Taln.Reich schrieb:Aber dann kann es keinen freien Willen geben. Umstände beeinflussen immer, welche Entscheidung getroffen werden, wären es äußere Umstände (Umwelteinflüsse) oder innere (der Charakter der Person in Frage). Wenn jemand scheinbar entgegen der Umwelteinflüsse handelt, dann weil es sein Charakter ist diese Umwelteinflüsse überwinden zu wollen.
Wieweit dein Charakter eine Grundlage deines freien Willens ist ("willensstarker vs. willensschwacher Charakter") ist eine andere Frage, das geht in die Wissenschaftstheorie und würde hier zu weit führen.
Was mit "freier Wille" gemeint ist, kann man an einem Beispiel erklären:
Experiment 1: Ich nenne dir ein Wort, und du sagst mir ohne Nachdenken so schnell wie möglich ein Wort das dir dazu einfällt.
Ich sage: "Vater".
Du sagst vielleicht: "Mutter".
OK das ist eine automatische Reaktion, dafür braucht man keinen freien Willen.
Experiment 2: Ich nenne dir ein Wort, und du nennst mir ein Wort das sich darauf reimt.
Ich sage: "Vater".
Du denkst vielleicht immer noch an "Mutter", aber es reimt sich nicht. Deshalb sagst du nicht "Mutter".
Gemäß deines eigenen freien Willens hast du also die Fähigkeit, dich der automatischen Assoziation zu widersetzen die sich dir aufdrängt.
Und so weiter.
Taln.Reich schrieb:Und irgendwie kollidiert deine Definition mit dem was du geschrieben hast. Auch wenn Gott (unter der Annahme das es einen Gott gäbe) permanent sichtbar eingreifen würde, hätten die Menschen dennoch theoretisch die Fähigkeit, sich zu entscheiden nicht an seine Existenz zu glauben, ebenso wie du die theoretische Fähigkeit hast, zu glauben das ich in Wirklichkeit nur ein sehr gut programmierter Chatbot bin.
Stimmt, im christlichen Glauben gilt das Axiom des freien Willens, obwohl die Bibel in einigen häufig diskutierten Beispielen darauf eingeht dass auch der freie Wille "nur" in dem Sinne frei ist dass er von Gott gegeben ist und von ihm genutzt wird um in das Handeln der Menschen einzugreifen.
Deshalb ist auch das wichtigste Argument gegen den Glauben, dass wir Menschen so einen freien Willen gar nicht haben (und wir denken nur dass wir einen hätten). Das spricht uns auch frei von jeder Verantwortung: Wenn Männer fremdgehen, dann können sie nichts dafür. Sie sind ein "Opfer" ihrer Gene und ihres Fortpflanzungstriebes.