taren schrieb:Wie willst du einen korrupten Staat mit unfähiger Regierung "aufpäppeln" außer einmarschieren die Regierung austauschen und eine neue Verwaltung aufbauen...
Der Denkfehler liegt meines Erachtens schon darin, es nicht zu können.
Dieser beispielhafte 🇬🇧 Artikel legt dar, wie eine Polizeireform versucht wurde. Die neue "National Police of Ukraine", die das weniger kohärente ("korrupte") Militsya-System ersetzen sollte.
https://www.wilsoncenter.org/blog-post/when-ukraine-abolished-police-lessons-americaAlles ohne Einmarsch und komplette neue Verwaltung, mit westlicher finanzieller Unterstützung. Der Artikel legt dar, welche Ansätze man verwenden kann bzw. wie man etwas besser neu aufbauen kann. Der Artikel legt aber auch Probleme dar und wo es teilweise schief ging oder nachgelassen hatte.
Ich sah mir 1-2 andere Artikel dazu an, die aus der Neuzeit sind. Durchaus kritische. Ähnliches Bild. "Highly promising" am Anfang, so wie ich es auch im Kopf hatte. Jeder hat vielleicht noch rudimentär die neuen Bilder (und Uniformen) der neuen Polizei aus der Mitte des Jahrzehntes im Kopf. Selbst wenn man jetzt sagt, die Reform ist letztendlich nicht konsequent umgesetzt worden weil dieses und jenes dazwischenkam: Es zeigt, dass Professionalisierungs- und Optimierungsprozesse durchaus angenommen werden können. Man muss dann eben Revue passieren lassen und mit "lessons learned" neu ansetzen um das langsam aber stetig zu reduzieren, was dabei initial vielleicht schief ging.
Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich weiß nicht mal ob man der Ukraine das dediziert vorhalten kann, wenn man ihr gegenüber so kritisch sein sollte. Das scheinen alles schwere Erben der Sowjetunion zu sein, die andere ehemalige Staaten plagten. Apropos: Ich denke, andere ehemalige Staaten zeigen zugleich auf, dass nicht alles so bleiben muss wie ein Erbe bzw. schlechte Rahmenumstände es diktierten. Ich habe dazu jetzt keine Artikel verglichen und während es in Osteuropäischen Staaten bestimmt unterschiedliche Aspekte der Korruption geben mag, so kommen mir gerade längerfristige EU-Mitglieder in vielerlei Hinsicht ziemlich reformiert vor.
https://www.laenderdaten.info/korruption.php(Fun fact: Zumindest basierend auf den Daten im Link hat sogar die Ukraine einen minimal besseren Wert als Russland)
Kurzer Blick hierauf zeigt, dass es zwar durchaus durchmischte Werte gibt, die im Schnitt aber alle besser sind bei Staaten die aktiv Westanbindung annehmen und / oder ihr Sowjeterbe umso stärker ablehnen bzw. sich davon distanzieren. Daraus generierte Mindsets sorgen scheinbar aus meiner Sicht für eine letztendliche Verbesserung der Lage.
Ich denke zumindest eine "Westanbindung" dürfte mittelfristig in dem Bereich auch für die Ukraine Verbesserungen mit sich bringen, wenn an gewisse Mitgliedschaften auch harte Bedingungen und Überprüfungsmöglichkeiten geknüpft werden. Es dürfte zumindest nicht besser im Lande werden, wenn man formell ein Anhängsel von Russland werden würde, ob als Teilrepublik o.Ä. oder als pseudo-autonomer Staat wie Belarus.
Ob es besser werden würde in Bereichen wo es noch ordentliche Probleme gibt, wenn alles so bleibt wie es war oder ist (Ukraine macht weiter ihr Ding, allein), bezweifle ich auch.
Meine persönliche Meinung ist, das die Ukraine mittel bis langfristig profitieren würde, wenn sie in der EU (ggf. NATO) wäre. Dann wäre da unten Ruhe. Parallel Deeskalation mit Russland fahren, kein "Säbelrasseln" o.Ä, dass da unten keine "Front" eröffnet wird (zumindest nicht seitens EU/NATO), damit der Mann im Osten keinen Herzinfarkt bekommt und noch bis 2036 oder so durchregieren kann.