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Ist Antisemitismus wieder "in"?

8.904 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Islam, Judentum, Antisemitismus ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Ist Antisemitismus wieder "in"?

gestern um 22:01
Zitat von Ataraxie89Ataraxie89 schrieb:Würde die Türkei Krieg gegen die Kurden im Irak führen, wäre wohlmöglich der Türkenhass wieder präsenter, gerade in der Linken Szene ist ja die Sympathie für vermeintlich schwächere schon immer "IN" gewesen - das ist also kein rein jüdisches Phänomen.
Das sogenannte Leid der Palästinenser treibt aber nun mal sehr viel mehr Menschen auf die Straße in Deutschland als das Leid im Sudan, in Jemen, im Kongo, als die Vertreibungen in Ostasien.

Das Leid der Palästinser hat also einen höheren Wert. Worin besteht der? Doch nur darin, dass man es Israel in die Schuhe schieben kann.
Zitat von Ataraxie89Ataraxie89 schrieb:Die Propaganda ist teilweise sehr gut getarnt und mischt sich ja auch unter Beiträge die von echtem Leid berichten.
Wobei jeder weiss, wer diese Videos anfertigt. Ohne Zustimmung der Hamas oder der UNRWA geht da fast nichts raus. Insofern ist da nichts besonders gut getarnt. Wer der Hamas glaubt, muss auch dem IS glauben.


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Ist Antisemitismus wieder "in"?

gestern um 22:04
Zitat von Ataraxie89Ataraxie89 schrieb:Nicht jeder Mensch besitzt die Kapazitäten jeden Post zu hinterfragen.
@Ataraxie89

Kapazität oder der Wille?

Wenn ich ein Bild eines extrem unterernährten Kindes sehe und daneben steht der Bruder, der durchaus äußerst wohlgenährt erscheint, kann man doch nicht glauben, dass es ein allgemeines Problem ist, es sei denn, man will das glauben.


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Ist Antisemitismus wieder "in"?

gestern um 22:11
Zitat von sacredheartsacredheart schrieb:Das sogenannte Leid der Palästinenser treibt aber nun mal sehr viel mehr Menschen auf die Straße in Deutschland als das Leid im Sudan, in Jemen, im Kongo, als die Vertreibungen in Ostasien.

Das Leid der Palästinser hat also einen höheren Wert. Worin besteht der? Doch nur darin, dass man es Israel in die Schuhe schieben kann.
Das Thema Israel, Gazastreifen ist medial und auch politisch deutlich näher an Deutschland dran als Konflikte im Sudan oder Ähnliches. Es wird ja auch mehr über den Russlandkrieg berichtet, da dieser Konflikt geologischen Einfluss auf uns hat und bei Israel gehört es zur Staatsräson und hier leben natürlich auch viele arabischstämmige Menschen die sich von der Entwicklung dort betroffen und angesprochen fühlen.
Zitat von sacredheartsacredheart schrieb:Wobei jeder weiss, wer diese Videos anfertigt. Ohne Zustimmung der Hamas oder der UNRWA geht da fast nichts raus. Insofern ist da nichts besonders gut getarnt. Wer der Hamas glaubt, muss auch dem IS glauben.
Es gibt auch viele ähnichlautende Berichte von NGOs und auch zuverlässigen internationalen Quellen. Selbst Israelische Quellen gehen von ähnlichen Zahlen aus wie die, die man von Hamas-Ministerien erhält. So weit weg ist die Berichterstattung da also nicht. Du nagst dich da zu sehr an der Hamas fest. Es gibt berechtigte Zweifel am Vorgehen Israels - das magst du anders sehen, das spricht so selbst Merz aus, der sich immer wieder mit Israel solidarisiert.

Wenn ich jetzt 20 Beiträge teile und darunter sind 2 Fakebilder/Videos, macht es mich nicht zum Antisemiten.
Zitat von sacredheartsacredheart schrieb:Kapazität oder der Wille?

Wenn ich ein Bild eines extrem unterernährten Kindes sehe und daneben steht der Bruder, der durchaus äußerst wohlgenährt erscheint, kann man doch nicht glauben, dass es ein allgemeines Problem ist, es sei denn, man will das glauben.
Oder man glaubt einfach dass der Junge vielleicht am anderen Ende des Gazastreifens lebt und dort mehr humanitäre Hilfe ankommt. Du siehst das sehr schwarz/weiß - was ok ist.

Aus meiner Sicht, und ich kann am eigenen Leib berichten, wurde auch mir oft vorschnell vorgeworfen Narrative zu bedienen oder Antisemit zu sein. Ich stehe im engen Kontakt mit Juden und auch Israelis, ich feier die Kultur und war schon 3x in Tel Aviv - ich finde es greift manchmal zu vorschnell direkt in Schubladen oder Schwarz/Weiß zu denken.

Bin für heute raus, danke dir aber für den angenehmen Austausch.


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Ist Antisemitismus wieder "in"?

gestern um 23:57
Zitat von sacredheartsacredheart schrieb:Danke für die sehr gute Zusammenstellung. Das Meiste war mir durchaus bekannt, ohne das jedoch mal so im Zusammenhang betrachtet zu haben.
Da will ich dann auch (eben dir, @sacredheart ) danken: eben für das Denken des Zusammenhangs.

Schau dir ruhig mal - falls Interesse und/oder Zeit - die neueren Berichte an über die immer aggressiver werdenden antisemitischen Übergriffe an deutschen Hochschulen.

Den einen vom Netzwerk jüdischer Hochschullehrender (NJH).
Wir möchten Sie auf einen neu erschienenen Artikel aufmerksam machen, der erstmals umfassende empirische Einblicke in den Boykott jüdischer und israelischer Wissenschaftler*innen seit dem 7. Oktober bietet. Der Beitrag basiert auf den im Netzwerk dokumentierten Fällen sowie auf systematischer Auswertung der Berichterstattung.

Der Artikel ist ab sofort frei zugänglich:

Zwischen Boykott, Bedrohung und Schweigen

Wir freuen uns sehr über die Weiterverbreitung des Links.
Quelle: https://n-j-h.de/zwischen-boykott-bedrohung-und-schweigen/

Der ist sehr ausführlich, mit Fußnoten, hier:
Zwischen Boykott, Bedrohung und Schweigen
Angriffe auf jüdische und israelische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an deutschen Hochschulen nach dem 7. Oktober 2023

Erscheinungsjahr: 2026
Quelle: https://kritischebildung.de/afkg/boykott-bedrohung-schweigen

Den anderen von der Zentralen Beratungsstelle zu Antisemitismus an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen (Zemab).

Wenn du es kürzer haben willst, Thomas Thiel hat darüber gestern geschrieben.
Akademischer Antisemitismus :
Hetzen, Schlagen, Würgen

Von Thomas Thiel
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/antisemitismus-an-hochschulen-accg-200890668.html

Es ist nicht nur ein Berlin Phänomen.
Der Bericht widerlegt das häufig zu hörende Argument, der akademische Antisemitismus sei nur ein Hauptstadt-Problem. Tatsächlich wurde in diesem April erstmals bundesweit zur „Israeli Apartheid Week“ an deutschen Hochschulen aufgerufen, nach dem Muster der BDS-Kampagne.

Die mit der Hamas organisatorisch verbundene Israel-Boykottbewegung ist laut dem Bericht an deutschen Hochschulen weiter im Aufwind ...
Quelle: ebd.

Das sie ihren Antisemitismus gar nicht mehr verbergen, ok, das ist dann vielleicht - wie du sagtest - wirklich "neu".
Auch die Waffenruhe in Gaza hat die Entwicklung laut der NRW-Studie nicht aufgehalten, was den Verdacht bestärkt, den Aktivisten gehe es weniger um das Schicksal der dort lebenden Palästinenser als um den moralischen Selbstgenuss. Meist laufen die Anfeindungen unter dem Deckmantel der Zionismuskritik und der Dekolonisierung. Manchmal versucht man aber erst gar nicht, das antisemitische Motiv zu verbergen: „Wählt nicht das jüdische Mädchen“, sagte laut dem NRW-Bericht eine Aktivistengruppe deutlich vernehmbar bei einer Asta-Wahl.
Quelle: ebd.

Man wird da nur noch sprachlos.

Beide Berichte kritisieren auch, dass viele Hochschulen zu wenig tun würden, um jüdische Studenten zu schützen.


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Ist Antisemitismus wieder "in"?

um 00:06
Zitat von sacredheartsacredheart schrieb:Wenn ich ein Bild eines extrem unterernährten Kindes sehe und daneben steht der Bruder, der durchaus äußerst wohlgenährt erscheint, kann man doch nicht glauben, dass es ein allgemeines Problem ist, es sei denn, man will das glauben.
Dir ist schon klar das Hunger und Mangelernährung schon beginnt wo du äußerlich noch praktisch nichts wahrnimmst und das gerade bei Kindern evtl. dies eine Lebenslange Schädigung bedeutet...


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Ist Antisemitismus wieder "in"?

um 00:20
Zitat von Ataraxie89Ataraxie89 schrieb:Nein mehrmals belegt - gibt es, ganz interessant tatsächlich - Studien zu.
"Wage" war der falsche Ausdruck. Vielleicht "Allgemein", denn hier geht es ja um einen konkreten Fall.
Zitat von Ataraxie89Ataraxie89 schrieb:Ich glaube natürlich, dass es passiert ist. Aber belegt ist es insoweit dass es einen Screenshot einer E-Mail gibt, welchen ein Buchender erhalten hat. Weder weiß man, in welchem Kontext und von wem die E-Mail geschrieben wurde. Nochmal: ich denke dass es genauso passiert ist, aber die Begrifflichkeit "Beleg" ist hier etwas weitgreifend.
Den Beleg ziehe aus der Reaktion des Hotels, das es nicht leugnete, sondern es versuchte zu entschuldigen.
Zitat von Ataraxie89Ataraxie89 schrieb:Rassismus ist ein Thema, welches auch bei uns in Deutschland präsent ist, man braucht hier also nichts importieren. Ich finde nur dass es bei Antisemitismus gleich höhere Wellen schlägt - klar Staatsräson usw. Aber mein Beitrag zielte auf die Frage im Titel ab, ob es wieder IN sei - das glaube ich eben nicht.

Ich bin überzeugt davon dass der ruhende Antisemitismus bzw. der Rassismus im allgemeinem immer dann vom Latenten ins Aktive rübergeht wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Mal richtet sich der Hass gegen Juden, dann gegen Ukrainer, dann gegen Syrer oder Araber im Allgemeinen - das ist nicht neu und hat auch nichts mit einer Mode gemein (auf das IN bezogen) - es ist einfach die aktuelle Lage die Menschen Nährboden gibt den Rassismus offen auszuleben.
Rassismus und Antisemitismus waren/sind nie weg, aber die allgemeine Akzeptanz variiert. Menschen jüdischen Glaubens vom Studieren abzuhalten, wäre vor vielleicht 10 Jahren noch ein Unding gewesen. Heute wird das irgendwie mit dem Nahost-Konflikt entschuldigt, obwohl ich da gar keinen Zusammenhang herstellen kann.


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