sören42 schrieb:Das sind alles Träume von Leuten, die von industriellen Prozessen keine Ahnung haben. Die müssen nämlich auch weiterlaufen, wenn der Wind nicht weht oder es draußen dunkel ist, weil ansonsten sehr hohe Kosten entstehen, wenn der Prozess unterbrochen wird.
"Die Grünen" werden laut Wahlanalysen auch überwiegend von Beamten gewählt
Der Hinweis auf das Wahlverhalten von Beamten ist doch kein Argument für oder gegen eine bestimmte Energiepolitik. Ob jemand Beamter, Unternehmer, Ingenieur oder Arbeiter ist, sagt nichts darüber aus, ob eine technische oder wirtschaftliche Einschätzung richtig oder falsch ist. Entscheidend ist, welche Konzepte von Fachleuten aus Energiewirtschaft, Industrie, Netzbetreibern und Forschung entwickelt werden.
Gerade bei der Energiewende arbeiten sehr viele Akteure aus der Industrie selbst mit: Energieunternehmen, Netzbetreiber, Anlagenbauer, Chemie- und Stahlunternehmen. Viele der langfristigen Szenarien zum Stromsystem werden außerdem von Institutionen wie Fraunhofer-Instituten, Energieagenturen, Netzbetreibern oder Industrieverbänden erstellt. In diesen Studien wird ausdrücklich berücksichtigt, dass Industrieprozesse eine sehr hohe Versorgungssicherheit brauchen. Die Frage sollte daher weniger sein, wer welche Partei wählt, sondern ob die vorgeschlagenen Lösungen technisch und wirtschaftlich funktionieren. Darüber kann man sachlich diskutieren, unabhängig von politischen Zuschreibungen.
Kontinuierliche Industrieprozesse sind ein wichtiger Punkt, deshalb gehen weder Energiewirtschaft noch Bundesregierung davon aus, dass Wind und Solar allein das System tragen sollen. Die langfristigen Strategien sehen vielmehr ein kombiniertes System vor: stark ausgebauter erneuerbarer Strom, große Speicher, flexible Kraftwerke, Netzausbau und europäischer Stromhandel.
Deutschland plantbekanntlich einen sehr starken Ausbau von Wind- und Solarenergie (Ziel: rund 80 % erneuerbarer Strom bis 2030). Parallel sollen neue flexible Gaskraftwerke entstehen, die später auf Wasserstoff umgestellt werden können, damit auch bei wenig Wind oder Sonne genügend Leistung verfügbar ist. Außerdem wird der Ausbau von Speichern, Wasserstoffproduktion und Netzen vorangetrieben, damit Strom zeitlich und räumlich besser ausgeglichen werden kann.
Auch die Industrie selbst spielt dabei eine Rolle: viele Unternehmen planen bereits Elektrifizierung, Lastmanagement oder Wasserstoffnutzung, um ihre Prozesse flexibler und klimaneutraler zu machen. Ziel der aktuellen Energiepolitik ist also nicht, Industrieprozesse dem Wetter zu überlassen, sondern ein System aufzubauen, in dem erneuerbare Energien den Großteil liefern und Backup-Kapazitäten sowie Speicher die Versorgungssicherheit gewährleisten.
Die Diskussion dreht sich daher weniger um "Wind oder Industrie", sondern darum, wie man ein Energiesystem gestaltet, das klimaneutral ist und gleichzeitig rund um die Uhr zuverlässig Strom für Industrie und Haushalte bereitstellt.