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Armut ist politisch gewollt

1.430 Beiträge, Schlüsselwörter: Armut, Arbeitslos

Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 01:21
@RuleHenderson

Nicht wegen deines Profils. Wegen Deines Deutschlandliedes. Da müssen wir uns nicht weiter daran aufhängen. Deutschlandlied ist für mich Eindeutig, da braucht es keinen Sherlock Holmes Spürsinn. Wenn es Dir nicht gefällt daß man Dich "reduziert" ( ich entnehme Deinen Vorangegangenen Postings daß Dir das schon öfter passiert ist ) dann stehe entweder drüber oder ändere es.

Gute Nacht.


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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 06:55
Von absoluter Armut (weniger als 1 $ pro Tag zur Verfügung) waren

- 1981 ganze 40% der Weltbevölkerung betroffen (1.500 Millionen)
- 1987 ganze 30% der Weltbevölkerung betroffen (1.227 Millionen)
- 1993 ganze 29% der Weltbevölkerung betroffen (1.314 Millionen)
- 2001 ganze 21% der Weltbevölkerung betroffen (1.100 Millionen)

Die Bekämpfung der Armut ist also politisch gewollt


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Hansi
ehemaliges Mitglied

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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 08:54
@GehirnAkrobat

Die Gesamtsituation der Weltbevölkerung hat sich auch Dank der Globalisierung zweifellos verbessert.
Da dürfen die Kritiker noch so lautstark die Arbeitsbedingungen in der Dritten Welt unter den Multis beklagen.
Wer, wie der Attac-Fan Heiner Geißler, einen Kaufboykott für Fernost-Textilien fordert, handelt verantwortungslos.


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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 13:59
@Hansi

Hmm, müsste man solche Zahlen nicht mit den gesteigerten Gewinnen von Güter- und Rohstoffhandel gegen rechnen? Um Aussagekräftige Zahlen zu bekommen?
Dann spielt der Wertverlust da doch auch mit rein.
Und zu äußern, weil die armen Schweine in der dritten Welt einen Keks bekommen haben wäre doch alles schön, ist reichlich Empathie befreit.
Das dieser Geisler irgendwie verantwortungsvoll Handelt vermute ich dann aber auch nicht.

@GehirnAkrobat

Mich würde ja mal interessieren, mit welche Zahlen sich der Kasper solche Ergebnisse zurecht geschummelt hat.
Ich schätze, wenn Er sein Zahlenmaterial offen legt, werden die Aussagen selbst für Milchmädchen eine Lachnummer.
Es gibt keine zuverlässigen Zahlen die eine solche Aussage auch nur annäherungsweise zu lassen würden.

Ach ja trotzdem
Frohe Weinachten euch alle.
Gruß
Mailo


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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 14:05
@GehirnAkrobat

Die Frage ist die: Was war 1 USD 1981 wert.. und was heute?
Somit sind die Zahlen nicht wirklich brauchbar.

@Hansi

Die Art und Weise wie jedoch in Fernost Textilien produziert werden, wurde uns gerade vor kurzem in Bangladesh eindeutig vor Augen geführt.
Hier müssten die global agierenden Multis mal ein bischen mehr Einfluß in die Produktion nehmen.


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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 14:20
RuleHenderson schrieb:Jetzt hab ich auch kein Bock mehr mit so jemand zu diskutieren weil ich ab jetzt nur wieder drauf reduziert werde.
*schnüff*jetzt schmollt er,nichtmal mehr seine rechte Gesinnung kann man heutzutage noch plakativ herzeigen ohne das man drauf aufmerksam gemacht wird,arrrmer,arrrrmer Rrrrechter


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Wolfshaag
ehemaliges Mitglied

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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 14:21
Die große, große Müdigkeit

Ausgebrannt zu sein ist heute kein persönliches Schicksal mehr, sondern ein gesellschaftliches. Es rührt von einem System her, das die Kosten historischer Umbrüche immer nur auf denselben Schultern ablädt.

Züge zur Weihnachtszeit sind ein soziales Experiment. Menschen, die sich nie begegnen würden, werden in einer Röhre komprimiert und manchmal bewegt, manchmal nicht. Schlecht, wenn die Bahn es versäumt, einen voll reservierten Wagen auch anzuhängen, und noch schlechter, wenn die Zugbegleiterin dann um „Verständnis wegen des Notfalls“ bittet, denn zu Recht merkten die Passagiere an, dass es kein schicksalhafter Notfall, sondern schlicht eine Panne war - zudem eine, mit der die Bahn Geld spart. Denn auch stehende Passagiere zahlen den vollen Fahrpreis, und ob jeder wirklich die Formulare einreicht, damit die Reservierungsgebühr erstattet werden kann? Man unterstellt Absicht.

Doch in welchem Ton wird das vorgebracht, wie schnell ist der Vielfahrer mittleren Alters in Jeans und Baumwollhemd auf höheren Touren als das an jenem Tag defekte Triebwerk des ICE. Sein Gesicht nimmt die Farbe einer Aubergine an, er brüllt fast. Die Zugbegleiterin bittet, wie sie das immer tun, „um Verständnis“, aber er weist das mit der verhohlenen Sympathie des ganzen Waggons zurück: „Und wer versteht mich? Wer versteht mich denn auf der Arbeit?“

Keiner versteht ihn
Es war mehr als die Empörung eines treuglaubenden Kunden, das war echte Verzweiflung, und jeder wusste, was er meinte. Hier sprach kein Fluglotse, kein Gehirnchirurg und keiner, der sekündlich die Milliarden bewegt, sondern ein eher gemütlich aussehender Angestellter, ein gestandener Mann, von dem man sagen würde, dass er mitten im Leben steht. Aber diese Mitte wird an den Rand gedrängt, so schnell dreht sich die Welt, und es gibt keine Pause und kein Pardon. Und oft genug nicht mal eine Erklärung: Man versteht ihn nicht, und er versteht die Welt nicht mehr. Bald entspannen sich um ihn herum viele Gespräche, alle kreisten um das große Kreisen des Geldes, die Krise und, wie man früher sagte, das System: die geringen Renten, Krankenhäuser, die Clochards abweisen, die Griechen, die HRE, Ackermann, was sind eigentlich Schulden, die geringen Renten. Wessen Schulden zahlen wir? Warum vermag unser Geld so wenig? Bahnfahrer auf der Suche nach der falsch gestellten Weiche.

Das späte neunzehnte Jahrhundert war das Zeitalter der Neurasthenie, und wir leben in Zeiten des Burnout. Egal ob man von der medizinischen Korrektheit des Begriffs überzeugt ist oder nicht, ob man also die vielfältige und diffuse Symptomatik als spezifische Krankheit anerkennen möchte oder nicht, der Begriff aus der vormodernen Kerzenzeit bezeichnet eine Phänomenologie, die jedem intuitiv verständlich ist. Er gehört zu jenen Geräten unseres Welterklärungswerkzeugkastens, die uns heuristisch weiterhelfen, auch wenn wir gar nicht genau verstehen, wie sie en détail funktionieren. Es vergeht kein Tag, in dem nicht ein Artikel über Burnout in Zeitungen und Magazinen erscheint.

Immer mehr Mühen erwarten
Dabei wird er immer als ein privates Problem besprochen, werden gute Ratschläge zu seiner Vermeidung oder Linderung gegeben, die alle auf der Ebene der persönlichen Lebensgestaltung liegen. Zauberformeln werden offenbart: Work Life Balance und Entschleunigung, digitale Abstinenz und Fokussierung auf das Wesentliche. Als wäre das so einfach. Burnout wird einerseits in all seinen dramatischen und zerstörerischen Konsequenzen beschrieben, als eine Krankheit die lebensbedrohlich ist, die „Kassen Milliarden kostet“ und unbedingt ernst zu nehmen ist, die Mittel dagegen aber sind immer rein privat. Als würde man den Arbeitern einer Asbestfabrik empfehlen, zu Hause besser Staub zu wischen, um ihre Lungen vor Krebs zu schützen.

Das Syndrom, das wir mit dem Bild vom Ausgebranntsein beschreiben, also das Empfinden, müde zu sein, ohne auf Erholung hoffen zu können, und für die Mühen statt eines angemessenen Lohns nur noch mehr Mühen erwarten zu dürfen, das ist keine Privatsache, sondern ein gesellschaftliches, ein ökonomisches, ideologisches, kurz: ein politisches Problem. Es ist das Resultat gut zu identifizierender Entscheidungen und einer seit Jahrzehnten propagierten Ideologie. Diese Müdigkeit ist ein politisches Gefühl.

Wenn genug übrig bleibt
Sie befällt oft jene, die von einem Lohn oder einem Gehalt leben, die ihre Familie hier haben und nicht einfach wegziehen können, die gemeldet und vielfach registriert sind, deren Einkommen stets transparent ist und deren Steuern und Abgaben direkt einbehalten werden. Es ist dabei gar nicht mal so entscheidend, wie hoch das Gehalt ist, es ist diese Art des Einkommens, die überproportional belastet wird, sowohl systematisch wie historisch. Bis es kaum noch etwas vermag. Wer sich an die siebziger und achtziger Jahre erinnert, kann ermessen, wie stark der Wandel ist: In der alten Bundesrepublik waren beispielsweise Universitätsprofessoren sehr gut situiert bis wohlhabend, auch ohne Drittmittel einsammeln zu müssen wie die Eichhörnchen im November ihre Nüsse.

Eigenheim, studierende Kinder, sogar noch eine kleine Kunstsammlung oder seltene Bücher - das alles wurde im Wesentlichen von einem guten Professorengehalt getragen. Und wer wusste schon, was ein Politiker verdient? Schon die Diäten reichten, um ein gutbürgerliches Leben zu führen. Löhne und Gehälter konnten einfach mehr. Taxifahrer erzählen oft davon: Eine Rentnerin mit einer monatlichen Rente von 2000 D-Mark war gutsituiert und konnte Taxi fahren. Heute kommt sie mit tausend Euro nur dann über die Runden, wenn die Mieten, Nebenkosten und Krankenkassenbeiträge genug übrig lassen.

Der Staat verarmt
Der Wert des Eigentums an Wertpapieren, Immobilien, Edelmetallen, auch Kunstwerken, Weinkellern ist in derselben Zeit sehr stark gewachsen. Vermögen hat sich schneller vermehrt als Löhne und Gehälter, kein Vergleich. Besonders deutlich ist das in den Vereinigten Staaten: Im Jahr 1992 besaßen die oberen zehn Prozent etwa zwanzigmal so viel wie die ganzen unteren fünfzig Prozent. Im Jahr 2010 war es fünfundsechzigmal so viel. Das Vermögen wuchs, obwohl in der Zeit zwei Kriege zu bezahlen waren. Sie wurden durch Schulden finanziert, der Staat verarmt. Die Entwicklung ist überall ähnlich.

Vermögen leistet nur einen unverhältnismäßig geringen Beitrag zur Finanzierung der gemeinsamen Lasten. Das hat System, ein Versuch es anders zu machen, scheiterte derzeit schon an ganz praktischen Belangen: Welches Finanzamt hat schon die Möglichkeit, die Angaben von Sportlern, Showstars, Künstlern, Unternehmern oder Erben zu prüfen? Unser System hat die Arbeit belastet, um Gesundheit, Alterssicherung und sozialen Zusammenhalt zu bezahlen. Sie wurde auch immer dann herangezogen, wenn es galt, historische Umwälzungen zu bewältigen.

Einheit und Agenda
Kein Ereignis hat unser Land in unserer Zeit stärker und zum Guten geprägt als die deutsche Einheit. Doch deren stolze Kosten - ohne Ironie, wir können stolz darauf sein, das bezahlt zu haben - wurden nicht von Kapital und Arbeit gleichermaßen getragen, sondern in überwiegendem Maße von jenen, die Beiträge in die Rentenkassen und die Arbeitsagenturen (damals Arbeitsämter) zahlen. Diese Zeitung bilanzierte: „Arbeitnehmer mit einem sozialversicherungspflichtigen Einkommen zwischen 3500 und 6000 Euro waren die Hauptfinanciers der Einheit.“ Auf die Einheit folgte, nachdem die Sozialsysteme mit Vorruhestandsplänen, Umschulungen und AB-Maßnahmen ihre historische Funktion erfüllt hatten, nämlich zu verhindern, dass auf den Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft auch ein sozialer Absturz folgte, die Notwendigkeit der Reform dieser Systeme. Heute wird Deutschland wegen der Maßnahmen der Agenda 2010 bewundert.

Die Arbeitslosigkeit, Geißel sämtlicher Debatten meiner Jugendjahre und aller, die ein geisteswissenschaftliches Studium wählten, hat ihren Schrecken verloren. Doch diese historische Umstellung wurde abermals nicht vom Besitz der Deutschen bezahlt, sondern von jenen, die auf Ansprüche auf Statussicherung etwa in der Arbeitslosenhilfe, die nach dem letzten Gehalt berechnet wurde, verzichteten und sich in den Dschungel der prekären, befristeten und mies bezahlten Beschäftigungsverhältnisse begaben. Dass sie davon nicht begeistert waren, steht auf einem anderen Blatt.

Einheit und Agenda, die beiden großen historischen Leistungen, die das heutige Deutschland gestaltet haben und es in der Krise schützen, wurden von Menschen wie dem entnervten Bahnfahrer bezahlt.

Man hatte Hobbys
Und die Bedingungen, unter denen all das Geld erwirtschaftet werden muss, haben sich empfindlich verändert. In den Zeiten, in denen noch wirklich Wirtschaftswachstum erarbeitet und der Ruhm der deutschen Nachkriegsindustrie begründet wurden, war es selten, dass der Chef nach Feierabend noch anrief. Es gab einen Programmschluss im Fernsehen, und selbst die Börsen funktionierten wie Behörden, interessierten auch nicht weiter. In der Satirezeitschrift MAD wurden unendliche Witze über Ärzte gemacht, die mit dem „Pieper“ auf den Golfplatz gingen, um sich durch die Zurschaustellung des seltenen Geräts irgendeinen albernen Vorteil zu verschaffen. Der Arbeitsplatz war eine Art soziokulturelles Habitat, in dem man sich einrichten und leben konnte, und keine Hölle der permanenten Optimierung. Das Recht der Firma war nicht absolut, sondern wurde gegen eigene Interessen abgewogen. Die Leute hatten Hobbys, verlangten Arbeitszeitverkürzung, und wer auch mal halblang machte, galt als schlau, nicht als Verräter am Bruttosozialprodukt, das unter solchen Gegebenheiten übrigens florierte.

Heute machen selbst und gerade die Betreiber von systemgastronomischen Kaffeehausketten oder Franchisenehmer von T-Shirt-Herstellern aus dem Commitment zum Unternehmen eine Privatreligion. Mehr als der ganze Mensch ist gefragt am kundenorientierten Arbeitsplatz, digitale Erreichbarkeit rund um die Uhr wird schon bei mittleren Lohnstufen erwartet und natürlich eine lebenslange frenetische Selbstoptimierung. So muss der oder die Angestellte stets mehr geben als die Arbeitskraft in der Arbeitszeit, sie müssen Jünger der Firmenmission werden und Propheten der Produkte. Die, während man sie hysterisch feiert, nicht unbedingt besser werden.

Jeder zahlt woanders
Und warum soll die dritte historische Herausforderung unserer Zeit, die Euro-Krise, anders gelöst werden als die beiden schon erwähnten? Die nun schon vier Jahre währende Krisenbewältigung ermüdet uns besonders, weil sie keinen Fortschritt erkennen lässt, nur längere Monologe zumutet. Es gibt Beispiele für frischere, mutige Wege: In Island wurden die Pleitebanken verstaatlicht, aber nicht deren Schulden. Die Gläubiger mussten sie abschreiben, die Verschuldung der öffentlichen Haushalte blieb vom Wahnsinn der Banker unbehelligt. Dennoch hat sich Island schneller erholt als andere Länder, die unter der Doppelbelastung von Schuldendienst und Sparprogrammen noch Jahrzehnte leiden werden. Die Märkte kaufen mit Vergnügen isländische Anleihen, denn die Insel ist ja ihre kranken Banken losgeworden, nun kann sich die Wirtschaft erholen, auch solch forsches Handeln imponiert Anlegern. Märkte sind zwar sensibel, aber nicht sentimental.

Europa ist kein verarmender Erdteil, sondern, wenn man das Pro-Kopf-Vermögen betrachtet, einer der reichsten der Welt. Bloß steht dieses Vermögen zur Bewältigung gemeinsamer Aufgaben nicht zur Verfügung, es ist nicht einmal zu lokalisieren, denn fiskalisch ist Europa eine Kulisse mit Tapetentüren: Das Industrieunternehmen Arcelor-Mittal, welches in Lothringen Stahlwerke betreibt, zahlt seine Steuern in Luxemburg. Gérard Depardieu und andere reiche Franzosen entdecken, kaum dass die dortige Regierung die Vermögen besteuern will, ihre innere „Belgitude“ und ziehen in ein Dorf hinter der Grenze. Jede deutsche Krankenschwester wird für die Griechen zahlen, aber das größte griechische Unternehmen verlegt mitten in der Krise seinen Sitz nach London. Jeder kann überallhin, aber wer europäische Standards genießt - den Rechtsfrieden, die gut ausgebildeten Arbeitnehmer, die sicheren Straßen, die guten Krankenhäuser, die kulturellen Einrichtungen -, der soll nicht Steuern zahlen wie in einer öden Oligarchie.

Der Beginn der Erholung
Die europäischen Spielregeln sind zu unseren Ungunsten manipuliert worden. Unterdessen ist die europäische Staatsschuldenkrise für viele ein einträgliches Geschäft. Ein Schuldenausstieg nach isländischem Vorbild wäre für die handelnden Politiker ein zu großes Risiko. Wie viel wir genau für die Bewältigung der europäischen Staatsschuldenkrise zahlen müssen, kann niemand wissen. Irgendwie ahne ich aber schon, wer nicht zahlen wird. Doch auch hier inspiriert der Name einer legendären Bremer Kneipe: Alles könnte anders sein. Selbst kommunistischer Umtriebe unverdächtige Organe wie die Boston Consulting Group empfehlen eine maßvolle Abgabe vom Besitz der reichsten Europäer zur Bewältigung der Schuldenkrise.

Wenn man jetzt, am Ende des Jahres, das komische Gefühl hat, Wasser aus einem Boot schöpfen zu müssen, in das andere immer wieder Lecks hauen wie ein delirierender Kapitän Haddock, dann trifft das ziemlich genau die Lage. Und so etwas macht wahnsinnig müde. Doch in einem Punkt trügt der epochale Begriff: Menschen brennen nicht aus, sie sind ja keine Teelichter. Das Eingeständnis der Müdigkeit ist der Beginn rascher Erholung. Der Kampf um faire Spielregeln, um Gerechtigkeit entfesselt bei Kindern und selbst bei ermatteten Bahnreisenden die schönste, lauteste Energie, und man staunt, wie schnell Kräfte wachsen.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/eine-art-erholung-die-grosse-grosse-muedigkeit-12005240.html


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Hansi
ehemaliges Mitglied

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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 14:40
@Gwyddion
Gwyddion schrieb:Die Art und Weise wie jedoch in Fernost Textilien produziert werden, wurde uns gerade vor kurzem in Bangladesh eindeutig vor Augen geführt.
Hier müssten die global agierenden Multis mal ein bischen mehr Einfluß in die Produktion nehmen.
Haben die dort etwa keine Regierung?
Soll der deutsche Unternehmer sich tatsächlich in China mit der mächtigsten Partei der Welt anlegen?
Nicht mit Transfers und Entwicklungshilfe, sondern mit unternehmerischer Eigeninitiative, wettbewerbsfähiger (also billiger) Arbeit und Investitionen internationaler Unternehmen kommen die Völker zu Wohlstand.


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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 14:48
@Hansi

Bangladesh ist nicht China. Von daher greift Dein Einwand nicht.
Aber gehen wir doch kurz mal auf China ein.

Man muß als Produzent keinen Streit mit der chinesischen Zentraldiktatur riskieren. Man kann für sein Geld auch woanders produzieren lassen. Und das nach humanen Maßstäben.

Dieses ständige billig, billiger, Geiz ist geil... nutzt letztenendes den Arbeitern dort in Fernost nichts.
Ein sorgsamer Umgang mit Material, Industrieabfälle oder gar den Arbeitern, sollte Standard sein.


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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 15:00
Fakt ist, dass je geringer der Wohlstand in einer Gesellschaft/Region ist, desto billiger sind die Knechte für den Rohstoffabbau und Weiterverarbeitung zu bekommen.
Je billiger die Knechte desto höher die Renditen bei Investitionen. Auch das ist wahr.

Aus welcher Intension heraus sollen die internationalen Unternehmen noch mal den Wohlstand der Arbeiter in fernen Ländern zu mehren versuchen?
Das konnte ich deinem Post nämlich nicht wirklich entnehmen.
@Hansi


Gruß
Mailo


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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 15:01
@Gwyddion

Die Grenze der absoluten Armut bei 1$ pro Tag wurde vor ein paar Jahren angehoben auf 1,25$.
Die Zahlen wurden von der Weltbank erhoben und repräsentieren die lokale Kaufkra´ft der Bevölkerung im Durchschnitt.
Diese Zahlen sind jedenfalls wesentlich verlässlicher als so manches dummes Dahergerede


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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 15:03
@GehirnAkrobat
GehirnAkrobat schrieb:Diese Zahlen sind jedenfalls wesentlich verlässlicher als so manches dummes Dahergerede
Wer redet denn dumm daher?


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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 15:07
Eine große Verringerung der globalen Armut ist vor allem der Öffnung und Entwicklung in China und Indien zu verdanken, wo mittlerweile wesentlich mehr Menschen der Bevölkerung am Wirtschaftswachstum teilhaben


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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 15:10
@GehirnAkrobat
GehirnAkrobat schrieb:Eine große Verringerung der globalen Armut ist vor allem der Öffnung und Entwicklung in China und Indien zu verdanken, wo mittlerweile wesentlich mehr Menschen der Bevölkerung am Wirtschaftswachstum teilhaben
Das sogenannte Wirtschaftswachstum läßt aber nicht gerade die Wanderarbeiter in Jubelrufe ausbrechen. Sie profitieren nicht unbedingt davon. Die Zahl der absolut Armen geht dort aber auch in die Abermillionen.


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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 15:11
@Gwyddion

Vor allem in China hat sich von sehr vielen Menschen der Lebensstandard erhöht.
Die können ja nicht alles in 10 oder 20 Jahren aufholen aber die Wohlstandsmehrung ist dort enorm


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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 16:07
Wenn dem Großteil alles genommen wurde, ist eine Tasse Reis schon eine Wohlstandsmehrung. Wenn, wie hierzulande, ein paar Wenige ihre Vermögen verdoppeln/vervielfachen und der Rest in die Röhre schaut, haben wir trotz Rezession auch ein bescheidenes Wirtschaftswachstum.

Beide W-Worte gehören einfach zum beschönigenden Wortschatz einiger etablierter Politiker und Rundfunkanstalten/Presse.
Armut ist so oder so politisch gewollt:
- beim Kapitalismus durch mangelnde Re-Investition der Gewinne in den Arbeitsmarkt
- beim Sozialismus/Kommunismus durch Bevorzugung/Vetternwirtschaft.
- In Indien als Sonderfall durch Kastengesellschaft, die trotz westlich orientierter Politik, wie im Mittelalter Menschen automatisch dem Sumpf oder der Oberschicht zuordnet. Dort hat man also selbst im Glücksfall von emsigster Arbeit und tollem Verdienst nie die Möglichkeit, ganz an die Spitze des Unternehmertums / Politik aufzurücken.
Politik will alles regeln, mischt sich überall ein, kassiert, wo es geht, ab: ist also auch verantwortlich
Wo ist die Leistung der Politiker?
Ich fordere leistungsbezogene Diäten, damit sich endlich etwas ändert !


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Hansi
ehemaliges Mitglied

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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 16:14
@Mailo
Mailo schrieb:Aus welcher Intension heraus sollen die internationalen Unternehmen noch mal den Wohlstand der Arbeiter in fernen Ländern zu mehren versuchen?
Mir ist zwar bewusst, dass an Weihnachten der Gutmenschenfaktor besonders zu berücksichtigen ist, trotzdem versuche ich noch mal eine Antwort die auf Fakten und nicht auf einem diffusen Gefühl beruht.
Es geht darum, wer die Bedingungen unter denen Konzerne produzieren und handeln dürfen bestimmt. Die Menschen vor Ort oder der europäische selbsternannte Vormund.
Wenn wir darauf bestehen, dass Länder mit denen wir Handel treiben einen bestimmten Standard in sozialen Fragen haben, kommen wir mit ihnen nicht ins Geschäft. Die Entwicklungsländer betrachten das als eine Art neokolonialistischer Einmischung und Protektionismus.
Boutros-Ghali kommentierte das mit folgenden Worten:
"Man fragt sich, warum sich die Industrieländer gerade jetzt, da wir gezeigt haben, dass wir mit ihnen konkurrieren können, ganz plötzlich um die Arbeiter der Dritten Welt sorgen."
Schon Bill Clinton schlug bei WTO-Verhandlungen vor, Länder, die bestimmte Forderungen nicht erfüllen, zu boykottieren.
Die Entwicklungsländer weigerten sich, angesichts dieser "Drohung" zu verhandeln.
Um höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen muss zuerst Kapital ins Land fließen um die Produktivität zu erhöhen.
Die Löhne steigen, wenn sich der Wert der Arbeit erhöht, das heißt mit steigender Produktivität, mit höheren Investitionen, besserer Infrstruktur, mehr Bildung, neuen Maschinen und besserer Organisation.
Entwicklung der durchschnittlichen Bruttomonatslöhne städtischer chinesischer Arbeiter in US-Dollar:
2004 = 161 USD
2007 = 273 USD
2010 = 446 USD
Mit dieser Entwicklung folgt China dem Beispiel der asiatischen Tigerstaaten wie Taiwan, Singapur oder Südkorea, die in den vergangenen Jahrzehnten auch zunächst arbeitsintensive Exportindustrien aufgebaut hatten. Mit dem dadurch akkumulierten Kapital konnten sie schließlich ihre Industrialisierung vorantreiben und zu den reichen Staaten aufschließen.
Genau diesen steinigen Weg müssen Staaten wie Bangladesch auch gehen, wenn sie jemals dem Elend entfliehen wollen. @Gwyddion


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sunset
ehemaliges Mitglied

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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 18:25
@Hansi

Hansi, die Firmen, die in der dritten Welt ihre Waren produzieren lassen, entfliehen doch nur vor ihrer Verantwortung gegenueber der eigenen Gesellschaft, indem sie Arbeitsplaetze abbauen, nur um mehr Profit in der dritten Welt zu schlagen. Ich spreche jetzt nicht von den kleineren Firmen, sondern von den grosse multinationalen Firmen. Ich glaube nicht, dass durch diese Ausbeutung den Menschen in Laendern wie Bangladesh geholfen wird. Vielleicht kurzfristig, aber langfristig gesehen machen sich die Menschen nur abhaengig von diesen Konzernen.


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Hansi
ehemaliges Mitglied

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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 18:38
@sunset
sunset schrieb:Hansi, die Firmen, die in der dritten Welt ihre Waren produzieren lassen, entfliehen doch nur vor ihrer Verantwortung gegenueber der eigenen Gesellschaft, indem sie Arbeitsplaetze abbauen, nur um mehr Profit in der dritten Welt zu schlagen.
Es ist nicht verantwortungslos, sondern sogar sehr sinnvoll, Waren und Dienstleistungen dort herzustellen und anzubieten wo sie am billigsten sind.
Arbeitsteilung ist nicht nur lokal, sondern auch global ein Gewinn für die Menschheit.


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Armut ist politisch gewollt

24.12.2012 um 18:59
Absolute Dollarbeträge als Armutsgrenze sind albern. Das funktioniert ja nicht mal innerhalb eines Landes wie Deutschland oder USA. Mit einem für Kansas typischen Einkommen ziehst du lieber nicht nach New York oder San Francisco. Dazu kommen noch Faktoren wie der Anteil der Subsistenz- und Tauschwirtschaft, Familie oder nicht, usw.


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