calligraphie schrieb:Ich habe so was selten gelesen, dass es ein temporary stay kurz vor dem Termin gibt.
Ich glaube, dass das häufiger vorkommt. Nur kriegen wir hier das nicht so mit, wenn der Fall nicht gerade so in der Presse ist wie dieser. Oft wird in Deutschland nur einmal kurz vermeldet, dass Person XY heute in den USA hingerichtet wurde. Ob es da ein oder zwei Stunden Verzögerungen gab ist da nur ein unwesentliches Detail.
calligraphie schrieb:das Publikum diskutiert am Rande bis zum Schluss mit. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr wie ich das finden soll.
Es ezigt, wie umstritten dieses Thema ist. Auch wenn sicherlich ein paar "Schaulustige" dabei sind, finde ich das eher gut. Wenn man sich beschwert: "das Opfer hat nicht so eine Aufmerksamkeit bekommen", dann ist das sicherlich richtig, aber es geht an der Sache vorbei. Die Öffentlichkeit hat von dem Opfer ja erst nach ihrem Tod erfahren, und der Tod ist nicht mehr zu ändern. Bei der Täterin ist aber im Prinzip vor der Hinrichtung noch vieles möglich. Und mich befremdet immer wieder, wenn auf breiter Basis Übereinkunft herrscht, dass sie heute wohl nicht mehr zum Tode verurteilt würde. Ja, verdammt, dann tut es doch auch nicht! Kommt mir so vor, als wenn ein schwer Krebskranker mit einer schlecht wirksamen Methode, die 30 Jahre alt ist, behandelt wird, obwohl es heute eine moderne, viel wirksamere gibt. Weil die medizinische Erkenntnis heute eine neue ist. Man sie aber ignoriert.
Dazu noch ein extremes Beispiel aus dem Jahr 2024:
In den USA ist ein Verurteilter per Giftspritze hingerichtet worden – obwohl selbst die Staatsanwaltschaft den Vollzug des Todesurteils in Missouri verhindern wollte.
In den vergangenen Jahren waren erhebliche Zweifel an der Schuld des Verurteilten aufgenommen. Die Anwälte des Verurteilten hatten vergeblich versucht, die Hinrichtung noch zu stoppen. Auch die Staatsanwaltschaft hatte sich dafür stark gemacht, dass der 55-Jährige nicht exekutiert wird und stattdessen eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. Die Familie des Opfers hatte sich ebenso gegen eine Hinrichtung ausgesprochen.
Hintergrund sind unter anderem Zweifel an den DNA-Spuren auf der Tatwaffe. Der Verurteilte hatte bestritten, die Frau getötet zu haben. Seine Hinrichtung war bereits zwei Mal ausgesetzt worden. Seine Anwälte argumentieren, dass sich die Verurteilung vor allem auf zwei nicht glaubwürdige Zeugen stürzt.
Quelle:
https://www.stern.de/panorama/verbrechen/usa--55-jaehriger-trotz-zweifel-an-schuld-hingerichtet-35092394.htmlMehr zu den beiden Zeugenaussagen, die das einzige Indiz in diesem Fall waren:
SpoilerThe prosecution’s case against Mr. Williams was based entirely on the unreliable testimony of two incentivized witnesses.
The case against Mr. Williams relied heavily on testimony from two people: Mr. Cole, a prison informant, and Mr. Williams’ ex-girlfriend, Laura Asaro. However, the credibility of both these testimonies has significant grounds for skepticism.
Mr. Cole, known for his dishonesty by his family members, had a potential motive to fabricate or exaggerate his claim that Mr. Williams confessed to him while they were both incarcerated. Mr. Cole initially refused to participate as a witness in Ms. Gayle’s case until he was promised payment and then made it clear in the 2001 deposition that he would not have come forward if it hadn’t been for the $5,000 he was given by prosecutors. Notably, several details in his testimony were strikingly similar to the information that had been published in newspapers about the murder, suggesting he may have been fed this information directly or indirectly.
Prior to the deposition, Mr. Cole had pled guilty in 1996 to armed robbery of a bank and was sentenced to four years of probation with 10 years of prison suspended. Although he violated parole six times, the court never imposed the suspended prison sentence.
Ms. Asaro, too, had a history of deception and had faced solicitation charges when police initially approached her about the case in Nov. 1999.
She had worked with the police before and had testified against Mr. Williams in a previous trial. She even lied under oath in her recorded deposition regarding her arrest history. At some stage, police had considered charging her as an accomplice in the crime. Ms. Asaro also mentioned to her neighbor that she was receiving money for her testimony against Mr. Williams.
Further adding to the doubt, the narratives from Mr. Cole and Ms. Asaro were significantly different and didn’t match the crime scene evidence. For example, Ms. Asaro testified that Mr. Williams had scratch marks on him, but there was no foreign DNA present underneath Ms. Gayle’s fingernails.
The only evidence connecting Mr. Williams to Ms. Gayle’s murder was the testimony of Mr. Cole and Ms. Asaro. According to the National Registry of Exonerations, incentivized witness testimony has contributed to 14% of death penalty cases that later led to a DNA exoneration. The two incentivized witnesses in this case were motivated by the reward money and favorable treatment in their own criminal cases.
Quelle: https://themip.org/clients/marcellus-williams/