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Der Energiewende-Thread

3.327 Beiträge ▪ Schlüsselwörter: Energie, Klimawandel, CO2 ▪ Abonnieren: Feed E-Mail

Der Energiewende-Thread

22.05.2026 um 11:51
Zitat von azazeelazazeel schrieb:Wenn es nach den Chinesen und Indern geht, die immerhin fast die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen und deren Kaufkraft immer weiter steigt - wohl nicht.
In China werden derzeit noch 50% der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor betrieben, in Indien... keine Ahnung? 90%? 99%?
Ja China treibt die Elektromobilität voran, sicher auch weil sie einfach ziemlich gut in der Produktion von eAutos sind.
Unumkehrbar ist dieser Umstieg - trotz aller Bekundungen - nicht. Zumindest nicht solange noch Öl da ist um es zu fördern und zu verbrennen. Aber im Kern sehe ich das wie du. Die Technologie ist tot, selbst wenn wir sie am Laufen halten, Öl ist endlich und absehbar endlich - ganz unabhängig vom Klimawandel.


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22.05.2026 um 12:56
Zitat von paxitopaxito schrieb:In China werden derzeit noch 50% der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor betrieben,
Und wie sieht der Trend im Neukauf aus?
Zitat von paxitopaxito schrieb:Ja China treibt die Elektromobilität voran, sicher auch weil sie einfach ziemlich gut in der Produktion von eAutos sind.
Genau, "einfach gut". Gottgegeben.
Tatsächlich haben es die Chinesen verstanden und bauen um.
Zitat von paxitopaxito schrieb:Zumindest nicht solange noch Öl da ist um es zu fördern und zu verbrennen.
Klar, festhalten kann man daran. Bis das letzte Tröpfchen Öl verbrannt ist. Es führt nur zum Gegenteil von Wohlstandserhalt.


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22.05.2026 um 13:22
Zitat von SvenLESvenLE schrieb:
Zitat von ApexOneApexOne schrieb am 18.05.2026:Gibt es irgendwo die juristische Absicherung dass der Einbau von WP das Klima schützt und somit die Grundrechte der künftigen Generationen?
Juristisch wirst du nie eine 100% Sicherheit bekommen, aber Stand der Technik und Einhaltung von übergeordneten Zielen sind immer ein guter Indikator, das man in einem Rechtsstaat Sicherheit besitzt.
Warum sollte es jemanden verboten werden, eine Wärmepumpe zu betreiben? Erzeugt doch keine Abgase! Höchstens bei der Installation könnte behördlicherseits eine Erdsonde mit Tiefbohrung verboten werden. Oder?


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22.05.2026 um 15:45
@azazeel
Deine Posts sind allesamt sehr gut 👍

Dem ist kaum etwas hinzuzufügen – außer den nackten Zahlen.

@azazeel hat es bereits weiter oben auf den Punkt gebracht. Hier noch die wirtschaftliche Dimension was es bedeutet wenn Deutschland weiter am Verbrenner festhält:
Was wir bereits verloren haben:
Deutschland war 2015 noch die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt gemessen am BIP. 2024 ist Deutschland als einzige G7-Nation zwei Jahre in Folge geschrumpft. Die Automobilindustrie – jahrzehntelang das Rückgrat des deutschen Exports – steht dabei im Zentrum.
Volkswagen, einst Weltmarktführer in China, hat seinen Marktanteil dort von 19% im Jahr 2019 auf unter 10% in 2024 verloren. BYD verkauft in China mehr Autos als VW, Toyota und GM zusammen.
Was auf dem Spiel steht:
Die deutsche Automobilindustrie beschäftigt direkt und indirekt rund 800.000 Menschen. Die Zulieferkette ist auf Verbrenner ausgerichtet – Getriebe, Einspritzpumpen, Abgassysteme. All das braucht ein EV nicht. Ein Elektromotor hat etwa 200 bewegliche Teile. Ein Verbrennungsmotor über 1.400.
Dieser Strukturwandel kommt so oder so – die Frage ist nur ob Deutschland ihn gestaltet oder erleidet.
Das bittere Paradox:
Je länger wir mit "Technologieoffenheit" den Verbrenner künstlich am Leben erhalten, desto mehr Zeit kaufen wir BYD, CATL, SAIC, Heels und den chinesischen Herstellern um den Weltmarkt zu übernehmen während deutsche Hersteller in einer sterbenden Technologie investieren.
Porsche SE hat 2024 über eine Milliarde Euro Verlust geschrieben. VW hat Werksschließungen angekündigt. Das sind keine Zufälle – das sind Vorboten.
Und der finale Widerspruch:
Die Bundesregierung schützt mit Importzöllen auf chinesische EVs die heimische Industrie – und erlaubt gleichzeitig mit dem GModG neue Gasheizungen bis zum Sanktnimmerleinstag und hält am Verbrenner fest. Das ist keine Industriepolitik. Das ist organisierter Stillstand.
Wer heute in Deutschland einen Verbrenner kauft oder eine Gasheizung einbaut zahlt 2035 den Preis – in CO₂-Abgaben, in Wartungskosten, in Wertverlust und in einer Infrastruktur die Europa gerade systematisch abbaut.
Das müssen wir nicht raten. Das sehen wir bereits jetzt.
Quelle: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/volkswagen-marktanteil-china-einbruch/
Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/porsche-se-milliardenverlust-2024/[/quote]

Wie schon so oft noch von mir am Rande angemerkt:

10 Sekunden Google hätten bereits gereicht um das zu erkennen.

Und zum Schluss noch ein nachdenklicher Gedanke:

Es ist eine der großen Ironien unserer Zeit, dass genau jene Wählerinnen und Wähler die am lautesten über steigende Energiepreise, den Verlust von Arbeitsplätzen und die Abhängigkeit von ausländischen Energielieferanten klagen – immer wieder genau jene Parteien stärken die diese Probleme aktiv verwalten statt sie zu lösen.
Das ist kein Vorwurf – es ist eine Einladung zum Nachdenken. Denn die Energiewende schützt nicht das Klima der Zukunft. Sie schützt die Geldbörse, die Arbeitsplätze und die Unabhängigkeit der Menschen die heute leben.


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24.05.2026 um 09:25
Hallo @SvenLE , hallo @alle !
Zitat von SvenLESvenLE schrieb:Wann sterben endlich die Fossil-Neurotiker aus?
Die Option in den Wüstengegenden der Welt mit Hilfe von Solarstrom einfache Grundstoffe wie Methan oder Ammoniak oder gar komplexer Moleküle herzustellen, hat etwas mit physikalisch - technischen Prinzipien, mit Kosten, mit Welthandel und, was sehr wichtig ist, mit einer Reihe von Problemen zu tun, die mit dem Ende der Fossilen Rohstoffe gelöst werden müssen.

Das sind alles Aspekte, um die man sich als Energiewende - oder Klimawandelfetischist keinen Kopf macht, weil der mit "einfachen Wahrheiten" schon vollgestopft ist. Ich finde es auch erstaunlich wie man den Begriff der Technologieoffenheit nutzt um demit die eigene, etwas engstirnigen Vorstellungen zu begründen, indem man zum Schluß kommt das man keine Technologieoffenheit braucht, weil ja alles schon geklärt ist.


Gruß, Gildonus


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26.05.2026 um 14:51
@Gildonus
Du kannst gerne offen und ehrlich hier argumentieren und erklären, für welche Technologien du offen sein möchtest und welche konkret das sind.
Die Idee, in sonnenreichen Wüstenregionen mit Solarstrom synthetische Grundstoffe wie Methan oder Ammoniak herzustellen ist technisch korrekt und wirtschaftlich durchaus relevant – für die chemische Industrie, für Schifffahrt, für Teile der Luftfahrt.
Aber genau das haben wir bereits mehrfach in diesem Thread geschrieben.
Der entscheidende Punkt ist nicht ob diese Technologien existieren – sondern wo sie sinnvoll eingesetzt werden. Und da ist die Wissenschaft sehr eindeutig:
Gebäudeheizung: Wärmepumpe – Wirkungsgrad 300-400%

PKW: Batterie-EV – achtmal effizienter als E-Fuels

Schifffahrt, Luftfahrt, Chemie: Synthetische Kraftstoffe, Ammoniak, Wasserstoff – sinnvoll und notwendig

Das ist keine engstirnige Vorstellung – das ist Ressourcenallokation. Knappe grüne Energie dorthin lenken wo es keine bessere Alternative gibt.
Wer E-Fuels im PKW befürwortet nimmt sie der Schifffahrt und der Chemieindustrie weg – Sektoren die tatsächlich keine Alternative haben.
Und wer das als "Klimawandelfetischismus" bezeichnet sollte erklären warum physikalische Wirkungsgrade eine Frage der Weltanschauung sein sollen.


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26.05.2026 um 20:44
Zitat von ForesterForester schrieb:Wer E-Fuels im PKW befürwortet nimmt sie der Schifffahrt und der Chemieindustrie weg – Sektoren die tatsächlich keine Alternative haben.
Es sei denn man würde wieder nuklearbetriebene Schiffe bauen!


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Der Energiewende-Thread

26.05.2026 um 21:56
@Marfrank
Interessanter Gedanke – aber er löst das grundlegende Problem nicht.
Nuklearbetriebene Schiffe gibt es bereits – seit den 1950ern. Atom-U-Boote und Flugzeugträger fahren nuklear, einige Eisbrecher ebenfalls. Die Technologie ist also nicht neu.
Aber für die zivile Handelsschifffahrt scheitert das an mehreren handfesten Realitäten:
Kosten: Ein nuklearbetriebenes Handelsschiff kostet ein Vielfaches eines konventionellen. Kein Reedereiunternehmen kann das wirtschaftlich darstellen.
Häfen: Die meisten Häfen weltweit würden nukleare Handelsschiffe schlicht nicht einlassen – aus Sicherheits- und Versicherungsgründen.
Proliferation: Nuklearmaterial auf tausenden zivilen Handelsschiffen weltweit ist geopolitisch und sicherheitstechnisch eine Alptraumvorstellung.
Zeitrahmen: Bis ein solches System entwickelt, zertifiziert, gebaut und weltweit eingesetzt wäre – reden wir von 30-40 Jahren minimum.
Kurzum: Nuklearbetriebene Handelsschiffe sind eine technische Möglichkeit die in der Praxis an Kosten, Infrastruktur und Geopolitik scheitert.
Ammoniak und synthetische Kraftstoffe aus erneuerbarem Strom sind dagegen bereits heute in der Erprobung und können die bestehende Flotte nachrüsten.
Das ist der Unterschied zwischen Technologieoffenheit und Technologiefantasie.


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27.05.2026 um 08:10
Zitat von MarfrankMarfrank schrieb:Zwei Videos zum Thema "Kleinwasserkraftwerke" in ihrer "schönsten" Form
Ja und so gut gefallen... toll oder ??


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27.05.2026 um 10:37
Zitat von GildonusGildonus schrieb am 24.05.2026:Die Option in den Wüstengegenden der Welt mit Hilfe von Solarstrom einfache Grundstoffe wie Methan oder Ammoniak oder gar komplexer Moleküle herzustellen, hat etwas mit physikalisch - technischen Prinzipien, mit Kosten, mit Welthandel und, was sehr wichtig ist, mit einer Reihe von Problemen zu tun, die mit dem Ende der Fossilen Rohstoffe gelöst werden müssen.
Absolut. Und sicherlich wird das auch gemacht werden. Aber es wird nie in irgend einer nennenswerten Menge Pkw-Motoren antreiben.
Zitat von GildonusGildonus schrieb am 24.05.2026:Das sind alles Aspekte, um die man sich als Energiewende - oder Klimawandelfetischist keinen Kopf macht
Im Gegenteil. Nirgendwo sonst wurden und werden alle nur denkbaren Aspekte und Ausprägungen so grundlegend erforscht. Was ist technisch sinnvoll? Was ist wirtschaftlich sinnvoll? Alle diese fragen werden gestellt und immer besser beantwortet.
Das bekommt man aber nur mit, wenn man sich damit beschäftigt, nicht wenn man nur ein bisschen bashen möchte.
Zitat von GildonusGildonus schrieb am 24.05.2026:Ich finde es auch erstaunlich wie man den Begriff der Technologieoffenheit nutzt um demit die eigene, etwas engstirnigen Vorstellungen zu begründen, indem man zum Schluß kommt das man keine Technologieoffenheit braucht, weil ja alles schon geklärt ist.
Doch doch. Man braucht Technologieoffenheit. Unbedingt.
Aber im echten Wortsinn.. Nicht, was manche Kasper darunter den Leuten weiß machen wollen.
Echte Technologieoffenheit bedeutet: Ich prüfe die Optionen unter wirtschaftlichen, technischen und ökologischen Aspekten. Das findet ständig statt.
Aber irgendwann kommt eben auch ein Ergebnis dabei heraus. Dann weiß man, Option A ist technisch möglich, aber teuer. Option B ist technisch und wirtschaftlich möglich, aber ökologisch problematisch. Und Option C funktioniert nicht. Und Option D bietet den besten Kompromiss aus den genannten Punkten. Und an der Stelle trifft man eine Entscheidung. Dann noch zu warten, ist nicht "technologieoffen", sondern eine Verarsche des Bürgers.


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27.05.2026 um 13:46
Hallo @Forester , hallo @alle !
Zitat von ForesterForester schrieb:Du kannst gerne offen und ehrlich hier argumentieren und erklären, für welche Technologien du offen sein möchtest und welche konkret das sind
Die "flapsige" Antwort auf diese Frage lautet : Na, alle !

Um aber etwas ernsthafer zu werden : Die Energiewende ist ein viel zu komplexes Thema mit vielen Unbekannten und variablen Größen um da auf Basis von "Platitüden" irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Leider passiert das aber ständig um nicht zu sagen es ist "Normalzustand".

Die EU hatte entschieden bis 2050 klimaneutral sein zu wollen. Frau Reiche hat dieses Ziel kürzlich mit den Worten kommentiert das die Herrschaften nicht gewußt haben können - wie - das umzustzen ist. In Deutschland hat man da noch einen drauf gesetzt und will das Ziel bis 2045 erreichen. Deutschland ist da der Vorreiter im Land der Ahnungslosen. Man könnte sogar Deutschland auf Einhaltung von diesen Zielen verklagen, selbst wenn es nicht machbar ist.

Ich wäre sehr dafür ein eigenständiges (!) Ministerium für Rohstoffe und Energie zu schaffen und die Ziele jährlich (!) neu zu definieren und die Fördermittel demnach neu zu verteilen. Nur so kann man zielgerichtet und effizient handeln. Die bisherige Vorgehensweise erinnert doch stark an "Walter Ulbrich" und seine Planwirtschaft.

Um jetzt mal auf deine Argumente zu kommen. Der einzige gute Grund, der für E - Autos spricht, ist der höhere Wirkungsgrad - ab - Ladesäule. Der Aufwand, damit der Strom in Echtzeit in die Ladestation kommt wird nirgendwo erwähnt und da wären wir auch bei den Kosten.

Auch mit der Wärmepumpe ist das so eine Sache. Die Stromnetzte, also "the dirty last Mile", ist dafür nicht ausgelegt und der Strombedarf dafür ist im Sommer nahe Null aber im Winter, wenn die Solarkaftwerke wenig Strom erzeugen, sehr hoch. Die Stromerzeugung passt nicht zum Bedarf und es wird schwer es passend zu machen.


Gruß, Gildonus


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27.05.2026 um 13:59
@azazeel
@Gildonus
Ich darf gerne hier nochmals die Informationen von Seite 158 einbringen.

Beitrag von Forester (Seite 159)

Und zum Beitrag von @azazeel ist folgendes zu sagen:

Echter wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Fortschritt funktioniert immer nach diesem Prinzip: Optionen prüfen, Ergebnisse akzeptieren, Entscheidungen treffen.

Und genau das ist bei der Wärme- und Mobilitätswende längst passiert – nicht durch politische Ideologie, sondern durch jahrzehntelange Forschung, Marktentwicklung und Praxiserfahrung.
Das Ergebnis dieser echten Technologieoffenheit lautet:
Option Gasheizung: Technisch möglich, fossil abhängig, langfristig teuer, klimaschädlich → abgewählt vom Markt
Option Wasserstoffheizung: Technisch möglich, Wirkungsgrad katastrophal, Infrastruktur nicht vorhanden → gescheitert

Option Bioöl/Biomethan für Heizung: Technisch möglich, Rohstoff nicht in ausreichender Menge verfügbar → nicht skalierbar

Option Wärmepumpe: Technisch ausgereift, wirtschaftlich überlegen, ökologisch sinnvoll, mit eigenem Solarstrom kombinierbar → Ergebnis der echten Technologieoffenheit.

Und beim Verkehr:
Option E-Fuels für PKW: Technisch möglich, achtmal ineffizienter als Batterie, Rohstoff zu knapp → gescheitert.

Option Wasserstoff-PKW: Technisch möglich, viermal ineffizienter als Batterie → Nischenanwendung.

Option Batterie-EV: Technisch ausgereift, wirtschaftlich überlegen, ökologisch sinnvoll → Ergebnis der echten Technologieoffenheit

Der entscheidende Satz des Vorposters @azazeel
verdient es fett gedruckt zu werden:

"Dann noch zu warten, ist nicht 'technologieoffen', sondern eine Verarsche des Bürgers."
Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Entscheidung ist längst gefallen – durch Physik, durch Markt, durch Praxis. Wer 2026 noch "Technologieoffenheit" fordert, fordert nicht Forschung. Er fordert Stillstand. Auf Kosten aller."



Wer bei der Wärmepumpe 2026 noch Technologieoffenheit fordert, ist wie ein Bauer der nach der Erfindung des Traktors noch offen ist ob das Pferd vielleicht doch schneller pflügt.

Und nun noch zu dem neuen Post von @Gildonus :

Zum "na, alle" Ansatz:
"Alle Technologien offen halten" klingt nach Vernunft – ist aber in der Praxis eine Entscheidung gegen Investitionssicherheit. Kein Unternehmen, keine Bank, kein Hausbesitzer investiert Millionen wenn die Spielregeln jährlich neu definiert werden. Das jährliche Neudefinieren von Zielen das du forderst wäre nicht weniger Planwirtschaft – sondern mehr Chaos. Märkte brauchen Verlässlichkeit, keine permanente Ungewissheit.
Zum Stromnetz-Argument – der stärkste Punkt:
Das ist berechtigt und wird ernsthaft diskutiert. Das Stromnetz braucht Ausbau und Intelligenz – Smart Meter, flexible Tarife, bidirektionales Laden, Speicher. Das kostet Zeit und Geld.

Aber die Gegenfrage: Was kostet der Erhalt des Gasnetzes? Deutschland hat 500.000 km Gasnetz das gewartet, erneuert und irgendwann rückgebaut werden muss. Die Bundesnetzagentur schätzt die Kosten für einen geordneten Rückbau auf 50-100 Milliarden Euro. Geld das Gaskunden zahlen werden.
Netzausbau für Strom ist eine Investition in Infrastruktur die bleibt. Gasnetz-Erhalt ist eine Investition in Infrastruktur die weg muss.

Zur saisonalen Mismatch bei Wärmepumpe und Solar:
Auch das ist ein reales Problem – aber kein unlösbares. Erstens: Moderne Wärmepumpen arbeiten effizient bis -20°C. Zweitens: Der europäische Stromverbund gleicht saisonale Schwankungen aus – Norwegen hat Wasserkraft wenn Deutschland wenig Solar hat. Drittens: Saisonale Wärmespeicher, Power-to-Heat und Großspeicher sind bereits in Betrieb und Ausbau.
Das gleiche saisonale Problem hat übrigens jede Heizung – nur löst man es bei Gas durch Abhängigkeit von Importen und bei der Wärmepumpe durch heimische Infrastruktur.

Zum Walter-Ulbricht-Vergleich:
Mit Verlaub – der trifft eher auf die aktuelle Politik zu als auf die Energiewende. Es ist Planwirtschaft wenn der Staat mit Steuergeldern fossile Infrastruktur subventioniert, Importzölle auf günstigere ausländische EVs erhebt und Märkte vor besseren Technologien schützt. Das GModG ist nicht Marktwirtschaft – es ist Bestandsschutz für eine sterbende Industrie.
Und zum Wirkungsgrad-Argument beim EV:
Der "Aufwand damit der Strom in Echtzeit ankommt" ist real – aber er gilt für jeden Stromverbraucher gleichermassen. Für Kühlschränke, Industrie, Krankenhäuser. Das EV ist hier kein Sonderfall. Und mit bidirektionalem Laden wird das EV künftig Teil der Lösung – nicht des Problems.


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Der Energiewende-Thread

27.05.2026 um 15:13
Zitat von ForesterForester schrieb:Erstens: Moderne Wärmepumpen arbeiten effizient bis -20°C.
Funktionieren Wärmepumpen bei tieferen Außentemperaturen nicht mehr?

Warum können wir Gasheizungen nicht sinnvoll auf Wasserstoffbetrieb umrüsten?

In wie weit können existierende Autos mit e-Fuel (und wenn ja, mit welchen?) ohne Umbau betrieben werden?

Ist es überhaupt sinnvoll, sich bei der Energiewende ein Datum festzusetzen? Man kann doch erst einmal keine neuen Baugenehmigungen für fossil-thermische Kraftwerke und für andere Industrieanlagen mit hoher Kohlendioxidemissionen für die man - wie bei Stahlwerken - Alternativen hat, mehr erteilen und das ganze, wenn es funktioniert, auf immer mehr Anlagentypen ausweiten.


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Der Energiewende-Thread

27.05.2026 um 15:22
Vier gute Fragen – vier ehrliche Antworten.

1. Wärmepumpen unter -20°C:
Ja, die meisten modernen Wärmepumpen arbeiten noch bei tieferen Temperaturen – aber mit sinkendem Wirkungsgrad. Unter -20°C schalten manche Modelle auf elektrische Direktheizung um, COP dann 1:1. In Deutschland werden Temperaturen unter -20°C aber so selten erreicht dass das praktisch kaum relevant ist – und für solche Extremtage gibt es Hybridlösungen oder Pufferspeicher. In Norwegen und Finnland wo es regelmäßig -30°C gibt, heizen trotzdem über 60% der Haushalte mit Wärmepumpen.

2. Gasheizungen auf Wasserstoff umrüsten:
Technisch teilweise möglich – Beimischungen bis etwa 20% Wasserstoff ins Gasnetz sind machbar. Reiner Wasserstoff erfordert aber andere Brenner, andere Dichtungen, andere Leitungen – das Gasnetz selbst ist dafür nicht ausgelegt. Und das eigentliche Problem ist die Effizienz: Grüner Wasserstoff entsteht durch Elektrolyse. Von 100% erneuerbarem Strom kommen nach Elektrolyse, Transport und Verbrennung im Kessel etwa 50-60% als Wärme an. Eine Wärmepumpe liefert aus denselben 100% Strom 300-400% Wärme. Man bräuchte also 5-8 mal mehr Windräder und Solaranlagen für dieselbe Wärmemenge – was die Warnungen vor steigendem Strombedarf die wir hier im Thread gelesen haben, massiv verstärken würde, nicht lösen.

3. Bestehende Autos mit E-Fuels:
Ja – synthetische Kraftstoffe wie E-Benzin oder E-Diesel sind chemisch identisch mit fossilen Kraftstoffen und können ohne Umbau in bestehenden Motoren verwendet werden. Das ist tatsächlich ein echter Vorteil. Aber: Ein Liter E-Fuel kostet heute zwischen 3 und 10 Euro in der Herstellung. Und die Effizienz: Von 100% erneuerbarem Strom kommen nach allen Umwandlungsschritten etwa 13-15% als Bewegungsenergie am Rad an. Ein BEV nutzt dieselben 100% Strom zu 77-80%. Der Verbrenner mit E-Fuel ist also rund fünfmal weniger effizient – was bedeutet: fünfmal mehr Windräder für dieselbe Fahrleistung.

4. Zur Datum-Frage – das ist tatsächlich interessant:
Der Ansatz "erstmal keine neuen Baugenehmigungen für fossile Anlagen, dann schrittweise ausweiten" hat eine gewisse Logik. Er vermeidet starre Daten und gibt der Industrie Planungssicherheit durch klare Verbote statt durch wechselnde Ziele. Das Problem dabei: Ohne Enddatum fehlt der Investitionsanreiz für Alternativen. Wer baut eine Wärmepumpenfabrik wenn unklar ist ob fossile Heizungen 2035 oder 2055 verboten werden? Daten sind unbequem – aber sie erzeugen Handlungsdruck der ohne sie ausbleibt.


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Der Energiewende-Thread

27.05.2026 um 15:51
Zitat von ForesterForester schrieb:Wer baut eine Wärmepumpenfabrik wenn unklar ist ob fossile Heizungen 2035 oder 2055 verboten werden? Daten sind unbequem – aber sie erzeugen Handlungsdruck der ohne sie ausbleibt.
Wenn das Heizen mit einer Wärmepumpe billiger sein wird, wie das Heizen mit Öl oder Gas, dann wird man bei Neubauten oder großen Renovierungen durchaus darüber nachdenken. Immerhin hat die Wärmepumpe durchaus zwei Vorteile:

1.) Kaminkehrerbesuche entfallen
2.) Kein Brennstoff im Haus. Defekte Gasheizungen haben schon zu mancher Explosion mit Toten und hohen Sachschaden geführt!

Daneben können ja auch unsere Medien und die Werbung den Leuten den Einbau von Wärmepumpen schmackhaft machen.

Im Übrigen: könnte man prinzipiell auch Wärmepumpen realisieren, die den Peltier oder den magnetokalorischen Effekt nutzen, realisieren? Zumindest Kühlgeräte mit Peltier-Kühlung gibt es und es müsste auch zum Beispiel mit Hilfe von Gadolinium (Curiepunkt knapp unter Zimmertemperatur) auch möglich sein, auch magnetokalorische Kühlschränke zu bauen.


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27.05.2026 um 16:06
Das Heizen ist billiger mit Wärmepumpe.

Oder was glaubst du warum im Neubau ausschließlich Wärmepumpen verbaut werden?

Und eine Explosion mit vielen toten gibt es nicht bei einer Wärmepumpe.

Zum Glück.
.


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27.05.2026 um 16:12
Dann könnte es doch der einschlägigen Industrie egal sein, ob und wann herkömmliche Heizungen verboten werden.


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27.05.2026 um 18:14
Zitat von MarfrankMarfrank schrieb:Im Übrigen: könnte man prinzipiell auch Wärmepumpen realisieren, die den Peltier
Kann man. Ist aber unwirtschaftlich, weil der COP < 1. da fährt man mit einer Heizpatrone besser


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28.05.2026 um 00:10
Zitat von MarfrankMarfrank schrieb:Im Übrigen: könnte man prinzipiell auch Wärmepumpen realisieren, die den Peltier oder den magnetokalorischen Effekt nutzen, realisieren?
Der Peltier Effekt ist bei Nutzungen in Wärmepumpen recht sinnlos da man, wie @alhambra schon geschrieben hat, nicht über einen COP von 1 kommt und damit auch direkt mit Strom heizen könnte.

Der magnetokaloriache Effekt ist interessant.
Das Gebäudeenergiegesetz ist im Gegensatz zu dem, was in vielen Medien behauptet wird, technologieoffen und lässt auch den Einbau von magnetokalorischen Wärmepumpen zu. Wer sein Haus damit beheizen will kann das tun ohne von Seiten des Gesetzgebers Steine in den Weg gelegt zu bekommen. Die Anlagen sind, wenn man bestehende fossile Wärmeerzeuger ersetzt, sogar förderfähig gemäß BEG (Bundesförderung für effiziente Gebäude) und BEW (Bundesförderung effiziente Wärmenetze).
Das Problem ist, dass man allenfalls einen Prototypen bekommt. Während normale Wärmepumpen schon seit vielen Jahren weltweit millionenfach eingebaut werden, wird an magnetokalorischen Wärmepumpen noch geforscht und für eine Serienreife müssen wir sicher noch ein paar Jahre warten.
Und dann sind die starken Permamagneten die man benötigt eben auch nicht gerade billig und auf dem Weltmarkt auch für andere Anwendungen heißbegehrt. Insofern ist fraglich ob die Technologie sich in vergleichbaren Stückzahlen überhaupt durchsetzen kann.
Aber thermodynamisch definitiv eine schöne Lösung :)


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