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Quelle:
https://www.n-tv.de/politik/Schwarz-Rot-will-Acht-Stunden-Tag-flexibilisieren-id30294009.html#google_vignetteDie Bundesregierung will für Arbeitnehmer eine Möglichkeit schaffen, Arbeitszeit und Freizeit flexibler zu gestalten.
Wenn man Lobbypolitik für die Kapitalisten betreiben und es ihnen ermöglichen möchte, über die Zeit der Arbeiter freier zu verfügen - also den Arbeiter einsetzen zu können, wann und wie es dem Kapitalisten beliebt, ohne sich an feste Zeitvorgaben halten zu müssen - dann führt das natürlich dazu, dass der Arbeiter nicht mehr weiß, wann er tatsächlich frei hat. Stattdessen kann er immer und jederzeit zur Arbeit herangezogen werden, sobald das Unternehmen ihn benötigt, wäre das aber eine Reform, die allein im Interesse der Kapitalisten liegt und nicht im Sinne der Arbeiter.
Die Bundesregierung will für Arbeitnehmer eine Möglichkeit schaffen, Arbeitszeit und Freizeit flexibler zu gestalten. Wie aus einem Strategie-Papier zur neuen nationalen Tourismusstrategie hervorgeht, das ntv vorliegt, soll "im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit" geschaffen werden.
Das bedeutet dann, dass man als Arbeiter einfach nicht mehr die Sicherheit hat, zu bestimmten Zeiten tatsächlich seine Freizeit genießen zu können. Diese Sicherheit gibt es dann nicht mehr.
Denn wenn der Unternehmer zum Arbeiter sagt: „
Heute fällt besonders viel Arbeit an, du musst heute 12, 14 oder 16 Stunden arbeiten“, dann muss er leider den Geburtstag seiner Tochter absagen. Dann kann er das verlängerte Wochenende, das er geplant hat, vergessen. Das ist dann die Konsequenz davon.
Dies soll demnach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf dienen. So könnten Eltern länger am Stück arbeiten und im Ausgleich entsprechend freihaben.
Wie soll man bitteschön Familie und Beruf besser vereinbaren, wenn man nicht mehr weiß, wann man frei hat? Wie zum Fick soll das funktionieren?
Man sagt einfach:
„Das vereinbart Beruf und Familie besser.“
Wie zum Teufel soll das funktionieren, wenn man etwas mit der Familie geplant hat und der Chef sagt:
„Nö, tut mir leid, ich brauche dich heute aber noch. Du hast da noch Stunden auf deinem Wochenarbeitskonto. Du musst jetzt leider in die Firma - dein Wochenarbeitskonto ist noch nicht abgearbeitet.“ - und du dann einfach flexibel springen musst, wie der Chef es möchte?
Was soll das bitteschön für die Familie besser machen?
Für die Familie ist Planbarkeit besser. Natürlich ist es besser, wenn man weiß, zu welchen Arbeitszeiten man arbeiten muss. Dann kann man planen. Dann kann man auch überlegen, wann die Großeltern kommen können, wer auf die Kinder aufpassen kann und wie man das Ganze organisiert - wenn die Mutter zum Beispiel in Teilzeit arbeitet, wer wen von der Kita abholt und so weiter.
Wenn klar ist: Um 16:30 Uhr ist Feierabend, dann weiß man genau: Okay, dann hat man Zeit und kann etwas mit der Familie planen.
Wenn es keine Planbarkeit mehr gibt, ist das eine komplette Katastrophe für Familien.
Das andersherum zu framen, ist einfach kackendreist.
Perspektivisch soll die flexiblere Arbeitszeit für alle Branchen gelten. Ein Beschluss über die Flexibilisierung der Arbeitszeiten solle dann "noch in diesem Jahr" erfolgen, wird Christoph Ploß, der Koordinator der Bundesregierung für Tourismus, in einem Bericht der "Bild"-Zeitung zitiert. "Davon werden nicht nur mittelständische Unternehmen profitieren, sondern auch Millionen Arbeitnehmer in Deutschland", sagt der CDU-Politiker.
Ja, nee, ist klar: Einerseits möchte man die Flexibilität abschaffen, die die Teilzeitarbeit bietet - und das betrifft über 14 Millionen Menschen in Deutschland. Andererseits soll es Ausnahmen für diejenigen geben, die aus familiären, gesundheitlichen oder pflegebedingten Gründen in Teilzeit arbeiten.
Das betrifft allerdings nur etwa ein Drittel aller Teilzeitbeschäftigten. Die restlichen zwei Drittel - also rund 14 Millionen Menschen - würden durch solche Regelungen schlechtergestellt und verlieren an Flexibilität, weil es ihnen erschwert wird, in Teilzeit zu arbeiten. Die werden quasi gezwungen, mehr Stunden zu leisten.
Daran lässt sich gut erkennen, dass es hier nicht darum geht, dem Arbeiter etwas Gutes zu tun. Vielmehr will man ihm sowohl die Flexibilität in der Teilzeit als auch die Sicherheit in der Vollzeitstelle nehmen
Durch Teilzeitarbeit kann der Arbeiter seinen Arbeitsalltag flexibler gestalten - beispielsweise indem er sagt: „
Ich möchte weniger Stunden arbeiten, um mich besser um meine Familie oder meine pflegebedürftige Mutter kümmern zu können.“Genau diese Flexibilität, die dem Arbeiter zugute kommt, soll jetzt wegfallen.
Gleichzeitig soll aber auch die Sicherheit der Vollzeitstelle verloren gehen - also das verlässliche Wissen darüber, wie viele Stunden man täglich schuftet.
Beide "Reformen“ führen damit zu einer spürbaren Schlechterstellung für den Arbeiter.
Ich will das noch mal verdeutlichen: Ein deutscher Vollzeitarbeiter hat dann ein Wochenarbeitszeitkonto und von diesem Wochenarbeitszeitkonto kann dann sein Chef einfach Stunden abbuchen.
Der kann dann sagen:
„Montag kommst du 12 Stunden, Dienstag kommst du 2 Stunden, Mittwoch kommst du 16 Stunden.", usw.
Der kann sich dann einfach jeden Tag Stunden abbuchen, wie er möchte.
Es gibt ja Leute, die Bereitschaft haben.
Bereitschaft zu haben bedeutet: ständig auf Abruf zu sein, die ganze Zeit theoretisch arbeiten zu müssen, weil ja jederzeit das Handy klingeln kann und man los muss.
Diese Zeit - obwohl man eigentlich zu Hause sitzt, obwohl man eigentlich nicht arbeitet - wird dann nicht als Freizeit oder Erholung wahrgenommen, weil man ja permanent unter Stress steht, weil man jederzeit abrufbar ist.
Wenn das der Standard wird - also dass der Chef einfach sagen kann:
„Du hast noch 28 Stunden auf deinem Arbeitszeitkonto, du musst jetzt noch so und so viele Stunden draufpacken“ - wenn man als deutscher Arbeiter sozusagen im Dauerabruf ist, dann hat man im Grunde kaum noch Freizeit. Vielleicht am Sonntag noch oder so, aber das war’s dann auch.
Das ist mit Verlaub gesagt ein Scheißsystem, denn in einem solchen System wird man sich viel schneller überarbeiten als in einem System mit festen Arbeitszeiten.