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Taoismus

649 Beiträge, Schlüsselwörter: Taoismus, Tao Te Dot, Hua Hu Ching, Tao De King, Laotse, Tao De Ching
oneisenough
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Taoismus

06.10.2011 um 11:55
@sonnenfunke
sonnenfunke schrieb:Was passiert denn deiner Meinung nach wenn man stirbt?
Die Formulierung "passieren" ist ein Ereignis im Bewusstsein, welches man bemerkt.

Tod ist immer mit etwas Körperlichem verbunden. Und alles Körperliche ist nicht real, weil es sich ständig verändert und nicht fest ist. So wie ich, der um einen Körper Wissende bei der Geburt erschien, so werde ich beim Tod verschwinden. Allerdings nicht im Sinne von Nicht-Vorhandensein. Was geboren wird (erscheint, taucht auf), muss sterben (verschwindet, taucht ab). Ohne den körperlichen Tod würde ich steckenbleiben in einer Greisenhaftigkeit.

Was ist der Tod anderes als der Anfang und das Ende eines ständigen Flusses von Ereignissen im Bewusstsein? Die Angst vor dem Tod entsteht erst dadurch, dass wir uns Trennungen und Reduzierungen auf das Körperliche erschaffen. Momentane Lücken in der anhaltenden Flut von Freude bezeichnen wir als Leid, als Schmerz. Und wir erschaffen Schlösser im Himmel in der Hoffnung auf eine endlose Freude, die wir dann Glück nennen. Das alles ist falsch verstandenes Sein und ohne Nutzen für mich. Um zu wissen, was der Tod ist, muss man aufwachen aus diesen selbst erschaffenen Reduzierungen, und sich dahinter begeben. Dort befindet sich die wahre Wirklichkeit. Und dort befinde ich mich, wenn ich sage "Ich bin".
sonnenfunke schrieb:Geht die Flamme des Feuerzeugs dann für immer aus?
Was stirbt, ist die Flamme und das Feuerzeug. Aber nicht Derjenige, der beides vorübergehend benutzt.
sonnenfunke schrieb:Oder generell was für Rückschlüsse ziehst du aus der Erkenntnis das 'ICH' sei nur wie die Flamme, welche entzündet wird?
Den Rückschluss, dass ich nicht die Flamme bin, weil ich sie bemerken kann. Alles, was ich bemerken kann, ist von mir in einer gewissen Distanz entfernt, damit ich überhaupt etwas zu Bemerkendes habe. Gäbe es keine Unterschiede, könnte ich nichts Eigenständiges erkennen, eben weil es keine Unterschiede gibt.

Ich bin Derjenige, der das Feuerzeug benutzt und die Flamme anzündet und auch wieder ausgehen lässt. Eine Flamme benutze ich nur, um einen Erlebnischarakter zu erfahren. Ich benutze meinen Körper und eine Flamme nur dann, wenn ich mit anderen kommunizieren möchte.


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06.10.2011 um 12:00
@oneisenough
Ah jetzt verstehe ich wie du das siehst. Wie würdest du das beschreiben, was der 'Beobachter' ist der das Feuerzeug und die Flamme 'benutzt'. Als was würdest du es erklären wenn es jemand nicht kennt.


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oneisenough
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06.10.2011 um 12:08
@sonnenfunke

Auch hier kann ich nur von meiner Erfahrung sprechen. Selbst das, was ich den Beobachtenden nenne, ist selbst erschaffen, und damit nicht real. Ich bin tatsächlich weder der Beobachter noch das, was er bemerken kann. Das, was ich bin, kann man nicht mit Worten beschreiben, weil alles zu Beschreibende immer etwas Anschauliches sein muss. Ich selbst bin aber nicht erkennbar. Um es auch nur halbwegs in Worte zu fassen, könnte ich jetzt sagen, ich bin die Aufmerksamkeit selbst und damit kein Etwas.


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06.10.2011 um 12:13
@oneisenough
Sehr schön gesagt, ich weiß ja das es letztlich nur die eigene Erfahrung genau beschreiben kann und keine einengenden Wörter oder Bilder ;)

Ich sehe es übrigens genauso bzw ein wenig abgewandelt, hauptsächlich buddhistisch. Für mich ist alles was sich in unserem Gehirn abspielt; das 'ICH' und alles was wir empfinden, denken und uns vorstellen ist wie eine Wolke. Flüchtig, formbar. Aber die wahre Existenz/Bewusstsein/Gott oder wie man es nennen möchte ist der Himmel hinter der Wolke.
Der immergleiche, unveränderliche Himmel der jeden Menschen und wer weiß was noch mehr im ganzen Universum miteinander verbindet.

So ist zumindest meine Sicht der Dinge ;)


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oneisenough
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06.10.2011 um 12:28
@sonnenfunke
sonnenfunke schrieb:Ich sehe es übrigens genauso bzw ein wenig abgewandelt, hauptsächlich buddhistisch.
Ich halte die buddhistische Lehre der Achtsamkeit für eine sehr wichtige und wertvolle Lehre. Doch sie beschränkt und konzentriert sich ganz auf das bewusste Erleben von Gefühlen, Gedanken und Handlungen im Hier und Jetzt. Damit reduziert sie ihren Einflussbereich auf das so genannte Ich-Bewusstsein, den jeweiligen Aufmerksamkeitsfokus, auf das ganz bewusste Erleben während der Identifikationen mit bestimmten Bewusstseinsinhalten wie aktuellen Sinneserfahrungen, Erinnerungen oder Vorstellungen.

Diese Lehre zu erfahren, war für mich sehr hilfreich und ich kann sie nur empfehlen. Allerdings nur als Einstieg.

Denn ich bin keines meiner Ichs.


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06.10.2011 um 12:31
@oneisenough
Hängt stark von der Schule ab! Letztlich geht es aber in allen Schulen darum jeden ICH aufzulösen. Das wäre aber dann völlige Erleuchtung.


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06.10.2011 um 12:34
Anders beschrieben: der Himmel zu sein aus meinem Bild von oben.


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oneisenough
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06.10.2011 um 12:45
@sonnenfunke

Was könnte mit Erleuchtung anderes gemeint sein, als den momentanen Aufmerksamkeitsfokus zu erweitern?

Derzeit können wir Menschen immer nur das bemerken, worauf wir unseren Fokus richten. Wenn ich eine Straße überquere, dann sind die Erinnerungen an meine Kindheit für mich verschwunden, weil ich meine Aufmerksamkeit auf aktuelle Sinneserfahrungen richte, denn ich will ja die Straße unfallfrei überqueren. :)

Einen erweiterten Aufmerksamkeitsfokus erfährt man, wenn man sich von den körperlichen Einschränkungen befreit. Die dann verfügbaren Bewusstseinsinhalte werden dann mehr im Sinne von gleichzeitig erfahren, und nicht mehr als "zeitlich in eine Reihenfolge geordnet". Denn wir können Erfahrungen immer nur im Jetzt machen.

Das ist übrigens auch der Grund, warum viele Menschen mit Nahtoderfahrungen den Eindruck haben, ihr ganzes Leben ist nochmal an ihnen vorbeigezogen, und das in einem einzigen Moment. Ihr Aufmerksamkeitsfokus ist dann enorm erweitert. Denn anders ist es halt nicht möglich, weil, um beispielweise die Reihenfolge der Erfahrungen eines 40-jährigen Lebens erneut zu bemerken, würde dies ja ebenfalls 40 Jahre dauern. Das tut es aber nicht, weil der Aufmerksamkeitsfokus durch den Wegfall der körperlichen Beschränkungen erweitert ist und eine Gleichzeitigkeit aller Erfahrungen im Jetzt bemerkbar ist. Das ist für viele Leute sehr erschreckend.


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06.10.2011 um 12:47
@oneisenough
Das ist aber nicht mit erleuchtung gemeint. Es findet keine Aufmerksamkeit mehr statt. Man ist praktisch das 'universelle' Bewusstsein das zeitlos, wertelos und endlos ist.
Das meint ich damit und so interpretiere ich das.


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06.10.2011 um 12:49
Wandermönch schrieb:...kann man sich bei der nondualität so behelfen , dass man überbegriffe verwendet ?

also man soll schwarz von weiss nicht trennen - also sagt man "farben"
@Wandermönch

Nein eigentlich nicht. Es sind zwar Farben, aber man muss sie zuerst trennen um sie dann auf einer neuen "Ebene" wieder zu vereinen.
Solve et coagula, heisst der Zauberspruch. Teile und verbinde. :)

So wie es @oneisenough hier beschrieben hat:
oneisenough schrieb:Trenne stattdessen immer wieder und beharrlich das "Ich bin" von einem "dies" oder "das", und versuche zu fühlen, was es bedeutet, einfach nur zu sein. Alle deine Gewohnheiten werden sich zunächst dagegen auflehnen und es wird schwer sein, sie zu überwinden. Doch ein klares Denkvermögen ist eine große Hilfe. Je klarer und deutlicher du verstehst, dass du auf dem Verstandesniveau nur in der Art beschrieben werden kannst, was du nicht bist, um so schneller werden deine ständig suchenden Ichs die Suche beenden und du wirst erkennen, dass du unbegrenztes Sein bist.
"Ich" heisst Ego.
Was du beschreibst ist genau das worum es in den meisten alten Schriften geht, und was so schwer zu beschreiben ist. Da man es nur umschreiben kann.

Das "Ich" (Ego) erschafft die Welt und das Weltbild und das Selbstbild. Alles Vergängliche.
Alles das kann man abziehen von seinem unsterblichen Selbst, was übrigbleibt, wenn "Ich" sich zurückzieht oder stirbt.
WangZeDong schrieb:Alle Begrifflichkeiten sind ja Hilfskonstrukte für unser menschliches Zusammensein. Ein Stein ist ja kein Stein weil er ein Stein IST, er ist nur ein Stein, weil wir ihn so nennen.
Genau. Wenn wir ihn wahrnehmen und mit dem WORT benennen, welches das Symbol für dieses Ding (Stein) ist. Deshalb war IM ANFANG eines jeden Mneschen, das WORT. als er lernte seine Umwelt zu benennen. Somit erschafft sich das "Ich" seine Welt.

Hat das "Ich" seine Welt erschaffen, vergisst es das dann. Und denkt es sei getrennt von seiner Welt und es ist gar nicht seine Welt die es erschaffen hat, es ist sogar blasphemisch, dies zu denken. Denn durch das Vergessen, ("...und Gott liess Adam in einen tiefen Schlaf fallen...") erscheint die Welt und das "Ich" getrennt.
So ist wohl das "Ich" jener Gott welcher die Welt erschaffen hat. Die sichtbare, veränderliche, materielle Welt als Umgebung und Hintergrund für den Körper, dessen Chauffeur "Ich" (Ego) heisst.
Das Denken und die Gefühle sind Funktionen des Chauffeurs um lenken zu können.

Irgendwann steigt man dann aus, aus diesem Fahrzeug...


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oneisenough
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06.10.2011 um 12:50
@sonnenfunke

Es ist nicht möglich, keine Aufmerksamkeit mehr auszuüben. Wer sollte so etwas bezeugen können? Es bedarf Aufmerksamkeit um sagen zu können "Ja, ich bemerke, dass ich keine Aufmerksamkeit ausübe". So etwas gibt es nicht. :)


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06.10.2011 um 12:53
@oneisenough

deswegen erlöschen erleuchtete auch ins Nirvana, das ist damit gemeint, es gibt dann keinen mehr der es beschreiben könnte, deswegen kann auch niemand mit Worten beschreiben was Erleuchtung ist. Aber das ist der Kern des Buddhismus. Der Versuch diesen Zustand zu erreichen. Es gibt praktisch dann keine Instanz mehr die man als Wahrnehmer bezeichnen Kann, keinen Fokusierer auf irgendwas außer diese universelle Bewusstsein (nenn ich jetz einfach mal so, weils ne thematik für sich wäre was das ist)


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oneisenough
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06.10.2011 um 12:58
@sonnenfunke
sonnenfunke schrieb:Der Versuch diesen Zustand zu erreichen.
Was macht dich so sicher, dass du diesen Zustand jemals verlassen hast? Nicht verfügbare Erinnerungen?


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06.10.2011 um 13:00
@oneisenough
nein verlassen davon ist kein Mensch. Es ist nur verdeckt und verschleiert durch das was wir ICH nennen. Ebe die ganzen Filter und Mechanismen des ICH. Wir glauben die Wolke zu sein. Erst wenn wir die Erkenntnis haben die Wolke nicht zu sein sondern der Himmel können wir beginnen die Wolke aufzulösen und letztlich zum Himmel werden.
So ist zumindest jedenfalls meine Ansicht und Verständnis der buddhistischen Lehre. Du kannst natürlich andere Ansichten haben.


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oneisenough
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06.10.2011 um 13:07
@sonnenfunke

Ist es erfahrbar "der Himmel geworden zu sein"?


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06.10.2011 um 13:11
@oneisenough
wenn es soweit ist gibt es niemanden oder nichts in einem das sagen könnte: Jetzt bin ich der Himmel
So wird es beschrieben. Falls du das meinst.
Deswegen ist jeder der sagt: Ich bin erleuchtet; nicht erleuchtet. Wenn man in dem zustand ist ist man nur noch Wahrnehmung.


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oneisenough
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06.10.2011 um 13:14
@sonnenfunke

Findest du meine Fragen unerhört? :)


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06.10.2011 um 13:14
@oneisenough
nö in keinster weise?^^ kommt es so rüber?


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oneisenough
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06.10.2011 um 13:15
@sonnenfunke

Nein. Ich frage nur aus Interesse. :)


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06.10.2011 um 13:19
@oneisenough
Ich kann leider ebenso nur Beschreibungen und theoretisches Wissen rübergeben was ich alles gelernt und mir selber erschlossen habe. Letztlich kommt es aber auf die meditative Praxis und das Verständnis daraus an.

UM ABER MAL WIEDER ZUM THEMA zu kommen das ja eigentlich Taoismus heißt :P

Ich denke diese Yin/Yan - Sicht und die Dualität die sie beschreibt, zeigt meiner Ansicht nach genau den Zustand der 'Wolke' wie sie die Buddhisten beschreiben. Weshalb man eben auch im Taoismus versucht die Dualität zu beseitigen.


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