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Deutschland
Das Stasi-Problem der AfD
4. Juli 2026
Beim Thema Stasi pflegt die AfD eine auffällige Doppelmoral: Während sie den Verfassungsschutz mit dem DDR-Staatssicherheitsdienst gleichsetzt, drückt sie bei Stasi-Verstrickungen in den eigenen Reihen beide Augen zu. Ein Überblick.
Von Hubertus Knabe
Für Stasi-Informanten hat die AfD nichts übrig. Diesen Eindruck vermitteln jedenfalls führende Parteifunktionäre, sobald es um den Verfassungsschutz geht. So bezeichnete die Parteivorsitzende Alice Weidel die Mitarbeiter des Inlandsgeheimdienstes unlängst als „schmierige Stasi-Spitzel“. Auch der sächsische Partei- und Fraktionschef Jörg Urban nannte das Bundesamt für Verfassungsschutz eine „neue Stasi-Behörde“.
In deutlichem Widerspruch dazu steht der Umgang der Partei mit eigenen Stasi-Verstrickungen. Denn etliche AfD-Funktionäre waren einst selbst Teil des DDR-Überwachungsstaates. Mit den Wahlerfolgen der Partei wird die Liste ehemaliger Stasi-Mitarbeiter in den AfD-Fraktionen immer länger ...
Und
Seit Kurzem ist die Liste der Stasi-Verstrickten bei der AfD noch einmal deutlich länger geworden. Am 8. Mai legte eine Überprüfungskommission ihren Bericht zu den Brandenburger Landtagsabgeordneten vor. Laut Gesetz soll sie feststellen, ob die Parlamentarier früher hauptamtlich oder inoffiziell für die Stasi tätig waren. Fündig wurde sie bei fünf Abgeordneten – allein vier davon aus den Reihen der AfD.
Und - noch mehr Nachhilfe (oder noch mehr Verlogenheit?):
Tatsächlich gibt es in der AfD keinen Unvereinbarkeitsbeschluss, der dafür sorgen würde, dass ehemalige Spitzel- oder DDR-Funktionäre gar nicht erst in Führungsämter gelangen. Kandidaten müssen nicht einmal – wie es die Linke verlangt – vor der Wahl ihre Vergangenheit offenlegen.
Es wirkt daher wie unfreiwillige Ironie, was Fraktionschef Berndt in einer Rede einmal so formulierte: „34 Jahre nach der Wende wird die BRD mehr und mehr zur Fortsetzung der DDR, zur Fortsetzung der DDR mit raffinierteren Mitteln, aber mit primitiverem Personal.“
Leseempfehlung: Hubertus Knabe, Die Täter sind unter und. Über das Schönreden der SED-Diktatur, Langen Müller Verlag: München 2026 🛒
Quelle:
https://hubertus-knabe.de/das-stasi-problem-der-afd/Übrigens, oder vielleicht nicht nur übrigens: Als Gysi 2025 die Wahlperiode des Bundestages als Alterspräsident eröffnete, las Sepp Müller (CDU) demonstrativ in diesem Buch ^^.
Also der Gysi, der seine Karriere machte, indem er das Klischee vom diktatursensiblen Ossi und das Narrativ des betrogenen Ossis etablierte und so den Boden (mit)bereitete, wo die AfD mittlerweile die Ernte einfährt. Anne Rabe hat da vor kuzem klug darüber geredet (Titel: Der diktatursensible Ossi ist eines meiner Lieblingsklischees, bei Focusplus).