RogerHouston schrieb:In den Polregionen inklusive Land und Meer gibt es ca. 1% der Arten weltweit.
Oder anders: Polregionen ca. 25000 bis 30000 Arten, weltweit ca. 2,2 Millionen Arten.
Also vielleicht nicht im Sinne von "ganz wenigen", aber doch signifikant weniger.
Krasser sind beispielsweise die Hydrothermal-Quellen.
Nee, so funzt es dann doch nicht. Die holarktischen Mammuts sind nicht separat von den tropischen Elefanten entstanden, sondern stammen von diesen ab. Auch die Fauna an Hydrothermalquellen wäre nicht möglich, ohne daß Spezies von anderswo hier hin gelangt wären, um diese ökologische Nische zu erschließen.
Du kannst diese "Extrem"habitate nicht vom Rest getrennt betrachten. Schau Dir Flora, Fauna, Funga und Mikrobiom in Wüsten an, in Höhlen, Salzlagunen usw. usf. Leben scheint bestimmte Bedingungen zu präferieren und entfaltet sich hier primstens. In Habitaten anderer Bedingungen dringt zwar auch Leben vor, doch scheint es hier schwieriger zu sein, Fuß zu fassen. Wenn zum Beispiel weniger Nährstoffe vorliegen, weniger Wasser (Wüste), weniger Energie zum Antreiben von Stoffwechselfunktionen (arktische Regionen, Höhlen), schlechte Bedingungen für Proteine (heiße Thermalquellen) etc.
Daß es in einer insgesamt reichen Lebewelt auch artenarme Regionen unter "Extrem"bedingungen gibt (Hochgebirge, Tiefsee...), ist normal, aber etwas anderes als eine insgesamt artenarm aufgebaute belebte Welt. Letztere hätte arge Probleme bei globalen wie kosmischen Ereignissen (Klimawandel, Megavulkanismus, Asteroidenimpakt...), weil bei Massenextinktionen nicht gewährleiste ist, daß genügend Spezies für ein intaktes biologisches Gleichgewicht, für einen "Nahrungskreislauf" übrig bleiben.
Im ordovizischen Massenaussterben starben etwa 85 Prozent der Arten und 60 Prozent der Gattungen aus...
Aktuellen Analysen zufolge starben während der Capitanium-Krise über 60 Prozent der Arten und 33 bis 35 Prozent der Gattungen aus...
Wikipedia: MassenaussterbenThe Late Ordovician mass extinction ... Together, they killed off 27% of all families, 57% of all genera and 85% of all species...
Together, the Kellwasser event and the Hangenberg event eliminated about 19% of all families, 50% of all genera and at least 70% of all species...
The End Permian extinction ... 53% of marine families died, 84% of marine genera, about 81% of all marine species...
The End Triassic extinction ... About 23% of all families, 48% of all genera (20% of marine families and 55% of marine genera) and 70% to 75% of all species became extinct...
The End Cretaceous extinction ... About 17% of all families, 50% of all genera and 75% of all species became extinct...
Wikipedia: Extinction eventWie Du hier sehen kannst, verschwindet bei solchen Aussterbeereignissen im Mittel ein größerer Prozentsatz der Arten als solcher der Gattungen, gehen prozentual mehr Gattungen zugrunde als Familien. Und Ordnungen, Klassen, Stämme bleiben nochmals stabiler über Extinktionsereignisse hinweg erhalten. In einer Welt, in der es nur wenige Arten, aber dennoch eine für das Funktionieren von Biotopen (Nahrungskreislauf) notwendige "Minimalvielfalt" gibt, gibts dann aber pro Ordnung nur wenige Familien, pro Familie nur zwei Gattungen, pro Gattung nur eine Art; so oder so ähnlich. Bei Massenaussterben verschwänden dann von den höheren Kategorien vergleichbar viele wie bei den Arten. Eine solche Welt würde mit jedem Massenaussterben massiv verarmen bzw. würde ungleich mehr Zeit brauchen, um die alte "Vielfalt" wiederherzustellen, bevor das nächste Massensterben zuschlägt.
Wird hingegen mal ein Extremhabitat komplett ausgelöscht (so stabil die Populationen an Hydrothermalquellen auch scheinen, die Hydrothermalquellen arbeiten nicht ewig; und wenn sie in einer Region erlöschen, kann die "Bevölkerung" nicht zur nächsten, ggf. tausend Kilometer entfernten ozeanischen Bruchzone umziehen), dann kann ein solches von den benachbarten Habitaten erneut "erobert" werden. Mit hier weiter vorkommenden Arten, die sich erneut an solch ein Extremhabitat anzupassen versuchen - was aber nur wenigen gelingen wird.