten, die dadurch selbst zu Tätern wurden, auch mit Tod bestraft? Das ist ein Paradoxon.
Frau Pike hat nun darum gebeten ( falls ihr Gnadengesuch auf taube Ohren stößt), bittet sie die Verwaltung der Institution darum, dass kein einziger Mann, an ihrer Hinrichtung beteiligt sein soll. Bitte nur Frauen. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen von Missbrauch durch Männer und ihrer posttraumatischen Belastungsstörungen, möchte sie in ihren letzten Minuten keinen Mann vor Ort haben.
Ich denke, es wird sich bis zum 30.9 wohl kein reines weibliches Team mehr finden lassen.
Das Ganze ist wirklich am Ende so tragisch, eigentlich desaströs, dass ihr Leben nun von der Gnade eines Mannes ( Gouverneur) abhängen soll?


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 22:56
Wenn man bedenkt, dass der "Arzt" Dr. Fowler wieder versucht, die Venenzugänge zu legen, nachdem er zuletzt im Sommer bei einem Hinrichtungsversuch eine blutige Sauerei hinterlassen hatte...

https://fox17.com/news/local/doctor-who-oversaw-failed-tennessee-procedure-to-handle-christa-pikes-execution

Irgendwie denke ich bei diesem ganzen Prozedere, ich bin im Kino, im falschen Film. Sowas kann 2026 in einem zivilisierten Land nicht möglich sein.

"Interessant" (eher verstörend) ist immer, welch gehässigen Kommentare zu Nachrichten solcher Art mehrheitlich, wenn nicht ausschließlich, abgegeben werden. Da komme ich immer wieder ins Grübeln, ob uns die USA kulturell wirklich so nahe stehen...

Ich betone nochmal: solche "side-effects" gehören zum Thema Todesstrafe dazu. Ich glaube nicht, dass man die (Rechtfertigung der) Todesstrafe abstrakt diskutieren kann, ohne solche realen Gegebenheiten. Es gibt keine "saubere" Todesstrafe in irgendeiner "perfekten" Gesellschaft. Es gibt keine perfekte Gesellschaft. Und wenn, bräuchte es die Todesstrafe sowieso nicht.


melden

Todesstrafe

23.09.2026 um 23:21
@redsherlock
Es ist wohl eine Frage der Sozialisierung, wie man am Ende, ( Dein Beispiel mit den zynischen Kommentaren zb) auf die unappetitlichen Details der Exekution reagiert. Wenn jemand in einer Gesellschaft aufwächst, wo die Tatsache der Todesstrafe, eine Normalität darstellt, wie zb Essgewohnheiten, bestimmte Feiertage u Traditionen oder Trailer Parks. Daraus kommt dann die Gewöhnung, die Details verlieren ihren Schrecken.
Aber nochmal zu Frau Pike, nicht auszudenken, bei ihr würde auch was schief laufen, das wäre geradezu skandalös, gerade weil man von ihren Bedenken weiß und ihren posttraumatischen Belastungstörungen sowieso.
Das wäre eine Katastrophe und zusätzliche Bestrafung noch obendrauf.
Was ich persönlich so abstoßend finde, wenn man den Todeskandidaten noch zusätzlich die Wahl lässt, die Optionen zwischen der Art der Hinrichtung zu wählen. Das sehen sicher manche anders, aber ich empfinde das als zynisch. Der Kandidat soll seibst auswählen, wie er bitte sterben möchte. Als ob man auf einer Menükarte, zwischen drei Kugelfischen zu wählen hat. Das einzige was am Ende so oder so feststeht, ist der Tod. Also es winkt der Tod am Ende bei jeder Methode. Das ist mE nach an Zynismus nicht zu toppen. Ich glaube bei Frau Pike war das wohl auch so, oder? Gab es da für sie mehrere Optionen aus denen sie wählen sollte?


1x zitiertmelden