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Allumfassendes und Individualbewusstsein, geht das zusammen?

fraterport
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Allumfassendes und Individualbewusstsein, geht das zusammen?

15.02.2015 um 19:07
@Rosinante
Rosinante schrieb:Ich glaube dass man Prägung und Fertigkeit nicht so ganz trennen kann, weil was macht meine Persönlichkeit aus?
Die Frage ist nicht, was deine Persönlichkeit ausmacht, sondern wie sie entstanden ist. Warst Du bei deiner Geburt ein völlig ungeschliffener Rohdiamant, oder hattest Du schon bestimmte Facetten?


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Rosinante
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Allumfassendes und Individualbewusstsein, geht das zusammen?

15.02.2015 um 19:18
Wie gesagt Reflexe sind angeboren und die Summe ist meine Perönlichkeit, dementsprechend beides. Erfahrungen modifzieren dann später nur was naturgegeben ist.


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fraterport
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Allumfassendes und Individualbewusstsein, geht das zusammen?

15.02.2015 um 19:20
@RoseHunter
RoseHunter schrieb: Es gibt Übungen, in deren Folge sie oft bis sehr oft auftreten, aber auch hier gibt es keine Garantie.
Kannst Du die mal erklären, oder mir ein Buch empfehlen / link geben?


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RoseHunter
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Allumfassendes und Individualbewusstsein, geht das zusammen?

16.02.2015 um 08:12
@Rosinante
Rosinante schrieb:Naja ein Grund dass dieser Ansatz, "bottom up"(, finde ich übrigens sehr schön) zum ersten Mal Bewusstsein und die gegenseitige Beeinflussung von Beobachter und Ereignis messbar macht. Bewisführung für ein psychologisches Phänomen, wäre doch etwas, das die Psychologie aus dem Kreis der Jahrmarktswahrsager, in den Stand einer echten Wissenschaft heben könnte.
Ist doch längst(!) der Fall.
Hört sich fast an wie aus einem Pamphlet des Behaviorismus.
Menschen reagieren natürlich nicht immer gleich, wie wenn man Säure und Base zusammenschüttet, das sollte aber jedem denkenen Menschen klar sein.
Rosinante schrieb:Außerdem ist das schon wieder ein sehr absolutistischer Ansatz, wenn ich behaupten würde alle Entscheidungen werden nur von der untersten Ebene getroffen, ich betrachte dass mehr als sich beeinflussende Energieströme, mit Amplituden und verschiedenen Frequenzen, etc. Sprich gegenseitige Beeinflussung, vom kleinsten, die in der Masse größer sind und dem "Aufseher/Beobachter/Individuum", der stärker aber quantitativ unterlegen=> beeinflußbar ist.
Ja, aber das wäre dann eher das Gegenteil von bottom up, nämlich top down und meistenteils ist es wohl ohnehin eine Mischung.
Rosinante schrieb:Radikaler Konstruktivismus, sagt dass ich je nach meiner Überzeugung in der Realität Bestätigung für meine Annahme finde, sprich selektive Wahrnehmung, als Tatsache wird akzeptiert was meine Erwartungshaltung bestätigt.
Ohne jeden Zweifel ist das der Fall, das wusste schon Freud, der in dem Zusammenhang vom "privaten Mythos" sprach.
Man lebt im Grunde nie in der Realität, sondern im Kreise seiner Projektionen und Vorstellungen, manchmal ist das gut (wenn man unbegründet optimistisch ist, ist das ein echter Vorteil), manchmal schlecht, wenn man unbegründet pessimistisch ist oder das Selbstbild zu weit von der Wahnehmung anderer entfernt ist, dann kommt es zu dauernden Konflikten und Irritationen.
Rosinante schrieb:Das funktioniert in beide Richtungen, man kann sich in Sachen hineinsteigern und Beweise finden will, obwohl die Realität ganz anders aussieht. Hör dir das an wenn du Zeit hast:
Ich kann nur alle paar Tage Videos sehen, melde mich dann dazu, wenn ich es gesehen habe, vielen Dank.


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RoseHunter
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16.02.2015 um 08:20
@fraterport
fraterport schrieb:Kannst Du die mal erklären, oder mir ein Buch empfehlen / link geben?
"DMT oder Dimethyltryptamin, eine von der Epiphyse produzierte psychoaktive Substanz, könnte der Stoff sein, aus dem die Todesangstfreiheit ist. DMT löst Erfahrungen aus, die Nahtoderfahrungen in großer Weise ähneln.

LSD oder Lysergsäurediethylamid ist eine andere bekannte Substanz, die in einem therapeutischen Rahmen ein großes Potential haben könnte, der Kontext ist deshalb so wichtig, weil die Gefahren eines schlechten Trips gegeben sind. Da auch die rechtliche Situation die therapeutische einschränkt, wurden hier andere Weg gesucht und gefunden.

Drogenfreie Drogenerfahrungen

Als ein wichtiges Instrument wurde hierbei der Atem (wieder-)entdeckt. Unter dem Namen Rebirthing, Holotropes Atmen oder Verbundenes Atmen existieren Atemtechniken, die alle mehr oder weniger eine Hyperventilation gezielt herbeiführen. Alexander Lowen, Wilhelm Reich und mit größter Wahrscheinlichkeit die Yogis kannten diese Techniken schon früher.

Die bei dieser Atemtechnik auftretenden Erfahrungen sind körperlich und emotional sehr eindrucksvoll und bisweilen heftig, weshalb sie in die Hand von Therapeuten gehören, die darin ausgebildet wurden. Oft treten Ereignisse auf, die als Geburtserfahrungen erlebt werden, aber auch andere spirituelle Erfahrungen sind möglich und häufig. Damit bewegen wir uns in einem Kontext von Erlebnissen, der die emotional eng verbundenen Bereiche von sexuellen, Geburts- und Todeserfahrungen umfasst."
http://www.psyheu.de/6796/todesangst-heilen-therapie-und-tod/


Wikipedia: Holotropes_Atmen

Beim holotropen oder verbundenen Atmen sind intensiv regressive und spirituelle Erfahrungen häufig, man muss aber damit umgehen können, weshalb man diese Übungen die ersten 10 Male nicht allein machen sollte!


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fraterport
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16.02.2015 um 08:24
@RoseHunter
Ja gut. Danke. Für Drogen bin ich im Moment nicht zu haben, und holotropes Atmen hab ich schon mal erfolglos probiert. Ich denke, dass das letztlich aber auch so eine Art Drogenerfahrung ist. Es gibt ja die Theorie, dass die Wirkweise der meisten Drogen eng mit einem Sauerstoffmangel in gewissen Gehirnregionen zusammenhängt. Vielleicht evokariert man durch holotropes Atmen ähnliches.
Diesen Weg möchte ich zur Zeit nicht gehen.


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16.02.2015 um 08:24
@Rosinante
Rosinante schrieb:Wie gesagt Reflexe sind angeboren und die Summe ist meine Perönlichkeit, dementsprechend beides. Erfahrungen modifzieren dann später nur was naturgegeben ist.
Mit der Mischung aus Erebtem und Erworbenem hast du sicher recht, nur ist der Begriff "Reflex" unpassend. Affektdispositionen sind uns angeboren, über die oft berichteten Triebe verfügt der Mensch kaum, bzw. sie stellen ein Resultat aus bestimmen Affekten dar, so dass diese die Grundbeausteine sind.

Reflexe sind ja gerade autonom und können nicht verändert werden.
Du kannst deinen Charakter verändern, wie du lustig bist, auf Kniesehen- und Pupillenrelflex hat das keinerlei Auswirkungen.


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fraterport
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16.02.2015 um 08:31
@RoseHunter
Was wir auch noch gar nicht diskutiert haben ist der Punkt, dass sich in jeder Kultur ein gewisser spiritueller Überbau bildet. Welche Ausformung die nun hat, ist erst mal egal, die wird durch Konventionen bestimmt. Insofern würde ich wieder Allumfassendes = Gott setzen. Von den Schwierigkeiten der Semantik abgesehen, glaube ich, du weisst, was ich meine. Nun stellt sich die Frage, warum so etwas im Menschen angelegt ist. Eine These wäre die, dass man sagt, was man nicht versteht, das ist halt übernatürlich = göttlich (Gewitter, etc.). Aber, ich halte das überhaupt nicht für zwingend. Man könnte doch genausogut sagen: Ich weiß nicht, was es ist. Es ist einfach.
Und ich weiß, dass das logisch nicht deduktierbar ist, aber legt dieser Sachverhalt nicht ein Allumfassendes nahe? Und hat man mit dem Glauben daran nicht schon ein Stück weit Allumfassendes Bewusstsein?


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RoseHunter
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16.02.2015 um 08:37
@fraterport

Drogen zur Bewusstseinserweiterung sehe ich persönlich auch eher kritisch, obwohl ich weiß, dass es Menschen gibt, die da verantwortungsbewusst mit umgehen.

Zum holotropen Atmen könnte ich dir raten, warum meinst du, hat es nicht geklappt?
Von den physiologischen Vorgängen (beim Atmen kommt es eher zu einer Sauerstoffüberversorgung und verstärkten CO2 Abatmung, was zu einer sog, respiratortischen Alkalose führt, dass es daraufhin zu einer reaktiven Unterversorgung kommt, habe ich als Theorie einmal gehört, kann ich aber nicht bestätigen) würde ich mich nicht verunsichern lassen, bzw. mich nicht darauf fokussieren, denn irgendwelche biologischen Prozesse laufen immer ab.

So wichtig wie zumeist ausgeblendet, ist, was innerlich abgeht und da muss ich sagen, dass der verbundene/holotrope Atmen zu den effektivsten Übungen gehört, die ich je gemacht habe.
Wenn du aber derzeit das Gefühl hast, dass es nicht deins ist, würde ich das ernst nehmen.

Es ist einerseits schön und spannend solche Erfahrungen zu machen, andererseits werden sie in vielen Traditionen auch als Gefahr gesehen und zwar nicht, weil sie gefährlich sind oder nicht klappen, sondern weil sie klappen um man oftmals die Tendenz sieht, sich auf diese Bereiche zu fixieren und eventuell eine Art Sicht nach dem Spirituellen entsteht.

Der sicherste Weg ist die Meditation, bei der Gipfelerfahrungen auftreten können, aber man muss sich gewiss sein, dass Meditation nach dem exotischen und spektakulären Anfang, zäh und öde ist. Wie das Leben eben auch. ;)
Ein Sesshin intensiviert die Erfahrungen oft.


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fraterport
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16.02.2015 um 08:40
@RoseHunter
RoseHunter schrieb:Sesshin
?

Zum holotropen Atmen: Vermutlich habe ich es nicht ernsthaft genug versucht. Werde ich bei Gelegenheit aufgreifen. Ist nur gerade ein schlechter Zeitpunkt. Ich bin in einer psychisch labilen Lage. (Trennung nach 2 Jahren Beziehung).


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fraterport
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Allumfassendes und Individualbewusstsein, geht das zusammen?

16.02.2015 um 08:41
RoseHunter schrieb: zäh und öde ist. Wie das Leben eben auch. ;)
Das verwundert mich jetzt doch. Ich hätte gedacht, du empfindest das Leben als aufregend und spannend.


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16.02.2015 um 08:56
@fraterport
fraterport schrieb:Was wir auch noch gar nicht diskutiert haben ist der Punkt, dass sich in jeder Kultur ein gewisser spiritueller Überbau bildet. Welche Ausformung die nun hat, ist erst mal egal, die wird durch Konventionen bestimmt. Insofern würde ich wieder Allumfassendes = Gott setzen. Von den Schwierigkeiten der Semantik abgesehen, glaube ich, du weisst, was ich meine. Nun stellt sich die Frage, warum so etwas im Menschen angelegt ist. Eine These wäre die, dass man sagt, was man nicht versteht, das ist halt übernatürlich = göttlich (Gewitter, etc.). Aber, ich halte das überhaupt nicht für zwingend.
Ich auch nicht.
Meine persönliche Theorie ist, dass Religion vor allem aufgrund innerpsychischer Erfahrungen mit spirituellen und ähnlichen Erfahrungen entstanden ist und, mindestens so wichtig, sich halten konnte.
Religion ist bei Licht betrachtet oft Quatsch, was den Laden am Laufen hält sind mMn mehrere Arten von Phänomenen, die immer und immer wieder auftreten:

Zum einen dierekte mystische/spirituelle Erfahrungen. Da kann man die eine oder andere reine Psychose drunter sein, in der Summe machen die pathologisierenden Deutungen allerdinge keinen Sinn.
Abgeschwächter sind das bestimmte Erfahurngen, die man z.B. bei Ritualen in der Gemeinschaft haben kann. Möglicherweise können Soziologen und Biologen einen Teil davon erklären, aber wie so oft beim objektivierenden Blick, vergessen sie, dass da noch ein erlebendes Subjekt dranhängt, was seine eigene Interpretation hat.
Es wird 1000- oder eher millionenfach Zeichen und Wunder geben, wenn eine Omi vor der heiligen Mutter kniet, wenn dieses oder solches passiert. Die Jahrhunderte der konsequenten Entzauberung kennen wir, inzwischen erkennt man, dass Religion vor allem ein überaus erfolgreiches Gesellschaftsmodell ist, ein Mem was trägt, bindet, schützt und keineswegs nur negative Effekte hat.
Getragen durch das, was die objektivierenden Ansätze in souveräner Blindheit verkennen und auch über das Thema hinaus marginalisieren, das Subjekt und seine Erfahrungen.
fraterport schrieb:Man könnte doch genausogut sagen: Ich weiß nicht, was es ist. Es ist einfach.
Und ich weiß, dass das logisch nicht deduktierbar ist, aber legt dieser Sachverhalt nicht ein Allumfassendes nahe? Und hat man mit dem Glauben daran nicht schon ein Stück weit Allumfassendes Bewusstsein?
Ich glaube, dass der Glaube eine besondere Kraft ist.
Ich kann dir sehr den Vortrag von Otto Kernberg ans Herz legen, einem der bedeutensten Psychologen unserer Tage, ein Mann der sich explizit als Wissenschaftler und Psychoanalytiker sieht und der mMn Definitives zum Thema gesagt hat, die 55 Minuten sind keine verschenkte Zeit.
http://www.domradio.de/audio/religion-der-psychotherapie-vortrag-von-prof-otto-f-kernberg-zum-nachhoeren


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fraterport
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16.02.2015 um 08:59
@RoseHunter
Danke. Werd ich mir heute noch anhören.


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RoseHunter
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16.02.2015 um 09:17
@fraterport

Ein Sesshin ist die Meditation in der Gruppe mit einem zeitweiligen, ein oder zwei Wochen, Rückzug von der "normalen" Welt.
fraterport schrieb:Zum holotropen Atmen: Vermutlich habe ich es nicht ernsthaft genug versucht. Werde ich bei Gelegenheit aufgreifen. Ist nur gerade ein schlechter Zeitpunkt. Ich bin in einer psychisch labilen Lage. (Trennung nach 2 Jahren Beziehung).
Entscheidend ist, dass die Leute, die das machen, sich auskennen.
Gruppe funktioniert meistens besser als Einzelsitzungen, es besteht kein Grund zu hasten.
fraterport schrieb:Das verwundert mich jetzt doch. Ich hätte gedacht, du empfindest das Leben als aufregend und spannend.
Wie ist es denn bei dir?
Mein Leben ist mal so, mal so.
Ich denke, dass der anderen auch. ;)


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16.02.2015 um 09:20
@RoseHunter
RoseHunter schrieb:Wie ist es denn bei dir?
Mein Leben ist mal so, mal so.
Ich denke, dass der anderen auch.
Wohl wahr. Mein Empfinden dessen grenzt wohl an bipolare Störung. Gerade nicht so toll.


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16.02.2015 um 09:33
@fraterport

Tut mir leid.
Alles Gute und viel Kraft für diese schwierige, frustierende und sicher auch traurige Zeit.
Nimm dir ruhig auch die Zeit zum trauern, Trauer ist nicht Depression, wenn du ein Netz von Routinen hast denen du nachgehen kannst, hilft das auch.

Wenn solche Ereignisse Fragen nach dem Sinn aufwerfen ist das sicher auch kein Nachteil, da wird sich das eine oder andere ganz von selbst entwickeln. Leid ist im Erleben immer scheiße, aber oft auch ein Katalysator.


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16.02.2015 um 09:34
@RoseHunter
Danke für dei tröstenden Worte.


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17.02.2015 um 09:34
@Rosinante

Habe mir gestern gut die Hälfte des Watzlawick Vortrags gegeben, wirklich sehr gut.
Ich habe viel von ihm gelesen, aber ihn bisher noch nie gehört.
Ich bin auf der einen Seite sehr nahe an dem was Watzlawick sagt, andererseits sehr weit vom radikalen Konstruktivismus entfernt, allerdings eher, weil ich ihn überwiegend mit dem Namen Luhmann verbinde, der bei mir, bei aller intellektuellen Brillanz wenig mehr als en Achselzucken auslösen kann und noch schlimmer ist es mit dem Konstruktivisten und Hirnforscher Gerhard Roth.

Diesen radikalen Konstruktivismus, den Watzlawick da vertritt, teile ich auch nicht in letzter Konsequenz, aber viel weitreichender als die anderen.

Da kann man ewig und drei Tage drüber reden...


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Rosinante
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Allumfassendes und Individualbewusstsein, geht das zusammen?

17.02.2015 um 13:42
@RoseHunter
Es ist erstaunlich finde ich wie wenig Leute sich mit der Frage nach dem Bewusstsein überhaupt auseinandersetzen. Mir kommt es gerade zu existentiell wichtig vor zu jeder Zeit zu wissen, woher mein Gehirn seine Schlußfolgerungen bezieht, da wundert man sich dann irgendwann nur noch, wenn man hört wie manche Dinge erleben, die man auch mitgesehen hat und wie weit die Meinungen je nach Herangehensweise, auseinander gehen können, was denn jetzt überhaupt die Realität ist. Von daher hat der radikale Konstruktivismus, schon allein als mahnender Zeigefinger eine wichtige Funktion in der Betrachtung der Psyche. Wie die eine Geschichte die Watzlawick erzählt, als eine angeblich schizophrene Frau vom Krankenwagen abgeholt wird, alle sind sich einig sie benimmt sich ihrem Krankheitsbild entsprechend, bis sich im Spital rausstellt, dass sie die falsche Person und völlig unauffällig und gesund ist. Genau das passiert, nämlich gerade in der Psychologie viel zu oft: Man findet Bestätigung seiner Annahme weil man sich nicht von der eigenen Voreingenommenheit befreien kann.
Die Psychologie hätte sich vielleicht bevor sie alles in die Pathologie aufnimmt zuerst Gedanken machen müssen, wie weit man den Begriff "Normal" und "Gesund" überhaupt fassen muss.
Ich denke ausnahmslos jeder geht in seinem Leben durch die eine oder andere Phase in der er ein, oder mehrere Krankheitsbilder erfüllt, in Wahrheit aber nur in einer Krise steckt, eine spirituelle Erkenntnisreise durchlebt, durch eine Phase Persönlichkeitsverändernder Erkenntnisse geht, oder ähnliches. Gefährlich ist denke ich in diesem Zusammenhang eben vor allem, dass dann von den Angehörigen eine Störung vordiagnostiziert wird, die von unempathischen Fach-Idioten bestätigt wird, gesunde Menschen gegen ihren Willen Medikamente verabreicht bekommen und am Ende zerstört und demoralisiert aus der Therapie gehen und nie wieder wagen für sich selbst zu denken. So etwas passiert, insbesondere Menschen mit tiefgehender Meditationserfahrung, die ihre Zirbeldrüsen psychisch stimulieren können werden, wenn sie das Pech haben & in einem mißgünstigen, engstirnigen Umfeld leben, oft zu unrecht als schizophren diagnostiziert.
Persönlich denke ich nämlich, auch aus eigener Erfahrung, daß es ganz im Gegenteil so sein muss, dass man im Laufe seines Lebens auch die verschiedenen Aspekte des Seins mal genauer betrachtet. Wer bin ich? Was ist der Mensch allgemein, dann kommuniziert man irgendwann automatisch mit diesem Übergeordneten-geteilten Bewusstsein und das kann zwar schräg aussehen, ist aber auch von alleine nach ein, zwei Wochen wieder vorbei und der psychischen Gesundheit eher zuträglich als diese Denk-hemmer die wir in unseren Kliniken wie Smarties verteilen. Vermutlich gäbe es weniger Suizide und Burn-Outs und Depressionen, wenn wir uns einmal im Leben absichtlich Raum zur Sinnsuche und inneren Einkehr verschaffen würden. Keinen aufgesetzten Snob-Yoga-, oder Klosterurlaubs-Schmarrn, sondern eine ehrliche offene und urteilsfreie Bestandsaufnahme des eigenen Bewusstseins und all seiner Verstrickungen.
Sehr schönes, wahnsinnig spannendes Thema


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RoseHunter
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Allumfassendes und Individualbewusstsein, geht das zusammen?

18.02.2015 um 08:22
@Rosinante
Rosinante schrieb:Von daher hat der radikale Konstruktivismus, schon allein als mahnender Zeigefinger eine wichtige Funktion in der Betrachtung der Psyche.
Ja, vor allem die Erkenntnis, dass man "seiner" Welt nie entkommt.
Rosinante schrieb:Genau das passiert, nämlich gerade in der Psychologie viel zu oft: Man findet Bestätigung seiner Annahme weil man sich nicht von der eigenen Voreingenommenheit befreien kann.
Die Psychologie hätte sich vielleicht bevor sie alles in die Pathologie aufnimmt zuerst Gedanken machen müssen, wie weit man den Begriff "Normal" und "Gesund" überhaupt fassen muss.
Das ist inzwischen besser geworden und man hat auch die Kriterien psychischer Gesundheit herausgearbeitet.
Rosinante schrieb:Ich denke ausnahmslos jeder geht in seinem Leben durch die eine oder andere Phase in der er ein, oder mehrere Krankheitsbilder erfüllt, in Wahrheit aber nur in einer Krise steckt, eine spirituelle Erkenntnisreise durchlebt, durch eine Phase Persönlichkeitsverändernder Erkenntnisse geht, oder ähnliches.
Ja, das ist so und dann ordnet sich die Sicht auf die Welt immer wieder neu.
Was wir als normale 10-Jährige schon hinter uns gebracht haben, verlangt alle Achtung. Bekanntermaßen hört der Spaß in dem Alter nicht auf.
Rosinante schrieb:. Gefährlich ist denke ich in diesem Zusammenhang eben vor allem, dass dann von den Angehörigen eine Störung vordiagnostiziert wird, die von unempathischen Fach-Idioten bestätigt wird, gesunde Menschen gegen ihren Willen Medikamente verabreicht bekommen und am Ende zerstört und demoralisiert aus der Therapie gehen und nie wieder wagen für sich selbst zu denken. So etwas passiert, insbesondere Menschen mit tiefgehender Meditationserfahrung, die ihre Zirbeldrüsen psychisch stimulieren können werden, wenn sie das Pech haben & in einem mißgünstigen, engstirnigen Umfeld leben, oft zu unrecht als schizophren diagnostiziert.
Halte ich eher für ein sehr spezielles Problem, aber die Welt ist bunt und groß, das gibt es sicher auch, Watzlawick sprach ja auch davon.
Stanislav Grof hat darüber geschrieben, dass es damals im Ostblock eine Art Volkssport unter Psychiatern war, alles was spirituell war zu pathologisieren.
Rosinante schrieb: Vermutlich gäbe es weniger Suizide und Burn-Outs und Depressionen, wenn wir uns einmal im Leben absichtlich Raum zur Sinnsuche und inneren Einkehr verschaffen würden.
Absolut, ein Kulturgut, was uns vollkommen fehlt.
Wir bekommen zwar mit, dass es eine große Zahl psychischer Erkrankungen gibt, aber sowas wie eine normale Begleitung durch Rituale des Übergangs oder Räume, wo man sich besinnen kann, haben wir kaum.
Man hat zwar als Einzelner die Möglichkeit hier und da mitzumachen, aber alles in allem leben wir in einer Gesellschaft, die psychische Entwicklung kaum kennt, geschweige begleitet.
Möglicherweise kümmert man sich im Zuge der gesellschaftlichen Regression darum, die wir m.E. beobachten. Immer mehr Menschen werden nicht nur krank, sondern interessieren sich für nichts, was ihren eigenen Dunstkreis (ihr Ich und die narzisstische Verlängerung davon) übersteigt. Das was man als inneren Kündigung bei der Firma kennt - man geht noch hin, im Grunde ist einem aber alles was dort passiert scheißegal - passiert auch auf gesellschaftlicher Ebene. Immer mehr Menschen kehren Deutschland innerlich den Rücken und das sind nicht nur die Frustrierten.
Rosinante schrieb: Keinen aufgesetzten Snob-Yoga-, oder Klosterurlaubs-Schmarrn, sondern eine ehrliche offene und urteilsfreie Bestandsaufnahme des eigenen Bewusstseins und all seiner Verstrickungen.
Genau.
Werden wir aber vermutlich nicht mehr erleben, immerhin wird man nicht daran gehindert das auf privater Ebene zu regeln.


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