Cachalot schrieb:Und das macht die eine Art liebenswerter. Aber auch Lebenswerter?
Nochmals: Für mich ist ein Insekt nicht weniger lebenswert denn ein Säugetier oder Vogel, Fisch oder sonstiges Lebewesen. Aus dem Grund beabsichtige ich Tod oder Schädigung von allen diesen nicht.
Ich finde es merkwürdig, wenn Veganern (immer wieder) unterstellt wird, ihnen seien Insekten egal und es ginge um niedliche Kulleraugen und Fell. Vielmehr habe ich reichlich oft von Gemischtköstlern erlebt, dass es hieß "wenn da 'ne Spinne ist, die mach' ich tot", oder auch ich als "Öko" belächelt wurde wenn ich Insekten geholfen habe, auf Pestizide verzichtete o.ä. Leute die mit einem Kalb Mitleid haben und es deshalb nicht essen würden, aber Fischfilet geht dann doch (der Kopf ist ab) und die Spinne stirbt unter der Klatsche, weil diese wohl als weniger lebenswert empfunden werden.
Für mich ist ein Rind oder Hund nicht liebenswerter als meinetwegen ein Käfer. Es sind beides Lebewesen die nichts dafür können was und wie sie sind, interessant aus vielen biologischen Gründen, und sie sind sehr wahrscheinlich beide zu Leid fähig.
Rein aus biologischen Gründen ergibt sich aber ein ganz unterschiedliches Maß an Leid - hat nix mit "liebenswert" zu tun, sondern schon allein mit z.B. biologischen Umständen der Jungenaufzucht (da antwortest du ja auch "Konform."). Die z.B. Kuh wird Leid empfinden, nimmt man das Kalb weg, weil das Kalb nicht dazu in der Lage wäre, für sich zu sorgen - umgekehrt fürs Kalb, wennauch sich das Kalb eher noch beruhigen wird, bekommt es Nahrung.
Für mich ist eine Spinne, eine Blattlaus oder ein Tausendfüßer überhaupt nicht wenig lebenswert. (Sowas sehe ich andauernd immer bei Gemischtköstlern, von denen sehr viele alle möglichen Tiere, die mehr als vier Beine haben und weder ein Schmetterling noch ein "süßer" Marienkäfer sind töten wollen.) Rein praktisch sehe ich aber auch ganz einfach, und das dürftest du doch auch einsehen: Um einen Hund, einen Leguan, selbst noch einen Käfer kann ich herumlaufen, ebenso kann ich mich dafür entscheiden nicht den Salat mit Putenbruststreifen oder das Steak zu bestellen (es gibt so viele mögliche Mahlzeiten, mein Körper ist nicht auf Tierisches angewiesen, und ich kann auch mal eine Mahlzeit auslassen), irgendeinen Ledersitzbezug nicht kaufen zu müssen, während ich eine z.B. Milbe oder auch eine Blattlaus am Boden schlichtweg nicht sehe.
Zudem dürfte auch dir wohl einleuchten: Falls hierbei versehentlich ein Insekt stirbt (was ich schon schlimm finde - letztens fand ich am Hintereingang des Arbeitsplatzes eine Grille, die wohl im Schwenkbereich der Tür zerquetscht wurde*
:(), was bitter ist, dürfte deren Leiden evl. weniger komplex sein als das von z.B. einer Kuh, die das Kalb weggenommen kriegt und sich die Gelenke kaputtsteht, über lange Zeit, bis es zum Schlachten geht.
*Und ich wette darauf: Viele hätten das wohl nicht traurig, sondern allenfalls eklig gefunden.
Cachalot schrieb:Gegen letzteres kann man Nix tun außer ein paar Kriege führen aber das lassen wir lieber.
Dagegen kann man nix tun? Man kann dagegen m.E. viel mehr tun als z.B. beim Gehen versehentlich eine Milbe zu zertreten.
Für mich persönlich gehört schonmal dazu: Wenn ich die Herstellungsweise eines noch dazu optionalen Produkts grausam finde, kaufe/konsumiere ich es nicht.
Wenn dir Insekten und andere kleine Tiere so wichtig sind: Was machst du denn speziell für deren Schutz, das ich nicht mache?
Cachalot schrieb:Gegen ersteres kann jeder was tun. Ich sage nicht - kein Fleisch. Ich sage weniger. Ein zweimal in der Woche sind ausreichend. Nicht täglich Fleisch und Wurst. Macht das nur ne Handvoll ändert sich nix.
Ich finde es merkwürdig, wenn du einerseits sogar "ein, zweimal" in der Woche Fleisch konsumierst, das ganz okay findest und dich sicherlich bewegst, andererseits mir jedes nicht einmal aus normaler Augenhöhe sichtbare beim Gehen zertretene kleine Insekt vorzuwerfen. Warum?
Fairer wäre doch m.E. ehrlich zu sagen, z.B.: Das weglassen ist echt nicht verkehrt, aber ab und zu hab' ich halt Bock auf eine Wurst/ die Haribo mit Gelatine sind so lecker... Sich das einzugestehen fände ich ehrlich und fair.
Nochmal: Insekten, Schnecken, Würmer, Spinnen... sind für mich nicht weniger lebenswert. Ich vermeide Tierleid so weit wie möglich, sehe aber auch einfach alltägliche nicht vermeidbare Schäden bis zum Tod an sehr kleinen Tieren, die auch du einfach dadurch verursachst, zu leben. Und seinem Leben ein Ende zu setzen nur um Schaden an anderen auszuschließen kann man wohl wirklich nicht verlangen.
Und genau aus dem Grund konsumiere ich persönlich die ganzen m.E. optionalen tierischen Produkte (all jene die man so bei Lebensmitteln, Kleidung, selbst Dekorativem im Alltag immer wieder findet) nicht, bleibe aber doch am Leben (laufe, atme, und nutze auch medizinische Behandlungen falls diese unumgänglich sind). Finde ich okay so
;) Auch wenn damit nicht jegliches Tierleid verhindert werden kann (was ich auch nicht behaupte zu tun).
Cachalot schrieb:Für sich selbst schauen wie oft und welches Fleisch man isst.
Meine Entscheidung war die, für mich selbst zu schauen und mehr wegzulassen. (Ich kann es nur nicht verstehen, wie du daraus schließt, Insekten und andere kleine Tiere seien weniger für mich wert, obwohl ich auch bei denen deutlich schaue Leid nach Möglichkeit zu minimieren, was hingegen vielen Menschen egal zu sein scheint.)