paxito schrieb:Übrigens nein "Veganismus" ist erstmal nur die Ernährungsform, wofür es diverse Gründe geben kann. Nur ein Teil der Veganer lehnt darüber hinaus auch alle Tierprodukte - etwa Leder - ab. Und die tatsächlich extreme Haltung das es keine Tierhaltung geben soll dürfte davon nochmal nur ein Teil sein.
Ich habe als offizielle Erklärung, was der Veganismus ist, sowas hier im Kopf:
„Veganismus ist eine Lebensweise, die versucht – soweit wie praktisch durchführbar – alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an leidensfähigen Tieren für Essen, Kleidung und andere Zwecke zu vermeiden; und in weiterer Folge die Entwicklung und Verwendung von tierfreien Alternativen zu Gunsten von Mensch, Tier und Umwelt fördert. In Bezug auf die Ernährung bedeutet dies den Verzicht auf alle Produkte, die zur Gänze oder teilweise von Tieren gewonnen werden.“
https://utopia.de/ratgeber/veganismus-definition-das-macht-veganerinnen-aus_189031/Das ist auch die Lebensweise des Veganismus, die für mich am meisten Sinn macht, zumindest wenn es einem eben darum geht, möglichst jede Form des Tierleids zu vermeiden.
paxito schrieb:Nö. Mir ist im Grunde völlig egal was du ißt oder nicht ißt. Mir geht es tatsächlich um die Tiere, die realen Tiere die da sind. Dort können wir Verbesserungen erreichen und sollten das auch tun. Und damit landen wir beim Threadthema, wer sich "Tierfreund" nennen will, sollte mE tatsächlich bemüht sein das es Tieren besser geht.
Da stimme ich dir grundsätzlich zu. Für mich wäre aber wichtig, dass das erklärte Ziel am Ende ist,
dass wir nur noch Tiere halten die wir artgerecht halten und halten können.
Wenn wir das erreichen, indem wir Stück für Stück die Haltungsformen verbessern, dann ist das für mich vollkommen in Ordnung.
AnimaLiberate schrieb:Die vegane Ernährung ist also nicht die Definition von Veganismus, sondern eine logische Konsequenz daraus. Wer Tiere nicht als Ressourcen betrachtet und ihre Ausbeutung ablehnt, konsumiert folgerichtig weder ihr Fleisch noch ihre Milch oder Eier. Genauso wenig passt es zu diesem Prinzip, Leder, Pelz oder andere Produkte aus Tierausbeutung zu verwenden. Das sind keine zusätzlichen Positionen, die manche Veganer noch obendrauf setzen, sondern folgen aus demselben Grundgedanken.
So kenne ich die Erklärung für den Veganismus auch.
AnimaLiberate schrieb:Auch wenn ein größerer Käfig besser als ein kleinerer ist und weniger Leid besser ist als mehr Leid. Die grundlegende Frage bleibt aber bestehen: Warum sollten wir überhaupt das Recht haben, ein empfindungsfähiges Individuum für unsere Zwecke zu züchten, zu halten und letztlich über seinen Körper und sein Leben zu verfügen, wenn wir darauf nicht angewiesen sind?
Das sehe ich grundsätzlich ähnlich.
Mir persönlich ist es egal, was andere essen oder eben nicht essen, aber wenn mir jemand sagt, er sei ein Tierfreund, konsumiert aber parallel dazu tierische Produkte bzw. ist Teil der Ausbeutung von Tieren, dann geht das für mich einfach nicht zusammen.
Jemand kann dann immer noch ein, beispielsweise, Hundefreund sein, aber wie kann man sich ganz allgemein Tierfreund nennen, wenn man sich daran beteiligt sie zu töten oder zu quälen?
AnimaLiberate schrieb:Das ist aber etwas völlig anderes als die Behauptung, deshalb seien alle Formen der Beteiligung an Tierausbeutung moralisch mehr oder weniger dasselbe.
Wenn jemand auf ein notwendiges Medikament angewiesen ist, das irgendwann an Tieren getestet wurde, ist das für dich also tatsächlich nur ein „gradueller Unterschied“ dazu, ein Tier eigens züchten, mästen und töten zu lassen, weil man gerne sein Fleisch essen möchte?
Und natürlich können Unterschiede graduell sein und trotzdem moralisch gewaltig. Eine Ohrfeige und eine Vergewaltigung unterscheiden sich auch graduell hinsichtlich der Schwere des Übergriffs. Niemand käme deshalb auf die Idee, den Unterschied für moralisch irrelevant zu erklären.
Langsam wirkt das eher wie der ziemlich verzweifelte Versuch, die Schuld immer irgendwo bei den Veganern zu suchen, damit man sich mit der eigenen vermeidbaren Beteiligung an Tierausbeutung nicht beschäftigen muss. Dafür ist mittlerweile offenbar wirklich kein Beispiel zu absurd.
Aber vielleicht kommt ja irgendwann noch die eigentliche Begründung dafür, warum deine „graduellen Unterschiede“ ausgerechnet dort keine Rolle mehr spielen sollen, wo sie für deine Opfer ziemlich gewaltig sind. :)
Das stört mich bei dieser Argumentation leider auch immer. „Veganer sein, aber dann....“
Wie ich ganz oben schon zitiert habe ist der Veganismus „[...] eine Lebensweise, die versucht – soweit wie praktisch durchführbar – alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an leidensfähigen Tieren für Essen, Kleidung und andere Zwecke zu vermeiden [...]“
Tierleid verursachen wir immer irgendwo, ganz vermeiden lässt sich das nie, aber es ist, und da stimme ich dir eben zu, ein großer Unterschied, ob ich es, so weit mir möglich, vermeide, oder ob mir das Thema egal ist.
emanon schrieb:Wenn dein Nick aus dem Lateinischen entnommen wurde, würde ich, je nachdem, was du ausdrücken möchtest, AnimaLibera oder LiberateAnimam empfehlen.
aber, wie gesagt, ich weiß ja nicht, was du ausdrücken willst.
Es wäre wirklich gut, wenn wir hier bei einer sachlichen Diskussion bleiben könnten und nicht über die Namen irgendwelcher Nutzer herziehen würden. Auch wenn du das hinter einem Spoiler versteckst trägt das nicht zu diesem Thema bei.
paxito schrieb:Findest du das grundlegend? Für mich ist das Theoretisieren. Wir haben haufenweise Tiere domestiziert im Verlauf unserer Geschichte. Das verpflichtet uns.
Möchtest du das genauer erklären? Zu was verpflichtet uns das?
paxito schrieb:Ich verdeutliche meine Meinung nochmal an einem Beispiel. Schafe und Deiche. Von den Schafen profitieren wir gleich mehrfach, sie halten die Grasdecke geschlossen (wichtig bei Fluten), verdichten den Boden und liefern Wolle. Aber es ist kein Ausbeutungsverhältnis, sondern symbiotisch. Die Schafe profitieren von der künstlichen Weidefläche und dem menschlichen Schutz (vor Raubtieren, medizinische Versorgung usw.).
Warum sollte man damit aufhören? Was soll an so einer Form der Tierhaltung moralisch verwerflich sein? Und warum sollte es darüber hinaus noch moralisch geboten sein diesen Tieren unseren Schutz zu entziehen und sie sich selbst zu überlassen? Nachdem wir Jahrhunderte von ihnen profitierten?
Dieses symbiotische Element (das in der industriellen Massentierhaltung völlig pervertiert wird) kommt in deiner Sicht einfach nicht vor.
Da kann ich dir zustimmen. Ich denke, manche formen der Tierhaltung sind durchaus vertretbar bzw. könnten auch von Veganern (wie auch immer man das Wort Veganismus jetzt definieren mag)
vertreten werden.
Dein Beispiel fand ich dafür jedenfalls überzeugend.
Mir ist dabei immer nur folgendes wichtig:
Lebt das Tier möglichst artgerecht und leidet nicht übermäßig durch die Haltung von uns Menschen?
paxito schrieb:So wie @AnimaLiberate argumentiert (und er ist da ja nicht allein) wird aber jede Form der Tierhaltung als moralisch nicht zu rechtfertigende Ausbeutung eines fühlenden Wesens verstanden und gehört abgeschafft.
Ob jede Form der Tierhaltung moralisch nicht zu rechtfertigen ist, da habe auch ich so meine ganz starken Zweifel. (siehe oben)
paxito schrieb:Die wenigsten Nutztiere sind aber ohne uns Menschen dauerhaft überlebensfähig. Heißt im Klartext: aus moralischen Überlegungen müssten wir diese Tierrassen sehenden Augens ausrotten. Nicht durch aktives Abschlachten, sondern durch passives Nichtstun. Kann ich wirklich nix mit anfangen,
Was wäre schlimm daran, sie passiv aussterben zu lassen?
Oder lass mich das anders ausdrücken und mit dem von dir oben gesagtem verknüpfen.
Würdest du mir dabei zustimmen, alle Nutztiere, die nicht artgerecht von uns gehalten werden, passiv aussterben zu lassen und nur die Tiere weiter von uns Menschen halten zu lassen, die wir eben artgerecht halten können?
Also beispielsweise züchten wir keine Hühner mehr in Massenbetrieben, lassen sie dort passiv aussterben, halten Sie aber weiterhin auf einem kleinen Bauernhof auf dem die Hühner sich frei bewegen können und ein artgerechteres Leben führen können. Möglichst frei von Leid und Tod.
Skepsi schrieb:
AnimaLiberate schrieb:Besonders absurd wird es beim „Aussterben“. Kein Huhn hat ein Interesse daran, dass seine von Menschen gezüchtete Rasse noch in 200 Jahren existiert
Dieser Satz erweckt bei mir den Verdacht, dass du dich mit Hühnern nicht sehr gut auskennst und offenbar nur Hybridhühner aus der Massentierhaltung im Sinn hast.
Es gibt sehr viele Hühnerrassen, die nicht auf Legeleistung hin selektiert wurden und deren Entwicklung hauptsächlich durch Anpassung an lokale Gegebenheiten beeinflusst wurde.
Und natürlich hat ein einzelnes Huhn Interesse daran, dass seine Gene nachfolgende Generationen erreichen.
Inwiefern hat das Huhn daran Interesse? (Ernstgemeinte Frage. Ich meine das nicht polemisch!)
Natürlich hat ein Huhn, wie jedes andere Lebewesen einen Fortpflanzungstrieb und damit ein Interesse seine „Gene nachfolgenden Generationen“ erreichen zu lassen, aber das Huhn denkt dabei ja nicht bewusst drüber nach.
Ich möchte euch da irgendwie beiden zustimmen. Ein Huhn interessiert es nicht, ob seine Rasse ausstirbt oder nicht, es möchte einfach nur möglichst leidfrei leben (so sehe ich das), aber gleichzeitig hat es natürlich ein Interesse sich Fortzupflanzen.