nairobi schrieb:Ich gehe davon aus, dass Tieren sadistische Gedanken komplett fehlen. Sie handeln gesteuert durch uralte Instinkte.
Es würde mich umgekehrt eher wundern, wenn diese exakt erst beim Menschen aufgetreten wären.
"Tiere" umfasst so viele Spezies, sodass viele Eigenschaften die wir besitzen wohl eher in zunehmender Komplexität aufgetreten sein werden. Z.B. der Umgang mit Beute, aber auch der mit Feinden:
Vor etlicher Zeit habe ich mal zwei Eichelhäher beobachtet, die zusammen einen dritten auf den Boden gedrückt haben und ihn rupften. Nach einiger Zeit ließen sie von ihre Opfer ab. Ob da wirklich null Gedanken in Richtung Rache, Heimzahlen, vorhanden waren? Eine gewisse Freude, den anderen leiden zu sehen?* Für möglich halte ich es schon. Ob dem so ist? Ich weiß es nicht.
*Was m.E. schon evolutionsbiologisch verständlich wäre.
nairobi schrieb:Das denke ich nicht. Es mag vielleicht manchmal so wirken, wenn sie jagen oder mit der Beute spielen. Orcas oder auch andere Spezies. Aber das ist die menschliche Interpretation.
Es nachzuweisen dürfte schwierig sein. Ich finde es persönlich sehr wichtig, Tiere nicht zu vermenschlichen (auch aus einem Interesse an Biologie heraus) - einer Art einfach die Verhaltensweisen, Intentionen etc. einer anderen zuzuschreiben, sorgt oft nur dafür, ihnen Unrecht zu tun ("böse Spinne" ist da nur ein Beispiel von vielen, auch Haustieren Verhaltensweisen zuschreiben die sie niedlicher wirken lassen und dabei ihre Bedürfnisse ignorieren).
Umgekehrt muss man m.E. aber auch aufpassen ("Krone der Schöpfung" - egal ob man das nun wortwörtlich nimmt oder nur im übertragenen Sinne und gar nicht an Schöpfung etc. glaubt). Für so manches, das man bestimmten Tierarten pauschal abgesprochen hat, haben sich durch genauere Verhaltensbeobachtung, Untersuchungen wie fMRT- und Hormonmessungen eben doch ganz deutliche Hinweise gefunden, etwa, dass diese Prozesse extrem ähnlich bis im Prinzip gleich zu jenen im menschlichen Gehirn ablaufen. Das sagt immer noch nichts darüber aus, was genau empfunden wird, aber in den Fällen wird es schon eng, den entsprechenden Tierarten etwas Bestimmtes abzusprechen (z.B.: Angst, Schlafphasen mit REM und Traumsequenzen).
Motzfussel schrieb:Wie gesagt, meine Definition.
Kann dem zustimmen. Inwieweit ich jemanden der sich so verhält als vegan ansehe - würde es v.a. abhängig davon machen:
- Wird dann woanders auch Ei gegessen? Wird "relaxter" damit umgegangen, wenn irgendwo "ein bisschen" Ei drin ist, da man bereits (bestimmtes) Ei isst?
- Wie gehen diejenigen mit Hühnern um, die keine Eier mehr legen? Werden sie als weniger wert empfunden und so behandelt?
(Was ich ihnen definitiv nicht unterstelle; es wirkt mir in dieser Konstellation auch unwahrscheinlich. Bei mehreren Hühnern, jedoch nur "alle paar Wochen ein Ei" gehe ich auch davon aus dass die Eier großteils an die Hühner zurückverfüttert werden.)
Motzfussel schrieb:Ja, ich finde auch, dass Flexitarierer ein guter Schritt ist. Generell hilft ein bewusster Umgang mit Ernährung und besonders Wertschätzung.
Das, und man kann auch bei anderem was man kauft drauf achten - gerade da, wo es einem ggf. gar nicht darauf ankommt, extra was vom Tier zu haben, sondern wo es so beliebig mitgekauft würde.
Motzfussel schrieb:Und ich finde es auch schade, dass die Grenzen da oft so hart gezogen werden.
Sehe ich auch so. Darüber hinaus: Ich würde auch nicht jemanden der vegan ist automatisch als "moralisch besser" ansehen. Theoretisch könnte derjenige absolut vegan sein, sich darüber hinaus aber Tieren und Menschen gegenüber absolut mies benehmen.
Persönlich finde ich die Grenzen insbesondere da wichtig, klarzumachen, was jemand nicht im von anderen zubereiteten Essen haben will.
Das "guck mal, ist nur ein bisschen ... drin", "du kannst die Wurst runternehmen" kennst du ggf. auch.
Ebenso bei anderen Dingen (Seife vegan vs. nicht etc.) die man nicht mitkonsumieren möchte.
Durchaus auch, um eine deutliche Tendenz zu nennen, was vermieden wird und aus welchem Grund.
Auch m.E. viel zielführender, einfach ruhig das Gespräch zu suchen, sich mal ein wenig selbst an die Nase zu fassen, oder zumindest zu akzeptieren dass es Menschen gibt denen Tiere so wichtig sind, anstatt sich zu bemühen, Veganern nachzuweisen wie inperfekt sie seien unter Heranziehen von Situationen, in denen Tierleid realistisch nicht vermeidbar ist. Veganer dürften selbst wissen dass es solche Situationen gibt.
Skepsi schrieb:Das ist aus einer privilegierten Position heraus formuliert. Einem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung ist es selbst dann nicht möglich ihre Ess- und Trinkgewohnheiten zu ändern, wenn die eigene Gesundheit davon massiv beeinträchtigt wird.
Wie das im Einzelfall genau gerechtfertigt wird (tatsächlich oft mit Gaumenkitzel), sagt nichts über die zu Grunde liegende Mechanismen aus.
Die Argumente waren ja bzgl. "schmeckt besser". Und ja, das darf man m.E. schon kritisieren.
Nur sehr selten lese ich z.B., dass jemand nennt, aufgrund zahlreicher so auch diagnostizierter Allergien, oder einer schweren Darmkrankheit, Angewiesensein auf künstliche Ernährung, oder aufgrund von extrem abgeschiedener Lebensweise in der nur Jagen und Sammeln möglich ist auf tierische Produkte angewiesen zu sein obwohl man diese lieber nicht konsumieren möchte. (Dies auf die Ernährung bezogen; Angewiesenheit auf ein Medikament wird durchaus bisweilen genannt.)
Falls es nicht möglich ist, ist es nunmal nicht möglich.
Stichwort: "as far as possible and practicable" - so weit wie möglich und praktikabel.
(Eiweißaufnahme sicherstellen ohne tierische Produkte, wenn keinerlei Hülsenfrüchte und Sämereien verzehrt werden dürfen, ist nicht möglich.
Sein Leben so einzuschränken dass sichergestellt werden kann niemals versehentlich ein kleines Tier zu schädigen ist nicht praktikabel.)
Dann gäbe es aber immer noch oft die Möglichkeit, bei anderem den Konsum von tierischen Produkten einzuschränken - etwa bei allem, was nicht essbar ist, oder bei Lebensmitteln, die auch tierische Produkte enthalten, jedoch nicht zur Deckung jener Nährstoffe die bei dieser Person kritisch sind beitragen. Tierisches steckt in so vielem, sodass es unwahrscheinlich ist, alle diese Produkte konsumieren zu müssen. (Bezogen auf jene Menschen, deren Zugang zu Lebensmitteln und anderen Produkten so erfolgt wie der der meisten hier wohl: selbst ausgewählt, selbst gekauft.)
Dass ich die tierischen Produkte weglassen kann, betrachte ich daher nicht als Privileg (ich kenne gesundheitliche Einschränkungen gut, bin schwerbehindert, was z.B. auch dazu führen kann, nicht in jedem Fall das Optimalste für z.B. die Natur tun zu können in Fällen in denen ein gesunder Mensch das könnte; ich kann z.B. nicht Fahrrad fahren) - was nicht heißt, dass ich ggf. ein Privileg übersehe, sondern ich sehe mich da umgekehrt vielmehr in der Pflicht, wenn ich schon die Möglichkeit dazu habe (also z.B.: alles Essen vertrage, und dieses durch Einkaufen beziehe), auch etwas zu tun.