Sehr gute Rede von Merz zur Verleihung des Westfälischen Friedenspreises.
Westfälischer Friedenspreis : »Wanken wir in Deutschland, dann wankt Europa«
Deutlicher denn je benennt Friedrich Merz Russland als Gegner und imperialistischen Aggressor. Ein Signal an Putin – und die Menschen in Deutschland.
Quelle:
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-10/westfaelischer-friedenspreis-nato-friedrich-merz-rede/komplettansichtUnd ebenso gute - und ausführliche - Analyse dieser von Tina Hildebrandt und Jörg Lau.
Die Rede wurde zu einer grundsätzlichen Verortung des deutschen Selbstverständnisses.
Die erste Botschaft war an die Ukraine und die Verbündeten in Europa gerichtet, die sich Sorgen machen, nachdem bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin Kräfte vorn lagen, die die Unterstützung für die Ukraine lieber heute als morgen reduzieren oder einstellen wollen. Die zweite an Russland und die dritte an die zweifelnden Bundesbürger und die verunsicherten eigenen Reihen.
Merz hat zwar noch ein Amt zu verlieren, aber von dem Wunsch, ein beliebter Kanzler zu werden, hat Merz sich verabschiedet. Er hat sich zum Hier-stehe-ich-und-werde-nicht-weichen entschlossen. Auch wenn es um die Ukraine geht. Mehr noch: Merz machte den Zusammenhalt und die Stabilität Deutschlands zur Voraussetzung dafür, dass die Ukraine und mit ihr der Frieden in Europa bestehen bleibt.
Quelle: ebd.
Mit einer klaren Botschaft an AfD, BSW und Linke ebenso wie manche Zweifler in den Reihen des Regierungsbündnisses (Mützenich und Co.; manche sogar in den Reihen der Union, vermute da mal Kretschmer).
Mehrfach erinnerte er an die hybriden Angriffe Russlands, die wie zuletzt beim gescheiterten Drohnenattentat von Leipzig bedrohliche Formen angenommen haben. Explizit wandte Merz sich an »die Mitbürger und Mitbürgerinnen« auch außerhalb des Festsaals. Und explizit sprach er auch die AfD an. Deutschland werde sich »nicht spalten lassen – nicht durch hybride Angriffe, nicht durch von Moskauer Bots gesteuerte Hetze in den sozialen Medien und nicht durch die Parolen der AfD und ihrer russischen Hintermänner«, sagte Merz – und bekam spontanen Beifall ...
Die AfD bewirtschaftet solche Ansichten gezielt, ebenso BSW und Linke. Aber selbst in die CDU hat sich der Zweifel längst hineingefressen. Was vor zwei Jahren noch als Bekenntnis aus jeder Sonntagsrede klang, We Stand With Ukraine, erfordert inzwischen politische Standfestigkeit.
Quelle: ebd.
Sogar das mit Russlands Eskalation von verdeckten Operationen sieht er klarsichtig und fest.
Viele Deutsche sehen es allerdings genau andersherum: Die hybriden Angriffe und verbalen Ausfälle halten sie nicht für ein Indiz wachsender russischer Aggressivität, sondern für eine Folge der Ukraine-Unterstützung, nach dem Motto: Das haben wir davon.
Quelle: ebd.
Man kann über Merz sagen, was man will, aber er ist einer der Wenigen, die in den außenpolitisch kritischen und sicherheitspolitisch existenziellen Fragen immer klar sind und entschieden Kurs halten. Wer sich für die Rede und diese Fragen interessiert, ist mit der Analyse von Tina Hildebrandt und Jörg Lau gut bedient.