Bürgerkrieg in Syrien
31.03.2012 um 13:40
Hilary Clinton trifft König Abdullah zur Absprache über Syrien
In Saudi-Arabien rumort es und das ebenfalls bereits seit einem Jahr. Zwar hatte der saudische König damals ein Dekret erlassen, was Demonstrationen verbot, weil es angeblich nicht islamisch ist. Parallel zu dem Verbot, versuchte der König aber auch, seine Untertanen zu kaufen und davon abzubringen, sich von den Bewegungen in Tunesien und Ägypten inspirieren zu lassen. Zuckerbrot und Peitsche scheinen zumindest bei den mehrheitlich sunnitischen Saudis ausgezahlt gemacht zu haben. Unter den Sunniten begehrt bisher keiner auf, auch wenn es Forderungen an den König gab, die im Netz veröffentlicht und verbreitet wurden.
Dennoch hat auch das wahhabitische Königshaus lange nicht alles unter Kontrolle, denn im Osten des Landes, dort wo das größte Erdölvorkommen ist, wollen sich die Menschen nicht weiter unterdrücken lassen und fordern ihre Rechte ein. Sie sehen sich unterdrückt und als Menschen zweiter Klasse. Menschen zweiter Klasse sind sie, weil sie Schiiten sind. Am sogenannten „Tag des Zorns“ vor einem Jahr gingen in der östlichen Stadt Qatif auf die Straße. Der König reagierte prompt und ließ gepanzerte Fahrzeuge schicken. Die Demonstration wurde auseinandergetrieben, 500 Demonstranten verhaftet, viele Teilnehmer wurden von der Universität geworfen, verloren ihre Arbeit, bekamen ein Reiseverbot aufgedrückt.
Das saudische Innenministerium erklärte, dass die Demonstranten vom Ausland finanzierte Kriminelle seien, man höre und staune. Auch nach einem Jahr hat sich die Situation im Osten des Landes nicht beruhigt, die ursprünglich friedlich demonstrierenden Schiiten sind aber nun zu Gewalttaten übergegangen. Sie zünden Tankstellen an, sprengen Ölleitungen in die Luft und sorgen durch Gewaltakte für Unruhe. Die Proteste veranlassen das Königshaus nicht etwa dazu, etwas zu tun, um dem Frust der Bevölkerung entgegenzuwirken, sondern bezeichnet die gegenwärtige Entwicklung als neue Art des Terrorismus, der natürlich bekämpft werden muss.
Wo ist hier übrigens die internationale Gemeinschaft, die mahnend den Finger erhebt? Es gibt sie nicht. Im Gegenteil, Deutschland und Amerika sind damit beschäftigt Waffendeals mit den Saudis abzuschließen und das wahhabitische Königreich weiter zu bewaffnen und noch gefährlicher zu machen. Wie die Saudis feststellten, waren ihre Panzer nicht wirklich für den Einsatz gegen die Demonstranten in Bahrain geeignet. Umso glücklicher fühlte sich scheinbar Deutschland ganz schnell geeignete Panzer zu schicken. Die Ortschaft Qatif ist mittlerweile durch Straßensperren abgeriegelt. Sie kämpfen ungehört um ihre Rechte. Wer glaubt hierüber Informationen auf al-Jazeera oder al-Arabiyya zu erhalten, der irrt sich gewaltig.
Die politischen und geostrategischen Interessen der Regierungen sind krank und gefährlich. Während man das saudische Königshaus nicht einmal ermahnt, lässt man es zu, dass genau dieses Königshaus sich in die Politik und die Ereignisse anderer souveräner Länder einmischt. Und alle schauen schweigend zu. Wie kann es sein, dass man mit Saudi-Arabien über die Lage in Syrien verhandelt, während Saudi-Arabien seine Bevölkerung unterdrückt und sämtliche Rechte mit Füßen tritt. In Saudi-Arabien gibt es keine Verfassung. Hier bestimmen der Islam und die islamischen Quellen sowie das Herrscherhaus das Leben der Menschen, aber man will Syrien etwas von Demokratie erzählen. Das einem da nicht der Kragen platzt, ist absolut nicht nachvollziehbar.
Während in Syrien bereits bei den ersten Demonstrationen Schüsse fielen und Zivilisten getötet wurden, nicht durch die Waffen der Sicherheitskräfte sondern durch die Waffen von Kriminellen bzw. Radikalen, wurde vertuscht. Es war eine gute Gelegenheit, die syrische Regierung, die Schiiten, zu diskreditieren und einen Feldzug gegen sie zu beginnen, der vom Westen begeistert aufgenommen und übernommen wurde. Ziel erfüllt: Man hatte Assad schnell als mordenden Diktator hinstellen können, der sein Recht auf Macht nach Ansichten des Auslands und der ominösen Opposition verwirkt hatte.
Saudi-Arabien wirkt ganz vorn mit und ist bedacht darauf, die Opposition zu unterstützen und vor allem zu bewaffnen. Immerhin sieht das saudische Königshaus seine Chance gekommen, die schiitische Führung durch eine sunnitische zu ersetzen und somit auch den Einfluss des Irans zurückzudrängen. Das sind die einzigen Interessen, die Saudi-Arabien hinsichtlich Syriens hat. Alle anderen Forderungen von wegen Wahrung der Menschenrechte und Einführung der Demokratie sowie das Recht auf Freiheit der Menschen sind lediglich geheuchelte leere Phrasen, die der saudische König säuselt, um dem Westen zu gefallen.
Der vorläufige Gipfel aller Frechheit wurde wohl am Freitag (30.03.12) erreicht, als Hillary Clinton in Saudi-Arabien eintraf, um sich mit dem König Abdullah und ihrem Amtskollegen Saud al-Faisal zu treffen und sich mit der Spitze Saudi-Arabiens abzusprechen, wie man weiter in der Frage Syrien-Konflikt vorgehen soll. Amerika lehnt zwar offiziell vor den Kameras die Bewaffnung der Opposition ab, ob sie diese Meinung aber auch wirklich hinter den Kameras vertritt ist fraglich. Saudi-Arabien will die Opposition bewaffnen und tut dies auch schon, will sich aber scheinbar extra noch die Zustimmung aus dem Westen holen.
Während sich Clinton und König Abdullah also trafen und sich für Sonntag, für das zweite Treffen der falschen Freunde Syriens absprachen, fiel nicht ein Wort der Ermahnung gegen das harsche und brutale Vorgehen der Regierung gegen die Schiiten im Osten des Landes. Das wirft doch ein besonders gutes Bild auf Frau Clinton, die sich als Stellvertreterin ihrer Regierung dazu outet, den Religionskampf zwischen Sunniten und Schiiten mitzutragen und zu fördern. Gleichzeitig bekennt sich Amerika durch den Besuch und diese Art der Abstimmung zur Unterstützung des Islamismus. Damit zeigt sich Amerika besonders deutlich mit einer zweigleisigen Politik der Unterstützung der Islamisten und gleichzeitig deren Bekämpfung, je nachdem wie man es halt braucht. Und Europa zieht fleißig mit an der Leine, die vielleicht irgendwann Europa den Atem abschnüren könnte.
Quelle:
http://www.sarsura-syrien.com/?p=6005